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Person record

Elisabeth Adelheid Hildegard von Thadden

* 29 July 1890 · Mohrungen, Ostpreußen† 8 September 1944 · Berlin-Plötzensee
Elisabeth Adelheid Hildegard von Thadden
Gender
female
Birth
29 July 1890 · Mohrungen, Ostpreußen
Death
8 September 1944 · Berlin-Plötzensee
Age
54 years

Geboren am 29. Juli 1890 in Mohrungen in Ostpreussen als älteste Tochter des Landrats Adolf von Thadden und der Ehrengard geborenen von Gerlach, hingerichtet am 8. September 1944 in Berlin-Plötzensee. Sie wuchs von 1894 an auf dem pommerschen Gut Trieglaff auf, war 1904 im Pensionat in Neuenburg in der Schweiz, danach im Viktoria-Stift, und machte 1908 die ländliche Haushaltsausbildung an der Reifensteiner Schule. Als die Mutter 1909 starb, führte sie mit achtzehn Jahren den Gutshaushalt mit siebzig Beschäftigten. Später studierte sie an der Sozialen Frauenschule Alice Salomons in Berlin, arbeitete von 1921 bis 1925 im Kinderdorf auf dem Heuberg und hörte 1926 in Heidelberg Psychologie, Geschichte und Theologie. Im Frühjahr 1927 gründete sie in Wieblingen bei Heidelberg das Evangelische Landerziehungsheim für Mädchen, zunächst mit dreizehn Schülerinnen; die Schule arbeitete reformpädagogisch, war christlich ausgerichtet und nahm jüdische Schülerinnen auf. 1939 wich sie nach Tutzing aus, am 14. Mai 1941 entzogen die Behörden die Lehrerlaubnis. Sie gehörte zur Bekennenden Kirche, verhalf Juden zur Ausreise und versorgte Untergetauchte mit Lebensmittelkarten; vom September 1941 an organisierte sie für das Deutsche Rote Kreuz Lesestoff für Kriegsgefangene. In den Teerunden bei Anna von Gierke und Hanna Solf sprachen Regimegegner über die Zeit nach dem Krieg – dorthin brachte sie den Arzt Paul Reckzeh mit, einen Spitzel der Gestapo. Am 13. Januar 1944 wurde sie in Meaux in Frankreich verhaftet, nach Verhören in Paris und Berlin im Konzentrationslager Ravensbrück festgehalten und am 30. Juni 1944 nach Moabit gebracht. Der Prozess vor Roland Freisler begann am 1. Juli und endete am selben Tag mit dem Todesurteil; sie nahm alles auf sich und verzichtete auf Verteidigung. Der Gefängnispfarrer Harald Poelchau begleitete sie zur Hinrichtung. Ihre Asche wurde am 3. Juni 1949 im Park ihrer Schule beigesetzt. Zwölf deutsche Städte haben Strassen nach ihr benannt; 1999 kam sie in der vatikanischen Kapelle Redemptoris Mater unter die Märtyrer des zwanzigsten Jahrhunderts, und am 2. November 2024 erschien eine Briefmarke mit ihrem Bild, die erste einer Reihe über Frauen im Widerstand.

Was danach geschah, steht in einer Akte des niedersächsischen Landesverwaltungsamts. Zwischen 1949 und 1960 lief für sie ein Wiedergutmachungsverfahren; den Antrag stellte ihre Halbschwester Hildegard Maria von Thadden, geboren am 26. Oktober 1922, wohnhaft in Göttingen, und zwar auf Hinterbliebenenrente. Als Verfolgungsorte nennt die Akte Berlin und Ravensbrück, als Beruf vor 1945 Schulleiterin, und als Verfolgungsgrund – in der dürren Sprache des Formulars – »sonstige Gründe (Wehrkraftzersetzung)«. Für den Tatbestand, dessentwegen sie starb, hatte die Entschädigungsgesetzgebung der Bundesrepublik keine eigene Rubrik.

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, Nds. 110 W, Acc. 22/99 Nr. 1401 (Az. KSHA Hil 02/347).

Parents

Siblings (1)

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