Person record
Konrad von der Goltz
- Gender
- male
- Birth
- 11 October 1719
- Death
- 11 May 1783 · Brotzen, Kreis Deutsch Krone
- Burial
- 17 May 1783 · Kesburg, Kreis Deutsch Krone
- Age
- 63 years
Geboren am 11. Oktober 1719, gestorben am 11. Mai 1783. Er heiratete Eleonore Henriette Johanna von Grape, eine Enkelin Lebrechts von Gerlach. Die von der Goltz, ein hinterpommersches Uradelsgeschlecht, begegnen der Familie noch ein zweites Mal: 1868 heiratete Carl Freiherr von der Goltz, der Landesdirektor von Pommern, Marie Ulrike von Bassewitz, eine Enkelin Carl Heinrichs von Gerlach.
OBRIST, POUR LE MÉRITE, BROTZEN
Friedrich Freiherr von der Goltz hat 1885 die Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz drucken lassen, und darin steht sein Leben. Er gehörte zum Haus Heinrichsdorf-Brotzen, war Sohn des königlichen Rittmeisters Franz Ludwig Baron von der Goltz und der Barbara Esther von dem Borne aus dem Hause Grassee und erhielt nach dem Tod des Vaters am 2. April 1722 dessen Anteil am Rittergut Brotzen; seine drei Schwestern – die verheirateten von Kleist, von Massow und von Wedell – wurden ausgezahlt.
Der Soldat: zuerst Sekondeleutnant im Regiment Alt-Kleist, 1747 Chef einer Grenadierkompanie beim Regiment von Lestwitz und Ritter des Ordens Pour le Mérite. 1752 nahm er krankheitshalber den Abschied, trat 1758 wieder ein, in das Freiregiment Graf Haerdt, und tat sich im kleinen Krieg gegen die Schweden hervor. 1760 war er Oberstleutnant und befehligte die Besatzung von Stolpe auf Usedom; General von Stutterheim erwähnte ihn in einem Bericht an den König über ein Gefecht bei Demmin am 17. August 1760. Im selben Jahr stand er mit etwa vierhundert Mann in Pasewalk, schlug die Aufforderung des schwedischen Generals Ehrensvärd zur Übergabe aus und liess die Beschiessung über sich ergehen, bei der vierundvierzig Scheunen und vier Wohnhäuser abbrannten; erst als die Schweden die Stadt von der anderen Seite anzuzünden drohten, verliess er den Ort und zog zu den Truppen zwischen Pasewalk und Prenzlau. Im August 1761 nahm er mit dem Freibataillon und einigen Husaren Stellung bei Gehren, am 22. Dezember 1761 nahm er den Schweden Demmin ab, und Malchin verteidigte er, bis er der Übermacht weichen musste. 1763 nahm er seiner Blessuren wegen den Abschied.
Die Entführung: Am 22. Oktober 1749 schrieb ihm Friedrich der Grosse aus Potsdam, er wolle »für dieses Mal Gnade vor Recht ergehen lassen« und ihn von der restlichen Zeit seines Festungsarrests befreien; die nötige Ordre gehe an den Gouverneur von Küstrin. Dann aber: »Ihr werdet aber von selbsten ermessen, dass Euch die That der Entführung der Tochter des nunmehr verstorbenen Feldmarschalls von Kleist sehr wenig Ehre bringen kann und wenn Ihr solche in einem anderen Lande begangen, Ihr mit einer so leidlichen Strafe nicht würdet davon gekommen sein.« Zwei Wochen Urlaub nach Berlin gestattete der König ihm dazu. Fünf Tage nach diesem Brief, am 27. Oktober 1749 abends um halb sieben, wurde in Küstrin sein Sohn Friedrich Christoph Conrad Leopold geboren und am 3. November vom Feldprediger des Dragonerregiments von Rothenburg getauft. Die Mutter war Charlotte Louise von Kleist – die Entführte. Aus dieser ersten Ehe stammen auch Heinrich Hieronimus Constantin, geboren 1752, und Wilhelm August, geboren 1753.
Brotzen: Das Gut lag nicht im Kreis Rummelsburg, sondern im Cronschen Kreis, dem späteren Kreis Deutsch Krone. »Brotzen bei Tempelburg« nennt es ein Schreiben des Königs an den westpreussischen Oberpräsidenten von Domhardt vom 25. November 1772, mit dem dem »ehemaligen Obristlieutenant Freiherrn von Goltz zu Brotzen« vier Jahre rückständige polnische Kopfgelder erlassen wurden. Das Grund- und Hypothekenbuch des königlich westpreussischen Landvogteigerichts zu Schneidemühl führt es als Ritter-Anteilsgut Brotzen Nr. 21 Litt. B; eine Präklusionssentenz vom 16. Februar 1781 erkannte ihn als alleinigen freien Eigentümer an, und eine gerichtliche Taxe vom 4. Mai 1778 hatte das Gut nach dem Ertrag zu vier Prozent auf 11021 Taler 16 Silbergroschen 9 Pfennige gewürdigt.
Das Ende: Er starb am 11. Mai 1783 morgens um drei Uhr an der Auszehrung. Das Kirchenbuch von Kesburg nennt ihn »Sr. Königl. Majestät in Preussen bestellter Obrister der Armee, wie auch Ritter des Ordens pour le mérite, Erbherr auf Brotzen« und hält fest, dass sein Leichnam von Brotzen herübergefahren und am 17. Mai im Gewölbe beigesetzt wurde, dreiundsechzig Jahre und sieben Monate alt. Über seinen Nachlass wurde der Konkurs eröffnet; durch den Vergleich vom 20. Februar 1784 mit den Gläubigern, den das westpreussische Hofgericht zu Bromberg bestätigte, erhielt seine Witwe Eleonore Henriette Johanna von Grape das Anteilsgut Brotzen zu Eigentum. Am 24. Juni 1789 wurde dort ihre älteste Tochter Henriette Conradine Sophie Helena mit Christian Ferdinand Conrad getraut, königlichem Kreisrichter des Cronschen Distrikts und Justizkommissar beim Hofgericht zu Bromberg.
Quelle: Friedrich Freiherr von der Goltz, Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz, Straßburg 1885, Haus Heinrichsdorf-Brotzen, S. 238, 241 und 260 f. (Bayerische Staatsbibliothek, bsb11485198, Bilder 252, 255, 274 und 275).