Skip to main content

Person record

Ephraim Jonathan Raumer

* 24 March 1646 · Dessau† 15 August 1676 · Dessau
♂
Gender
male
Birth
24 March 1646 · Dessau
Death
15 August 1676 · Dessau
Age
30 years

Geboren zu Dessau am 24. März 1646 als Sohn des Hofpredigers Georg Raumer und der Dorothea Elisabeth von Bergen; Taufpatin war die Fürstin Eva Catharina zu Anhalt, die ihm die Namen Ephraim Jonathan gab. Schule in Dessau, dann das anhaltische Gymnasium zu Zerbst, wo er mit fünfzehn Jahren eine lange griechische Rede hielt; darauf Leipzig, wo ihn der Theologe Schertzer ins Haus nahm, 1662 Helmstedt, danach Frankfurt an der Oder, dort 1665 Magister der Freien Künste. Über Marburg, Kassel und Wittenberg kam er nach Heidelberg und wurde dort am 24. März 1668 – an seinem Geburtstag – Lizentiat der Theologie; seine Antrittsdisputation über die Versöhnung der getrennten Kirchenparteien widmete er dem Kurfürsten von der Pfalz.

Dass am Ende dieses Wegs die Theologie stand und nicht die Medizin, hatte einen Grund, und die Leichenpredigt erzählt ihn in aller Breite. Zuerst hatte er »zur Philosophie und Medicin eine besondere Lust getragen und von derselben Profession zu machen sich gänzlich fürgenommen«. Dann sah er auf den Universitäten vier Tote. In Leipzig, gleichsam bei seinem ersten Eintritt, wurde ein Student erstochen. In Helmstedt blieb ein vornehmer Kandidat vor der Faust auf dem Platz. In Frankfurt an der Oder wurde einer seiner Haus- und Tischgenossen, aus vornehmem adligem Geschlecht, jämmerlich ermordet – »mit dem Er kaum von dem Abendessen aufgestanden war«. Und in Wittenberg wurde ein Magister, einer seiner besten Freunde, »fast am Tische an seiner Seiten sitzend«, tödlich verwundet, als Toter weggetragen und bald darauf aufgebahrt. »Sind ihme sothane Trauer-Fälle dermassen zu Herzen gestiegen«, schreibt der Prediger Coler, dass er ein heiliges Gelübde tat, von seinem bisherigen Vorsatz abzulassen und sich ganz der Theologie zu ergeben. Coler vergleicht es mit Luther, den ein Gewitter ins Kloster trieb.

Den Ausschlag gab ein fünfter Todesfall, und der lag weit weg. Sein »liebreichester Holdes und gleichsam anderer Vater, Doctor Hottingerus, der hochgelahrte Gottesmann zu Zürich in Schweizerland«, mit dem er »in procinctu stunde«, also schon zum Aufbruch gerüstet war, um nach Leyden in Holland zu gehen, wurde »durch einen unversehenen Tod, für seinen Augen weg, und in den Himmel aufgenommen«. Das lässt sich datieren. Johann Heinrich Hottinger, der Zürcher Orientalist, hatte einen Ruf nach Leiden angenommen und sollte dorthin aufbrechen; am 5. Juni 1667 ertrank er in der Limmat, zusammen mit drei seiner Kinder, als das Boot kenterte. Raumer war einundzwanzig Jahre alt und hätte ihn begleitet. Ob er dabeistand, sagt die Wendung »für seinen Augen« nicht sicher – sie kann auch bloss heissen, dass ihm der Mann vor Augen weggenommen wurde. Sicher ist, dass die Reise nach Holland damit endete: Ein Jahr später wurde er in Heidelberg Lizentiat und kehrte »nach erlangtem fürstlichem gnädigstem Beruf ins Vaterland« zurück.

Am 10. Mai 1668, dem ersten Pfingsttag, wurde er in Dessau zum Prediger ordiniert. Seine Antrittspredigt hielt er über Maleachi 2,7: »Des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, dass man aus seinem Munde das Gesetz suche; denn er ist ein Engel des HERRN Zebaoth.« Damit, sagt Coler, habe er alsbald zu verstehen gegeben, wohin von da an alle seine Gedanken gerichtet sein sollten. Drei Gemeinden waren ihm anvertraut.

Er führte ein Tagebuch, aus dem die Leichenpredigt am Rand zitiert, und war an den Einigungsverhandlungen des englischen Friedensboten John Dury beteiligt. Acht Tage vor seinem Tod predigte er, vor Schwäche auf der Kanzel sitzend, über 5. Mose 8,2. Er starb an der Ruhr am Morgen des 15. August 1676, dreissig Jahre alt.

Quelle: Gottfried Coler, »Leiter des Heils«, Zerbst 1676 (VD17 1:041095W).

Parents

Spouses / partners

Children (4)

Cookies necessary for signing in, anonymous measurement without cookies. Privacy policy