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Person record

Martin Gerlach

* about 1532† after 1613
♂
Gender
male
Birth
about 1532
Death
after 1613
Age
at least 81 years

Er ist der erste der Reihe, für den ein Amt bezeugt ist: 1608 sass er im Gemeindeausschuss von Melsungen an der Fulda – in der Bürgervertretung, nicht im Rat. Armbrust druckt für dieses Jahr den Ausschuss und führt die Ratsherren des Folgejahres getrennt auf. Sein Sohn Martin ging nach Anhalt; das Genealogische Handbuch des Adels nennt ihn Bürgermeister und Richter zu Nienburg an der Saale. Mit ihm verlässt die Familie Hessen.

Die Melsunger Reihe folgt der Familienüberlieferung, wie sie das Register der Familiengeschichte von 2015 und Percy Ernst Schramms Aufsatz über die Vorfahren Leberechts von Gerlach (Archiv für Sippenforschung, 1963) wiedergeben; urkundlich fassbar sind aus dieser Zeit der Stammvater, als Gerlach Thame in den Zinsregistern des Rentmeisters von 1448 bis 1465, und Contze Gerlach, in der Rechnung des Schultheissen von 1457 und mit der Belehnung über Schwerzelfurt von 1469, beide im Staatsarchiv Marburg – und, im Zinsregister von 1496, Henne Gerlach. Die gesicherte Stammreihe lässt das Genealogische Handbuch des Adels erst mit Martin Gerlach (um 1570 bis 1638) beginnen.

Das Geburtsjahr 1532 steht ohne Beleg in der Reihe und wird hier als Näherung geführt. Eine Urkunde vom 2. Februar 1624 (Staatsarchiv Marburg, Urk. 86, 627) zählt den ganzen Rat und Gemeindeausschuss von Melsungen auf und nennt darunter einen Rupert Gerlach – ein Verwandter der Ratsgeneration; Martin selbst wäre damals zweiundneunzig gewesen.

DAS SALBUCH VON 1575: ZWEI GERLACH ZU OBERMELSUNGEN

Dreiunddreissig Jahre bevor er selbst im Gemeindeausschuss der Stadt sass, nahm die Renterei Melsungen auf, wer in ihrem Bezirk was besass. Das Buch liegt im Staatsarchiv Marburg, trägt auf dem Deckel »Melsungen Sahl Buch 1575« und innen den Titel »Erb Register über die gefelle der Rentherey Milsungen … Meinem G. F. undt herrn Landtgraff Wilhelm Zustendigt«. Es führt zuerst die Stadt auf und danach die Dörfer; im Abschnitt »Ober Milsüngen« stehen unter den Zinspflichtigen zwei Träger des Namens.

Auf Blatt 80: »Christophell Gerlach. Hatt – 12½ äcker am Hundtsrück, undt am Hintzenwerda, geben Pfluggeldt«. Dazu kommen ein halber Acker »bey der Scheiblichen Erben« und zwei Acker Rodtland; zusammen zahlt er zwei Albus, acht Heller und vier Metzen Hafer.

Zwei Blatt weiter, auf Blatt 82: »Hans Gerlach. Hatt – ¾ Hufe, davon gibt er 3 alb. 5 h. Pfluggeldt« und dazu vier Metzen Hafer; ferner siebeneinhalb Acker Rodtland »am Hundtsrück undt Hintzenwerda gelegen« und vierzehn Rodäcker; zusammen sieben Albus, vier Heller und vier Metzen Hafer.

1495 kaufte Henne Gerlach, Dorfmann zu Obermelsungen, dort Land; 1519 und 1520 erwarben und verpfändeten Hinrich Gerlach und seine Frau Catharina ebendort. 1575 sitzen zwei Gerlach auf demselben Boden, und es sind dieselben Fluren – der Hundsrück und das Hintzenwerda –, die auch die späteren Einträge nennen. 1608 steht er selbst in der Bürgervertretung der Stadt.

Eine Verwandtschaft sprechen die beiden Einträge nicht aus; ein Salbuch nennt Namen, Hufen und Abgaben, keine Väter. Was es zeigt, ist Besitz am selben Ort über achtzig Jahre.

(Hessisches Staatsarchiv Marburg, S 481, Salbuch der Renterei Melsungen, Laufzeit 1575, Abschrift von 1699, Blatt 80 und 82; Digitalisat des Hessischen Staatsarchivs, Aufnahmen 177 und 181, am Seitenbild gelesen.)

UND IN DER STADT: SEIN GARTEN AM ZIEGELHAUS

Das Salbuch beginnt nicht bei den Dörfern, sondern bei Melsungen selbst. Von Blatt 13 an steht, wer in der Stadt zinst, nach Vornamen geordnet; die Reihe läuft bis Blatt 27, und ein Zehntregister der Stadt schliesst sich bis Blatt 37 an. Auf der Rückseite von Blatt 23 steht sein Name: Martin Gerlach, mit einem Garten beim alten Ziegelhaus, an Curdt Ostrich gelegen, fällig zu Martini – sieben Albus, sechs Heller. Dazu Rodgeld von drei Stücken Rodland, eines davon am Bruchland des Landgrafen.

Zehn Blatt vorher wird er ein zweites Mal genannt, und zwar von der anderen Seite. Curdt Ostrich, der Nachbar, zinst »vom gartten bey der Newen Zigelhütten, ahn Martin Gerlach gelegen« – neuneinhalb Albus. Zwei Einträge, zwei Nachbarn, ein Zaun dazwischen: so beschreibt ein Salbuch, was auf der Flur nebeneinander liegt.

Auf Blatt 25 folgt ein Ottho Gerlach, der acht Heller »vom wassergraben undtern Wichtsbergk« gibt; im Zehntregister, auf Blatt 35, zinst derselbe drei Heller »vom gartten ahn dem Schloßbergk«.

Dreiunddreissig Jahre, ehe der Gemeindeausschuss von 1608 einen Martin Gerlach aufführt, sitzt damit ein Martin Gerlach nachweislich in der Stadt – und er ist der einzige dieses Vornamens im ganzen Band.

(Hessisches Staatsarchiv Marburg, S 481, Salbuch der Renterei Melsungen 1575; Blatt 13 Rückseite, Blatt 23 Rückseite, Blatt 25 und Blatt 35 – Aufnahmen 44, 64, 67 und 87; am Seitenbild gelesen.)

DAS BUCH ZU ENDE GELESEN: SECHS GERLACH IM AMT MELSUNGEN

Inzwischen sind alle 118 Blatt des Salbuchs durchgesehen. Der Name Gerlach steht darin an zehn Stellen, und hinter den zehn Stellen stehen sechs Personen.

Noch zweimal er selbst – und an einem Ort, den die Familiengeschichte schon kennt. Der Hof Schwirtzelnforth, wie das Buch den Hof Schwerzelfurt bei Melsungen schreibt, war »in Ao: 73.« an die Renterei Melsungen gekommen; das Buch verzeichnet, was Bürger von Melsungen für Wiesen und Äcker aus diesem Hof zinsen. Eben diesen Hof hatte 1469 ein Kuntz Gerlach zu Lehen genommen, und 1517/18 stritt ein Cuntz Gerlach zu Schwertzelfurt um ihn; 1527 und 1533 ging er an andere Hände, ehe ihn 1573 die Renterei übernahm. 1575 nutzt wieder ein Gerlach Land aus diesem Hof. Unter den Zinspflichtigen, auf Blatt 101: »Marttin Gerlach. Von – 2 äckern ahn der Strass, ahn Reitz Kügeln.« Und wieder antwortet der Nachbar: Reitz Kügel zinst auf der Rückseite desselben Blattes »von – 4. äckern an der Strass an Marttin Gerlache«. Es ist nach dem Gartenpaar am Ziegelhaus das zweite Mal, dass zwei Einträge des Buches einander über den Zaun hinweg bestätigen. Viermal nennt das Buch damit Martin Gerlach: zweimal unter eigenem Namen, zweimal im Eintrag eines Nachbarn.

Dazu ein dritter Ort. In Guxhagen – das Buch schreibt »Guxhain«, Blatt 58 bis 62 – sitzen unter den Inhabern der Rodwiesen zwei weitere Träger des Namens: Thomas Gerlach mit einer Wiese, und Daniell Gerlach mit zwei Wiesen am Kirschborn und einer dritten in der Trockenen Milmsche, zusammen fünf Albus drei Heller.

Sechs Gerlach also im Amt Melsungen des Jahres 1575: Martin und Ottho in der Stadt, Christophell und Hans in Obermelsungen, Thomas und Daniell in Guxhagen. Der Name sass damit an drei Orten des Amtes.

Die Abschrift, aus der all das gelesen ist, trägt auf der Rückseite ihres letzten Blattes den eigenen Ausweis: »Diß Saalbuch ist nachdeme alte original so bey dem Ambt ist, fleissig collationiert, und die Fehler geendert d. 24. May 1699. von JohBalth: Schirmer.«

(Hessisches Staatsarchiv Marburg, S 481; Blatt 58 bis 62, 101 und 118 – Aufnahmen 133 bis 142, 219, 220 und 254; alle 260 Aufnahmen durchgesehen, am Seitenbild gelesen. Zum Hof Schwerzelfurt: HStAM, Urk. 28, 446 und 447 von 1469; HStAM, 257, G 76 von 1517/18; HStAM, 17 e, Melsungen 14 von 1533.)

RUPERT GERLACH STEHT 1615 GEDRUCKT

Neun Jahre vor der Urkunde von 1624 erscheint Rupert Gerlach schon einmal, und zwar im Druck. Am 22. März 1615 standen drei Sonnen am Himmel über Hessen; Hartmann Braun, ein Melsunger Pfarrerssohn und Pfarrer zu Grünberg, machte daraus eine Vermahnungspredigt und liess sie in Wittenberg drucken. Gewidmet hat er sie »Den Erbarn / Wolweisen vnd Achtbarn RathsMännern vnd Bürgern zu Milsungen/ Martino Willerichen/ Nicolao Ellenbergern/ Paulo Curten/ Danieli Cyman/ Wernero Hansen/ vnd Ruperto Gerlachen, Seinen Vettern / Schwägern / Gevattern / vnd in Christo guten Freunden« – und unterschrieben als »Hartman Braun von Milsungen/ Pfarrer zu Grunberg«. In der Predigt selbst zählt er »Milsungen in meinem lieben Vaterland« unter die Orte, an denen die drei Sonnen zwischen sieben und acht Uhr morgens gesehen wurden.

Zwei Jahre nach Martins Tod sitzt damit ein Gerlach unter den sechs Ratsmännern der Stadt, die ein Melsunger als seine Vettern, Schwäger und Gevattern anredet. Die Anrede gilt allen sechs gemeinsam.

(Hartmann Braun, »Die drey Sonnen/ welche in diesem Jahr 1615. den 22. Martij … im Ampt Grunberg bey dem Fürstlichen Hause Merlaw … gesehen worden«, Wittenberg: Johann Richter, 1615; VD17 12:196740D; Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek, bsb10363612, Titel- und Widmungsblatt am Seitenbild gelesen.)

Sources

Where the entries on this page come from.

Date of birth
JvG 2015, S. 41 f.
Date of death
JvG 2015, S. 41 f.

Parents

Children (1)

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