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Person record

Karl August Bogislav Bernd Hermann Jakob von Gerlach-Parsow

* 2 December 1883 · Köslin† 11 October 1945 · Friedenshütte, Oberschlesien
Karl August Bogislav Bernd Hermann Jakob von Gerlach-Parsow
Gender
male
Birth
2 December 1883 · Köslin
Death
11 October 1945 · Friedenshütte, Oberschlesien
Age
61 years

Letzter Fideikommissherr auf Parsow, Schwemmin, Trienke und Drosedow. Geboren am 2. Dezember 1883 in Köslin, gestorben am 11. Oktober 1945 in Friedenshütte in Oberschlesien.

Er stand als Reserveoffizier beim 1. Garde-Dragoner-Regiment Königin Viktoria von Grossbritannien und Irland, demselben Regiment, in dem auch sein Vetter Servaz gedient hatte; der Gotha von 1919 und die Adelskalender von 1921 und 1928 führen ihn als Rittmeister der Reserve dieses Regiments, zuletzt ausser Dienst. Am 29. Oktober 1909 wurde seine Verlobung mit Ruth von Bonin auf Bottschow angezeigt, am 21. Juni 1910 heirateten sie dort. Von diesem Tag gibt es eine Aufnahme: Die Berliner Zeitschrift »Sport im Bild« brachte die Hochzeitsgesellschaft vor dem girlandengeschmückten Haus, zweiundsechzig Personen mit gedrucktem Schlüssel. Seine Mutter Asta von Kleist steht darauf, und alle drei Schwestern – Asta, Luise und Hertha –, dazu zwei Vettern aus Rohrbeck. Drei Kinder kamen: Tessen, Sieglinde und Isa.

In seinen Händen lag zuletzt alles, was die Familie in Pommern besass – Parsow mit 727 Hektar, Schwemmin mit 773, Trienke mit rund 1.700, das der Sohn bewirtschaftete, und das verpachtete Drosedow mit rund 1.310 – so die Angabe von 1927; die Siedlungsliteratur nennt 1.204. 1922 liess er das Ensemble von Schloss Parsow einheitlich neu gestalten. Der Reichsanzeiger führt ihn durch die zwanziger und dreissiger Jahre als Aufsichtsratsmitglied der Kösliner Aktien-Bierbrauerei und als Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Grünland AG in Belgard, von 1939 an auch im Aufsichtsrat der Brauerei Bohrisch, zuletzt als dessen Vorsitzer.

Wie ihn seine Freunde nannten, steht im Findbuch eines hessischen Stadtarchivs. Ludwig Freiherr von Heyl (1886–1962), der Wormser Lederfabrikant, war sein Regimentskamerad und sein Corpsbruder, und in dessen Familienarchiv liegen zwei Bände Briefwechsel, überschrieben: »Karl-August von Gerlach-Parsow (Sauzahn)«. Der Corpsname sagt zweierlei: dass er studiert und in einem schlagenden Corps gestanden hat, und dass ihn jemand fünfundzwanzig Jahre lang so anschrieb.

Der erste Band reicht von 1919 bis 1929 und enthält neben Familien- und Corpsangelegenheiten Bildpostkarten von Parsow – vom Gutshaus und aus dem Gartenzimmer – sowie eine Karte des Pommerschen Landbunds, Kreisgruppe Köslin, zur Landvolk-Kundgebung vom 3. März 1923, auf der jemand handschriftlich »6000 Mann!« vermerkt hat.

Der zweite reicht von 1939 bis 1944, und er ist der ernstere. Er enthält den Schriftwechsel mit zwei Anwälten – Dr. von Schönberg in Dresden und Rüdiger Graf von der Goltz in Berlin – wegen eines Verfahrens gegen von Gerlach »betr. Kriegswirtschaftsvergehen auf Gut Trienke«. Daneben Briefe seiner Frau Ruth, Familiennachrichten (1941 ein neuer Hund, Mephisto), Innenaufnahmen von Parsow und von Gut Trienke – und ein Gedicht von seiner Hand: »An das Werk Liebenau! Eine zeitgemässe Ode.«

Eine Neigung zieht sich durch sein ganzes Leben. 1911, siebenundzwanzig Jahre alt und seit vier Jahren Herr auf dem Gut, nahm ihn die Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde als Mitglied auf; ihre Monatsblätter führen ihn als »Fideikommißbesitzer C. A. von Gerlach-Parsow aus Parsow bei Köslin«. 1929 lud er den Belgarder Verein für Geschichte und Heimatkunde zur Bergung einer Urne am Danzkrug ein, aus der ein ganzes Gräberfeld wurde. 1933 hob er vor einer Tür des Sitzungssaals im Stettiner Landeshaus eine Glasscherbe auf und liess sie bei einer Abendveranstaltung durch den Generalfeldmarschall von Mackensen dem Museumsdirektor überreichen – der alte Husar tat es auf einem silbernen Tablett.

Und 1937 dankte ihm Hellmuth Bethe im Vorwort seiner Studie über die Bildnisse des pommerschen Herzogshauses unter den Forschern und Sammlern. Wofür, sagt das Verzeichnis selbst: Unter Herzog Bogislaw XIII. führt Bethe den Kupferstich, den Lucas Kilian 1621 geschnitten hat; ein Abzug lag im Pommerschen Landesmuseum, und dann heisst es »Ohne Adresse mit vollem Rand: Schloß Parsow, Kr. Köslin«. In Parsow hing also ein zweiter Abzug desselben Blattes, und zwar der bessere – ein früher Druckzustand vor der Verlegeradresse, mit ungeschnittenem Rand.

Wie gross der Besitz war, hat ausgerechnet ein Namensvetter ausgerechnet. Der Publizist Hellmut von Gerlach (1866–1935), Demokrat und Pazifist, führte ihn zweimal als Beispiel steuerfreien Grossgrundbesitzes vor – erstmals in der »Welt am Montag« vom 9. Mai 1927, dann noch einmal 1932 im »Vorwärts«. Seine Aufstellung nennt fünf Güter: Parsow 730 Hektar, Schwemmin 800, Drosedow 1310, Trienke 1680 und das Stadtgut Körlin mit 130 – zusammen 4650 Hektar oder 18.200 Morgen. Sein Spott galt der Steuererklärung: Er wundere sich, dass ein Betrieb mit negativen Einnahmen jedem seiner Tagelöhner eine deutschnationale Zeitung gratis halten könne.

Hellmut von Gerlach schreibt: »Er ist das Haupt der sogenannten älteren Linie, die einmal in der Kreuz-Zeitung feierlich feststellte, daß sie erheblich älteren Adels als meine Familie sei und mit mir nichts zu tun habe.« Die beiden Familien von Gerlach haben sich also öffentlich voneinander abgegrenzt – bezeugt von dem, gegen den die Abgrenzung ging.

Zur Landwirtschaft: Die Saatzucht beginnt früher. Schon in der Anerkennungsliste des Reichsanzeigers vom 11. September 1919 steht »von Gerlach, Rittergutsbesitzer, Schwemmin bei Nassow« mit Weizen. Und was die Aufgebote von 1911 und 1912 im Grundbuch von Drosedow betrafen, sagt der Reichsanzeiger genau: drei Parzellen von zusammen 103,40 Hektar und eine alte Hypothek von 200 Talern für den Arbeiter Kraft in Drosedow.

Im Frühjahr 1945 besetzte die Rote Armee die Güter. Er wurde verschleppt und starb im Oktober in Friedenshütte. Mit ihm endete die Gerlachsche Gutsfolge in Hinterpommern.

Quellen: Stadtarchiv Worms, Abt. 185 (Familien- und Firmenarchiv Ludwig C. Freiherr von Heyl), Nr. 0855 (Band I, 1919–1929) und Nr. 0856 (Band II, 1939–1944).

WAS IHM DER STAAT INS HAUS STELLTE

Zweimal in den letzten Kriegsjahren wurde Parsow zum Lagerort für fremdes Gut. Ein Beispiel ist die Preußische Staatsbibliothek: Am 12. Juli 1943 besichtigte ihr Generaldirektor das Haus, am 24. und 25. August kamen hundertfünfzig Kisten mit Teilen des Gesamtkatalogs per Bahn, zu fünfzig Reichsmark Miete im Monat.

Der zweite Fall ist erst 2021 aufgeklärt worden. Das Pommersche Landesmuseum in Stettin verteilte seine Sammlungen auf fünfundzwanzig Gutshäuser der Provinz; Parsow war die Nummer fünfundzwanzig auf der Liste, und der Mann, unter dessen Namen es dort steht, ist er. In das Schloss kamen die Transportkisten 21 bis 25: nach den Verzeichnissen rund zweihundertzwanzig Posten, darunter zweiundneunzig neuzeitliche Münzen, dazu etwa dreissig archäologische Stücke und Völkerkundliches, Landesgeschichtliches und Städtisches.

Er hat das Kriegsende nicht überlebt, und die Kisten sind nicht wieder aufgetaucht. Der Archäologe, der die Wege aller fünfundzwanzig Depots nachging, schliesst den Abschnitt über Parsow mit einem Satz in der ersten Person: Er sei auf keine Nachricht über das Schicksal der hier ausgelagerten Museumsbestände gestossen. Parsow steht bei ihm unter den Orten, deren Funde weiterhin als verschollen gelten.

Quelle des Nachtrags: Krzysztof Kowalski, Losy zabytków archeologicznych ewakuowanych w latach 1942–1944 ze zbiorów Pomorskiego Muzeum Krajowego w Szczecinie, in: Materiały Zachodniopomorskie, Neue Folge XVII/1 (2021), S. 13–35, hier Nr. 25; herausgegeben vom Nationalmuseum Stettin, offen zugänglich.

WAS DIE AMTSBLÄTTER ÜBER IHN WISSEN

Er hat Jura studiert, und es steht amtlich da. Als das Amtsgericht Köslin im September 1911 sein Aufgebot für drei Drosedower Grundstücke ausschrieb, nannte es ihn »der Referendar a. D. und Fideikommißbesitzer Carl August von Gerlach-Parsow zu Parsow b. Kratzig«. Referendar a. D. heisst: erstes Staatsexamen bestanden, Vorbereitungsdienst begonnen, den Dienst dann verlassen – hier, als ihm nach dem Tod des Vaters das Gut zufiel. Der Corpsname aus dem Wormser Briefwechsel bekommt damit seinen Ort.

Die Familiennachrichten der Zeitungen führen zwei Geburten. Die erste steht am 4. April 1911 im Reichsanzeiger: »Geboren: Ein Sohn: Hrn. von Gerlach-Parsow (z. Zt. Bottschow).« Tessen kam also nicht auf Parsow zur Welt, sondern auf dem Gut der Bonins, wo die Eltern keine zehn Monate zuvor geheiratet hatten – seine Mutter Ruth war in ihr Elternhaus gegangen. Die zweite steht am 1. Dezember 1912 in der Berliner Börsen-Zeitung, zwischen einem Herrn Friedmann aus Wiesbaden und einem Herrn Engels: »Ein Sohn: Hrn. C. A. v. Gerlach-Parsow (Parsow).« Ein zweiter Sohn also, Ende November 1912, diesmal im eigenen Haus.

Und dann die Brauerei, über die der Reichsanzeiger dreissig Jahre lang Buch führt. In den Kriegsjahren 1914 bis 1916 sitzt er im Aufsichtsrat der Kösliner Actien-Bierbrauerei, hinter Kleist-Retzow und Gaudecker. Von 1921 an steht sein Name an einer anderen Stelle: unter den Bekanntmachungen, dort wo »Der Vorstand« steht, Jahr für Jahr in derselben Paarung – »v. Gerlach-Parsow. G. Goldacker«. Durch die ganze Inflationszeit hat er das Unternehmen also nicht beaufsichtigt, sondern geführt. Von 1928 an zeichnet er wieder für den Aufsichtsrat, nun allein und damit als dessen Vorsitzender – und das bis in den Krieg hinein. Der Abschluss zum 30. September 1942 führt ihn noch als »Landwirt Karl August von Gerlach-Parsow, Vorsitzer«, neben Generaldirektor Bundfuß aus Stettin und zwei von Blanckenburg, auf Strippow und auf Strachmin; dieselbe Familie hatte schon 1914 mit ihm in dem Gremium gesessen. Im Vorstand standen damals Friedrich Bandel aus Stettin und Rudolf Kimmel aus Köslin. Was in dem Haus hergestellt wurde, sagt die Bilanz in ihren Anlagenposten: Gär- und Lagergefässe, Kästen und Flaschen, aktivierte Mälzungslöhne, bei einer Bilanzsumme von 1,45 Millionen Reichsmark.

Es blieb nicht bei Köslin. Im März 1927 wird er in Stettin wiedergewählt, in den Aufsichtsrat der Bohrisch Brauerei – Conrad Brennerei Aktiengesellschaft, deren Kasse in der Pommerensdorfer Strasse 16 lag. Die Liste der Wiedergewählten zeigt, wo er dort stand: Bankdirektor Oskar Thieben aus Berlin, Generaldirektor Johannes Bundfuß aus Stettin, »Rittmeister von Gerlach-Parsow«, Konsul Theodor Lieckfeld, Direktor Ernst Meyer und Generaldirektor Erich Otte, die letzten drei aus Stettin – der einzige Landmann unter lauter Stadtleuten. Das Haus nahm in jenem Jahr gut acht Millionen Reichsmark ein und stiftete aus dem Reingewinn dreitausend Mark an eine Hans-Bohrisch-Stiftung.

Und schliesslich, in derselben Stadt, ein zweites und viel kleineres Haus: die C. Oellrich A.-G. in Köslin, deren Aufsichtsrat er 1940 und 1941 vorsass, mit Dr. Richard Lindemann als Vorstand. Auch sie braute – das Handelsregister Köslin trägt für sie 1941 einen Braumeister ein, und es ist derselbe Rudolf Kimmel, der bald darauf im Vorstand der grossen Brauerei steht. Die beiden Abschlüsse zum 30. September 1942 stehen im Reichsanzeiger untereinander und machen den Grössenunterschied sichtbar: 1,45 Millionen Reichsmark Bilanzsumme bei der einen, knapp 108.000 bei der anderen, dazu ein Verlust im Geschäftsjahr.

Über drei Jahrzehnte hinweg sass der Herr auf Parsow damit in den Gremien dreier pommerscher Brauereien und stand zweien davon im Aufsichtsrat vor.

Quelle des Nachtrags: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 4. April 1911, 3. Oktober 1911 sowie den Jahrgängen 1914 bis 1943, darunter 8. Juli 1941 und 26. März 1943; Berliner Börsen-Zeitung vom 1. Dezember 1912 und vom 15. März 1927 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).

KÖSLIN, 1. MAI 1920

Am 20. Mai 1920 druckte der Vorwärts auf seiner ersten Seite ein Rundschreiben ab, das er in die Hände bekommen hatte. Es kam vom Deutschnationalen Kreisverein Köslin, war auf den 1. Mai datiert und trug sechs Unterschriften; die erste lautet »v. Gerlach – Parsow«. Die anderen fünf sind Nachbarn: von Heidebreck auf Barzlin, Hildebrandt auf Wusseken, Horstmann auf Rossow, von Kameke auf Parnow und Sawatzky auf Tessin.

Der Anlass war die Reichstagswahl vom 6. Juni. Der Ton ist der des ersten Nachkriegsjahres: »Und wir, die Grundbesitzer, sind den inneren Feinden ein ganz besonderer Dorn im Auge.« Man versuche, den verhassten Grundbesitzern alles in die Schuhe zu schieben, von der Verschiebung des Getreides bis zum Kapp-Putsch. »Erreichen wir nicht einen wesentlichen Ruck der Parteien nach rechts im neuen Reichstage, so ist für die Landwirtschaft, besonders den Großgrundbesitz, nichts mehr zu hoffen.« Deshalb solle man es nicht bei schönen Worten belassen, sondern handeln – »mit der Hergabe von Gut (Blut ist bisher noch nicht nötig)«.

Verlangt wurde nichts Geringeres als die gesamte Jahreseinkommensteuer samt Zuschlägen, gespendet an die Parteikasse. Und dann kommt der Satz, der das Schreiben zu mehr macht als einem Wahlaufruf: Wer binnen acht Tagen weder zusage noch ablehne, von dem werde man den ersten Betrag einfach durch Postnachnahme erheben. Schweigen galt als Zustimmung. Beigefügt war ein vorgedrucktes Formular mit zwei Zeilen zum Durchstreichen und der Kontonummer 32 bei der Kreissparkasse Köslin.

DER 3. MÄRZ 1928

Acht Jahre später steht er wieder an der Spitze, diesmal für den Pommerschen Landbund. Am 3. März 1928 zog in Köslin ein Demonstrationszug zur Regierung, und im Anschluss überreichten drei Männer dem Regierungspräsidenten die Entschliessungen des Reichslandbundes und der Kreisgruppe Köslin: der Gutsbesitzer Peglow auf Streitz, der Geschäftsführer Küchler – und der »Fideikommißbesitzer von Gerlach, Parsow«. Begründet wurden die Forderungen mit »dem völligen Versagen aller der staatlichen Organe, die berufen sind, den ersten Stand im Staate, die Landwirtschaft, zu schützen«.

Der Regierungspräsident Dr. Cronau, ein Mann der Deutschen Volkspartei, wies das mit aller Entschiedenheit zurück. Er erinnerte daran, wie er sich gerade in den Eisenbahntariffragen für die ostpommerschen Landwirte eingesetzt habe, und erklärte, die Entscheidung über den Inhalt der Entschliessungen liege nicht bei ihm, sondern in Berlin. Dann kam sein eigentlicher Satz: Die »mehr oder minder versteckten Drohungen«, die in letzter Zeit in der Presse aufgetaucht seien, gäben ihm Veranlassung, »mit allem Ernst davor zu warnen, mit dem Feuer zu spielen«. Die Führer der Bewegung wies er »feierlich auf ihre große Verantwortung und ihre vaterländische Pflicht« hin. Der Amtliche Preußische Pressedienst setzte nach, die Kösliner Demonstration sei symptomatisch, und der Reichslandbund betreibe eine Politik, die »zur Auspeitschung der Leidenschaften der landwirtschafttreibenden Bevölkerung führen muß«.

Worauf der Präsident anspielte, steht neun Tage später in einem sozialdemokratischen Blatt in Bielefeld. Nach einem Bericht aus Stettin habe der Gutsbesitzer von Gerlach-Parsow »nach unwidersprochenen Zeitungsmeldungen seine Landbundgruppe darauf vorbereitet, nötigenfalls auch das Schwert zu ziehen«; der Steuerstreik sei zum förmlichen Beschluss erhoben worden. Das ist eine Meldung aus zweiter Hand in einer gegnerischen Zeitung, und in seinem eigenen Namen belegt ist sie nicht; belegt sind die Übergabe der Entschliessungen und die Warnung, die er sich dafür anhören musste.

Im Wormser Briefband liegen drei Exemplare einer Karte des Pommerschen Landbundes, Kreisgruppe Köslin, zu einer »Landvolk-Kundgebung am 3. März«; auf einem hat jemand mit der Hand »6000 Mann!« vermerkt. Das Findbuch setzt sie ins Jahr 1923.

Quelle des Nachtrags: Vorwärts vom 20. Mai 1920, S. 1; Hamburger Echo vom 6. März 1928, S. 2; Volkswacht (Bielefeld) vom 12. März 1928, S. 2 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Stadtarchiv Worms, Abt. 185 Nr. 0855.

DER ARCHIVAR IM HAUSE, 1923

Vierzehn Jahre bevor ihm ein Kunsthistoriker für die Hilfe an einem Bildniskatalog dankte, hatte schon ein Archivar in seinem Hause gearbeitet. 1923 beginnt ein Aufsatz der pommerschen Landeszeitschrift mit dem Satz: »Im Archiv des Herrn Rittergutsbesitzers von Gerlach in Parsow liegt wohlverwahrt der Nachlass des Großkanzlers Beyme.«

Der Rittergutsbesitzer war er. Was in seinem Archiv lag, war der schriftliche Nachlass seines Urgrossvaters Carl Friedrich von Beyme – des Vaters seiner Grossmutter Charlotte – und daraus zwei Bände Privatkorrespondenz von 1813 und 1814 mit sämtlichen Briefen des Generals von Tauentzien aus der Zeit der Belagerung Stettins. Der Archivar druckte sie aus.

Derselbe Mann verzeichnete in den Jahren danach im Auftrag der Historischen Kommission die kleineren nichtstaatlichen Archive der pommerschen Kreise und legte 1930 einen gedruckten Bericht über den Kreis Köslin vor. Quelle des Nachtrags: Georg Kupke, Tauentzien und die Belagerung von Stettin im Jahre 1813, in: Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Jahrgang 37, Heft 3/4 (1923).

MITGLIED SEIT SEPTEMBER 1911

Warum ein Stettiner Archivar in seinem Gutsarchiv arbeiten durfte und warum ihm ein Kunsthistoriker dankte, hat einen Grund, der sich datieren lässt. Im September 1911 meldet die pommersche Landeszeitschrift unter »Mitteilungen«: »Zu ordentlichen Mitgliedern ernannt: … Fideikommißbesitzer C. A. von Gerlach-Parlow auf Parlow bei Köslin.«

Der Druck schreibt zweimal »Parlow«, und das Seitenbild bestätigt den Buchstaben; gemeint ist gleichwohl Parsow. Ein Parlow liegt in Pommern im Kreise Kammin, nicht bei Köslin, und ein Fideikommissbesitzer mit den Namenszeichen C. A. bei Köslin war damals nur einer. Der Setzer in Stettin hat den Namen des Gutes verlesen.

Er war damals siebenundzwanzig und seit dem Tod seines Vaters 1906 Herr des Fideikommisses. Mit der Aufnahme trat er in dieselbe Gesellschaft ein, der rund achtzig Jahre zuvor schon sein Grossvater Carl Heinrich angehört hatte. Zwölf Jahre später druckte ihr Archivar die Tauentzien-Briefe aus dem Parsower Gutsarchiv; sechsundzwanzig Jahre später stand sein Name im Dank eines Bildniskatalogs derselben Gesellschaft.

Quelle des Nachtrags: Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Jahrgang 25, Heft 9 (September 1911), S. 144; Digitalisat des RCIN Warschau.

FIDEIKOMMISS, SIEDLUNG, FAMILIENGESCHICHTE

Der Gotha von 1919 (Artikel Bonin) führt ihn als Fideikommissherrn auf Parsow und Schwemmin, Herrn auf Trienke und Drosedow, Referendar a. D., Rittmeister der Reserve des 1. Garde-Dragoner-Regiments und Ehrenritter des Johanniterordens. Im Februar 1922 beantragte er beim Auflösungsamt für Familiengüter in Stettin die Aufnahme eines Familienschlusses zur Auflösung des Familienfideikommisses von Gerlach-Parsow; der Termin war auf den 31. März 1922 angesetzt (Reichsanzeiger 13. Februar 1922). Die Akten des Justizministeriums dazu, »Familienfideikommiß von Gerlach Parsow« (1925–1935) und »Schutzforst Parsow« (1935), liegen im Geheimen Staatsarchiv (I. HA Rep. 84a Nr. 44502 und 44503). 1935 teilte er unter Mitwirkung eines Siedlungsberaters der Fürst-Blücher-Gesellschaft das 425 Hektar grosse Vorwerk Drosedow in neunzehn Siedlerstellen und ein Restgut von 62 Hektar auf (Lüdtke, Die innere Kolonisation in Pommern, Zeitschrift für Ostforschung 22, 1973, S. 81, der Drosedow mit 1.204 Hektar angibt). Im April 1921 stand er im Vorstand der Dampfpfluggenossenschaft Körlin. Im Juni 1927 fanden er und der Kösliner Vorsitzende der Deutschnationalen bei einer Versammlung von sechshundert Bauern in Köslin »wenig Anklang« (Politischer Wegweiser 25. Juni 1927). Zwischen 1920 und 1944 schrieb er dem Vetter Klaus von Gerlach in Großendorf und Berchtesgaden Briefe über die Familiengeschichte, die im Gerlach-Archiv Erlangen liegen; am 19. August 1929 drängte er ihn, den Nachlass der Brüder Gerlach an das Staatsarchiv Stettin zu geben, was Klaus am 17. September ablehnte (Kraus, Ernst Ludwig von Gerlach, 1994, S. 25). Am 9. Oktober 1934 schrieb ihm der Stettiner Archivar Georg Kupke. Im Dezember 1904 stand »von Gerlach-Parsow, Parsow« in der Fremdenliste des Heidelberger Hotels Prinz Carl – die Jahre des Studiums, in denen der Wormser Freund Ludwig von Heyl 1905 im Corps Saxo-Borussia aktiv wurde.

Quellen: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser 1919, S. 117; Deutscher Reichsanzeiger 1. Juni 1921, S. 26, und 13. Februar 1922, S. 10; Politischer Wegweiser 25. Juni 1927, S. 5; Heidelberger Zeitung 12. Dezember 1904, S. 6 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Archivportal-D (GStA PK I. HA Rep. 84a Nr. 44502, 44503); Kalender der Deutschen Adelsgenossenschaft 1921 und 1928 (Biblioteka Elbląska); Zeitschrift für Ostforschung 22 (1973), S. 80 f. (MDZ bsb00054690); Kraus 1994 (bsb00047237, Bild 24); Kalliope, Gerlach-Archiv Erlangen (FA02003 bis FA02012).

Nach der Familienüberlieferung starb er am 11. Oktober 1945 in Friedenshütte in Oberschlesien; ein Findbuch des Stadtarchivs Worms verzeichnet den 13. Oktober 1945. Quelle: Stadtarchiv Worms, Abt. 185 Nr. 0724 (Laufzeit 1942–1961).

DIE GRUNDBÜCHER SEINER GÜTER

Die Grundakten der Güter, die der Gotha von 1919 ihm zuschreibt, liegen heute im Staatsarchiv Koszalin, und sie führen ihn beim Namen. Für Schwemmin verzeichnet das Findbuch des Amtsgerichts Körlin drei Akten mit ihm als Eigentümer: das Grundstück »im Grundbuche von Schwemmin Band I Blatt Nr. 5« (Laufzeit 1821–1929), das Grundstück »im Grundbuche der Güter (Schwemmin) Band IV Blatt Nr. 26« (1907–1944) – in beiden Titeln als »Rittergutsbesitzer Karl Hugust von Gerlach«, mit dem Setzfehler des Findbuchs im Vornamen – und das Grundstück »im Grundbuche der Güter (Schwemmin) Band VII, Blatt Nr. 36 verzeichnete Grundstück (Gut – Fideikommiss). Eigentümer: Landwirt Karl August von Gerlach« (1880–1942). Der Zusatz »Gut – Fideikommiss« gehört zum Titel der Akte selbst.

Für Trienke verwahrt derselbe Bestand die Grundbücher des Amtsgerichts Kolberg: Band 1 mit den Blättern 1 bis 3 (1885–1936) und Band 2 mit den Blättern 4 bis 23 (1891–1941). Für Drosedow liegen sieben Bände (1881–1945); die Bände 5 bis 7 mit den Blättern 126 bis 198 wurden erst 1937 bis 1944 angelegt – die Jahre nach der Aufteilung des Vorwerks in Siedlerstellen. Aus derselben Zeit stammt beim Kulturamt in Stettin die Akte »Rentengutssache Drosedow Kreis Kolberg-Körlin« (1934–1937).

(Archiwum Państwowe w Koszalinie, 26/143/0/2.2/1428, 1429, 1430; 26/99/0/1.1/381–382 und 82–88; Archiwum Państwowe w Szczecinie, 65/73/0/23.2/5776; Findbuchtitel über szukajwarchiwach.gov.pl.)

Sources

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Date of birth
JvG 2015, S. 293–297
Date of death
JvG 2015, S. 293–297

Parents

Siblings (3)

Spouses / partners

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