Person record
Martin Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 13 August 1589 · Nienburg an der Saale
- Death
- 15 January 1667 · Nienburg an der Saale
- Age
- 77 years
Geboren am 13. August 1589 in Nienburg an der Saale, gestorben dort am 15. Januar 1667 – er wurde siebenundsiebzig und hat den ganzen Dreissigjährigen Krieg in seiner Stadt erlebt. Fürstlicher Amtsschreiber zu Nienburg – so nennen ihn zwischen August 1635 und März 1636 sechsmal fremde Hände: die Erlasse der fürstlichen Kanzlei, die Kommissare, der Pachtmann. Becmann schreibt 1710 einem Martin Gerlach das Amt des Stadt- und Landrichters zu, ohne Jahreszahl; nach der Reihenfolge seines Nachfolgers Balthasar Friedrich Taschenberger ist er der Gemeinte. Er heiratete Elisabeth Werbeck, eine Tochter des Georg Werbeck und der Maria Seese aus Zerbst; über ihre Mutter kommt die Zerbster Bürgermeisterverwandtschaft Seese und Fuhrmann in die Familie. Sein Sohn Martin ging als fürstlicher Kammer- und Amtsverwalter nach Köthen.
ACHT BRIEFE VON SEINER HAND
Zwischen dem 22. August 1635 und dem 16. März 1636 hat er acht Berichte geschrieben, die gedruckt vorliegen. Gottlieb Krause nahm sie 1863 in seine Sammlung zur Geschichte der anhaltischen Lande unter dem Druck des Dreissigjährigen Krieges auf, nach den Originalen des herzoglichen Archivs zu Köthen. Sieben der acht gehen an den Amtsrat Johann David Wieß in Köthen, dreimal mit der Anrede »hochgeehrter lieber Herr Gevatter«. Dieselbe Anrede benutzen der Warmsdorfer Amtsschreiber und der fürstliche Kommissar, der ranghöhere Amtmann Signitz dagegen nicht. Ob daraus eine Patenschaft zu lesen ist oder nur eine Formel unter Gleichrangigen, sagen die Briefe nicht.
Es ist die erste zusammenhängende Aktenreihe, die von einem Glied dieser Familie erhalten ist, und sie stammt aus seiner eigenen Feder. In den sechs übrigen Bänden des Werkes kommt der Name Gerlach nicht vor.
ER UNTERSCHREIBT »DER JÜNGERE«
Fünfmal setzt er den Zusatz selbst unter seine Briefe, einmal abgekürzt als »M. G. d. J.«. Das steht in der Unterschrift des Mannes, nicht in einer Überschrift des Herausgebers. Damit ist urkundlich, was die Familienüberlieferung behauptet: 1635 und 1636 standen zwei Männer dieses Namens in Nienburg nebeneinander, Vater und Sohn. Ein »der Ältere« kommt in keinem der sieben Bände vor.
Sein Amt nennt er in keinem einzigen der acht Briefe. Dass er Amtsschreiber war, steht sechsmal da – aber jedes Mal in fremder Feder: in den Erlassen der fürstlichen Kanzlei, bei den Kommissaren, beim Pachtmann.
DAS HAUS IN DER STADT
Eine Abrechnung des Grimschlebener Pachtmanns Peter Plötzke nennt »2 Sattel, so von dem Vorwerck Martin Gerlach's des Amtsschreibers Hauß getragen« – Sättel aus dem Vorwerk wurden also in sein Haus in der Stadt gebracht. Damit ist belegt, dass er 1635 oder 1636 in Nienburg ein eigenes Haus besass.
DER 14. JANUAR 1636
An diesem Tag stand er vor dem Erschossenwerden. Er berichtet es selbst: Er zeigte die Salvaguardi des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna vor, und das rettete ihn. Sechs Wochen später, am 16. März 1636, schreibt er den letzten der acht bei Krause gedruckten Briefe; in der gedruckten Sammlung trägt danach der Amtmann Siegnitz die Nienburger Korrespondenz allein.
DIE BESTALLUNG, UND DIE BRIEFE GEHEN WEITER
Sein Amt trägt im Archiv einen genaueren Namen als in der Literatur: Amts- und Kornschreiber zu Nienburg. Die Bestallungsakte liegt im Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Köthen, unter Z 70, C 5h Nr. 2 Bd. XXXVIII, Bl. 162–186, mit der Laufzeit 1634 bis 1639 und fünfundzwanzig Blatt. Im selben Band, Bl. 121–161, liegt die Bestallungsakte seines Vorgesetzten: Heinrich Siegnitz von Halle, Amtmann zu Nienburg, 1635 bis 1640. Damit hat auch der Mann einen vollen Namen, den die gedruckten Briefe nur »Signitz« nennen.
Und die Reihe seiner Berichte ist länger, als die gedruckte Sammlung erkennen lässt. Sie beginnt vier Jahre vor dem ersten Krause-Brief: Am 19. März 1631 schreiben er und Andreas Fleischer an den Fürsten wegen der Pachtgelder des Klosters Nienburg (Z 70, C 16c 1 Nr. 326, Bl. 123–124, Ausfertigung). Und sie endet nicht 1636. Am 16. März 1637 geht ein Schreiben an denselben Johann David Wieß, es betrifft die Übersendung von Schiffen und Kähnen nach Magdeburg (C 16c 1 Nr. 425, Bl. 21). Am 29. März 1638 berichtet er dem Amtsschreiber Bartholomäus Edelingk zu Wulfen über die Bewegungen kaiserlicher und kursächsischer Truppen, die Einquartierungen in und bei Wolmirstedt und die Überführung der Leiche des Generalfeldzeugmeisters Dam Vitzthum von Eckstedt nach Magdeburg (C 16c 1 Nr. 429, Bl. 10–11, Ausfertigung). Im Amt nachzuweisen ist er damit von 1631 bis 1638.
Quelle: Gottlieb Krause (Hrsg.), Urkunden, Aktenstücke und Briefe zur Geschichte der anhaltischen Lande und ihrer Fürsten unter dem Drucke des dreissigjährigen Krieges, Dritter Band: 1634–1637, Leipzig 1863, S. 459 und S. 784 sowie die dort gedruckten Berichte; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, bsb10020047, am Seitenbild gelesen. Die Originale liegen im Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, Bestand Z 70.
»DER JÜNGERE« STEHT AUCH IM FINDBUCH
Was er fünfmal selbst unter seine Briefe setzte, steht auch in der Verzeichnung des Archivs. Die Bestallungsakte heisst dort »Bestallungsakte des Amts- und Kornschreibers zu Nienburg, Martin Gerlach jun.«, und alle drei Schreiben, die ausserhalb der gedruckten Sammlung liegen, sind auf den Namen »Martin Gerlach der Jüngere« verzeichnet: der Bericht an den Fürsten wegen der Pachtgelder des Klosters Nienburg vom 19. März 1631, das Schreiben an den Hof- und Kammerrat Johann David Wieß wegen der Schiffe und Kähne, und der Bericht an den Wulfener Amtsschreiber Bartholomäus Edelingk über die Truppenbewegungen. Der Zusatz ist also nicht eine Laune seiner Feder, sondern die Form, unter der er im Amt geführt wurde.
(Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Köthen, Z 70, C 5h Nr. 2 Bd. XXXVIII, Bl. 162–186; C 16c 1 Nr. 326, Bl. 123–124; Nr. 425, Bl. 21; Nr. 429, Bl. 10–11.)
Sources
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