Person record
Martin Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- about 1639 · Nienburg an der Saale
- Baptism
- 29 August 1639 · Nienburg
- Death
- 10 April 1687 · Bernburg
- Age
- about 48 years
Getauft am 29. August 1639 in Nienburg an der Saale, gestorben am 10. April 1687 in Bernburg. Fürstlicher Kammer- und Amtsverwalter zu Köthen, also Rechnungsführer und Verwalter eines anhaltischen Amtes. Er heiratete Anna Dorothea Maria Sachse aus Köthen. Ihr Sohn Leberecht, um 1669 geboren, ging nach Hinterpommern, wurde Hofgerichtsrat zu Köslin und 1735 in den preussischen Adelsstand erneuert; mit ihm beginnt die pommersche Geschichte der Familie. Die Auswertung führt die Hochzeit auf den 11. Juni 1654; da wäre er fünfzehn gewesen und seine Frau zwanzig.
DER AMTSSCHREIBER VON WARMSDORF
Sein Dienst in der anhaltischen Ämterverwaltung ist bestallt, und zwar von Anfang an. 1660 steht er im Protokoll über die Dienerbeeidigungen, zusammen mit Christian Claepius, als Kammer- und Küchmeister (Z 70, C 5h Nr. 2 Bd. IV, Bl. 1–2). 1662 folgt die »Bestallung des Küchmeisters Martin Gerlach zum Amts- und Kornschreiber des Amtes Warmsdorf und seine Aufgaben« (ebenda, Bl. 59–61) – sein Warmsdorfer Amt beginnt also 1662, sechs Jahre vor der ersten erhaltenen Amtsrechnung. 1665 erscheint er mit dem Amtsschreiber Georg Müller zu Köthen und Andreas Gödicke zu Niendorf in der fürstlichen Kanzlei zur Ablegung der Pflicht, dort geführt als »Martin Gerlach zu Warmsdorf« (ebenda, Bl. 24–27). Dazu verwahrt das Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Köthen, die »Retorsionssachen Christian Stielers, Amtmann in Warmsdorf, gegen Martin Gerlach, Amtsschreiber daselbst« aus dem Jahr 1669 (Z 70, C 8c Nr. 8a) und »die vom Amtsschreiber Gerlach zu Warmsdorf geführten Amtsrechnungen« mit der Laufzeit 1668 bis 1692 (Z 70, C 10a Nr. 143). Zum Amt Warmsdorf gehörte Amesdorf – damit ist erklärt, warum sein Sohn Lebrecht 1668 oder 1669 in Amesdorf zur Welt kam: Der Vater war dort Amtsschreiber. Der Titel »Kammer- und Amtsverwalter zu Köthen« bezeichnet die spätere Stufe; dass die Rechnungen bis 1692 laufen, fünf Jahre über seinen Tod hinaus, kann an einem Nachfolger gleichen Namens oder an der Laufzeit des Aktenbandes liegen.
Ein Martin Gerlach war 1705 und 1710 fürstlicher Amtmann zu Hoym und Ballenstedt in Anhalt-Bernburg: Becmann nennt ihn 1710 als den, der die grösseren Sachen und Criminalia des Amtes Ballenstedt abtut (Historie des Fürstenthums Anhalt, Teil III, S. 159), und am 18. November 1705 beurkundet er zu Hoym die ehrliche Geburt eines Schafmeistersohnes (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, E 83 A Nr. 25). Bei der Erbhuldigung für Fürst Leopold von Anhalt-Dessau am 13. Mai 1698 rief »der Kammer-Cancellist Hrn. Gerlachen« den Adel auf (Becmann, Teil V, S. 281) – ein weiterer Gerlach im anhaltischen Kammerdienst. Er hat einen Namen: Das Dessauer Findbuch verzeichnet die »Bestallung des Caspar Gerlach zum Geheimen Kammerkanzlisten« von 1693, fünf Jahre vor der Erbhuldigung und für eben dieses Amt. Derselbe Caspar Gerlach hatte 1684 ein Gasthofprivileg für sein Haus in der Zerbster Strasse »Zum Weissen Ross« und 1694 ein zweites für sein Haus an der Muldbrücke »Zur Goldenen Sonne«; er stritt mit dem Apotheker Rudolf Föse über die Gasse zwischen ihren Häusern. Am Ende führte er den Titel eines Kammersekretärs, kaiserlichen Notars und Forstverwalters, und 1767 baten seine beiden Töchter – Anne Elisabeth, verheiratete de Bergius, und Susanna Elisabeth, verheiratete Dewitz – um die Auszahlung seiner rückständigen Besoldung. (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, Z 44, C 5b Nr. 5a, Bl. 66–69; C 2a IIg Nr. 11b und Nr. 13a; C 2a IIh Nr. 29; C 5h Nr. 7, Bl. 49–54.)
Seine Ballenstedter Zeit ist nach oben begrenzt: 1717 sitzt dort ein anderer im Amt – »Erbenzinsbrief des Amtmann Brumby zu Ballenstedt«, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Z 18, C 3b II Nr. 53, 1717. Zwischen Becmanns Zeugnis von 1710 und diesem Stück von 1717 endet also sein Dienst in Ballenstedt.
Quellen: Archivportal-D (Landesarchiv Sachsen-Anhalt); Becmann 1710 über die Bayerische Staatsbibliothek (bsb10938178, Bild 197; bsb11054797).
ZERBST, 14. OKTOBER 1691 – EIN SOHN UND EIN SACHSE
Vier Jahre nach seinem Tod steht ein Martin Gerlach in einem Zerbster Druck. Der Zerbster Medizinprofessor Conrad Philipp Limmer liess am 14. Oktober 1691 die Disputation »De Tonitru, Fulgure & Fulmine« des Gottfried Scheurer ausgehen; am Schluss stehen vier Glückwunschgedichte, und das zweite, vierzehn lateinische Hexameter auf die Weinlese, ist gezeichnet »MARTINUS Gerlach / B. A.« – Bernburgensis Anhaltinus. Vier Wochen später, am 10. November 1691, schreibt sich derselbe Mann in Jena ein. Er kam also vom Zerbster Gymnasium illustre nach Jena.
Und er steht dort nicht allein. Das vierte und letzte Gedicht desselben Drucks, ein deutsches in Alexandrinern, ist gezeichnet »Lebrechtus Wilhelmus Sachsius, Coth. Anhalt« – ein Sachse aus Köthen, der Lebrecht heisst. Martin Gerlachs Frau war Anna Dorothea Maria Sachse aus Köthen, und sein Sohn hiess Lebrecht. Damit ist der Vorname Lebrecht in der Köthener Familie Sachse gedruckt nachgewiesen.
Das dritte Gedicht stammt von Martin Handt aus Ballenstedt.
(VD 17, 15:740068L; Digitalisat der Universitätsbibliothek Leipzig, Exemplar V 7713, urn:nbn:de:bsz:15-0008-105320, am Seitenbild gelesen.)
DER DIENSTEID IN DER FÜRSTLICHEN KANZLEI
Wie er in das Warmsdorfer Amt kam, steht im Band der Köthener Bestallungs- und Besoldungsakten, dessen Laufzeit 1658 bis 1668 reicht. Gleich auf den ersten beiden Blättern liegt ein Protokoll über Dienerbeeidigungen, und unter den Beeidigten stehen »die Kammer- und Küchmeister Christian Claepius und Martin Gerlach«. Dreiundzwanzig Blatt weiter steht er ein zweites Mal, jetzt mit seinem neuen Amt und in Gesellschaft zweier Kollegen: »Amtsschreiber Georg Müller zu Köthen, Martin Gerlach zu Warmsdorf und Andreas Gödicke zu Niendorf erschienen in Gegenwart des Kanzlisten Heinrich Haken, Heinrich Schumacher, Andreas Müller, Christian Claepius und Daniel Zimmermann in die fürstliche Kanzlei«.
Damit steht die Reihenfolge seiner Ämter fest. Die Bestallung von 1662 nennt ihn im Titel »Küchmeister« und bestellt ihn zum Amts- und Kornschreiber des Amtes Warmsdorf – er war also zuerst Küchmeister am Köthener Hof und ging dann als Schreiber aufs Amt. Beide Protokolle liegen in demselben Band, und in beiden steht neben ihm derselbe Christian Claepius.
DER PROZESS VON 1669
Im Jahr, in dem sein Sohn Lebrecht geboren wurde, lag er mit seinem Vorgesetzten im Streit. Das Köthener Findbuch führt unter den »Interessanten Klage- und Prozessakten« ein Stück mit der Laufzeit 1669: »In Retorsionssachen (Vergeltungssachen) Christian Stielers, Amtmann in Warmsdorf, gegen Martin Gerlach, Amtsschreiber daselbst«. Eine Retorsionssache ist eine Gegenklage – der Amtmann ging gegen seinen Schreiber vor, nachdem dieser ihn zuvor belangt hatte.
Der Amtmann von Warmsdorf, unter dem er diente, hiess Christian Stieler. Und dasselbe Jahr 1669, in dem die Köthener Leichenpredigt ihn als »Amtschreiber zu Warmsdorff« neben seiner Frau und den Kinderlein am Grabe des Schwiegervaters zeigt, zeigt ihn in der Kanzlei im Prozess gegen den eigenen Vorgesetzten.
(Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Köthen, Z 70, C 5h Nr. 2 Bd. IV, Bl. 1–2 und Bl. 24–27, Laufzeit 1658–1668; Z 70, C 8c Nr. 8a, 1669.)