Person record
Servatius von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 1 March 1868 · Oschersleben
- Death
- 30 March 1950 · Detmold
- Age
- 82 years
Geboren am 1. März 1868 (die Versorgungsakte nennt den 8. März) in Oschersleben, gestorben am 30. März 1950 in Detmold. Sohn Friedrich Wilhelm Leopolds von Gerlach und der Marie geborenen von Rohr. Er wurde Offizier und Gutsherr und hielt Rohrbeck in der Generation vor dem Ende.
Seine Laufbahn steht im Gothaischen genealogischen Taschenbuch, das ihn über seine Frau führt: 1894 Leutnant, 1896 und 1898 Premierleutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment Königin von Grossbritannien und Irland. Am 12. Oktober 1893 heiratete er in Gültz Elsbeth Freiin von Maltzahn, die dort am 24. Januar 1874 geboren war. Vom Schwiegervater Ludwig Wilhelm Freiherrn von Maltzahn kam das Rittergut Crampe bei Neuwedell an ihn; die Kreditakten des Brandenburgischen Landeshauptarchivs führen ihn dort bis 1941. Im August 1920 wählte ihn der Rohrbecker Spar- und Darlehnskassenverein in den Vorstand, und der Reichsanzeiger vermeldet es.
Den Krieg machte er als älterer Mann mit. Die amtliche Verlustliste führt ihn einmal: Unter »Gerlach, v. – Servatius, Gr. Aschersleben« steht er als verwundet in der preußischen Liste Nr. 1008, Ausgabe 1739 vom 7. Dezember 1917, Seite 21973. Der Heimatort ist sein Geburtsort Gross Oschersleben, in der Liste verschrieben. Er war neunundvierzig Jahre alt und Major.
Und dann steht da ein Fund, der zum Bild des Gardeoffiziers gar nicht passen will und gerade deshalb festgehalten sei. Am 30. Januar 1897 unterschrieb er in Berlin eine Patentanmeldung für Kanada. Sie lief über das Patentbüro in der Luisen-Strasse 25, ein Haus mit Zweigstellen von Breslau bis New York, und sie stellt ihn so vor, wie das englische Recht es verlangte: »Be it known that I, Servatius von Gerlach of 9, Derflinger-strasse, Berlin W., in the Empire of Germany, Lieutenant, have invented ›An improved case or chest for storing newspapers, periodicals and the like‹« – ein verbesserter Kasten zum Aufbewahren von Zeitungen und Zeitschriften. Eingereicht wurde die Anmeldung am 13. März, erteilt am 2. November 1897 unter der Nummer 57 933, auf sechs Jahre.
Der Gegenstand hat zwei Öffnungen: oben eine, durch die die neuen Hefte eingelegt werden, mit Deckel; unten an der Vorder- oder Seitenwand eine zweite, durch die die alten wieder herauskommen. Der Boden hat dort eine Stufe, damit die untersten Blätter vorstehen und sich greifen lassen. Einen Anspruch, den fünften, hat er im Verfahren wieder durchgestrichen. Auf dem Schlussblatt, das die Überschrift »Letzte Seite der Beschreibung für die Patent-Anmeldung in Canada« trägt, steht »Signed at Berlin, the 30. day of January, 1897«, darunter seine Unterschrift und die zweier Zeugen, Karl Hartmann und Hans Hitzeroth.
Das Möbel war Familiensache, und die Brüder haben es in derselben Woche betrieben: drei Tage nach der Berliner Unterschrift liess Nikolaus am 2. Februar 1897 dieselbe Erfindung in Deutschland als Gebrauchsmuster Nr. 71 938 eintragen. Dass ein Premierleutnant der Garde-Dragoner sich ein Zeitungsmöbel ausgerechnet in Kanada schützen liess, bleibt der eigenwilligste Beleg, den diese Recherche zutage gefördert hat.
Quellen: Canadian Intellectual Property Office, Canadian Patents Database, Patentakte 57933 (Beschreibung, Ansprüche und Schlussblatt); Deutscher Reichsanzeiger vom 5. April 1897, S. 23.
Wo er dazwischen stand, sagt ein Zeitungsbericht. Beim Begräbnis seines Onkels Jakob in Berlin, am 28. November 1908, führt ihn die Hallesche Zeitung als »Servatius v. Gerlach, Rittmeister und Eskadronchef im Brandenburgischen Dragoner-Regiment Nr. 2«. Aus dem Premierleutnant der Garde-Dragoner war ein Schwadronschef der Linie geworden.
Die Versorgungsakte nennt den 8. März 1868 als Geburtstag, andere Quellen den 1. März.
Quellen: Landesarchiv Berlin A Rep. 240 Nr. 562 (Versorgungsakte 1918–1945); BLHA Rep. 53A Kredit 1027/1028; Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser; Deutscher Reichsanzeiger vom 10. August 1920; Verlustlisten Deutsches Reich 1. Weltkrieg; Canadian Patent Office Record 1897.
ZWEI ANZEIGEN
Die Zeitungen setzen zwei Daten neben die, die aus den Geschlechterbüchern bekannt sind. Am 7. März 1893 zeigt der Reichsanzeiger die Verlobung an – »Else Freiin von Maltzahn mit Hrn. Lieut. Servaz von Gerlach« –, sieben Monate vor der Hochzeit in Gültz.
Und am 13. August 1894 steht unter den Geburten eine Zeile, die im Stammbaum keine Entsprechung hat: »Eine Tochter: … Hrn. Sekondlieutenant von Gerlach (Gültz)«. Gültz war das Gut der Schwiegereltern, er war damals Leutnant, und geheiratet hatten sie dort zehn Monate zuvor. Es muss also ein erstes Kind gegeben haben, eine Tochter, geboren Anfang August 1894 – vier Jahre vor Karin. Ihr Name steht in keiner der bekannten Quellen;
Quelle des Nachtrags: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 7. März 1893; Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 13. August 1894 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
GÜLTZ, BERLIN, ROHRBECK
Drei Geburten zeigten die Berliner Blätter aus Gültz an: im August 1894 eine Tochter, Ende August 1895 einen Sohn – »Geboren: Ein Sohn: … Hrn. Prem.-Lieut. von Gerlach (Gültz)« (Reichsanzeiger 3. September 1895) – und am 19. April 1898 Karin. Die beiden ersten Kinder stehen jetzt ohne Namen im Stammbaum; Premierleutnant war er also schon vor dem September 1895. Im Dezember 1897 wohnte das Paar in Berlin, Derfflingerstrasse 9, wo der Schwiegervater, der Staatssekretär a. D. Freiherr von Maltzahn-Gültz, »bei seiner Tochter, Frau Premier-Lieutenant von Gerlach« verweilte (Berliner Börsen-Zeitung 21. Dezember 1897) – dieselbe Anschrift wie im kanadischen Patent. Das Zeitungsmöbel war Familiensache: Fünf Wochen bevor er es in Kanada anmeldete, hatte sein Bruder Nikolaus dieselbe Erfindung am 2. Februar 1897 in Deutschland als Gebrauchsmuster Nr. 71 938 schützen lassen (Reichsanzeiger 5. April 1897). Im April 1918 steht »der Major a. D. und Rittergutsbesitzer Servatius von Gerlach auf Rohrbeck« in einer Verleihungsliste des Reichsanzeigers; 1921 führt die Liste der anerkannten Saatgutwirtschaften »von Gerlach, Major, Rittergut Rohrbeck N. M. – Hafer«.
Quellen: Deutscher Reichsanzeiger 13. August 1894, 3. September 1895, 5. April 1897, S. 23, 21. April 1898, 4. April 1918, S. 1, und 13. Dezember 1921, S. 5; Berliner Börsen-Zeitung 12. August 1894 und 21. Dezember 1897, S. 4 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
DER ORDEN DER KÖNIGIN
Am 22. Juni 1897 ritt er durch London.
Königin Viktoria war Chef des 1. Garde-Dragoner-Regiments, das ihren Namen trug; zu ihrem sechzigjährigen Thronjubiläum schickte das Regiment fünf Offiziere nach England. Die amtliche Londoner Gazette hat sie alle aufgeschrieben. In der Zugordnung des Jubiläumszuges stehen sie unter »Officers of 1st Prussian Dragoons of the Guard (Queen of Great Britain and Ireland’s)«: Sekondeleutnant von Studnitz, Premierleutnant von Gerlach, Leutnant Freiherr von Moeller-Lilienstern, Major von Arnim, Oberstleutnant von Falkenhayn. Die Unterkunftsliste nennt ihn genauer – »1st Lieutenant von Gerlach, Regimental Adjutant« – und das Quartier: Buckingham Gate Nummer sieben, ein Steinwurf vom Schloss.
Am 2. Juli 1897, zehn Tage nach dem Zug, ernannte die Königin die fünf zu Mitgliedern des Royal Victorian Order, des Ordens, den sie 1896 gestiftet hatte und der ihrer persönlichen Verleihung vorbehalten blieb. Falkenhayn wurde Ehrenkommandeur, Arnim Ehrenmitglied vierter Klasse, Moeller-Lilienstern, Gerlach und Studnitz Ehrenmitglieder fünfter Klasse.
Dreieinhalb Jahre später stieg er auf. Unter dem Datum St James’s Palace, 1. Januar 1901, verfügte die Königin die Ernennung »Leutnant von Gerlach, Ehrenmitglied der fünften Klasse« zum Ehrenmitglied der vierten Klasse. Gedruckt wurde die Verfügung in der Gazette vom 22. Januar 1901 – an dem Tag, an dem Viktoria starb. Es war eine der letzten Verleihungen ihres Lebens.
Quellen des Nachtrags: The London Gazette Nr. 26872 vom 13. Juli 1897, S. 3894, und Edinburgh Gazette Nr. 10901 vom 16. Juli 1897, S. 682; The London Gazette Extraordinary vom 14. März 1898, S. 1589 und S. 1701; The London Gazette Nr. 27268 vom 22. Januar 1901, S. 463, und Edinburgh Gazette Nr. 11271 vom 25. Januar 1901, S. 120. Das Gothaische genealogische Taschenbuch führt ihn für 1896 und 1898 als Premierleutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment Königin von Grossbritannien und Irland.
VIER TAGE VOR DEM TOD DER KÖNIGIN
Die Rangliste von 1901 zeigt beide Enden desselben Vorgangs. Beim ersten Garde-Dragoner-Regiment Königin von Grossbritannien und Irland steht er unter den Abgängen: »Oblt. v. Gerlach als Rittm., s. Drag. R. 2« – und wenige Zeilen darunter, unter »Gest.«, der Chef des Regiments: »Ihre Majestät die Königin von Großbritannien und Irland, Kaiserin von Indien.« Dreizehn Seiten weiter steht er beim ersten Brandenburgischen Dragoner-Regiment Nr. 2 zu Schwedt an der Oder als letzter der Rittmeister, mit dem Vermerk »Ern. 18.1.01«. Vier Tage nach dieser Ernennung starb die Königin.
Hinter seinem Namen führt dieselbe Zeile drei Auszeichnungen: den Roten Adlerorden vierter Klasse, den Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausorden dritter Klasse Abteilung b und »GV5«, den britischen Victoria-Orden fünfter Klasse. Dass die Königin ihn zum 1. Januar 1901 in die vierte Klasse erhoben hatte, war bei Drucklegung noch nicht nachgetragen.
Quelle: Rangliste der Königlich Preußischen Armee 1901, S. 330 und 343 (MDZ bsb12074672, Bilder 00364 und 00377).
Sources
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Parents
Siblings (9)
Magdalena von Gerlach
* 1865 · † 1871
Helene von Gerlach
* 1873 · † 1874
Friedrich Wilhelm Otto Adolf Ludwig von Gerlach
* 1859 · † 1859
Katharina von Gerlach
* 1872 · † 1914
Hans Jakob von Gerlach
* 1866 · † 1867
Martin von Gerlach
* 1860 · † 1929
Nikolaus von Gerlach
* 1875 · † 1955
Adolfine Ida Angelika von Gerlach
* 1862
Marie Bertha Louise von Gerlach
* 1863 · † 1866