Person record
Nikolaus von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 3 February 1875 · Oschersleben
- Death
- 10 April 1955 · Bischofswiesen
- Age
- 80 years
Landrat der Kreise Bütow und Kolberg-Körlin. Geboren am 3. Februar 1875, gestorben am 10. April 1955. Sohn Friedrich Wilhelm Leopolds von Gerlach und der Marie von Rohr, aus dem Hause Rohrbeck.
Er ging den Weg der preussischen Verwaltung, und er begann ihn dort, wo sein Vater Dienst getan hatte. Unter den Akten der preussischen Prüfungskommission für höhere Verwaltungsbeamte liegt seine grosse Staatsprüfung des Jahres 1901, verzeichnet als »Gerlach, Nikolaus von, Regierungsreferendar, Danzig« (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 125 Nr. 1568). 1902 wurde der Regierungsassessor dem Landrat des Kreises Mülheim am Rhein zugeteilt, 1908 zeigte er seine Verlobung mit Ehrengard von Mitzlaff an – der Reichsanzeiger nennt ihn dabei »Regierungsassessor Nikolaus von Gerlach a. d. H. Rohrbeck«. Zwischen den rheinischen Jahren liegt Westpreussen. Am 9. August 1904 meldet die Dürener Zeitung: »Regierungsassessor von Gerlach in Plutowo (Kreis Kulm) ist dem hiesigen Landratsamte zur Hülfeleistung in den landrätlichen Geschäften vom 1. Oktober d. J. ab überwiesen.« Plutowo war das Gut seines Onkels Jakob; von dort ging er in den Kreis Düren. Im September 1910 ernannte ihn der König zum Landrat in Bütow. Im April 1918 führt ihn dieselbe Quelle als »Landrat von Gerlach-Kolberg«; mit dem Amt kam der Sitz im Aufsichtsrat der Kolberger Kleinbahn, deren Festschrift ihn »von 1918 ab« verzeichnet.
Wie das Amt endete, steht in der Lokalpresse des Januars 1919. Am 12. Januar meldet die Gartzer Zeitung aus Kolberg, für die kommissarische Besetzung des Landratsamtes habe der Arbeiter- und Soldatenrat den ersten Bürgermeister der Stadt vorgeschlagen; das Ministerium habe diesen für unabkömmlich erklärt und werde »für den noch weiterhin beurlaubten Landrat von Gerlach einen Assessor als Vertreter« bestimmen. Vier Tage später ist die Sache offen: »Der Kolberger Landratskonflikt ist immer noch nicht beigelegt.« Die Delegierten des Rates hatten mit dem Regierungspräsidenten über die Gründe der beantragten Amtsentsetzung verhandelt, ergebnislos. Zwei Meldungen von je fünf Zeilen, und in ihnen ein Landrat, den die Revolution beurlaubt hat, den man absetzen will und für den niemand einen Nachfolger freigibt.
Danach lebte er in Großendorf im Kreis Stolp. Das Kirchliche Amtsblatt führt ihn 1926 als »Kgl. Landrat a. D. von Gerlach-Großendorf« unter den weltlichen Mitgliedern eines provinzialkirchlichen Gremiums; 1929 wurde er in die Liste der Verwaltungsrechtsräte beim Oberverwaltungsgericht eingetragen. Im Juli 1930 eröffnete das Amtsgericht Stolp das Konkursverfahren über das Vermögen seiner Frau in Großendorf – die Jahre nach dem Krieg waren auch für ihn nicht leicht. Seine Personalakte liegt im Geheimen Staatsarchiv (I. HA Rep. 77 Nr. 783, Laufzeit 1901 bis 1933).
Quellen: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger (28.10.1902, 31.10.1908, 2.9.1910, 15.4.1918, 9.12.1929, 16.7.1930); Gartzer Zeitung, Meldungen Kolberg vom 12. und 16. Januar 1919; Kirchliches Amtsblatt des Evangelischen Konsistoriums der Provinz Pommern 1926; Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Kolberger Kleinbahn-Aktiengesellschaft; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 77 Nr. 783.
GROSSENDORF, UND WIE ES ENDETE
Was nach dem Kolberger Konflikt kam, lässt sich aus den Anschriftenverzeichnissen und dem Reichsanzeiger zusammensetzen. Er führte den Doktortitel, sass auf Großendorf im Kreise Stolp – dem Gut seiner Frau, die es von ihrem Vater, dem Obersten Ernst von Mitzlaff, geerbt hatte – und wird dort 1921 und 1928 vom Kalender der Deutschen Adelsgenossenschaft verzeichnet; 1928 zugleich als stellvertretender Schatzmeister der pommerschen Landesabteilung. Am 9. Dezember 1929 trug man ihn als Landrat ausser Dienst in die Liste der Verwaltungsrechtsräte beim Oberverwaltungsgericht ein.
Ein halbes Jahr später brach es zusammen. Am selben Vormittag, dem 14. Juli 1930 um halb zehn, eröffnete das Amtsgericht Stolp das Konkursverfahren über ihr Vermögen und über seines; beide Bekanntmachungen stehen wenige Tage auseinander im Reichsanzeiger, und beide setzen hinter den Wohnort Großendorf den Zusatz »zur Zeit Berchtesgaden«. Das Verfahren dauerte fünf Jahre: Erst am 15. Oktober 1935 wurde ein Zwangsvergleich angenommen, und im November hob das Gericht es auf.
Der Zusatz »zur Zeit Berchtesgaden« ist mehr als eine Adresse. Er starb 1955 in Bischofswiesen, dem Nachbarort von Berchtesgaden – er ist also dort geblieben. Und als das Stettiner Staatsarchiv 1938 aufzählte, welche Adelsarchive es in den Jahren zuvor als Depositum aufgenommen hatte, stand unter den drei Gerlachschen Hinterlegungen »v. Gerlach-Berchtesgaden (1936)«, und zwar diejenige »mit den für die allgemeine preußische Geschichte höchst bedeutenden Nachlässen der Gebrüder Ludwig, Leopold und Otto v. Gerlach«. Der Hinterleger war er; die Papiere der drei Brüder lagen im Rohrbecker Archiv, im Haus seines Vaters.
Quelle des Nachtrags: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 9. Dezember 1929, 16. und 18. Juli 1930 und 12. November 1935; Kalender der Deutschen Adelsgenossenschaft 1921 und 1928 (Digitalisate der Biblioteka Elbląska); Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde 52. Jg. Nr. 4 (April 1938), S. 77.
Das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 gibt als Geburtstag den 3. März 1875, das Brünner Taschenbuch von 1892 den 3. Februar.
DAS GEBRAUCHSMUSTER UND DIE HOCHZEIT
Mit einundzwanzig Jahren, wohnhaft Berlin, Rathenower Strasse 9, liess er sich am 2. Februar 1897 das Gebrauchsmuster Nr. 71 938 eintragen: »Schrank mit einer oberen zum Einlegen von Zeitungen und einer unteren zur Herausnahme derselben dienenden Oeffnung« (Reichsanzeiger 5. April 1897, S. 23) – dieselbe Erfindung, die sein Bruder Servatius fünf Wochen später in Kanada patentieren liess. Getraut wurde Mitte Januar 1909 in Vinzelberg, dem Kröcherschen Gut, aus dem die Tante Ida stammte: »Verehelicht: Hr. Regierungsassessor Nicolaus von Gerlach mit Frl. Ehrengard von Mitzlaff (Vinzelberg)« (Reichsanzeiger 21. Januar 1909; Berliner Börsen-Zeitung vom selben Tag). Im November 1916 erhielt »Frau Landrat Ehrengard von Gerlach, geb. von Mitzlaff, in Bütow« eine Auszeichnung, die der Reichsanzeiger verzeichnet. Sein Nachfolger im Kolberger Landratsamt war spätestens im März 1920 Dr. Baron von Stempel, der an seiner Stelle in den Aufsichtsrat der Kolberger Kleinbahn rückte. Im Mai 1921 wählte die Molkereigenossenschaft Hebrondamnitz »den Landrat a. D. v. Gerlach in Großendorf« in den Vorstand; 1923 steht die Gutsverwaltung Großendorf in der Saatgutliste. Die Todesanzeige für die Diakonisse Gertraud von Mitzlaff, die Schwester seiner Frau, unterzeichneten im Februar 1928 »Ehrengard v. Gerlach, geb. v. Mitzlaff, Nikolaus v. Gerlach, Kgl. Landrat i. R.« mit »2 Neffen und 2 Nichten« (Aufwärts 11. Februar 1928). Der »Telegraphendiener Nikolaus von Gerlach« der Augsburger Abendzeitung von 1891 ist ein bayerischer Namensvetter.
Quellen: Deutscher Reichsanzeiger 5. April 1897, S. 23, 21. Januar 1909, S. 4, 11. November 1916, S. 4, 6. April 1920, S. 20, 2. Juni 1921, S. 38, und 6. Februar 1923, S. 7; Berliner Börsen-Zeitung 21. Januar 1909, S. 12; Aufwärts 11. Februar 1928, S. 4 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
ER IST DER HINTERLEGER
Belegt ist das von zwei Seiten. Kalliope weist ihm über seine Normnummer vierundzwanzig Stücke zu, dreiundzwanzig davon im Gerlach-Archiv zu Erlangen. Die Briefe tragen ihre Ausstellungsorte, und die Orte schreiben seinen Weg fort: Frankfurt an der Oder im Dezember 1908, Großendorf in Pommern im Dezember 1924, und von 1927 bis 1951 durchgehend Berchtesgaden. Das Staatsarchiv Stettin wiederum führt in seiner eigenen Registratur zwei Akten über die Hinterlegung, deren Titel genau diese beiden Wohnorte nennen: Nr. 572 von 1936 »Deponierung von Gerlach, Berchtesgaden bezw. Grossendorf« und Nr. 1485 von 1935 »Depositum v. Gerlach (Berchtesgaden)«. Beide Jahre fallen mitten in seine Berchtesgadener Zeit. Und seine eigenen Titel nennen zweimal das »Rohrbecker Archiv« – den Ort, an dem die Papiere vorher lagen, im Hause seines Vaters. Quellen: Kalliope-Verbundkatalog, Normnummer 106539120X; Archiwum Państwowe w Szczecinie, Bestand 65/78, Nrn. 572 und 1485.
WAS ER GESCHRIEBEN HAT
Er hat das Familienarchiv geordnet und darüber hinaus Geschichte geschrieben. Von ihm stammen das alte Inhaltsverzeichnis der Teilbestände, dreihundertvierunddreissig Seiten stark, die Ahnentafeln der Familie mit sechs Stammbäumen, zwischen 1925 und 1934 zusammengetragen, und eine Sammlung zu den Gerlachschen Urkunden, die mit dem Jahr 1347 einsetzt und bis 1767 reicht; neben Notizen und Abschriften liegen darin neun Photokopien. Dazu sechs Handschriften: 1949 in Berchtesgaden eine dreihundert Seiten starke Darstellung der vier Brüder Wilhelm, Leopold, Ludwig und Otto von Gerlach; eine Arbeit über Ludwig von Gerlach und Bismarck im Lichte der Bismarckbriefe des Rohrbecker Archivs; eine über Ernst Ludwig von Gerlach im Jahre 1848; eine über die preussische Eherechtsreform von 1842 bis 1844, ebenfalls aus dem Rohrbecker Archiv; ein Lebenslauf des preussisch-anhaltischen Offiziers Friedrich Ernst von Chambaud Charrier von 1933; und eine Studie über den Werbener Getreidehändler und Bankier Christian Kaulitz. Gedruckt wurde nichts davon – weder der Verbundkatalog K10plus noch die Deutsche Digitale Bibliothek kennen eine Veröffentlichung unter seinem Namen. Alles blieb Typoskript und liegt heute in Erlangen. Quelle: Gerlach-Archiv der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, FA02312, FA02142, FA02003, FA01125, FA01087, FA02037, FA02211, FA02010.1, FA02180.1, nachgewiesen über den Kalliope-Verbundkatalog.
Eine Angabe steht quer. Das Findbuch des Geheimen Staatsarchivs betitelt seine Personalakte I. HA Rep. 77 Nr. 783 mit »Gerlach, Nikolaus. Landrat des Kreises Stolp, Regierungsbezirk Köslin«. Ernannt wurde er nach dem Reichsanzeiger 1910 für Bütow und 1918 für Kolberg-Körlin, beide ebenfalls im Regierungsbezirk Köslin; Großendorf, wo er nach 1919 lebte, liegt im Kreise Stolp. Quelle: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 77, Personalakten Nr. 783 (alt: Beamtensachen G 266), Laufzeit 1901 bis 1933.
DER BRAND VON 1926
Am 11. August 1926 brannte das Dorf, in dem er lebte. Zwei Blätter meldeten es, beide nach derselben Agenturnachricht und beide weit weg – eines in Hermannstadt, eines in Temeswar. Drei Viertel von Großendorf im Kreise Stolp seien in Asche gelegt worden: zweiundzwanzig Wirtschaften, siebenundfünfzig Gebäude, dazu die gesamte schon eingefahrene Ernte. Einhundertfünfzig Schweine, achtzig Kühe und eine Menge Kleinvieh kamen in den Flammen um. Weil die Feuerwehr nur einfaches Gerät hatte, war der Brand erst am Abend gelöscht; im ganzen Dorf blieben vierzehn Häuser unversehrt. Die beiden Fassungen weichen in Einzelheiten voneinander ab, wie es bei zweimal weitergereichten Meldungen zu erwarten ist; das Gut selbst nennt keine von beiden. Er war damals seit sieben Jahren Landrat ausser Dienst und sass auf dem Gut seiner Frau. Quellen: Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt, 17. August 1926, nach einer Meldung aus Stettin; Temesvarer Zeitung, 14. August 1926, nach einer Meldung aus Berlin (beide Digitales Forum Mittel- und Osteuropa, difmoe.eu).
GROSSENDORF UND DER ANGENOMMENE SOHN
Das Gut, auf dem er sass, war Grossendorf im Kreise Stolp, und er sass dort lange. Der Kalender der Deutschen Adelsgenossenschaft führt ihn 1921 unter der Nummer 1547 als »Gerlach, v., Landrat a. D., Rittergutsbes., Grossendorf (Kr. Stolp)«. Sieben Jahre später steht er im Vorstand der Stolper Gruppe derselben Vereinigung, als stellvertretender Schatzmeister – und Schatzmeister war ein Major a. D. von Mitzlaff, Stolp, Wasserstrasse 4, also ein Verwandter seiner Frau. Die Ehe mit Ehrengard von Mitzlaff, geschlossen am 15. Januar 1909, blieb kinderlos. 1926, in dem Jahr, in dem drei Viertel des Dorfes abbrannten, nahmen die beiden einen Neunzehnjährigen an Kindes Statt an: Achaz von Schwerdtner, geboren 1907, aus einem sächsisch-pommerschen Hause, das 1790 geadelt worden war. Mit der Annahme ging die Führung der Namen über; das Gedenkbuch des deutschen Adels führt ihn als Achaz von Schwerdtner-Mitzlaff und von Gerlach. Er blieb, wo das Gut war: Das Deutsche Adelsblatt vom 1. Dezember 1935 verzeichnet ihn als »Achaz von Schwerdtner, Landwirt, Grossendorf, Stolp« und gleich dahinter »Margot von Schwerdtner geb. Freiin von Welch ebenda« – seine Frau. Er fiel 1945 als Hauptmann der Reserve. Quellen: Kalender der Deutschen Adelsgenossenschaft, Jahrgänge 1921 und 1928; Deutsches Adelsblatt, 53. Jahrgang, Nr. 49 vom 1. Dezember 1935 (Digitalisate der Elbinger Bibliothek); Gedenkbuch des deutschen Adels, hrsg. von Matthias Graf von Schmettow, Limburg an der Lahn 1968, S. 311.
DIE PERSONALAKTE IM MINISTERIUM
Seine Personalakte im preussischen Ministerium des Innern ist erhalten und deckt mit der Laufzeit 1901 bis 1933 die ganze Beamtenzeit – vom Jahr der grossen Staatsprüfung bis über den Abschied hinaus. Das Findbuch verzeichnet sie als »Gerlach, Nikolaus. Landrat des Kreises Stolp, Reg.-Bezirk Köslin«. Der Stolper Titel steht damit gegen die hier belegte Ämterfolge Bütow und Kolberg-Körlin.
(GStA PK, I. HA Rep. 77 Ministerium des Innern, Personalakten Nr. 783, Beamtensachen G 266; Findbuchverzeichnung über das Archivportal-D.)
Sources
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Parents
Siblings (9)
Magdalena von Gerlach
* 1865 · † 1871
Helene von Gerlach
* 1873 · † 1874
Servatius von Gerlach
* 1868 · † 1950
Friedrich Wilhelm Otto Adolf Ludwig von Gerlach
* 1859 · † 1859
Katharina von Gerlach
* 1872 · † 1914
Hans Jakob von Gerlach
* 1866 · † 1867
Martin von Gerlach
* 1860 · † 1929
Adolfine Ida Angelika von Gerlach
* 1862
Marie Bertha Louise von Gerlach
* 1863 · † 1866
Spouses / partners
Ehrengard von Mitzlaff
* 1876 · † 1958
∞ about 1909