Person record
Friedrich Wilhelm Leopold von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 27 June 1828 · Berlin
- Death
- 24 November 1891 · Rohrbeck
- Age
- 63 years
Landrat und Oberpräsidialrat, Herr auf Rohrbeck. Geboren am 27. Juni 1828 in Berlin, gestorben am 24. November 1891 auf Rohrbeck. Sohn Gustav Wilhelms von Gerlach und der Ida von Chambaud-Charrier, die starb, als er zwei Jahre alt war.
Er wurde Verwaltungsjurist wie der Vater und die Onkel: erst Landrat, zuletzt Oberpräsidialrat in Danzig. Die mittleren Jahre verbrachte er in Oschersleben, wo die meisten seiner Kinder zur Welt kamen – und zwar als Landrat des Kreises. Das sagt eine Steuerakte der Regierung Magdeburg, die 1881 und 1882 einen »Prozess gegen den Landrat v. Gerlach in Oschersleben wegen Erstattung eines Einkommensteuerausfalls des Rittergutsbesitzers Dettmar zu Crottorf« führte (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, C 28 IIIc Nr. 5). Der Kreis Oschersleben lag im Regierungsbezirk Magdeburg, gleich neben dem Kreise Gardelegen, den sein Bruder Jakob seit 1861 als Landrat verwaltete: zwei Brüder, zwei benachbarte Kreise, dieselbe Regierung. Am 1. Oktober 1858 heiratete er Marie von Rohr – und zwar, wie der Brünner Jahrgang 1892 schreibt, zu Hohenwulsch in der Altmark, dem Gut ihres Hauses; dort war sie am 28. Dezember 1837 geboren.
Mit ihm beginnt in Rohrbeck die Generation, die das Gut bis 1945 hielt. Martin (1860–1929) wurde Pfarrer in Kraschnitz und gründete in Rothenburg in der Oberlausitz das Brüderhaus Zoar. Servatius (1868–1950) wurde Major und bewirtschaftete Rohrbeck. Nikolaus (1875–1955) ging in den Verwaltungsdienst und wurde Landrat in Bütow und später in Kolberg-Körlin. Die Töchter Adolfine Ida Angelika (1862) und Katharina (1872–1914) sind im Stammbaum ohne eigene Linie geblieben.
Er starb auf dem Gut, dreiundsechzig Jahre alt. Seine Frau überlebte ihn um neunzehn Jahre; in den polnischen Ortschroniken hiess Rohrbeck danach noch lange der Besitz »der Erben der Marie von Gerlach«.
Wo er als Oberpräsidialrat sass, sagt eine böhmische Kurliste. Karlsbad druckte täglich ein amtliches Verzeichnis der angekommenen Gäste; am 8. Juli 1889 steht dort unter der laufenden Nummer 14190: »Herr Friedrich von Gerlach, kgl. pr. Oberpräsidialrath m. Gemalin Maria geb. Rohr a. Danzig«, Wohnung im Haus »Europa« am Schlossplatz, zwei Personen. Danzig war der Sitz des Oberpräsidiums der Provinz Westpreussen, und »Maria geb. Rohr« ist seine Frau Marie von Rohr. Zwei Jahre später starb er auf Rohrbeck. (Karlsbader Kurliste vom 11. Juli 1889; Digitalisat der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik, Prag.)
Das Brünner Taschenbuch der adeligen Häuser, gedruckt am 10. November 1891 und damit zwei Wochen vor seinem Tod, führt ihn als »Dr. jur. und kön. preuß. Geh. Ober-Regierungsrath a. D.«. Den Titel hatte ihm der König bei seinem Abschied verliehen, »bei welcher Gelegenheit ihm der Charakter als Geheimer Ober-Regierungsrath Allerhöchst verliehen wurde«, wie der Nachruf in der Hallischen Zeitung vom 1. Dezember 1891 sagt. Dasselbe Buch verrät nebenbei, wo die Familie um 1860 sass: Der älteste Sohn Martin kam am 28. Dezember 1860 in Münster in Westfalen zur Welt, die jüngeren dann in Oschersleben. (Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser (Brünn: Buschak & Irrgang, ab Jahrgang 10 Friedr. Irrgang), Jahrgang 17 (1892), Seite 96.)
Nach seinem Tod ist über ihn gedruckt worden. Das Staatsarchiv Leipzig verwahrt unter den Genealogischen Mappenstücken eine »Biografie des Friedrich Wilhelm Leopold von Gerlach«, eine Druckschrift von 1891 (Sächsisches Staatsarchiv, 22179 Nr. Ma 14666). Das Findbuch setzt seine Lebensdaten dort auf 1828 bis 1890. Dass die Familie zuletzt in Danzig sass, bestätigt noch ein drittes Zeugnis: Sein Sohn Nikolaus legte ebenda 1901 die grosse Staatsprüfung ab.
Zwei Besitzzeilen, fünf Jahre auseinander, zeigen den Augenblick, in dem Rohrbeck wieder ein ganzes Gut wurde. Der Brünner Jahrgang 1887 führt ihn als »Mitbesitzer des Rittergutes Rohrbeck (ein Viertel)«; sein Bruder Jakob hielt ein weiteres Viertel, der Vetter Berndt Georg Wilhelm die Hälfte. Der Jahrgang 1892 nennt ihn dagegen schlicht »Besitzer des Rittergutes Rohrbeck«. Dazwischen liegen der Tod des Vetters und die Grundbuchauszüge, die das Amtsgericht Königsberg in der Neumark im Mai 1890 ausfertigte. Aus drei Anteilen wurde wieder ein Gut, und er war der, in dessen Hand sie zusammenliefen.
Quellen des Nachtrags: Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser (Brünn: Buschak & Irrgang, ab Jahrgang 10 Friedr. Irrgang), Jahrgänge 12 (1887), S. 164, und 17 (1892), S. 96.
Ostern 1837, im Haus des Onkels Ernst Ludwig in Frankfurt an der Oder, erkrankte er mit seinen drei Brüdern am Scharlachfieber. Zwei starben daran. Er lag noch mehrere Wochen zu Bett, litt aber so wenig, dass der Onkel nach eigenem Bekunden nur der Versicherung der Ärzte glaubte, er habe die Krankheit überhaupt gehabt.
Quelle des Nachtrags: Ernst Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877, Schwerin 1903, Band 1, S. 238.
Die früheste Nachricht von ihm ist eine Kinderszene aus dem Dezember 1831, aufgeschrieben von seinem Onkel Ernst Ludwig, der mit seiner Frau vom 9. Dezember bis Mitte Januar in Berlin bei dem verwitweten Vater wohnte. Der Onkel Otto hatte vorher geschrieben, »Wilhelms kleine Jungen Ernst und Friedrich sind die Einzigen, die sich etwas genieren müssen, da ihnen ihr Tummelplatz, um Euch Platz zu machen, etwas genommen wird«. Dann die Szene selbst: »Ich fragte Friedrich: ›Wer ist denn Onkel Ludwig?‹ – ›Dat weet ick nich.‹ So altmärkisch sprachen sie.« Er war damals dreieinhalb Jahre alt und hatte die ersten Jahre auf dem Gut Kläden in der Altmark verbracht; die Sprache des Kinderzimmers war Plattdeutsch, nicht Hochdeutsch. Der Onkel setzt hinzu, sie seien wirklich ganz allerliebst gewesen, »wenn die Feßlerin sie abends vor dem Zubettgehen in ihren Hemdchen vorwies und herumlaufen ließ«.
Quelle des Nachtrags: Ernst Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877, Schwerin 1903, Band 1, S. 200.
Auch sein Tod steht in den Zeitungen. Der Deutsche Reichsanzeiger führt ihn am 26. November 1891 unter den Verstorbenen: »Hr. Geh. Ober-Regierungs-Rath a. D. Dr. jur. Friedrich Wilhelm Leopold von Gerlach (Rohrbeck)«. Ausführlicher die Hallische Zeitung vom 1. Dezember, mit einer Meldung aus Oschersleben vom 29. November, wo er Landrat gewesen war: »Der Königliche Ober-Präsidialrath a. D. Geheime Ober-Regierungsrath Herr Friedrich Wilhelm Leopold von Gerlach ist … am 24. d. M. nach längerem Leiden« gestorben. Damit ist der Sterbetag durch zwei voneinander unabhängige Blätter belegt, und dass es kein plötzlicher Tod war, steht auch dabei.
Quelle des Nachtrags: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 26. November 1891; Hallische Zeitung, Erste Ausgabe, vom 1. Dezember 1891 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
ZEHN KINDER
Das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 zählt seine Kinder vollständig, und es sind zehn, nicht fünf: Friedrich Wilhelm Otto Adolf Ludwig (Hohenwulsch 15. August 1859 – dort 20. August 1859), Martin (Münster 28. Dezember 1860), Adolfine Ida Angelika (Münster 1. Juni 1862), Marie Bertha Louise (Berlin 28. Dezember 1863 – Oschersleben 1. April 1866), Magdalena (Oschersleben 4. Juli 1865 – dort 25. Januar 1871), Hans Jakob (Oschersleben 2. Dezember 1866 – dort 1. Januar 1867), Servaz (Oschersleben 1. März 1868), Katharina (Oschersleben 5. Februar 1872), Helene (Oschersleben 23. Dezember 1873 – dort 29. September 1874) und Nikolaus (Oschersleben 1875). Fünf Kinder starben vor dem sechsten Geburtstag; das erste war fünf Tage alt und kam auf dem Gut der Schwiegermutter zur Welt, zehn Monate nach der Hochzeit. Die Reihe zeigt zugleich die Stationen: Hohenwulsch 1859, Münster 1860 bis 1862, Berlin 1863, Oschersleben von 1865 an.
DIE LAUFBAHN AUS DEN AMTSBLÄTTERN
Am 27. Mai 1851 wurde »Dr. jur. Friedrich Wilhelm Leopold von Gerlach« als Auskultator beim Appellationsgericht Naumburg angenommen, im Mai 1853 auf Antrag nach Magdeburg versetzt, am 18. August 1856 Gerichtsassessor. Am 27. Januar 1858 schied er aus dem Justizdienst aus, »zum Zweck seiner Uebernahme in die Verwaltung«. Der Staats-Anzeiger vom 5. Juli 1864 meldete die Ernennung des »seitherigen Landrathsamts-Verwesers Regierungs-Assessor Friedrich Wilhelm Leopold von Gerlach zum Landrathe des Kreises Oschersleben« – Landrat also seit dem Sommer 1864, davor kommissarisch. Im September 1865 führte er den Vorsitz der Konferenz der Kreiskomitees für den Rhein-Weser-Elbe-Kanal, 1866 wurde er Kreiskommissarius. Orden: 1867 die Erlaubnis zur Anlegung des russischen St. Stanislaus-Ordens zweiter Klasse, im September 1876 der Rote Adlerorden vierter Klasse, im September 1883 der Kronenorden dritter Klasse. Zum Oberpräsidialrat ernannt wurde er im Frühjahr 1884: Die Bonner Zeitung meldete es am 3. April, und der Reichsanzeiger vom 16. April 1884 brachte die Ernennung des »Landrath von Gerlach aus Oschersleben zum Ober-Präsidial-Rath« und seine Zuteilung an den Oberpräsidenten der Provinz Westpreussen. 1885 ersetzte der Provinziallandtag Sachsen den »aus der Provinz verzogenen Ober-Präsidialrath von Gerlach zu Oschersleben«. Dort vertrat er als Oberpräsidialrat den Oberpräsidenten als Kommissar auf dem Westpreussischen Provinziallandtag 1888, 1889 und 1890. Seine Frau Marie steht im November 1871 in der Liste der ausgezeichneten Frauen des Reichsanzeigers als »Frau Landrath Marie v. Gerlach zu Oschersleben«. Bachmann erzählt in seiner Hengstenberg-Biographie (1880) »nach einer Mittheilung des Herrn Landraths von Gerlach zu Oschersleben«, Ludwig von Gerlach habe wiederholt gesagt, im kleinen Nebenhaus seines Elternhauses »Hinter der Katholischen Kirche Nr. 1« sei die Evangelische Kirchen-Zeitung »zur Welt geboren«.
Quellen: Amtsblatt der Regierung zu Merseburg 1851, S. 193 (MDZ bsb10001356); Amtsblatt Magdeburg 1853, S. 254, 1856, S. 615, 1858, S. 133, 1864, S. 197 (bsb10014872, bsb10014875, bsb10014877, bsb10014884); Königlich Preußischer Staats-Anzeiger 5. Juli 1864, S. 1, und 16. September 1867 (bsb10486500); Hallesches Tageblatt 15. September 1876; Berliner Tageblatt 20. September 1883; Bonner Zeitung 3. April 1884, S. 3; Deutscher Reichsanzeiger 16. April 1884, S. 1; Hallische Zeitung 18. Oktober 1885; Deutscher Reichsanzeiger 15. November 1871, S. 4 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Verhandlungen des Westpreussischen Provinziallandtages 1888–1890 (bsb11480790, bsb11480791, bsb11480792); Bachmann, Hengstenberg, Bd. 2, 1880 (bsb11571249, Bild 178).
Sources
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Parents
Siblings (6)
Spouses / partners
Children (10)
Friedrich Wilhelm Otto Adolf Ludwig von Gerlach
* 1859 · † 1859
Martin von Gerlach
* 1860 · † 1929
Adolfine Ida Angelika von Gerlach
* 1862
Marie Bertha Louise von Gerlach
* 1863 · † 1866
Magdalena von Gerlach
* 1865 · † 1871
Hans Jakob von Gerlach
* 1866 · † 1867
Servatius von Gerlach
* 1868 · † 1950
Katharina von Gerlach
* 1872 · † 1914
Helene von Gerlach
* 1873 · † 1874
Nikolaus von Gerlach
* 1875 · † 1955