Person record
Luise Agnes Dorothea von Gerlach
- Gender
- female
- Birth
- 22 September 1825 · Berlin
- Baptism
- 14 October 1825 · Dom, Berlin Stadt, Brandenburg
- Death
- 22 February 1896 · Vinzelberg
- Age
- 70 years
In der Familie hiess sie »Wieschen«. Nach dem Tod des Vaters 1834 kam sie mit ihren Geschwistern zum Onkel Ernst Ludwig; eingesegnet wurde sie von ihrem Onkel Otto von Gerlach in der neu erbauten Kirche zu Darnewitz, im Beisein der Familie von Levetzow. Sie heiratete am 20. April 1849 in Kläden den dortigen Pastor August Kirsch und war seit dem 21. September 1851 Witwe – nach zweieinhalb Jahren Ehe. Danach ging sie in den Dienst, und zwar an die Spitze: Die Brünner Taschenbücher von 1878, 1883 und 1892 führen sie als »Oberin der Central-Diakonissen-Anstalt Bethanien zu Berlin«, und die Berliner Adressbücher bestätigen es Jahr für Jahr: von 1874 bis 1891 steht sie dort als Oberin, mit der Anschrift Mariannenplatz 2 im Südosten der Stadt – dem Haus Bethanien in der Luisenstadt, Parterre. Das sind achtzehn Jahre an der Spitze eines Mutterhauses, und sie hatte das Amt schon vor dem ersten dieser Jahrgänge inne. 1893 führt das Buch sie an derselben Anschrift als »ehemalige Oberin des Diakonissenhauses Bethanien«: Sie hatte abgegeben und war im Haus geblieben. Vom Jahrgang 1894 an steht sie in keinem Band mehr. Sie starb als Diakonisse. Das Gerlachsche Familienarchiv bewahrt unter FA02006.2 ein Manuskript »Die letzten Monate und das selige Sterben der Diakonisse Luise Kirsch geborene von Gerlach« und neun Konvolute ihrer Briefe an Ernst Ludwig aus den Jahren 1837 bis 1876. Quellen: Aufzeichnungen aus dem Leben Ernst Ludwig von Gerlachs, Schwerin 1903; Findbücher des Gerlach-Archivs der Universitätsbibliothek Erlangen.
Getraut wurde am 20. April 1849 in Kläden, dem altmärkischen Gut, auf dem sie aufgewachsen war; ihr Mann war dort Pfarrer. Er starb am 21. September 1851, nach zwei Jahren und fünf Monaten Ehe. Beide Tage nennen alle vier Brünner Jahrgänge übereinstimmend.
Quelle des Nachtrags: Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser (Brünn: Buschak & Irrgang, ab Jahrgang 10 Friedr. Irrgang), Jahrgänge 1878, 1883, 1887 und 1892, Artikel von Gerlach.
Die Adressbücher zeigen auch den Weg dorthin und den Weg heraus. Ihr Mädchenname erscheint in ihnen nie; sie steht, wie alle verheirateten Töchter des Hauses, unter dem Namen ihres Mannes – zwischen einem Schuhmacher Kirsch in der Prinzenstrasse und einem Stadtvogtei-Beamten Kirsch in der Linienstrasse, als »Louise, geb. v. Gerlach, Oberin des Diakonissenhauses Bethanien«. Die Pfarrwitwe aus dem altmärkischen Kläden und die Oberin des Diakonissenhauses Bethanien sind in diesen Bänden dieselbe Zeile.
Quelle des Nachtrags: Berliner Adressbücher 1874 bis 1894, Digitalisate der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.
Ihr Geburts- und ihr Tauftag stehen in den Aufzeichnungen ihres Onkels. Am 22. September 1825 wurde sie in Berlin geboren, die zweite Tochter Wilhelms von Gerlach. Getauft wurde sie am 15. Oktober vom Hofprediger Theremin, der in der Taufrede an alle Anwesenden die Aufforderung richtete, sich den Gnadenwirkungen des Herrn gegenüber so zu verhalten, wie jetzt dieses Kind. Der Onkel setzt ihren Rufnamen in eckige Klammern dahinter: Wieschen.
Quelle des Nachtrags: Ernst Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877, Schwerin 1903, Band 1, S. 148 und 149.
ZWANZIG JAHRE BETHANIEN, UND WIE SIE ENDETEN
Die Zeitungen machen aus den Adressbuchzeilen eine Laufbahn. Sie stand dem Central-Diakonissenhaus Bethanien in Berlin von 1872 an vor – zwei Jahre früher, als die Adressbücher es zeigen. Was das Amt bedeutete, sagt die Berliner Börsen-Zeitung schon im August 1873 in einem Nebensatz: »Neben dem Curatorium hat die berufene Oberin Louise Kirsch, geb. v. Gerlach, die Verwaltung der Direktion inne.« Das Haus zählte damals einunddreissig auswärtige Stationen, darunter dreiundzwanzig Krankenhäuser, zwei Siechenhäuser und zwei Waisenhäuser; etwa die Hälfte der Schwestern war dorthin entsandt.
Im Februar 1892 legte sie das Amt nieder. Die Rhein- und Ruhrzeitung meldete es am 18.: Die Oberin »gedenkt nach langjähriger Thätigkeit demnächst aus ihrem Amt zu scheiden«. Am 10. März wurde die Gräfin Julie von Keller feierlich eingeführt, »die berufen ist, die Frau P. Kirsch zu ersetzen«; die Kaiserin kam mit ihrem Gefolge und blieb längere Zeit im Hause. Nach ihrem Abgang blieb sie Mitglied der Diakonissengemeinschaft und wohnte weiter am Mariannenplatz.
Wo sie starb, ist bezeichnend. Im Sommer 1894 verlegte sie ihren Wohnsitz nach Vinzelberg in der Altmark – auf das Gut der von Kröcher, in das ihre Schwester Bertha geheiratet hatte und auf dem diese 1863 gestorben war –, in das Haus ihrer Nichte Bertha von Kröcher, »um dort bei ihren Verwandten ihr Leben zu beschließen«. Dort starb sie im einundsiebzigsten Lebensjahr; die Nachricht stand am 25. Februar 1896 in der Norddeutschen allgemeinen Zeitung und in der Westdeutschen Zeitung, am 6. März im Schwäbischen Merkur. Die Pfarrwitwe, die mit fünfundzwanzig Jahren Witwe geworden war, hat vierundvierzig Jahre allein gelebt und zwanzig davon ein Mutterhaus geführt.
Quelle des Nachtrags: Berliner Börsen-Zeitung vom 9. August 1873; Rhein- und Ruhrzeitung vom 18. Februar 1892; Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 10. März 1892 und vom 25. Februar 1896; Westdeutsche Zeitung vom 25. Februar 1896; Schwäbischer Merkur vom 6. März 1896 – alle über das Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek.
DAS AKAZIENHAUS
Die erste steht in den Familiennachrichten des Reichsanzeigers vom 25. Februar 1896, zwischen einer Professorenwitwe aus Gießen und einer anderen Verwitweten: »Fr. Pastor Luise Kirsch, geb. von Gerlach (Akazienhaus zu Vinzelberg)«. Das Haus, in das sie sich zum Sterben zurückzog, hatte also einen Namen, und es war nicht das Gutshaus selbst.
Die zweite steht fünf Jahre früher und zeigt, wie weit ihr Amt reichte. Am 5. März 1891 druckte die Norddeutsche allgemeine Zeitung einen Aufruf des Curatoriums von Bethanien ab: Man brauche sechzig- bis siebzigtausend Mark für einen Neubau, denn die Schwestern müssten »zum Theil recht beschränkt wohnen«, und die Halle, »der einzige Versammlungsraum der Schwestern«, sei durch angebaute Stuben »beengt und verdunkelt«. Zuletzt sei man vor zehn Jahren bittend vor die Öffentlichkeit getreten, damals für das Kinderasyl in Heringsdorf. Unterschrieben ist der Aufruf, datiert Berlin, den 11. Februar 1891, von den Mitgliedern des Curatoriums, und die Reihenfolge sagt etwas: zuerst der Vorsitzende, ein General der Infanterie ausser Diensten, dann »Luise Kirsch, geb. von Gerlach, Oberin von Bethanien«, und erst danach der stellvertretende Vorsitzende, ein Oberverwaltungsgerichtsrat, ein Justizrat, der Generalarzt der Charité und ein Hofprediger. Sie stand in diesem Gremium an zweiter Stelle.
Quelle des Nachtrags: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 25. Februar 1896, S. 4; Norddeutsche allgemeine Zeitung, Morgen-Ausgabe vom 5. März 1891, S. 6 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
DER 22. FEBRUAR 1896
Der Bericht des Diakonissenhauses Bethanien für 1895 im Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg (1896, S. 168) gibt den Tag: »Sie starb am 22. Februar 1896 zu Vinzelberg in der Altmark, im Hause ihrer Nichte Bertha von Kröcher, woselbst sie bereits im Sommer 1894 ihren Aufenthalt genommen hatte.« Das Deutsche Adelsblatt (1896, S. 156) bestätigt ihn: »Am 22. v. Mts. verschied in Vinzelberg in der Altmark die … Diaconisse Luise Kirsch, geb. v. Gerlach«, nach fast zwanzig Jahren im Amt der Oberin; »dort wird sie auch ihre letzte Ruhe finden«. Ihre Einführung als Oberin fand am 23. April 1872 durch den Generalsuperintendenten Propst Brückner statt, nachdem die Vorgängerin Aurelie Platen erschöpft zurückgetreten war (Monatsschrift für Diakonie und innere Mission 1, 1876/77, S. 344). Am 19. März 1887 erhielt sie den Luisenorden zweiter Abteilung erster Klasse mit der Jahreszahl 1865 (Königlich preußische Ordensliste, Nachträge 1886/90, S. 86). 1893 nahm sie an der Konferenz in Neuendettelsau teil. Ihr letztes Werk war »ein Büchlein mit den Lebensläufen unserer entschlafenen 89 Schwestern«; ein kleines Heft mit ihrer Lebensskizze und der Gedächtnispredigt ist gedruckt worden. Beim fünfzigjährigen Jubiläum Bethaniens am 10. Oktober 1897 übergab die Frau des Präsidenten Hegel »ein von Fräulein Rosa Petzel gemaltes Bild der Oberin Luise Kirsch geb. von Gerlach«. Der Vorname der Nachfolgerin wird in den Quellen als Julie und als Jenny von Keller gegeben.
Quellen: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg 37 (1896), S. 168 (MDZ bsb11787099, Bild 194), und 38 (1897), S. 291 (bsb11787100, Bild 299); Deutsches Adelsblatt 14 (1896), S. 156 (bsb11792640, Bild 198); Monatsschrift für Diakonie 1 (1876/77) (bsb11357382, Bild 358); Ordensliste 1886, Nachträge (bsb11500168, Bild 94); Jahresbericht Neuendettelsau 40 (1893) (bsb11567937).
Parents
Siblings (6)
Spouses / partners
August Kirsch
* 1815 · † 1851
∞ 20 April 1849