Person record
Jakob von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 20 March 1830 · Kläden
- Death
- 26 November 1908 · Berlin
- Age
- 78 years
Landrat des Kreises Gardelegen, Geheimer Regierungsrat, Präsident der Berliner Missionsgesellschaft. Geboren am 20. März 1830 auf Gut Kläden in der Altmark, gestorben am 26. November 1908 in Berlin. Sohn Gustav Wilhelms von Gerlach und der Ida von Chambaud-Charrier, die drei Wochen nach seiner Geburt starb; Enkel Leopolds von Gerlach, des ersten Oberbürgermeisters von Berlin.
Er wurde Verwaltungsjurist wie der Vater und der ältere Bruder Friedrich. Wie er in dieses Amt kam, sagt die Geschichte des Geschlechts von Kröcher. Das Landratsamt des Kreises Gardelegen hatte von 1816 bis 1842 sein Schwiegervater Friedrich Wilhelm Carl von Kröcher geführt, danach dessen Sohn Friedrich Wilhelm – der Mann von Jakobs Base Bertha von Gerlach. Als dieser 1861 den Abschied nahm, trat Jakob an seine Stelle: erst am 1. Mai mit der einstweiligen Verwaltung, dann durch Ernennung. Das Amt blieb damit fünfundvierzig Jahre in einer Familie und ging über eine Heirat weiter. Im Juni 1861 ernannte ihn der König zum Landrat des Kreises Gardelegen; der Staats-Anzeiger vom 25. Juni führt ihn dabei als »Landraths-Amts-Verweser, Gerichts-Assessor Jakob von Gerlach auf Vollenschier«. Einunddreissig Jahre blieb er in diesem Amt, bis zum 1. Juli 1892. In den Jahren 1866 und 1867 und dann wieder von 1882 bis 1888 sass er im Abgeordnetenhaus.
Am 21. Mai 1858 heiratete er in Vinzelberg Ida Sophie von Kröcher (1830–1905) – so das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 und die Geschichte des Geschlechts von Kröcher von 1864; das Brünner Taschenbuch von 1892 schreibt den 23. Mai –; die Ehe blieb kinderlos. Mit ihr kam die Hälfte des Rittergutes Vollenschier in der Altmark an ihn, wo er als Witwer bis zuletzt lebte. Aus derselben Hand kam das Rittergut Plutowo im Kreise Kulm in Westpreussen; den Anteil an Rohrbeck hatte er aus dem väterlichen Erbe.
Beide westpreussischen und altmärkischen Güter waren kröchersches Gut, nicht gerlachsches. Das Brünner Taschenbuch führt sie im Artikel von Kröcher unter dem Besitz jenes Hauses – »in Westpreußen: Plutowo (seit 1806) und Dietrichsdorf (seit 1826, beide Allodial-Rittergüter)« –, und der Jahrgang 1877 nennt den Besitzer: seinen Schwiegervater Friedrich Wilhelm Karl von Kröcher, Landesdirektor der Altmark, »auf Vinzelberg und Deetz in der Altmark, Plutowo, Falenczin und Gluchowo in Westpreußen«, gestorben am 12. Januar 1861. Über die Teilung dieses Nachlasses und über das Testament seiner Frau liegt eine Akte im Gutsarchiv Erxleben, Laufzeit 1861 bis 1905 (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, H 66 Nr. 1052). Weil die Ehe kinderlos blieb, ist aus Plutowo nie ein Gut der Familie von Gerlach geworden: Er hat es gehalten, und mit ihm hörte es auf. Das Brünner Taschenbuch von 1892, das Plutowo unter den Besitz der von Gerlach setzt, schlägt es überdies irrtümlich zu Ostpreussen; es liegt im Kreise Kulm, an der Bahn Graudenz–Kulm–Plutowo–Thorn, mit eigenem Bahnhof.
Was das Amt im Alltag bedeutete, zeigt eine Zeitungsnotiz aus Westpreussen. Am 20. Juni 1895 meldete die Thorner Presse aus dem Kirchspiel Plutowo, die Gemeinde feiere am 30. des Monats ihr erstes Heidenmissionsfest in der Kirche zu Plutowo. Der Gottesdienst beginne nachmittags um drei; die Festpredigt halte »der allbekannte Hofprediger Stöcker«, den Missionsbericht erstatte der neue Direktor der Missionsgesellschaft Berlin I, Superintendent Gensichen, der Nachfolger des seligen Wangemann. Nach dem Gottesdienst sei eine Nachfeier im herrschaftlichen Garten zu Plutowo vorgesehen, bei ungünstigem Wetter in der Kirche. Und dann der Satz, der alles erklärt: »Der Patron unserer Kirche und Gutes Plutowo, Geh. Regierungsrath von Gerlach, ist der Vorsitzende der Berliner Missionsgesellschaft.«
Daraus folgt zweierlei. Er war in Plutowo nicht nur Gutsherr, sondern Kirchenpatron – er hatte die Kirche zu unterhalten und den Pfarrer zu präsentieren. Und er holte den Berliner Hofprediger Adolf Stöcker, den Gründer der christlich-sozialen Partei und die lauteste Stimme des kirchlichen Konservatismus, in ein Dorf an der Weichsel, das vierhundert Kilometer von Berlin entfernt lag. Die Gutsverwaltung traf, schreibt das Blatt, »in entgegenkommendster Weise umfassende Vorbereitungen«.
Fünfzehn Jahre stand er an der Spitze der Berliner Missionsgesellschaft. Der letzte amtliche Eintrag zu seinem Namen steht im Handelsregister: Am 27. Juni 1908 trug das Amtsgericht Berlin-Mitte die neue Satzung der Gesellschaft ein, und der Vorstand beginnt mit »Geheimer Regierungsrat Jakob von Gerlach in Vollenschier«, vor dem Missionsdirektor Martin Gensichen, dem Fabrikbesitzer Julius Schlunk und dem Direktor Friedrich Albert Spiecker.
Wann diese fünfzehn Jahre begannen, sagt die »Chronik der gebildeten Welt«. Der bisherige Präsident der Gesellschaft, Kammergerichtsrat Rathmann, legte das Amt zum 1. Oktober 1892 nieder, weil ihn die Beförderung zum Senatspräsidenten des Kammergerichts zu stark in Anspruch nahm; »an seine Stelle wurde mit Beginn des neuen Jahres Geh. Regierungsrat v. Gerlach auf Vollenschier bei Vinkelberg zum Präsidenten gewählt«. Er übernahm eine Gesellschaft, deren Jahreseinnahme in der Heimat gerade um fünfundzwanzigtausend auf rund dreihundertneunundzwanzigtausend Mark gefallen war und die eben ihre ersten beiden Stationen am Nordende des Njassasees anlegte.
Neben dem Landratsamt lief eine Reihe weiterer Ämter. 1889 verlieh ihm der König den Charakter als Geheimer Regierungsrat, noch während er in Gardelegen amtierte. Durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 9. August 1892 wurde er Ehrenritter des Johanniter-Ordens; das Wochenblatt der Balley Brandenburg führt ihn unter den siebenundvierzig neu Ernannten als fünften der Sächsischen Provinzial-Genossenschaft, »Jakob von Gerlach, Geheimer Regierungsrath und Landrath a. D., auf Vollenschier bei Vinzelberg, Kreis Gardelegen«. Am 28. Juni 1898 empfing er in der Ordenskirche zu Sonnenburg Ritterschlag und Investitur und wurde damit Rechtsritter; das Wochenblatt der Balley führt ihn unter den Ehrenrittern, denen der Herrenmeister Prinz Albrecht an diesem Tag den Ritterschlag erteilte (Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg, Jahrgang 39, Nummer vom 6. Juli 1898, S. 157–160). 1895 sass er im Vorstand des Vereins zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen, als Stellvertreter des Oberpredigers Wernicke aus Loburg. Und 1896 unterschrieb er mit dem Grafen von Wartensleben auf Rogäsen und vier Geistlichen den Aufruf zu einem unentgeltlichen theologischen Ferienkurs in Weferlingen an der Aller.
Das Vollenschier, in dem er lebte, war das Werk seines Schwagers. August Hennig von Kröcher, der Bruder seiner Frau und Besitzer der anderen Hälfte, liess dort 1869 durch Conrad Wilhelm Hase das Schloss bauen, einen roten Backsteinbau in neugotischen Formen, und von 1875 bis 1877 die Gutskirche, in der Jakob später begraben wurde.
Er starb am 26. November 1908 in Berlin. Die Trauerfeier war am Sonnabend darauf in der Wohnung, Matthäikirchstrasse 12, und sie begann mit dem Sterbelied des Hauses: »Wie fleucht dahin der Menschen Zeit« – demselben, das schon bei seinem Vater und bei seinem Bruder gesungen worden war. Der Superintendent Max von Gersdorff aus Naumburg schilderte ihn als einen Mann »nicht des Worts, sondern der Tat«, der täglich mit der ganzen Familie und der Dienerschaft Morgenandacht hielt. Von seinem westpreussischen Gut war der Pastor Sodrow aus Wilhelmsau bei Plutowo gekommen, um Gebet und Segen zu sprechen. Beigesetzt wurde er am ersten Adventssonntag in Vollenschier; die Gedächtnisrede hielt dort sein Neffe Martin.
Quellen: Staats-Anzeiger vom 25. Juni 1861; Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 19. April 1907 und vom 6. Juli 1908; Hallesche Zeitung vom 3. Dezember 1908 nach der Kreuzzeitung; Bonner Volkszeitung vom 26. Januar 1894; Chronik der gebildeten Welt, Jahrgänge 1893 und 1896; Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg, Jahrgang 1889; Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg vom 2. November 1892; Jahresbericht des Vereins zur Erhaltung der Denkmäler der Provinz Sachsen, 1895; Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser (Brünn: Buschak & Irrgang, ab Jahrgang 10 Friedr. Irrgang), Jahrgang 17 (1892), Seite 96, und die Artikel von Kröcher der Jahrgänge 1877, 1886 und 1889; Landesarchiv Sachsen-Anhalt, H 66 (Gutsarchiv Erxleben II) Nr. 1052.
DER HERAUSGEBER
Neben Landratsamt und Missionsgesellschaft steht eine dritte Arbeit, und sie hat länger gehalten als beide. 1903 gab er in zwei Bänden die »Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877« seines Onkels Ernst Ludwig von Gerlach heraus, in Schwerin erschienen. Das Werk ist bis heute die Hauptquelle für die Geschichte der preussischen Konservativen; wer über Bismarcks frühe Jahre schreibt, zitiert daraus.
Wie er damit umging, sagt ein Vorwort, das ein anderer geschrieben hat. Herman von Petersdorff, königlicher Archivar, arbeitete 1903 bis 1907 an einem Lebensbild des Oberpräsidenten von Kleist-Retzow. Er brauchte dafür Briefe aus den Nachlässen der beiden Brüder, und er bekam sie: »Namentlich Herrn Geheimrat Jakob v. Gerlach fühle ich mich dafür zu Danke verpflichtet, daß er mir jene Papiere überließ, obwohl er den kritischen Standpunkt, den ich seinem Oheim gegenüber einnehme, gekannt haben wird.« Der Herausgeber gab dem Kritiker die Akten. Man kann einen Familiennachlass anders verwalten.
Quelle des Nachtrags: Herman von Petersdorff, Kleist-Retzow. Ein Lebensbild, Stuttgart und Berlin 1907, Vorwort.
Quelle des Nachtrags: Thorner Presse, Jahrgang XIII, Nr. 144 vom 20. Juni 1895 (Digitalisat der Kujawsko-Pomorska Biblioteka Cyfrowa, Toruń).
WANN PLUTOWO WIRKLICH AN IHN KAM
Der Brünner Jahrgang 1887 führt ihn als »Mitbesitzer der Rittergüter Rohrbeck (ein Viertel) und Vollenschier in der Altm. (ein Halb)«. Plutowo steht dort nicht – weder bei ihm noch in der Besitzzeile im Kopf des Artikels, die 1887 lautet: »Fideicommiss Parsow und Schwemmin und die Rittergüter Trienke, Drosedow, Rohrbeck, Nordhausen und Vollenschier«.
Der Jahrgang 1892 sagt es anders. In der Besitzzeile steht jetzt Plutowo zwischen Nordhausen und Vollenschier, und bei ihm heisst es: »Mitbesitzer des Rittergutes Vollenschier in der Altm. (ein Halb) und Besitzer des Rittergutes Plutowo in Ostpreußen« – die Provinz ist ein Versehen des Setzers, Plutowo lag in Westpreussen. Sein Rohrbecker Viertel ist verschwunden.
Zwischen den beiden Drucken hat er also seinen Anteil an Rohrbeck abgegeben und Plutowo übernommen. In dieselben Jahre fallen der Tod des Vetters Berndt Georg Wilhelm und die elf Seiten Grundbuchauszüge, die das Amtsgericht Königsberg in der Neumark Anfang Mai 1890 für ihn ausfertigte. Die Annahme, Plutowo sei ihm schon 1861 aus der Erbteilung seines Schwiegervaters zugefallen, ist damit nicht zu halten; das Gut kam ihm erst in den späten achtziger Jahren zu, fast dreissig Jahre nach der Hochzeit.
Quellen des Nachtrags: Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser (Brünn: Buschak & Irrgang, ab Jahrgang 10 Friedr. Irrgang), Jahrgänge 12 (1887), S. 164 f., und 17 (1892), S. 95 f.
Mit sechs Jahren hätte auch er sterben können. Ostern 1837 erkrankten er und seine drei Brüder im Haus des Onkels Ernst Ludwig binnen weniger Tage am Scharlachfieber; Leopold und Ernst starben. Er kam durch, brauchte aber ein halbes Jahr bis zur vollständigen Genesung – »von da ab aber kräftiger und gesunder als vor der Krankheit«, notiert der Onkel. Er ist achtundsiebzig geworden.
Quelle des Nachtrags: Ernst Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877, Schwerin 1903, Band 1, S. 238.
Die Stunde seiner Geburt und den Tag seiner Taufe hat sein Onkel Ernst Ludwig aufgeschrieben: »Am 20. März wurde ½4 nachmittags in Kläden, dem Gute des Herrn von Levetzow, meines Bruders Wilhelm fünfter Sohn Jakob geboren, den ich nun schon 46 Jahre lang bis heute – den 18. Dezember 1876 – zärtlich geliebt habe. Er wurde am 4. April, dem Geburtstage seiner Tante Levetzow, in Kläden getauft; ich war abwesend Pate.« Sechs Tage nach der Taufe starb seine Mutter.
Quelle des Nachtrags: Ernst Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877, Schwerin 1903, Band 1, S. 190.
IM REICHSVERSICHERUNGSAMT
Sechs Jahre nach dem Abschied aus dem Landratsamt kam noch ein Amt, und es ist das unerwartetste in diesem Leben. Im Dezember 1898 wurde er zum Stellvertreter eines der beiden nichtständigen Mitglieder des Reichsversicherungsamts gewählt, und zwar »aus dem Stande der Arbeitgeber«, für die bis zum 30. September 1901 laufende Wahlperiode. Er trat an die Stelle des verstorbenen Landrats von Arnim zu Templin; der zweite neu Gewählte war ein Mühlenbesitzer aus dem bayerischen Altenerding.
Das Reichsversicherungsamt war die oberste Behörde der Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung – der Sozialgesetzgebung also, die das Kaiserreich gegen die Sozialdemokratie gesetzt hatte. Dass ein altmärkischer Gutsherr und ehemaliger Landrat dort als Vertreter der Arbeitgeber sass, ist für diese Familie so bezeichnend wie unbeachtet geblieben: Derselbe Mann führte die Berliner Missionsgesellschaft und hatte in Plutowo das Kirchenpatronat.
Die Anzeige nennt ihn mit allen Titeln, die er damals führte: »der Geh. Regierungs-Rath und Landrath a. D. von Gerlach zu Vollenschier, Kreis Gardelegen«.
Quelle des Nachtrags: Hallesche Zeitung vom 13. Dezember 1898, S. 1, Amtliche Nachrichten (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
Wann genau er aus dem Landratsamt schied und wer ihm folgte, steht in einer Lokalmeldung. Die Hallische Zeitung bringt am 6. Juli 1892 aus Gardelegen: »Nachdem dem Geheimen Regierungsrath Landrath von Gerlach die nachgesuchte Dienstentlassung zum 1. Juli c. allerhöchst bewilligt worden war«, habe von diesem Tage an der Rittergutsbesitzer von Goßler auf Zichtau mit Genehmigung des Ministers des Innern die Verwaltung übernommen. Er hatte die Entlassung also selbst nachgesucht.
Quelle des Nachtrags: Hallische Zeitung, Erste Ausgabe, vom 6. Juli 1892 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
Der Abschied brachte ihn noch einmal in die Presse. Unter dem 2. Juni 1892 bat der Kreisdeputierte von Goßler »Namens des Kreisausschusses« die Kreistagsabgeordneten schriftlich um ihr Einverständnis, dem scheidenden Landrat bei einem Abschiedsessen am 30. Juni 5000 Mark bar aus den Einnahmen des Kreises aus der lex Huene – also aus Anteilen an den Getreide- und Viehzöllen – »behufs Verwendung nach eigenem Ermessen zur Verfügung« zu stellen; der Kreistag trete vor dem 1. Juli nicht mehr zusammen. Die Freisinnige Zeitung, der das Rundschreiben vorlag, druckte es ab und nannte das eine missbräuchliche Verwendung; der Vorwärts sprach von einer gesetzwidrigen, und der Hannoversche Kurier gab der Freisinnigen recht.
Quellen des Nachtrags: Vorwärts vom 19. Juni 1892, S. 3; Hannoverscher Kurier vom 21. Juni 1892, S. 3; Central-Volksblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg vom 21. Juni 1892, S. 2 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
Das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 setzt die Hochzeit zu Vinzelberg auf den 21. Mai 1858, das Brünner Taschenbuch von 1892 auf den 23. Mai.
DIE AKTEN DES LANDRATS
Die Justizlaufbahn: 18. November 1852 Auskultator, 28. Oktober 1854 Referendar, 4. Februar 1858 Gerichtsassessor (Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg 1852, 1854, 1858). Im Dezember 1861 stand er kurz vor der Entlassung: »Die Kreuzzeitung theilt mit, daß Landrath von Gerlach zu Gardelegen, ein Neffe des Magdeburger Oberappellationsgerichts-Präsidenten, zur Disposition werde gestellt werden. Veranlassung hierzu ist die kreuzritterliche Auslegung, welche der gedachte Herr Landrath dem Wahlcircular des Grafen Schwerin in seiner ausführenden Verfügung gegeben hatte« (Die Zeit, Berlin, 3. Dezember 1861); die Süddeutsche Zeitung schrieb, er habe »in einer amtlichen Wahlbekanntmachung das Ministerium verhöhnt, indem er im Namen des Ministeriums zu reaktionären Wahlen aufforderte«. Er blieb im Amt, 1862 beurlaubt und vertreten. Im August 1866 stimmte er mit dem Herforder Bürgermeister Strosser als einziger Konservativer gegen die Adresse des Abgeordnetenhauses. 1890 unterzeichnete er als Bevollmächtigter Preussens den Staatsvertrag mit Braunschweig über den Gebietsersatz für die Goslarsche Stadtforst – »Jacob von Gerlach. (L. S.)« steht in der Gesetzsammlung. Im Juli 1892 erhielt der »Landrat a. D. und Rittergutsbesitzer, Geheime Regierungs-Rat v. Gerlach auf Vollenschier« das Kreuz der Ritter des Hausordens von Hohenzollern; im Dezember 1892 wählte ihn das Berliner Missionskomitee zum Vorsitzenden, und das Kolonial-Handbuch von 1901 führt ihn als dessen Präsidenten. Auf der Generalsynode im Oktober 1903 wandte er sich gegen einen Antrag, der das Duell als Sünde bezeichnete – auch ein Krieg sei »ein Zweikampf zwischen zwei Kaisern oder Königen«, unter Ohorufen und lebhaftem Widerspruch (Hamburger Fremdenblatt 30. Oktober 1903). Er sass als Stellvertreter im Reichsversicherungsamt (1900/01), erhielt im Januar 1905 die Rote-Kreuz-Medaille zweiter Klasse, wurde im Februar 1906 vom Provinziallandtag Sachsen zum Kommissarius gewählt und im November 1906 zur kaiserlichen Tafel bei der Hofjagd in der Altmark befohlen. Seiner Frau Ida verlieh der König im Januar 1903 den Luisenorden zweiter Abteilung zweiter Klasse mit der Jahreszahl 1865.
Quellen: Amtsblatt Magdeburg 1852, S. 688, 1854, S. 684, 1858, S. 133, 1862 (MDZ bsb10014871, bsb10014873, bsb10014877, bsb10014881); Die Zeit 3. Dezember 1861 (bsb10487081, Bild 712); Süddeutsche Zeitung 2. Dezember 1861 (bsb10487338); Conservative Provinzial-Zeitung 31. August 1866; Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten 1890 (bsb11501507, Bild 295); Kölnische Zeitung 16. Juli 1892, S. 5; Hallische Zeitung 31. Dezember 1892, S. 3, und 29. Januar 1905, S. 9; Hamburger Fremdenblatt 30. Oktober 1903, S. 13; Karlsruher Zeitung 29. Januar 1903, S. 1; Hannoverscher Kurier 9. November 1906 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Handbuch für das Deutsche Reich 1900/1901 (bsb12075801, bsb12075802); Deutsches Kolonial-Handbuch 2 (1901), S. 258 (bsb12076669).
Drei Nachträge aus dem Zeitungsportal. Nach dem Ritterkreuz des Hausordens von Hohenzollern kamen 1905 die Rote Kreuzmedaille zweiter Klasse und 1907 der Rote Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife. In der Synode meldete er sich nicht nur 1903 zu Wort: Schon im Oktober 1899 sprach er für die Sonntagsruhe in der Gestalt, die die Landwirtschaft vorgeschlagen hatte. Und im Vereinsregister der Berliner Missionsgesellschaft steht er 1908, in seinem Todesjahr, an erster Stelle des Vorstands, vor dem Missionsdirektor Gensichen. Zur Synode von 1903 gehen die Blätter auseinander: Das Hamburger Fremdenblatt nennt sie Generalsynode, die Hallesche Zeitung vom selben Tag die Provinzialsynode der Provinz Sachsen. Für die Provinzialsynode spricht, dass Jakob Landrat in Gardelegen und Gutsherr auf Vollenschier war, beides in der Provinz Sachsen. Quellen: Deutscher Reichsanzeiger 15. Juli 1892, S. 1, und 6. Juli 1908, S. 30; Hallesche Zeitung 28. Oktober 1899, S. 2, 30. Oktober 1903, S. 5, und 29. Januar 1905, S. 9 (Deutsches Zeitungsportal).
Vier Sommer hintereinander fuhr er nach Marienbad. Am 10. Juli 1894 führt ihn das Bade-Bulletin des Marienbader Tagblatts als »Jakob von Gerlach, Geh. Reg.-Rath mit Gemalin aus Vollenschier in Preußen«, und gleich hinter ihm steht sein Schwager von Kröcher auf Vinzelberg. 1893 kam er aus Berlin, 1895 wieder, und am 9. August 1896 meldete er sich allein an, als »Geh. Regierungsrath aus Vollenschier in Preussen«, mit Wohnung im Friedrich-Wilhelm-Stiftungshaus. Quellen: Marienbader Tagblatt, 15. August 1893, 10. Juli 1894 und 18. Juni 1895; Marienbader Curliste Nr. 192 vom 13. August 1896, Nr. 9717 (Digitalisat Google Books).
Gleich in den ersten Jahren seines Landratsamtes bekam er Ärger mit der Presse – genauer: mit dem Presspolizeirecht. Die alte Polizeiregistratur der Regierung zu Magdeburg führt für die Jahre 1861 bis 1865 eine Akte mit dem Titel »Untersuchung wider den Landrat von Gerlach in Gardelegen wegen Presspolizeiübertretung«. Der Gegenstand hat eine Nebenbedeutung: Es war dasselbe Rechtsgebiet, mit dem sein Verwandter Ernst Ludwig von Gerlach als Herausgeber der Kreuzzeitung ein Leben lang zu tun hatte. Quelle: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, C 28 If Nr. 1878.
Wie die Sache von 1861 ausging, stand in der eigenen Zeitung des Hauses. Am 12. Januar 1862 meldete ein Haager Blatt nach der Kreuzzeitung, die Regierung habe ihre vor einigen Tagen mitgeteilte Absicht, den Landrat von Gerlach zu Gardelegen zu entlassen, wieder aufgegeben. Er blieb einunddreissig Jahre im Amt.
Wie er das Amt verstand, zeigt eine Bekanntmachung des folgenden Jahres. Am 24. Oktober 1862 lud er den Gardeleger Kreis ein, sich zur Jagd in Letzlingen einzufinden, wo Seine Majestät der König anwesend sein werde; die Gelegenheit zur Überreichung – gemeint ist eine Adresse – werde voraussichtlich am zweiten Jagdtage geboten. Unterzeichnet ist die Anzeige »Gardelegen, den 24. Oktober 1862. Der Landrath v. Gerlach.« Es war der Herbst des preussischen Verfassungskonflikts, sechs Wochen nach Bismarcks Ernennung.
Quellen: Dagblad van Zuidholland en 's Gravenhage vom 12. Januar 1862 (Koninklijke Bibliotheek Den Haag, Delpher, ddd:000021052:mpeg21:a0004); Luxemburger Wort, Jg. 1862 n° 176 vom 9. November 1862, Artikel »Deutschland.« (Bibliothèque nationale du Luxembourg, eluxemburgensia, ark:70795/5xk25n).
WIE ER 1892 PRÄSIDENT WURDE
Dass er an die Spitze der Berliner Missionsgesellschaft kam, war kein Aufstieg in der Reihe, sondern eine Verlegenheitslösung – und die Gesellschaft hat das selbst so aufgeschrieben. Als der Kammergerichtspräsident Rathmann 1892 wegen des Übermasses seiner Amtsgeschäfte das Präsidium niederlegte, war das Komitee »zum ersten Male in wirklicher Verlegenheit, weil es in seinem Kreise eine geeignete Persönlichkeit für das verantwortungsvolle Amt nicht fand«. Es folgten »lange Verhandlungen, in denen man an verschiedenen Türen vergeblich angeklopft hatte«. Dann wählte man »den pensionierten Landrat von Gardelegen, Geheimrat Jakob von Gerlach auf Vollenschier in der Altmark, zum ersten Male ein nicht in Berlin wohnhafter Präsident« – und war »nicht ohne Sorge«, was die Abwesenheit des Präsidenten von Berlin für den Gang der Geschäfte bedeuten werde. Was für ihn sprach, war die Herkunft: Er brachte »die bewährte Missionsliebe und die reiche Missionserfahrung seiner mit der Berliner Mission von den Anfängen an auf das engste verbundenen Familie mit«. Sein Onkel Leopold hatte die Gesellschaft von 1833 bis 1838 geleitet, sein Onkel Otto ihre ersten Berichte geschrieben. Quelle: Julius Richter, Geschichte der Berliner Missionsgesellschaft 1824–1924, Berlin 1924 (Internet Archive, bwb_T3-BSK-654).
Warum er annahm, steht in einer Fussnote desselben Buches: Er folgte dem Ruf »um so lieber, als er in seiner Jugend starke Neigung gehabt hatte, Theologie zu studieren«. Von dieser Neigung ist sonst in seinem Leben nichts zu sehen – er wurde Verwaltungsjurist wie der Vater und die Brüder. Mit zweiundsechzig holte sie ihn ein. Was die Gesellschaft von seiner Amtsführung hielt, steht zwei Absätze weiter: Es sei »eine gewisse Schwierigkeit« gewesen, »daß der Präsident nicht in Berlin und nicht einmal in einer leicht erreichbaren Bahnstation wohnte«, aber er habe sich dem Amt »mit solcher Hingebung und Treue und mit der Exaktheit eines alten preußischen Beamten« gewidmet, dass man die Leitung in sicherer Hand wusste. Dieselbe Fussnote setzt seine Geburt nach Berlin; sie ist darin im Irrtum, denn sein Onkel Ernst Ludwig hat Stunde und Ort aufgeschrieben, und der Ort war Kläden.
Quelle des Nachtrags: Julius Richter, Geschichte der Berliner Missionsgesellschaft 1824–1924, Berlin 1924, im Abschnitt über das Komitee nach 1892, mit Fussnote (Internet Archive, bwb_T3-BSK-654).
Sein Nachfolger im Präsidium wurde der Oberverwaltungsgerichtsrat Berner in Berlin; er führte das Amt bis 1913 und gab es dann an den Direktor Friedrich Albert Spiecker weiter, der schon im Vorstand von 1908 neben Jakob von Gerlach gestanden hatte. Zehn Wochen nach ihm, am 7. Februar 1909, starb Adolf Stöcker, der dem Komitee ein Menschenalter lang angehört hatte – womit sich erklärt, wie der Präsident 1895 den Berliner Hofprediger zum Missionsfest nach Plutowo an die Weichsel bekam: Die beiden sassen im selben Gremium.
Quelle des Nachtrags: Julius Richter, Geschichte der Berliner Missionsgesellschaft 1824–1924, Berlin 1924 (Internet Archive, bwb_T3-BSK-654).
Der Satz von der Missionsliebe der Familie war keine Höflichkeit. Sein Onkel Otto schrieb die ersten Berichte der Gesellschaft; sein Onkel Leopold, der General, führte sie von 1833 bis 1838 und trat 1858, drei Jahre vor seinem Tod, noch einmal in den engeren Ausschuss ein. Und sein Neffe Martin, der Sohn seines Bruders Friedrich, sass später selbst im Komitee: Die Jubiläumsgeschichte führt ihn dort als »Vorsteher der Brüderanstalt Zoar bei Rothenburg i. L., ein Neffe des Präsidenten«.
Quelle des Nachtrags: Julius Richter, Geschichte der Berliner Missionsgesellschaft 1824–1924, Berlin 1924 (Internet Archive, bwb_T3-BSK-654).
ZWEI REDEN, DIE BIS NACH BATAVIA GINGEN
Am 11. September 1866 beriet das Abgeordnetenhaus das Wahlgesetz für den Reichstag des Norddeutschen Bundes, und der Abgeordnete für Gardelegen versetzte das Haus in Heiterkeit. Jede neue Wahl sei ihm ein neues Unglück, die unmittelbare Wahl zum norddeutschen Reichstag doppelt; er halte sie für eine Strafe des Himmels. Das Gelächter war allgemein, und der Bericht hält fest, dass der Graf von Bismarck mitlachte. Gedruckt hat die Szene ein niederländisches Blatt in Batavia, acht Wochen später.
Im Februar 1885, im Streit um den Kultusetat, sprach er anders. Er bedaure den Kulturkampf von seinem konservativen Standpunkt aus sehr, auch weil die evangelische Kirche davon ebenso getroffen werde wie die katholische; einen Fehler der Katholiken nannte er es, an der Wahlurne Radikale zu unterstützen – das heisse den Teufel durch den Obersten der Teufel austreiben.
Quellen: Java-bode, Batavia, vom 10. November 1866 (Delpher, ddd:010484548:mpeg21:a0039); Dagblad van Zuidholland en 's Gravenhage vom 24. Februar 1885 (Delpher, MMKB19:003627046:mpeg21:a00043).
DIE AKTEN DES GUTSBEZIRKS IN THORN
Die Verwaltungsüberlieferung des Gutsbezirks Plutowo liegt heute im Staatsarchiv Thorn. Das Katasteramt Kulm hinterliess die Einschätzung mit Neumessung von 1862 bis 1864, die Unterverteilungsakten von 1864/65, die Supplement-Akten der Jahre 1865 bis 1919, das Flurregister 1870 bis 1913, das Gebäudebuch 1909 bis 1944 und die Fortschreibung der Grundsteuerbücher mit den Jahren 1882 und 1911 – die Reihe umschliesst seine ganze Besitzzeit. Dazu kommen die Grundakten des Amtsgerichts Kulm, die für Plutowo 1903 einsetzen.
(Archiwum Państwowe w Toruniu, 69/167/0/1/752–757 und 69/1647/0/2, Blatt 1 und 2; Findbuchtitel über szukajwarchiwach.gov.pl.)
Sources
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Parents
Siblings (6)
Spouses / partners
Ida Sophie von Kröcher
* 1830 · † 1905
∞ 21 May 1858