Person record
Martin von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 28 December 1860 · Münster
- Death
- 15 February 1929 · Braunschweig
- Age
- 68 years
Pfarrer, Anstaltsgeistlicher und Gründer eines Brüderhauses. Geboren am 28. Dezember 1860 in Münster in Westfalen, gestorben am 15. Februar 1929 in Braunschweig.
1880 schrieb er sich in Tübingen für Jura und Theologie zugleich ein, und der Doppelweg blieb eine Weile offen: Im Dezember 1882 steht er als Gerichtsreferendar beim Oberlandesgericht Naumburg. Dann entschied er sich für die Kirche. Er wurde Hilfsprediger an der Neumarktkirche zu Halle, 1889 Diakonus in Paska, am 4. März 1891 ordiniert und Oberpfarrer zu St. Bartholomäi in Ziegenrück. Auf der Gnadauer Osterkonferenz von 1892 sprach er über die Frage »Ist uns das Alte Testament noch Gottes Wort?« – die Gemeinschaftsbewegung, aus der Gnadau kam, hat ihn sein Leben lang begleitet.
Am 24. April 1894 meldet die Berliner Börsen-Zeitung: »Verlobt: Frl. Clara von Tresckow mit Hrn. Oberpfarrer P. Martin von Gerlach-Rohrbeck«. Geheiratet wurde im Oktober desselben Jahres. Eine zweite Ehe schloss er im Januar 1910.
1897 ging er als Anstaltsgeistlicher nach Kraschnitz in Schlesien und wurde Vorsteher der dortigen Diakonenanstalt. 1898/99 gründete er in Tormersdorf bei Rothenburg an der Oberlausitzer Neisse das Brüderhaus »Zoar« – eine Diakonenanstalt für Männer, wie sie in jenen Jahrzehnten überall im protestantischen Osten entstanden. 1906 gehörte er als Pastor in Tormersdorf dem dirigierenden Komitee der Berliner Missionsgesellschaft an. 1912/13 beschäftigte eine Eingabe von ihm um Erhöhung seiner Pension das preußische Abgeordnetenhaus. 1923 erschien sein »Deutscher Führer durch den hebräischen Psalter«. Den Ruhestand verlebte er in Blankenburg am Harz; dort wird er 1927 geführt.
Am 28. November 1908 stand er in Berlin am Sarg seines Onkels Jakob. Die Zeitung nennt ihn bei der Trauerfeier »Pastor Martin v. Gerlach, Vorsteher der Brüdergemeinde Zoar« und beim Begräbnis am ersten Adventssonntag in Vollenschier »Pastor Martin v. Gerlach aus Silberhammer«; dort hielt er die Gedächtnisrede. Silberhammer liegt bei Tormersdorf an der Neiße, wo sein Brüderhaus stand.
Zum Geburtsjahr gehen die Register auseinander: Das Universitätsarchiv Tübingen trägt den 28. Dezember 1857 ein, das Pfarrer-Jahrbuch der Kirchenprovinz Sachsen den 28. Dezember 1860. Der Tag ist in beiden derselbe.
Quellen: Universitätsarchiv Tübingen UAT 40/69,55; Pfarrer-Jahrbuch der Kirchenprovinz Sachsen 1897 und Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen, Band 3; Schlesisches Pfarrerbuch; Krankenhaus-Lexikon 1900; Berliner Börsen-Zeitung, Deutscher Reichsanzeiger und Aufwärts über das Deutsche Zeitungsportal.
DAS LEBENSBILD AUS DEM EIGENEN HAUS
Im Jahr seines Todes erschien eine kleine Schrift über ihn, und sie erschien dort, wo er gearbeitet hatte: »Martin von Gerlach. Ein Lebensbild, gezeichnet von seinen Angehörigen«, Rothenburg in der Lausitz, Zoar-Buchhandlung, 1929, fünfzehn Seiten mit einem Titelbild. Verlegt hat sie also die Buchhandlung des Brüderhauses Zoar, das er dreissig Jahre zuvor gegründet hatte; geschrieben haben sie die Hinterbliebenen.
Ein Exemplar der Schrift steht in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Quelle des Nachtrags: Verbundkatalog K10plus, PPN 1384590706.
Am 15. April 1901 stand er in Berlin in der Elisabethkirche. Die Gemeinde beging den hundertsten Geburtstag ihres ersten Pfarrers Otto von Gerlach, und die Norddeutsche allgemeine Zeitung führt ihn unter den Gästen als »der Großneffe, Oberpfarrer v. Gerlach-Rothenburg«. Er war damals seit zwei Jahren in Tormersdorf, wo er das Brüderhaus Zoar gegründet hatte – derselbe Weg, den der Grossonkel ein halbes Jahrhundert früher in der Elisabethgemeinde gegangen war.
Quelle des Nachtrags: Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 16. April 1901, S. 7.
SILBERHAMMER BEI DANZIG
Was aus dem Brüderhaus in Tormersdorf wurde, sagt seine eigene Vermählungsanzeige. Am 2. Februar 1910 steht in einer Dresdner Zeitung unter den Vermählten: »Hr. Pastor Martin von Gerlach, Vorsteher der Brüderschaft Zoar und ihres Brüderhauses Silberhammer bei Danzig-Langfuhr, mit Frl. Eva von Tiedemann in Roschau.«
Aus dem einen Haus in der Oberlausitz war also eine Brüderschaft geworden, die ein zweites Haus an der Weichsel unterhielt, vierhundert Kilometer entfernt – und er stand beiden vor. Die Verlobungsanzeige vom 6. Dezember 1909 setzt die drei Orte nebeneinander, die sein Leben damals ausmachten: »Danzig – Silberhammer bei Danzig-Langfuhr, z. Zt. Roschau«. Roschau war das Haus der Braut.
Er war neunundvierzig, als er zum zweiten Mal heiratete; seine erste Frau Klara von Tresckow war 1902 gestorben, mit neunundzwanzig.
Quelle des Nachtrags: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 6. Dezember 1909 und vom 31. Januar 1910; Dresdner Journal vom 2. Februar 1910 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
WERNIGERODE 1879, BERLIN, HALLE, ZIEGENRÜCK
Die Frage nach seinem Geburtsjahr ist entschieden: Der Jahresbericht des Gymnasiums zu Wernigerode 1878/79 (S. 13) führt unter den Abiturienten von Ostern 1879 »Martin von Gerlach – Landrath zu Oschersleben – 18 – 5 – 2 – Jura und Theologie«, von der mündlichen Prüfung befreit. Achtzehn Jahre alt im Frühjahr 1879 war er nur, wenn er 1860 geboren wurde; der Tübinger Eintrag mit 1857 ist eine Verschreibung. Fünf Jahre hatte er die Schule in Wernigerode besucht, wo die Grossmutter Pauline lebte, und den Doppelweg von Rechten und Theologie schon beim Abitur gewählt. Referendar wurde er im Dezember 1882 (Hallische Zeitung 17. Dezember 1882). In Berlin gehörte er zu den letzten Schülern des Hebraisten und Judenmissionars Biesenthal, dessen Nachruf 1886 »unser lieber Martin von Gerlach« nennt; 1883 kreiste eine hektographierte Liedersammlung »Israels-Lieder« von ihm, 1884 und 1890 schrieb er in »Saat auf Hoffnung«. 1889 und 1890 war er Hilfsprediger an der Neumarktkirche in Halle und Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft; im vierten Quartal 1890 nennt ihn das Konsistorium der Provinz Sachsen unter den Kandidaten der Theologie »Martin von Gerlach aus Münster«. 1890 erschien in Leipzig sein Buch »Der Mensch im Stande der Schuld nach dem Buche Jesaja«, 1896 in Ziegenrück seine Neuübersetzung der Briefe an die Kolosser und an Philemon. Als Oberpfarrer von St. Bartholomäi in Ziegenrück hielt er im Mai 1892 die Festrede zum fünfzigjährigen Bestehen des Studentischen Missionsvereins Halle, sass 1893 im Ausschuss der neuen Saalfelder kirchlichen Konferenz und dankte im September 1894 auf dem Parteitag der Deutschkonservativen Thüringens in Erfurt namens der Gäste. Der Ruf nach Kraschnitz erging im Dezember 1896 (Saale-Zeitung 3. Dezember 1896); im Mai 1897 stand »der dortige Anstaltsgeistliche Pastor v. Gerlach« bei der Einweihung eines Krankenhauses neben der Oberin Gräfin von der Recke-Volmerstein. Briefe an ihn aus dem Jahr 1893 (Martin von Nathusius, Otto Kraus) liegen im Gerlach-Archiv. Seine erste Frau Klara starb Anfang September 1902 in Eckerberg bei Stettin: »Gestorben: … Frau Pastorin Clara von Gerlach geb. v. Tresckow (Eckerberg b. Stettin)« (Berliner Börsen-Zeitung 4. September 1902).
Quellen: Jahresbericht des Gymnasiums zu Wernigerode 1878/79 (MDZ bsb11383179, Bild 37); Saat auf Hoffnung 20 (1883) und 23 (1886), S. 240 (bsb11621922, bsb11621925); Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 43–46 (1889–1892) (bsb11541089 bis bsb11541092); Amtsblatt Magdeburg 1891 (bsb11575889); Der Mensch im Stande der Schuld, Leipzig 1890 (bsb11604925); Saale-Zeitung 12. Mai 1892, S. 2, und 3. Dezember 1896, S. 3; Hallesche Zeitung 18. September 1893, S. 8, und 7. Mai 1897, S. 2; Norddeutsche allgemeine Zeitung 18. September 1894, S. 5; Berliner Börsen-Zeitung 4. September 1902, S. 12 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Kraus, Ernst Ludwig von Gerlach, 1994, S. 22.
SEIN BILD, UND WAS ER OSTERN 1916 SCHRIEB
Ein Bild von ihm hat sich erhalten. Der Bildbestand des Nachlasses von Tiedemann im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt enthält eine Aufnahme von 1928, fünfzehn auf acht Zentimeter, Kniestück: Martin von Gerlach in Blankenburg im Garten sitzend, neben ihm seine Schwester Adolfine, die dort Wolfine heisst. Es ist das letzte Jahr seines Lebens; er starb am 15. Februar 1929. Derselbe Bestand hält seine Frau zweimal fest, 1907 im Garten stehend, drei Jahre vor der Hochzeit, und am 1. Juni 1929 als Witwe zwischen ihren Schwestern.
Und er mischte sich in die Politik. Zu Ostern 1916, mitten im Kriege, verfasste er als Vorsteher der Brüderschaft Zoar politische Thesen und schickte sie dem befreundeten Brüderhaus Karlshöhe bei Ludwigsburg. Dort liegen sie bis heute, zusammen mit den Rundbriefen über die Arbeit der Brüderschaft und einem Heft des Schlesischen Familienboten von 1899. Die Universität Tübingen wiederum verzeichnet ihn in ihrer Studierendenakte als Studenten der Rechte und der Theologie des Jahres 1880, aus Oschersleben in der Provinz Sachsen, mit dem Vater als Landrat zu Gross Oschersleben und mit dem späteren Beruf: Pfarrer in Kraschnitz, Gründer des Brüderhauses Zoar in Rothenburg in der Oberlausitz. Sie gibt dabei als Geburtsjahr 1857, bei sonst gleichen Daten; das Wernigeroder Abiturientenverzeichnis von 1878/79 führt ihn zu Ostern 1879 mit achtzehn Jahren. Sein geistlicher Lebenslauf steht im dritten Band des Pfarrerbuchs der Sächsischen Kirchenprovinz. Quellen: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Bildersammlung R 4, Nrn. 38371, 38378 und 38379 (Bestand O 59 v. Tiedemann); Landeskirchliches Archiv Stuttgart, L 2 Nr. 6546; Universitätsarchiv Tübingen, UAT 40/69,55.
EIN PFLEGEGELD NACH GALIZIEN
Seine Arbeit reichte weiter, als die Anstaltsgrenzen vermuten lassen. Das Evangelische Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, das Theodor Zöckler in Stanislau herausgab, druckte die Abrechnungen seiner Anstalten ab. Zweimal steht darin sein Name: 1915 mit fünfundvierzig Kronen, 1917 mit hundertfünfundsiebzig, und die zweite Summe steht unter den Pflegegeldern – es ist der grösste Einzelposten einer Abrechnung über neunhundertdreiundachtzig Kronen. Geführt wird er dort als »Pastor von Gerlach-Zoar«, nach dem Brüderhaus, das er in der Oberlausitz gegründet hatte. Mitten im Kriege hat der Vorsteher einer sächsischen Brüderschaft also ein Kind in Ostgalizien mitversorgt, und zwar über Jahre. Quellen: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Heft 15 (1915), S. 319, und Heft 10 (1917), S. 187 (Digitalisate der Österreichischen Nationalbibliothek, ANNO).
Sources
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Parents
Siblings (9)
Magdalena von Gerlach
* 1865 · † 1871
Helene von Gerlach
* 1873 · † 1874
Servatius von Gerlach
* 1868 · † 1950
Friedrich Wilhelm Otto Adolf Ludwig von Gerlach
* 1859 · † 1859
Katharina von Gerlach
* 1872 · † 1914
Hans Jakob von Gerlach
* 1866 · † 1867
Nikolaus von Gerlach
* 1875 · † 1955
Adolfine Ida Angelika von Gerlach
* 1862
Marie Bertha Louise von Gerlach
* 1863 · † 1866
Spouses / partners
Eva Elisabeth Maria von Tiedemann
* 1855 · † 1945
∞ 25 January 1910
Klara von Tresckow
* 1872 · † 1902
∞ about 1894