Person record
Otto Lebrecht von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 2 November 1720 · Stolp
- Death
- about 1798 · Wonneberg bei Danzig
- Age
- about 78 years
Preussischer Major im Siebenjährigen Krieg. Geboren am 2. November 1720, gestorben im Dezember 1798. Sohn Lebrechts von Gerlach, des Hofgerichtsrats zu Köslin, und der Lucia geborenen am Ende.
Einundzwanzig Jahre stand er bei der Kavallerie: achtzehn bei den Holstein-Dragonern, drei bei den Husaren Rueschs – so die Kurzbiographien; die Zeitgenossen von 1760 erzählen die letzten Jahre vor dem Belling-Regiment anders, siehe unten. Der Generaladjutant von Wobersnow empfahl ihn dem Prinzen Heinrich für das Bellingsche Husaren-Regiment, und die Empfehlung ist erhalten. Sie ist kein Lob im gewöhnlichen Sinn: »Er ist brav, vernünftig und zu Allem zu gebrauchen, dabei unermüdlich und sein Körper kaum zu ruiniren, ungeachtet er schwächlich scheint und kein prevenantes Extérieur hat. Bei der Bataille von Lissa hat sich dieser Mensch besonders distinguirt.« Das heisst: unscheinbar, nicht vorzeigbar – und unverwüstlich.
Im Feldzug von 1758 streifte er als Major mit seinen Husaren bis Nürnberg und jagte den Kreistag auseinander, der gegen den König stand. 1759 stand er im Bayreuthschen und in der Oberpfalz, 1760 nahm er den Abschied.
Am 24. Oktober 1756 heiratete er Anna Sophia von Kleist aus dem Hause Schönau, Hofdame bei der Herzogin von Holstein-Beck. Die Familiengeschichte von 1903 nennt sie nur »ein Fräulein von Kleist-Zeblin«, und daraus wurde geschlossen, sie stamme aus Zeblin; die kleistsche Familiengeschichte weiss es besser. Zeblin wurde sein Gut, nicht ihr Erbe; geboren sein kann sie dort gleichwohl, denn das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 nennt Zebblin, das bis 1762 kleistisch war, als ihren Geburtsort am 5. Mai 1727.
Er kaufte es sechs Jahre nach der Hochzeit. Am 27. Juli 1762 trat Curt Heinrich von Wussow ihm sein Recht an dem Gute ab und verkaufte es; am 22. Mai 1765 wurde das Geschlecht der von Kleist mit dem Vorkaufs- und Wiedereinlösungsrecht präkludiert, und damit war Zeblin dauerhaft gerlachscher Besitz. Später verpfändete er es an David Knack, der es 1784 noch innehatte, löste es aber vor Ablauf des Jahrhunderts wieder ein. Das Gut lag bei Kurow im späteren Kreis Bublitz, der damals noch zum Kreis Fürstenthum gehörte – also in der eigenen Nachbarschaft. Es ist das Geburtshaus Ewald von Kleists, des Dichters und Majors, der fünf Jahre vor ihm geboren wurde und bei Kunersdorf fiel, während Otto Lebrecht noch bei der Kavallerie stand.
Zwei Söhne hatte die Ehe, und beide starben vor ihm. Eine Tochter aber überlebte ihn, und von ihr wusste die Gerlachsche Überlieferung nichts: »Nach dessen Tode besaß es seine Tochter, die Gemalin des Danziger Handelsherrn Pfloeger, der es bei der Erbschafts-Regulirung, zum Werthe von 10.000 Thlr. angerechnet worden war«, schreibt Berghaus im Landbuch von Pommern. 1830 ging Zeblin an den Landschaftsrat von Hellermann über. Sie hiess Sofie Leopoldine; der Vorname ihres Mannes ist nicht überliefert; Einen davon kennen wir beim Namen: Krohnes Adels-Lexicon führt ihn 1776 als den einen, der dem Vater damals noch übrig war – »von welchem anjetzo nur ein Sohn vorhanden, Namens Otto Friederich Carl Heinrich«.
Quellen: Kurzbiographien pommerscher Offiziere, 2021; Familiengeschichte von Gerlach, 1903.
Zum Sterbejahr gibt es zwei Zeugen, und sie gehen um neun Jahre auseinander. Die Kurzbiographien pommerscher Offiziere und die Gerlachsche Überlieferung nennen den Dezember 1798. Die Geschichte des Geschlechts von Kleist, die aus den Kirchenbüchern seiner Gegend gearbeitet ist, schreibt dagegen, er sei »im Dezember 1789 zu Wonneberg bei Danzig« gestorben, und ihr Namensregister führt ihn folgerichtig mit »+ vor 1789«. Für 1789 spricht, dass die Kleistsche Angabe den Sterbeort mitliefert – und Wonneberg bei Danzig passt zu der Tochter, die einen Danziger Handelsherrn heiratete. Für 1798 spricht nur das Familiengedächtnis. Der Monat ist in beiden Fällen derselbe.
Quelle des Nachtrags: Geschichte des Geschlechts von Kleist, Muttrinsche Linie, Nr. III. 413; Heinrich Berghaus, Landbuch des Herzogthums Pommern, Kreis Fürstenthum, S. 471 f.
Das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 nennt den Sterbeort: Wonneberg bei Danzig, im Dezember 1798. Die Hochzeit setzt es auf den 24. Oktober 1754 – zwei Jahre früher als die kleistsche Familiengeschichte. Vier Kinder zählt es: Sofie Karoline Antoinette (Zittau 19. Juli 1757 – Zebblin 29. Juni 1771), Otto Friedrich Karl Heinrich (Berlin 2. Februar 1759), Sofie Leopoldine (Stargard 4. Mai 1760, später in Danzig mit einem Kaufmann verheiratet) und Gustav Ludwig (Zebblin 13. August 1763 – 26. Juni 1771). Zwei Kinder starben also im Juni 1771 binnen drei Tagen auf Zebblin.
WAS DIE ZEITGENOSSEN VON 1760 UND 1761 SAGEN
Zwei Drucke aus den Kriegsjahren beschreiben seine Laufbahn anders als die Kurzbiographien, denen die Familiengeschichte folgt. Die »Geschichte des im 1756 und 1757sten Jahre … geführten Krieges« (Teil II/1, Frankfurt und Leipzig 1760, S. 247, Fussnote 482) schreibt: »Lebrecht Otto von Gerlach, Königlich Preußischer Obrist-Wachtmeister des Bellingschen Husaren-Regiments, ist ein pommerscher Edelmann, und hat lange Zeit bey dem holsteinschen Dragoner-Regiment gedient, bey welchem er den 28sten August 1745 Lieutenant ward. Im October 1756 gab ihm der König eine Compagnie bey dem Regiment Wiedersheim, das aus Sachsen formirt ward, und als dieses 1757 zerrissen worden, ward er 1758 zum Obrist-Wachtmeister bey Belling Husaren erkläret. Er ist ein Mann von 40 Jahren, dient seit seinem 16den Jahre, und ist mit einer von Kleist, die vorhero Hof-Dame bey der Gemahlin des Prinzen Georg von Holstein Gottorf gewesen, vermählt.« Die Neuen genealogisch-historischen Nachrichten (1761, S. 792) ergänzen, das Belling-Regiment sei im Winter 1758 zu Halberstadt errichtet worden und werde unter Belling »von dem Major von Gerlach« kommandiert, »der vorher als Rittmeister bey Holstein Gottorp gestanden«. Danach lagen zwischen den Holstein-Dragonern und den Belling-Husaren nicht drei Jahre bei Rueschs Husaren, sondern eine Kompanie in einem der Regimenter, die aus den 1756 gefangenen Sachsen gebildet wurden und 1757 auseinanderliefen; Leutnant wurde er am 28. August 1745, gedient hat er seit 1736. Beide Fassungen stehen hier nebeneinander; die von 1760 ist die nähere Quelle. Zu ihr passt, dass seine Tochter Sofie Karoline am 19. Juli 1757 in Zittau geboren wurde, auf dem sächsischen Kriegsschauplatz.
Die Hofdame: »bey der Herzogin von Holstein-Beck« sagt Krohne, »bey der Gemahlin des Prinzen Georg von Holstein-Gottorf« die Fussnote von 1760 – kein Widerspruch, denn Prinz Georg Ludwig von Holstein-Gottorp, preussischer General, hatte 1750 Sophie Charlotte von Holstein-Beck geheiratet; Anna Sophia diente der Beckschen Prinzessin im Gottorper Haus. Den Hochzeitstag setzt das Handbuch von 1893 auf den 24. Oktober 1754, die kleistsche Familiengeschichte auf den 24. Oktober 1756; das erste Kind kam im Juli 1757, was beide Daten zulässt.
Anna Sophia lebte 1776 nicht mehr: Krohnes Adels-Lexicon (Bd. 1, 1776, Nachträge, Sp. 413 f.) sagt von ihr, ihre Mutter sei »eine von Versen, aus dem Hause Tychow in Pommern« gewesen, und schliesst: »Sie ist bereits tod.«
Im Feldzug 1759 schickte Prinz Heinrich am 21. Mai den General Schenckendorf mit einem Bataillon Puttkammer »und den Major Gerlach mit 300 schwarzen Husaren« aus dem Lager bei Sachsendorf nach Hof (Tempelhoff, Geschichte des siebenjährigen Krieges, III, 1787, S. 95); wenig später heisst es in der Sammlung ungedruckter Nachrichten (Bd. 3, 1783, S. 302), weil Belling noch nicht hergestellt »und der Major von Gerlach krank geworden«, habe der Major von Röhl das Kommando geführt. Die Krankheit von 1759 erklärt den Abschied im Jahr darauf.
Quellen: Bayerische Staatsbibliothek bsb10806895 (Bild 271), bsb10404719 (Bild 300), bsb11746994 (Bild 227), bsb10352854 (Bild 95), bsb10594920 (Bild 314); Handbuch des Preußischen Adels, Bd. 2, 1893, S. 259.
WAS DIE REGIMENTSGESCHICHTE ERZÄHLT
Kurd von Schöning druckte 1843 in seiner Geschichte des fünften Husaren-Regiments die erste, noch unvollkommene Rangliste ab, die im Winter 1758 zu Halberstadt für das neu errichtete Bataillon Belling aufgestellt wurde. Sie hat drei Zeilen; die zweite lautet: »2) zum Major, der Capitain von Gerlach, hat 18 Jahre bei Holstein Dragoner gestanden, ist ein braver Officier«. Damit steht die Angabe von den achtzehn Jahren bei den Holstein-Dragonern in der Überlieferung des Regiments selbst.
Der Streifzug von 1758 steht dort auf das Jahr genau. Die Bellingschen Husaren streiften mit dem Freibataillon Mayr nach Bamberg, »von wo der Major von Gerlach des Bataillons sogar bis Erlangen kam und in Nürnberg Furcht und Schrecken verbreitete, so daß die Stadt gesperrt und die Fränkische Kreis-Versammlung über Hals und Kopf sich in Sicherheit auf die Flucht begab«. Im selben Winter bat Belling den König, »daß er den Major von Gerlach und die 5 neuen Rittmeister … gleich nach denen, denselben einmal bekannten Werbe-Plätzen entsenden dürfe«.
Im Mai 1759 führte er das Regiment: »Der Major von Gerlach übernahm als Aeltester während Bellings Abwesenheit das Commando von dessen Husaren-Bataillon und führte dasselbe am 10. Mai im Finckschen Corps bei Weißenstadt im Bayreuthschen.« Zwei Wochen darauf kam das Ende. Am 27. Mai ging eine Unternehmung mit hundertfünfzig Husaren nach Auerbach fehl, und zwar, wie das Buch schreibt, »weil die beiden Majore Gerlach und Monjou in Auerbach in der Ueberzeugung verblieben, daß sie doch nicht zur rechten Zeit ankommen könnten. Beide Majore mußten das Heer verlassen.« Seit dem September tat er keinen Dienst mehr; am 14. Februar 1760 verwandte sich Belling aus Anclam beim König »wegen Dimittirung und Versorgung des oben gedachten kranken Majors von Gerlach«, und im Frühjahr hiess es: »Hierauf bekamen Gerlach und Byla wirklich die Entlassung.«
Eine Merkwürdigkeit bleibt. Die Offizier-Abgangs-Liste desselben Buches führt ihn unter Nummer 2 – gleich hinter dem 1758 bei Dippoldiswalde erschossenen Premierleutnant von Dibbek – als »Major Melchior von Gerlach«, 1759 dimittirt. Der zeitgenössische Druck von 1760 nennt ihn Lebrecht Otto.
Quelle: Kurd Wolfgang von Schöning, Geschichte des Königlich Preußischen Fünften Husaren-Regiments, Berlin 1843, S. 18, 22, 26, 32 f., 39 f. und 544 (Bayerische Staatsbibliothek, MDZ bsb10700965, Bilder 00038, 00042, 00046, 00052 f., 00059 f. und 00566).
Sources
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Siblings (14)
Anna Dorothea von Gerlach
* 1710 · † 1772
Sofie Charlotte von Gerlach
* 1704 · † 1705
Filipp Leberecht von Gerlach
* 1701 · † 1725
Sophie Elisabeth von Gerlach
* 1707 · † 1762
Anna Lucie von Gerlach
* 1703 · † 1755
Johanne Charlotte von Gerlach
* 1708 · † 1764
Karl Eberhard von Gerlach
* 1713
Karl Ludwig von Gerlach
* 1719 · † 1741
Friedrich Wilhelm von Gerlach
* 1711 · † 1780
Helene Louise Albertine von Gerlach
* 1728 · † 1774
Martin von Gerlach
* 1716 · † 1760
Marie von Gerlach
* 1709 · † 1781
Daniel Wilhelm von Gerlach
* 1706 · † 1707
Ernestine Filippine von Gerlach
* 1718 · † after 1770
Spouses / partners
Anna Sophia von Kleist
* 1727 · † before 1776
∞ about 1756