Person record
Martin von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 11 December 1716 · Stolp
- Death
- 14 April 1760 · Ganzkow
- Age
- 43 years
Fünfter Sohn Lebrechts von Gerlach, des Hofgerichtsrats zu Köslin, und der Lucia am Ende; verheiratet mit Sophie Hedwig von Poyda. Über sein Leben ist wenig bekannt – über seinen Tod dagegen steht ein Satz in einem Buch von 1763, und er ist schwer zu überlesen.
Die »Feldzüge der Preussen wider die Russen« berichten für den April 1760, das Korps des russischen Generals Tottleben habe die Gegend von Greifenberg, Belgard und Köslin verlassen, »nachdem es vorhero das Land fast von allem noch übrig gebliebenem Vieh und Getreide entblösset, und an vielen Orten entsetzliche Grausamkeiten ausgeübet, wovon man nur dieses zum Exempel anführen will: daß sie einen Edelmann, Namens von Gerlach, zu Ganzkow, da er ihren Geiz nicht befriedigen können, mit Pistolenschüssen ums Leben gebracht«. Ganzkow gehörte der Familie; sein Bruder Friedrich Wilhelm wird 1770 auf einem gedruckten Widmungsblatt »Herr zu Schwemmin, Ganzkow« genannt. Dass er gemeint ist, steht damit fest genug. Die Familienüberlieferung kannte den Vorgang: Auf dem Hof seines eigenen Gutes habe ihn 1760 der Schuss eines plündernden russischen Soldaten getroffen, wenige Tage darauf sei er gestorben. Dagegen stand Bagmihl, der den Hauptmann 1762 bei der Belagerung Kolbergs fallen lässt. Der Druck von 1763 entscheidet: Ort, Jahr, Tathergang und Stand stimmen mit der Familienfassung überein, und ein zweiter von Gerlach, der 1760 stirbt, ist nicht bekannt.
Ohne überlebende Kinder hinterliess er Ganzkow seiner Witwe Sophie Hedwig von Poyda; am 18. Juli 1764 überliessen sie und seine Schwestern das Gut seinem Bruder Friedrich Wilhelm. Das zerstörte Gut erhielt 1773 vom König elftausendsiebenhundert Taler Wiederaufbauhilfe.
Vor dem Gut lagen zwanzig Jahre in fremdem Dienst. Sie stehen im Kartotek des dänischen Reichsarchivs, das J. C. W. Hirsch über alle dänischen und norwegischen Offiziere von 1648 bis 1814 angelegt hat. Seine Karte führt ihn als »v Gerlach – (Martin) Matthias Lebrecht Friedrich« und verzeichnet die Laufbahn Schritt für Schritt: am 5. Juli 1737 Fähnrich à la suite in einem geworbenen Infanterieregiment, am 11. Oktober desselben Jahres wirklicher Fähnrich, am 24. März 1738 Sekondleutnant, am 4. Oktober 1747 Premierleutnant, am 2. April 1749 Regimentsquartiermeister bei demselben Regiment, am 25. März 1750 charakterisierter Kapitän. Den Abschied nahm er am 24. August 1757 – also zwei Jahre nach dem Kauf von Ganzkow, nicht im selben Jahr, wie die Familiengeschichte meint. Der Registrator vermerkt als Todesdatum nur eine Schranke: gestorben vor dem 23. Juli 1763. Das widerspricht dem April 1760 nicht, sondern sagt bloss, woher er es wusste. Am unteren Rand der Karte steht der Name »Poyda« – der Name seiner Frau – und ein Vermerk vom 10. August 1763 über einundfünfzig Taler von einem Major Carl Wilhelm; die Abkürzungen sind nicht sicher zu lesen.
Hirsch kürzt auf der Karte ab, und die Abkürzung ist als »sj. gev. Inf. Rgmt.« gelesen worden – Sjællandske geworbne Infanteriregiment, also das Oldenborgsche geworbene Regiment. Sie lautet aber »jy. gvb.«, und wie sie aufzulösen ist, druckt eine Kopenhagener Zeitung im Jahr seiner Beförderung aus: Die Berlingske Tidende vom 3. April 1750 meldet, der »Regiments-Qvarteermester og Premier-Lieutenant Martin v. Gerlach, ved det Jydske Gevorbene Regiment til Fods« sei mit dem Charakter eines Kapitäns der Infanterie begnadet worden.
Damit ist auch der Bestand ein anderer. Der Archivbildner heisst im dänischen Findmittel Daisy »Kongens Jyske Fodregiment (7. Regiment), Jyske Infanteriregiment« und reicht von 1679 bis 1951, mit vollständiger Namensfolge. Seine Stammbücher von 1730 bis 1763 decken Martins ganze Dienstzeit ab, sind digitalisiert und frei zu lesen: dreihundertdreiundfünfzig Aufnahmen in Arkivalieronline.
Es sind nicht einundfünfzig Taler von einem Major Carl Wilhelm, sondern die Angabe »Datter af Major Carl Wilhelm« mit der Quelle »ref Sgr 10/8 1763 §1« – die Tochter des Majors Carl Wilhelm. Gemeint ist der Schwiegervater: Major Carl Wilhelm Poyda, der 1709 bei Malplaquet und 1712 bei Le Quesnoy focht, von 1718 bis 1737 als Kapitän in Norwegen stand – womit die Familienangabe, Sophie Hedwig sei in Norwegen geboren, urkundlich gedeckt ist –, 1737 Major wurde und am 18. Februar 1738 starb. Er war dreimal verheiratet. Die dritte Frau hiess Hedvig Christiane Eleonora von der Lühe; die Verlobung fiel in den Oktober 1735, die Hochzeit in das Jahr 1736. Sie starb jung: Das Kirchenbuch von Lyngdal verzeichnet am 17. April 1741 das Begräbnis der »fru Major Boyda paa Bergen gaard«, dreiundzwanzig Jahre alt, auf dem Hof ihres Vaters. Poydas Kompanie sass von 1718 bis 1737 in Hjelmeland in Ryfylke; dort ist auch seine Tochter Sophie Hedwig zur Welt gekommen. Auf seiner Karte hat jemand das Wappen gezeichnet: im Schild ein aufrechter Pfeil zwischen zwei Flügeln, auf dem Helm drei Zweige.
Und noch eines: »Regiment Kallenbach«, das die Familie überliefert, ist in dänischen Quellen nicht zu finden – keine Hirsch-Karte, kein Zeitungstreffer zwischen 1740 und 1780, kein Kallenbach unter den Kompaniechefs des Regiments. Der Name bleibt Familienüberlieferung.
Quellen: Die Feldzüge der Preussen wider die Sachsen und Oesterreicher, wider die Franzosen und Reichstruppen, wider die Russen, 1763, Seite 265; Rigsarkivet, Forsvarets Arkiver, Hirsch’ kartotek over danske og norske officerer 1648–1814, Abteilung »Gel – Gem«, Bild 37656145, und die Karte Poyda ebenda; Berlingske Tidende, 3. April 1750; Rigsarkivet, Kongens Jyske Fodregiment, Stambøger 1730–1763 (Arkivalieronline); Daisy, Rigsarkivet; Olai Ovenstad, Militærbiografier, Bd. 2, Oslo 1949, S. 264; Kirchenbuch Lyngdal, Riksarkivet AV/SAK-1111-0029/F/Fa/Fac/L0001 (Digitalarkivet).
DIE FAMILIE SELBST BESTÄTIGT ES
Das Handbuch des Preußischen Adels von 1893, für das die Familie ihre Daten einreichte, setzt den Schlusspunkt: »Martin, geb. zu Stolp 11. Dezember 1716, † zu Ganzkow 14. April 1760, auf Ganzkow, Hauptmann a. D., zuletzt im Königl. Dän. Infanterie-Regiment Kallenbach, verm. mit Sofie Hedwig von Poyda, geb. in Norwegen, † zu Ganzkow im April 1760.« Damit sind Ort und Monat des Todes, die der Druck von 1763 nur erschliessen liess, durch die Familienüberlieferung gedeckt, und das Geburtsjahr 1716 hat auch das Findbuch des Erlanger Familienarchivs. Bei seiner Frau irrt dieselbe Zeile des Handbuchs: Sie starb nicht im April 1760, sondern 1805 – so das Register der dänischen Offizierswitwenkasse, das beide unter der Aktenkennung G. 1515 führt (Rigsarkivet, Register over indskyderne i Landmilitæretatens Pensionskasse og den Almindelige Enkekasse, S. 310 und S. 804 (Arkivalieronline, Bilder 40425090 und 40425588)). Ein Sohn, 1756 zu Rützow geboren – das Gut kam erst 1768 an die Familie, Krohne nennt es 1776 neben Ganzkow, Schwemmin und Zebblin –, starb nach demselben Buch 1760 ebenfalls zu Ganzkow; seinen Namen nennt es nicht.
Der gedruckte Bericht von 1763 hat eine russische Gegenprobe. Dmitri Maslowskis Werk über die russische Armee im Siebenjährigen Krieg, nach den Akten des Militärgelehrtenarchivs gearbeitet, hält für den 19. März 1760 alten Stils Tottlebens Befehl zum Vormarsch fest, »damit dem Feinde der Rückzug nach Kolberg und Köslin abgeschnitten werde«. In den ersten Apriltagen standen seine leichten Truppen in einem Kordon, der bei Körlin begann und über Treptow, Greifenberg, Schivelbein, Polzin und Bernstein bis Neustettin lief. Ganzkow liegt im Kreise Kolberg-Körlin, mitten darin. Und Tottleben meldete selbst, die Erhebung der Kontribution stosse auf kein geringes Hindernis, weil die preussische Obrigkeit öffentlich untersagt habe, den Russen Proviant und Furage zu lassen – genau der Vorgang, aus dem die Überlieferung den Schuss erklärt. Sein Name steht dort nicht; ein erschossener Gutsherr ist kein Gegenstand der Operationsgeschichte. Quelle: Dmitri F. Maslowski, Russkaja armija v Semiletnjuju wojnu, Bd. 3, Moskau 1891, S. 248 f.
DER ZEITGENÖSSISCHE BERICHT
Der Satz, der seinen Tod überliefert, steht älter da als das Buch von 1763. Die Schlesische Privilegirte Staats- Kriegs- und Friedens-Zeitung druckte ihn am 10. Mai 1760 als Berliner Nachricht vom 6. Mai — keine vier Wochen nach dem Abzug der Russen. Das Buch von 1763 gibt dieselben Worte wieder; es hat aus der Presse geschöpft.
In der Zeitung steht die Meldung in ihrem Zusammenhang, und der ist der Rückzug eines ganzen Korps: »Da das bey Stargard unter dem General-Lieutenant von Forcade sich versamlende Korps mehr und mehr verstärket … so hat das Rußische Korps des Generals Tottleben den 19. vorigen Monats die Gegenden von Greiffenberg, Belgard und Cöslin, verlassen, und sich nach der Pohlnischen Grenze retiriret, nachdem sie vorhero das Land fast von allen noch übrig gebliebenen Vieh und Getreide entblöset, und an vielen Orten entsetzliche Grausamkeiten ausgeübet, wovon man nur dieses zum Exempel anführen will: daß sie einen Edelmann, Namens von Gerlach, zu Ganzkow, da er ihren Geitz nicht befriedigen können, mit Pistolenschüssen ums Leben gebracht.«
Zwei Dinge sagt die Zeitung, die das Buch nicht sagt. Erstens den Tag des Abzugs: Der 19. des vorigen Monats ist der 19. April 1760. Sein Sterbetag, der 14. April, liegt fünf Tage davor — die Tat fällt damit in die letzten Tage der Besetzung. Zweitens den Gegensatz, den die Meldung selbst zieht: Unmittelbar darauf rühmt sie »die Leutseligkeit des Husarenrittmeisters von Peckin«, der sein Kommando in Ordnung gehalten und die Härte des Auftrags zu lindern gesucht habe. Der Fall Ganzkow stand in der Zeitung als Beispiel, nicht als Einzelfall.
Quelle: Schlesische Privilegirte Staats- Kriegs- und Friedens-Zeitungen, Sonnabends den 10. May 1760, Nr. 55, S. 291, Rubrik »Berlin, vom 6 May«, Digitalisat der Biblioteka Cyfrowa Uniwersytetu Wrocławskiego.
DIE STAMMBÜCHER
Das Titelblatt nennt das Regiment in seiner eigenen Sprache: »Regiments Buch von dem Jütsch Geworbenen Regiment zu Fus unter Commando Ihro Hoch Fürstlichen Durchl: des Marggraffen zu Brandenburg Culmbach«, angefangen am 1. Januar 1730 – die Bücher seines Regiments wurden deutsch geführt. Sie sind kompanieweise angelegte Ab- und Zugangslisten der Mannschaften: Name, Alter, Geburtsort, Werbedatum, Laufnummer. Offiziere erscheinen in den Kompanieüberschriften und in Vermerken, nicht mit eigenen Blättern; ein Stammblatt für ihn gibt es darin nicht, und seine Laufbahn bleibt bei Hirschs Kartei. Was die Bücher schon jetzt zeigen: das Regiment, in dem er zwanzig Jahre diente, von innen – bis hin zur Kompanie seines Schwagers von Bremer, die 1751 ihre Rekruten in Rendsburg enrollierte.
(Rigsarkivet, Kongens Jyske Fodregiment, Stambøger 1730–1763, Arkivalieronline, am Bild gelesen; Titelblatt Aufschlag 5.)
Sources
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Siblings (14)
Anna Dorothea von Gerlach
* 1710 · † 1772
Sofie Charlotte von Gerlach
* 1704 · † 1705
Filipp Leberecht von Gerlach
* 1701 · † 1725
Sophie Elisabeth von Gerlach
* 1707 · † 1762
Anna Lucie von Gerlach
* 1703 · † 1755
Johanne Charlotte von Gerlach
* 1708 · † 1764
Karl Eberhard von Gerlach
* 1713
Karl Ludwig von Gerlach
* 1719 · † 1741
Friedrich Wilhelm von Gerlach
* 1711 · † 1780
Helene Louise Albertine von Gerlach
* 1728 · † 1774
Otto Lebrecht von Gerlach
* 1720 · † about 1798
Marie von Gerlach
* 1709 · † 1781
Daniel Wilhelm von Gerlach
* 1706 · † 1707
Ernestine Filippine von Gerlach
* 1718 · † after 1770