Person record
Friedrich Wilhelm von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 15 December 1711 · Stolp
- Death
- 19 December 1780 · Berlin
- Age
- 69 years
Königlich preussischer Geheimer Ober-Finanz-, Kriegs- und Domänenrat, Erbherr auf Ganzkow, Schwemmin, Parsow, Mechentin und Rützow. Geboren am 15. Dezember 1711 in Stolp, gestorben in Berlin in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 1780.
Von 1730 bis 1733 besuchte er das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin, 1735 ging er nach Halle. 1741 wurde er Sekretär des Prinzen August Wilhelm von Preussen, spätestens im Mai 1743 Kriegs- und Domänenrat bei der kurmärkischen Kammer, 1764 Geheimer Finanzrat beim Generaldirektorium. Ein gedruckter Nachruf, ein Jahr nach seinem Tod im »Verzeichniss der merkwürdigen Todesfälle von 1780« erschienen, lobt, er habe »mit Hintenansetzung aller Bequemlichkeit, fleissig und eifrig« gearbeitet und sein Augenmerk auf die Erhaltung der Untertanen und die Verbesserung von Städten und Land gerichtet.
Er war zweimal verheiratet, und beide Frauen waren Schwestern: erst Christiana Sophia Coeper, dann Antoinette Wilhelmine, Töchter des Hof- und Postrats Lüder Coeper und der Rahel Pardicq. Die Familiengeschichte von 1903 sagt von der ersten, sie stamme »aus einem alten angesehenen Geschlecht in Bremen«; die zweite starb einunddreissigjährig vor ihm. Von fünf Kindern überlebten nur die Söhne Ludwig August Wilhelm, geboren am 27. August 1751, und Carl Friedrich Leopold, geboren am 25. August 1757. Mit ihnen teilte sich das Haus in den Parsower und den Rohrbecker Zweig.
Wie weit sein Ruf reichte, zeigt ein gedrucktes Widmungsblatt von 1770. In Riga erschien bei Hartknoch die deutsche Ausgabe des orthodoxen Katechismus, den Platon Levšin für seinen Schüler, den russischen Thronfolger Paul Petrowitsch, geschrieben hatte; übersetzt hatte ihn Jacob Rodde. Gewidmet ist das Buch »Sr. Hochwohlgebohrnen, dem Herrn Herrn Friederich Wilhelm von Gerlach, Sr. Königl. Majestät von Preußen hochbetrautem Herrn Geheimden Ober-Finanz-, Krieges- und Domainen-Rathe, auch Herrn zu Schwemmin, Ganzkow etc. etc., dem thätigen Verehrer der wahren Religion« – »Seinem großmüthigen Wohlthäter und gnädigen Herrn«. Ein preussischer Finanzrat bezahlt also die deutsche Fassung eines russisch-orthodoxen Lehrbuchs. Von der Frömmigkeit der Familie ist sonst erst bei den Enkeln die Rede; hier steht sie eine Generation früher und reicht über die Konfessionsgrenze hinweg.
Zum Sterbetag: Die Hamburgische neue Zeitung vom 26. Dezember 1780 meldet den Tod »in der Nacht vom 18ten«, Wutstracks Nachtrag von 1795 und Schramm nennen den 19. Dezember, die ältere Familienüberlieferung den 22. und die gedruckte Familiengeschichte von 1903 den 29. Dezember. Wutstrack gibt als Geburtstag den 15. Dezember, Schramm den 15. Februar. Ein fünfter Zeuge ist keine Drucksache. Das Münchener Exemplar von Krohnes Adels-Lexicon von 1776 trägt neben seinem Eintrag eine zeitgenössische Handschrift, die ihn fortschreibt: »auf Gantzkow«, und darunter, mit dem Kreuz für gestorben, »zu Berl. 19 … 1780. im 70. Jahre«. Der Monat ist beim Beschneiden des Bandes weggefallen, der Tag nicht. Die Hand stützt damit den 19. Dezember, sie nennt Berlin als Sterbeort, und mit dem siebzigsten Lebensjahr bestätigt sie das Geburtsjahr 1711 gegen jede andere Rechnung.
Quellen: Hamburgische neue Zeitung, 26. Dezember 1780; Historische, politisch-geographisch-statistisch- und militärische Beyträge, 1781, Nr. XVIII, S. 277 f.; Christian Friedrich Wutstrack, Nachtrag, 1795, S. 327; Percy Ernst Schramm, 1963; Familiengeschichte von Gerlach, 1903.
Wie er zu den pommerschen Gütern kam, steht bei Brüggemann, der es 1784 aus den Akten schrieb, und bei Berghaus, der es achtzig Jahre später wiederholte. Es sind drei Vorgänge mit drei Daten, und sie sind in der Familiengeschichte durcheinandergeraten.
Am 17. Januar 1765 kaufte er das ganze Gut Schwemmin erblich vom Landrat Hans Joachim von Kleist, der es vier Monate zuvor, am 15. September 1764, vom Geheimen Rat Ernst Conrad von Heydebreck erworben hatte. Nach dem Vertrage vom 20. September 1772 kaufte er dazu einen einzelnen Hof in Schwemmin, der bisher zu Parsow b gehört hatte, vom Rittmeister Georg Christoph von Heydebreck. Und nach dem Vergleiche vom 7. Mai 1779 kaufte er von demselben ganz Parsow – beide Teile, a und b – nebst dem Danzkruge. Damit lagen die zwei ungeteilten Güter Parsow und Schwemmin in einer Hand.
Das löst eine Unstimmigkeit auf: Das Jahr 1772 gehört nicht zu Parsow, sondern zu jenem einzelnen Hof. Parsow kam 1779, anderthalb Jahre vor seinem Tod. Er hat sein Stammgut nur knapp zwei Jahre lang besessen.
Nach seinem Tode ging die Nachfolge in beiden Gütern auf den ältesten Sohn Ludwig August Wilhelm über, den späteren Präsidenten des Hofgerichts zu Köslin, der sie bei der Auseinandersetzung mit seinem Bruder für einen angenommenen Wert von dreissigtausend Talern übernahm.
Quellen des Nachtrags: Ludwig Wilhelm Brüggemann, Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern, Teil II Band 2, Stettin 1784, S. 584 f.; Heinrich Berghaus, Landbuch des Herzogthums Pommern, Kreis Fürstenthum, S. 399–401.
Die fünf Kinder nennt das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 mit Namen: Ludwig August Wilhelm (Berlin 27. August 1751), Kasimir Friedrich Leopold (Berlin 17. Januar 1753 – 30. Mai 1753), Anna Friederike Wilhelmine (Berlin 20. April 1756 – 10. Januar 1757), Karl Friedrich Leopold (Berlin 25. August 1757) und Otto Heinrich (Berlin 9. Dezember 1758 – 21. Januar 1759). Drei Kinder starben im ersten Lebensjahr; die erste Frau starb 1759, im Jahr nach der letzten Geburt. Seinen Tod setzt das Handbuch auf den 22. Dezember 1780; der Nachruf von 1781, der die Nacht vom 18. auf den 19. nennt, bleibt die nähere Quelle.
AUS DEN AKTEN UND KALENDERN
Dass er schon 1743 in der kurmärkischen Kammer sass, zeigt die Departementsverteilung vom 16. Mai 1743 in den Acta Borussica (Behördenorganisation, Bd. 6,2, Nr. 333, S. 595–598): »Kriegesrath von Gerlach« führt mit dem Kriegsrat Kriele das Departement der Ämter Ruppin, Lindow, Neustadt an der Dosse, Vehlefanz, Fehrbellin und Nauen, des Kreises Ruppin und der Städte von Neu-Ruppin bis Cremmen, dazu die Berliner Servissachen, und beobachtet mit Schemmel und Valencampff das Salzdepartement der ganzen Provinz. Der Berliner Adresskalender führt ihn 1748 als Kriegs- und Domänenrat »in des Castellan Liebenwalds Hause in der Marggrafen-Straße«, 1755, 1764 und 1765 »auf der Friedrichstadt in der Charlotten-Straße in der Frau Hofräthin Cöpern Hause« – er wohnte bei der Schwiegermutter Rahel Coeper, der Witwe des Hof- und Postrats Lüder Coeper; 1764 noch als Kriegsrat, 1765 als »Geheimer Finanz-Kriegs- und Domainen-Rath«.
Was er mit den 11.700 Talern Meliorationsgeld tat, berichtet der Pommersche und Neumärkische Wirth im ersten Jahrgang 1778 (§ 116 f., S. 478 f.): Für Ganzkow wurden das Ackerfeld um 338 Morgen und der Heuschlag um 89 Morgen 146 Ruten vermehrt, im Dorf sechs neue Bauern und sechs neue Büdner angesetzt und der Kleebau eingeführt; für Schwemmin nahm er weitere 1.600 Taler, vermehrte die Wiesen um 310 Morgen 56 Ruten und setzte vier Büdnerstellen. Um drei Holzkaveln auf dem Schwartowschen Felde, die einst zu Ganzkow gehört hatten und 1726 wiederkäuflich an Podewils gegangen waren, prozessierte er vergebens; die Sprüche vom 15. Juni 1768, 14. Oktober 1768 und 21. April 1769 wiesen ihn ab (Brüggemann, Beschreibung von Pommern, II/2, 1784, S. 123).
Seinen Tod meldete der Hamburgische unpartheyische Correspondent am 26. Dezember 1780 aus Berlin: »In der Nacht vom 18ten auf den 19ten verstarb hieselbst Herr Friedrich Wilhelm von Gerlach, Königl. geheimer Ober-Finanz-Kriegs- und Domainenrath, Erbherr auf Ganskow etc. etc. im 70sten Jahre seines Alters«; an seine Stelle trat der Kriegs- und Domänenrat Grothe. »Im 70sten Jahre« passt genau zu einer Geburt am 15. Dezember 1711. Die erste Heirat setzt das Handbuch von 1893 in das Jahr 1750, die Familienüberlieferung den 17. Dezember 1749. Der Name des älteren Sohnes lautet nach Krohne (1776) und dem Handbuch (1893) Ludwig August Wilhelm. Wikidata führt ihn unter Q94926977, dort noch mit dem Sterbetag des Handbuchs.
Quellen: Acta Borussica, Behördenorganisation Bd. 6,2 (Internet Archive bub_gb_P3Y5AQAAIAAJ; MDZ bsb12069283, Bild 607); Adresskalender Berlin 1748, 1755, 1764, 1765 (Staatsbibliothek zu Berlin, lokal gesichert); Der pommersche und neumärksche Wirth 1 (1778), MDZ bsb10297968, Bilder 500 f.; Brüggemann 1784, MDZ bsb10000743, Bild 123; Hamburgischer Correspondent 26. Dezember 1780, S. 4 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek).
DIE TODESANZEIGE
Acht Tage nach seinem Tod stand sie in der Schlesischen privilegirten Zeitung, unter den Berliner Nachrichten vom 21. Dezember: »In der Nacht vom 18. auf den 19. verstarb hieselbst Herr Friedrich Wilhelm von Gerlach, Königlicher Geheimer Ober-Finanz- Krieges- und Domainen-Rath, Erbherr auf Ganzkow, Schwemmin, Parsow, Mechentin und Rützow, im Siebenzigsten Jahre Seines Alters, nachdem Er dem Königl. Hause 40 Jahre gedient; beweint von allen denjenigen, welche Seinen Eifer in Erfüllung der Ihm als Mensch und Diener des Staats obliegenden Pflichten gekannt und zu schätzen gewußt.«
Die Anzeige fügt dem Lebenslauf zwei Zahlen hinzu. Sie nennt ihn im siebzigsten Jahre — er war am 15. Dezember 1711 geboren und starb vier Tage nach seinem neunundsechzigsten Geburtstag, im siebzigsten Lebensjahr also, wie die alte Zählweise es meint. Und sie zählt vierzig Dienstjahre, was den Eintritt in den königlichen Dienst auf 1740 zurückführt — ein Jahr vor die Sekretärsstelle beim Prinzen August Wilhelm.
Auch die Güterreihe steht darin vollständig und in derselben Folge, die der Lebenslauf führt: Ganzkow, Schwemmin, Parsow, Mechentin und Rützow.
Quelle: Schlesische privilegirte Zeitung, 27. Dezember 1780, Nr. 153, S. 1727, Rubrik »Berlin, vom 21. December«, Digitalisat der Biblioteka Cyfrowa Uniwersytetu Wrocławskiego.
DIE ERNENNUNG VON 1764, AUF DEN TAG
Der Tag steht in der Zeitung. Die Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen meldete unter dem 25. Februar 1764: »Se. Majestät, der König, haben den bey der Churmärckschen Krieges- und Domainen-Cammer bisher gestandenen Krieges- und Domainen-Rath, Herrn von Gerlach, und den bey der Magdeburgschen Krieges- und Domainen-Cammer gestandenen Krieges- und Domainen-Rath, Herrn von Windheim, beyde zu Geheimen Finanz-, Krieges- und Domainen-Räthen bey dem General-Ober-Finanz-, Krieges- und Domainen-Directorio allergnädigst ernannt.« Dieselbe Nachricht druckte acht Tage später die Kaiserliche Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung zu Köln nach.
Er rückte also nicht allein auf: derselbe Erlass hob einen Magdeburger Rat gleichen Ranges mit ihm ins Generaldirektorium. In derselben Meldung werden vier weitere Männer zu Kriegs- und Domänenräten bestellt – der Kammersekretär von Rademacher und die Auskultatoren Schütze, Scheffel und Buchholz.
(Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen, 25. Februar 1764; Kaiserl. Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung zu Köln, 5. März 1764, Bericht aus Berlin vom 25. Februar. Digitalisate der Bayerischen Staatsbibliothek und der ULB Bonn im Deutschen Zeitungsportal.)
Sources
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Siblings (14)
Anna Dorothea von Gerlach
* 1710 · † 1772
Sofie Charlotte von Gerlach
* 1704 · † 1705
Filipp Leberecht von Gerlach
* 1701 · † 1725
Sophie Elisabeth von Gerlach
* 1707 · † 1762
Anna Lucie von Gerlach
* 1703 · † 1755
Johanne Charlotte von Gerlach
* 1708 · † 1764
Karl Eberhard von Gerlach
* 1713
Karl Ludwig von Gerlach
* 1719 · † 1741
Helene Louise Albertine von Gerlach
* 1728 · † 1774
Martin von Gerlach
* 1716 · † 1760
Otto Lebrecht von Gerlach
* 1720 · † about 1798
Marie von Gerlach
* 1709 · † 1781
Daniel Wilhelm von Gerlach
* 1706 · † 1707
Ernestine Filippine von Gerlach
* 1718 · † after 1770
Spouses / partners
Christiane Sophie Coeper
* 1719 · † 1759
∞ 17 December 1749