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Person record

Carl Friedrich Leopold von Gerlach

* 25 August 1757 · Berlin† 8 June 1813 · Berlin
Carl Friedrich Leopold von Gerlach
Gender
male
Birth
25 August 1757 · Berlin
Death
8 June 1813 · Berlin
Burial
Domfriedhof II, Wedding, Mitte, Berlin, Germany
Age
55 years

Familiengeschichte 1903: mit acht Jahren an die Domschule Halberstadt gegeben, weil ihn nach Ansicht des Vaters die Stiefmutter verzog; Rektor war Christian Gottfried Struensee (1717–1782), der die Domschule von 1758 bis zu seinem Tod führte; die Familiengeschichte nennt ihn irrig einen Bruder des 1772 in Kopenhagen hingerichteten dänischen Ministers. Der Rektor war der Sohn eines früh gestorbenen Predigers zu Walchow bei Ruppin und unter sieben Brüdern der dritte, der Minister ein Sohn Adam Struensees, des Generalsuperintendenten in Schleswig und Holstein; Brüder waren die beiden nicht. Der Rektor verteilte seine Schüler nach ihren Kenntnissen auf die Klassen, machte »unter seinen Schülern in Ansehung des Standes keinen Unterschied« und hielt sich selbst für den Diener seiner Kollegen. Mit vierzehn, nach dreieinhalb Jahren in Prima, 1771 für hochschulreif erklärt; Studium der Rechte in Göttingen und Halle, Rückkehr Ostern 1775. Als Kammergerichtsreferendar bereiste er mit dem Grosskanzler von Fürst die westfälischen Gerichte und besuchte Amsterdam; nach dem Nachruf von 1813 Michaelis 1779 Assessor bei der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer (die Familiengeschichte nennt 1776), 1780 vortragender Rat – beim Tod des Vaters in der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 1780 noch minderjährig. Rohrbeck kaufte er am 27. Juni 1805 von einem Hauptmann von der Osten. Zum Geburtsjahr gab es einen Vorbehalt: Der gedruckte Nachruf auf seinen Vater von 1781 nennt ihn »gebohren den 25sten August 1756«, die Familiengeschichte von 1903 und alle neueren Verzeichnisse dagegen 1757. Entschieden hat es die Todesanzeige, die seine Witwe im Juni 1813 in den Berlinischen Nachrichten aufgab: Der Tod sei »am 8ten dieses Monats im 56sten Jahre seines Lebens« erfolgt. Wer am 8. Juni 1813 im sechsundfünfzigsten Lebensjahr steht, ist im August 1757 geboren. Der Nachruf von 1781 hat sich um ein Jahr vertan.

DAS HAUS AM OPERNPLATZ

Wo er in Berlin wohnte, war lange nur mittelbar bekannt: Das Adressbuch von 1823 führt seine Witwe und zwei Söhne »hinter der Katholischen Kirche«. Ein zwanzig Jahre älteres Buch nennt ihn selbst, und zwar als Eigentümer.

Karl Neander von Petersheiden veröffentlichte 1801 »Neue anschauliche Tabellen von der gesamten Residenz-Stadt Berlin, oder Nachweisung aller Eigenthümer« – Strasse für Strasse, Haus für Haus, dazu hinten ein alphabetisches Register aller Eigentümer. Dort steht unter G zweimal derselbe Mann: »v. Gerlach, Präsident«, Nummer 33 auf Seite 33, und darunter »– dito.«, Nummer 1 auf Seite 148.

Seite 33 ist die Französische Strasse. Die Hausnummern laufen dort abwärts: 29 der Rendant Siegfried, 30 der Ober-Baurat Becherer, 31 »Cohens Baustelle«, 32 eine Gartenmauer – und 33 »v. Gerlach, Präsident«, die letzte Nummer vor dem Querbalken, der die Tabelle beschliesst: »An der Katholischen Kirche«. Gegenüber, unter Nummer 34, steht das katholische Schulhaus. Seite 148 ist die Strasse »Hinter dem Opern-Hause«, zwischen der Französischen Strasse und dem »Platz am Opern-Hause«; ihr erster Eintrag ist »1. Gerlach, Präsident«.

Es ist ein Eckgrundstück mit zwei Anschriften, und es lag an der vornehmsten Stelle Berlins: am Opernplatz, neben der Hedwigskirche, gegenüber der Oper und der Königlichen Bibliothek – auf dem Forum Fridericianum, dem heutigen Bebelplatz. Dort ist er alt geworden, dort wohnte nach seinem Tode die Witwe mit den Söhnen, und dort stand, wie der Biograph Kleist-Retzows beiläufig festhält, nebenan das Haus der Familie Schede, aus der sein Sohn Ludwig einen lebenslangen Freund gewann.

Die Durchsicht der sechsundsechzig Berliner Adressbücher von 1820 bis 1902 hatte ergeben, dass kein von Gerlach darin das »E.« trägt, mit dem die Bücher den Hauseigentümer bezeichnen; daraus war geschlossen worden, die Familie habe in Berlin nur gemietet oder in Dienstwohnungen gelebt. Für die Zeit nach 1820 stimmt das. Für 1801 stimmt es nicht.

Quelle des Nachtrags: Karl Neander von Petersheiden, Neue anschauliche Tabellen von der gesamten Residenz-Stadt Berlin, Berlin 1801, S. 33, 148 und 244 (Register); Digitalisat der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, PI 34111554, gemeinfrei.

DIE STRASSE, DIE UMBENANNT WURDE

Dass die beiden Anschriften von 1801 und die des Adressbuchs von 1823 dasselbe Grundstück meinen, lässt sich zeigen. Neander nennt die Gasse »Hinter dem Opern-Hause«; sie läuft bei ihm von der Französischen Strasse zum »Platz am Opern-Hause«, hat fünf Nummern, und die Nummer 5 ist das »Schul-Haus, zur katholischen Kirche gehörig«. Das Adressbuch von 1836 nennt dieselbe Gasse »Hinter der katholischen Kirche« und setzt hinter den Namen eine Ortsangabe: »Nr. 1 a. d. Französischen Straße«. Auch dort sind es fünf Nummern, und auch dort steht am Ende »4–5 der kathol. Kirche geh.« Gleicher Anfang, gleiches Ende, gleiche Zahl der Häuser: Die Strasse ist zwischen 1801 und 1823 nur umbenannt worden. Ihre Nummer 1 ist das Eckhaus an der Französischen Strasse – und das ist die Nummer 33 der Französischen Strasse, sein Haus.

Damit ist auch die Tafel bestimmt, die Jakob von Gerlach 1903 den Aufzeichnungen Ernst Ludwigs beigab: »Die Häuser der Familie in Berlin, hinter der katholischen Kirche« – es sind die Häuser an dieser Ecke.

1836 war das Haus ein Mietshaus: Der Strassenteil jenes Bandes zählt unter der Nummer 1 zehn Parteien auf – einen Arzt, einen Bauinspektor, einen pensionierten Kanzleidiener, die Witwe eines Amtmanns, einen Premierleutnant, seinen Sohn Leopold, einen Schuhmacher, den Sekretär des Zensurbüros, einen Auskultator und einen geheimen expedierenden Sekretär. Das Eigentumszeichen, das die Bücher von den dreissiger Jahren an hinter den Namen des Hausbesitzers setzen, steht an dieser Stelle bei keinem von Gerlach. Gewohnt hat die Familie darin noch dreiundzwanzig Jahre über seinen Tod hinaus: die Witwe und zwei Söhne 1823, der Sohn Leopold bis 1836. Im Jahrgang 1837 steht kein von Gerlach mehr an dieser Anschrift.

Quelle des Nachtrags: Karl Neander von Petersheiden, Neue anschauliche Tabellen von der gesamten Residenz-Stadt Berlin, Berlin 1801, S. 33 und 148; Allgemeines Adressbuch für Berlin 1823, J. W. Boikes Allgemeiner Wohnungsanzeiger 1835, 1836 und 1837, jeweils alphabetischer und Strassenteil; Digitalisate der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

WO ER BEGRABEN LIEGT

Es steht in einem Nebensatz. Sein Sohn Wilhelm schrieb an Frau von Levetzow über den Dom-Kirchhof in Berlin an der Elisabethstrasse – jenen Kirchhof, »wo mein Vater und meine Schwester begraben liegen«. Damit ist die Berliner Grabstätte der Familie bestimmt: der Präsident, gestorben 1813, und seine mit zwanzig Jahren gestorbene Tochter Sophie liegen auf demselben Friedhof im Norden der Stadt, nicht weit von der Elisabethkirche, an der sein jüngster Sohn Otto zwanzig Jahre später Pfarrer wurde. 1834 wurde auch Wilhelm dorthin gebracht.

Quelle des Nachtrags: Ernst Ludwig von Gerlach, Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken 1795–1877, Schwerin 1903, Band 1, S. 222.

UND WO ER HEUTE LIEGT

Das Ehrengrab, das die Stadt Berlin ihm gesetzt hat, steht nicht dort. Es steht auf dem Domfriedhof II in der Müllerstrasse – und den hat die Domgemeinde erst 1870 angelegt, siebenundfünfzig Jahre nach seinem Tod. Auch der ältere Domfriedhof in der Liesenstrasse kommt nicht in Frage: Er wurde 1830 angelegt, siebzehn Jahre nach seinem Tod, und zwar ausdrücklich als Ersatz für den Begräbnisplatz in der Elisabethstrasse, auf dem er lag.

Quelle des Nachtrags: Auskunft der Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin über ihre beiden Friedhöfe (Liesenstrasse 6, angelegt 1830; Müllerstrasse 72/73, angelegt 1870).

SEIN TITEL AUF FRANZÖSISCH

Er kommt in einem französischen Nachschlagewerk vor, wenn auch nur als Vater. Die »Grande Encyclopédie« beginnt ihren Artikel über seinen Sohn Ernst Ludwig mit den Worten: »Sohn Leopolds von Gerlach (1757–1813), Kammergerichtspräsident in Berlin«. Die beiden Jahreszahlen stimmen mit seinen Lebensdaten überein, und der Rufname, unter dem er den Franzosen bekannt war, ist der dritte seiner Vornamen.

Quelle des Nachtrags: La grande encyclopédie, Paris 1885–1902, Artikel Gerlach (Digitalisat der Bibliothèque nationale de France, gemeinfrei).

DIE JAHRE 1807 BIS 1809

Die Zeitungen der Besatzungszeit führen ihn weiter: Am 1. Oktober 1807 meldet die National-Zeitung der Deutschen, dem »Geh. Rath von Gerlach« sei »provisorisch die Provinzialverwaltung der Kurmark« aufgetragen. Im Herbst 1808 sass er als »Präsident von Gerlach, Mitglied der hiesigen königl. Friedens-Kommission« in der Kommission, die den Frieden von Tilsit zu vollziehen hatte; die Karlsruher Zeitung vom 7. November und die Baierische National-Zeitung vom 8. November 1808 drucken ein Schreiben, das er Ende Oktober an die kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer erliess. Das Allgemeine europäische Staats- und Address-Handbuch 1809 nennt ihn als Präsidenten der kurmärkischen Kammer, Direktor Grothe. Am 23. März 1809 schreibt das Morgenblatt für gebildete Stände aus Berlin: »Ein um den Staat überhaupt, und um unsere Stadt besonders, verdienter Mann, der Präsident von Gerlach, hat um seinen Abschied gebeten, und ihn mit dem Adler-Orden erhalten. Wohl dem Staatsdiener, dem wie hier die Segenswünsche der Menge folgen.« Sein Abschied fiel also in den März 1809, mit dem Roten Adlerorden.

Von dem Stich Bollingers nach Schröder (1801) sind über das Rijksmuseum hinaus Exemplare in der Universitätsbibliothek Leipzig, im LWL-Museum Münster, in den Kunstsammlungen der Veste Coburg und in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel nachgewiesen.

Quellen: National-Zeitung der Deutschen 1. Oktober 1807 (MDZ bsb10503163, Bild 406); Karlsruher Zeitung 7. November 1808, S. 2, und Morgenblatt für gebildete Stände 23. März 1809, S. 4 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Baierische National-Zeitung 8. November 1808 (MDZ bsb10505540, Bild 1072); Allgemeines europäisches Staats- und Address-Handbuch 1809 (MDZ bsb11040573, Bild 535); Europeana (Porträtnachweise Leipzig, Münster, Coburg, Wolfenbüttel).

Dass er am 8. Juni 1813 starb, bestätigt eine Quelle, die man dort nicht sucht: Das Journal de Paris brachte am 8. Juli 1813, mitten im Krieg, eine Todesanzeige mit seiner vollen Titelkette. Quelle: Journal de Paris, 8. Juli 1813 (Gallica).

Die Bestallung selbst sagt mehr als die Zeitungsmeldung vom 1. Oktober. Am 1. August 1807 liess König Friedrich Wilhelm III. aus Memel eine Kundmachung an die kurmärkischen Untertanen ergehen, die sie an den »Geheimen Finanzrat von Gerlach« wies: Ihm sei »nicht allein provisorisch die Provinzialverwaltung der Kurmark übertragen«, er sei »auch zum Generalzivilkommissar für alle Friedensvollziehungsgeschäfte in der Provinz ernannt«. Das zweite Amt steht hier datiert und im Wortlaut des Königs. Wie weit die Kundmachung lief, zeigt der Ort ihres Abdrucks: Zehn Wochen später stand sie in Oberungarn. Quelle: Preßburger Zeitung Nr. 80 vom 13. Oktober 1807, S. 918 (Digitales Forum Mittel- und Osteuropa, difmoe.eu).

Was in dem Schreiben stand, ist im Wortlaut erhalten. Er teilte der Kammer mit, er mache ihr »vorläufig hiedurch bekannt, daß die Hindernisse der Evakuazion und der Zurükgabe der Administration an die diesseitigen Behörden durch eine zu Paris unterm 8ten vorigen Monats abgeschlossene Konvenzion gehoben worden sind«, und zählte drei Punkte auf: Die Einkünfte sämtlicher Provinzen würden seit dem 9. September für Rechnung des Königs erhoben; die Räumung werde verfügt, sobald die für die Berichtigung der Kontribution ausgefertigten Papiere dem kaiserlichen Intendanten Daru übergeben seien; und die Verwaltung komme zurück, sobald die französischen Truppen das Land geräumt hätten. Es ist die Stimme eines preussischen Beamten in der Woche, in der die Besatzung zu Ende ging, und sie spricht von Fristen, nicht von Siegen. Gezeichnet ist das Schreiben Berlin, den 31. Oktober 1808. Quelle: Politisches Journal, Oktoberstück 1808, nachgedruckt in der St. Petersburgischen Zeitung vom 17. November 1808, S. 6 (difmoe.eu).

DREI SÄTZE, DIE SEIN SOHN AUFSCHRIEB

Sein Sohn Leopold hat ihn dreimal wörtlich zitiert, jedes Mal Jahrzehnte nach seinem Tod, und jedes Mal ging es um Politik.
Über die Niederlage von 1806, notiert im Dezember 1855: »Ich erinnere mich, wie in den Jahren 1807 und 1808 mein Vater von einem Diner bei dem alten Grafen Itzenplitz nach Hause kam, und erzählte, wie alle Personen darin einig gewesen wären, daß eine Katastrophe, wie die von Jena, uns dringend noth gethan hätte.«
Über die Bauernbefreiung, notiert im Juli 1857: »Als 1807 das sogenannte Steinsche Edikt kam, erinnere ich mich sehr wohl, daß mein Vater sagte, man hätte dies Alles ohne Ostentation erlangen können.« Der Kammerpräsident war also nicht gegen die Sache, sondern gegen die Art der Verkündigung.
Über den König, unter dem er gross geworden war, notiert im Juli 1860: »Mein Vater sagte, dieses Königs auswendige Religiosität, verbunden mit seinem sittenlosen Wandel, habe der Kirche mehr Schaden gethan, als Friedrichs II. Irreligiosität.« Gemeint ist Friedrich Wilhelm II.
Eine vierte Erwähnung gehört zu seinem Sterbejahr. Als der zweiundzwanzigjährige Sohn sich im Frühjahr 1813 in Breslau beim König meldete, »fragte er mich nach meinem Vater, der schon sehr krank war, weshalb ich länger bei ihm in Berlin geblieben war«. Am 8. Juni 1813 starb er.
Quelle: Denkwürdigkeiten aus dem Leben Leopold von Gerlachs, Band 1, Berlin 1891, S. 4, und Band 2, Berlin 1892, S. 362, 522 und 737 (Bayerische Staatsbibliothek, bsb11570990, Aufnahme 00012; bsb11570991, Aufnahmen 00374, 00534 und 00749).

DER 25. AUGUST 1780

Auch sein erster Ratstitel hat ein Datum. Aus Berlin vom 25. August 1780 meldeten beide Hamburger Zeitungen am 29. August: »Se. Majestät, der König, haben den bisherigen Kriegs- und Domainenrath, Herrn Alexander Ludewig Neuhauß, mit einer ansehnlichen Gehalts-Verbesserung zum Director der Altmärk- und Priegnitzischen Kammerdeputation, und den bisherigen Churmärkschen Kammer-Assessor, Herrn Carl Friedrich Leopold von Gerlach, zu Dero Kriegs- und Domainenrath allergnädigst zu ernennen geruhet.«

Er war damals dreiundzwanzig. Vier Monate später starb sein Vater, und er stand als Kriegs- und Domänenrat bereits im Amt, in dem dieser dreissig Jahre zuvor angefangen hatte.

(Kaiserlich privilegirte Hamburgische neue Zeitung und Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, beide vom 29. August 1780, Bericht aus Berlin vom 25. August. Digitalisate der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg im Deutschen Zeitungsportal.)

Sources

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Date of birth
JvG 2015, S. 96–111
Date of death
JvG 2015, S. 96–111

Parents

Siblings (4)

Spouses / partners

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