Familiengeschichte
Vom Wappenbrief 1433 bis ins 21. Jahrhundert
Ursprung und Nobilitierung
Die Familie von Gerlach erhielt im Jahr 1433 in Rom einen Wappenbrief. Die preußische Anerkennung und Erneuerung des Adelsstandes folgte 1735. Die früheste sicher fassbare Generation des bürgerlich-preußischen Zweiges, der sich später in Pommern und Brandenburg etablieren sollte, ist mit Leberecht von Gerlach belegt – Hofrichter zu Köslin in Hinterpommern. Bereits sein Sohn Friedrich Wilhelm von Gerlach (1711–1780) wirkte als Geheimer Finanzrat am Hofe Friedrichs des Großen und legte mit dem Erwerb der Güter Schwemmin (1765) und Parsow (1779) den Grundstein für den späteren pommerschen Familienbesitz.


Das 18. Jahrhundert – Aufstieg in Preußen
Aus Friedrich Wilhelms Ehe gingen zwei für die Familiengeschichte zentrale Söhne hervor: Ludwig Wilhelm August von Gerlach (1751–1809) wurde Präsident des Hofgerichts und ab 1808 erster Präsident des neu gegründeten Oberlandesgerichts Köslin. Sein jüngerer Bruder Carl Friedrich Leopold von Gerlach (1757–1813), Geheimer Staatsrat und Präsident der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer, war zugleich Oberbürgermeister von Berlin und erwarb 1805 das Gut Rohrbeck in der Neumark – die spätere Stammresidenz der berühmten 'Gerlach-Brüder'.
Das 19. Jahrhundert – Die Gerlach-Brüder
Aus Carl Friedrich Leopolds Ehe mit Agnes von Raumer stammten die drei Brüder, die das politische und geistige Bild Preußens im 19. Jahrhundert mitprägten. Ludwig Friedrich Leopold von Gerlach (1790–1861) wurde General der Infanterie und Generaladjutant Friedrichs Wilhelm IV. – einer der einflussreichsten Berater des preußischen Königs. Ernst Ludwig von Gerlach (1795–1877), Jurist und Publizist, war Mitbegründer der Konservativen Partei und der 'Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung' (1848); der Historiker Hans-Joachim Schoeps nannte ihn den 'einzigen systematischen Theokraten der Neuzeit'. Der dritte Bruder, Otto von Gerlach (1801–1849), war Theologe und Hofprediger an der Berliner Schlosskirche.


20. Jahrhundert und Gegenwart
Die pommersche Hauptlinie unter Landrat August von Gerlach (1830–1906) und seinem Sohn Carl August von Gerlach-Parsow (1883–1945) vereinigte zuletzt die drei großen Güter Parsow, Schwemmin und Drosedow in einer Hand. 1945 zerschlug die Rote Armee diesen Besitz endgültig; Carl August wurde verschleppt und ermordet. Die Fideikommissbibliothek von Parsow und die Bausubstanz der Güter gingen weitgehend verloren. Erhalten blieb das Gerlach-Rohrbecksche Familienarchiv: Etwa 17.000 Dokumente – Briefe, Tagebücher und Akten der Brüder von Gerlach – wurden 1954 von Klaus von Gerlach an die Universität Erlangen übergeben und stehen dort der Forschung zur Verfügung. Die heute weit verzweigte Familie pflegt diese Tradition in einem Familienverband.
Zeittafel
- 1433
Wappenbrief der Familie von Gerlach in Rom
- 1735
Preußische Anerkennung und Erneuerung des Adelsstandes
- 1765
Friedrich Wilhelm von Gerlach erwirbt Gut Schwemmin (Hinterpommern)
- 1779
Erwerb des Stammgutes Parsow
- 1805
Carl Friedrich Leopold von Gerlach erwirbt Gut Rohrbeck in der Neumark
- 1809
Ludwig Wilhelm August von Gerlach wird Präsident des Oberlandesgerichts Köslin
- 1848
Ernst Ludwig von Gerlach gründet die Konservative Partei und die Kreuzzeitung
- 1861
General Leopold von Gerlach stirbt in Potsdam, Sanssouci
- 1877
Tod Ernst Ludwig von Gerlachs in Berlin
- 1945
Verlust der pommerschen Güter durch die Rote Armee; Carl August von Gerlach-Parsow ermordet
- 1954
Familienarchiv (~17.000 Dokumente) an die Universität Erlangen übergeben
- Heute
Familienverband pflegt Erinnerung, Stammbaum und Gemeinschaft
Quellen: Wikipedia-Artikel zu Ludwig Wilhelm August von Gerlach, Leopold von Gerlach (General), Ernst Ludwig von Gerlach und Otto von Gerlach; Gerlach-Rohrbecksches Familienarchiv an der Universität Erlangen; Wikimedia Commons (Portraits, Schloss-Parsow-Foto). Angaben nach bestem Wissen.