Das Wappen
Heraldisches Erbe der Familie von Gerlach
In Schwarz ein steigender silberner Schimmel, wachsend aus goldenen und roten Flammen. Der Schild ist gotisch heroldsförmig; darüber ein gekrönter Bügelhelm. Als Helmzier erhebt sich abermals der steigende Schimmel, diesmal aus der Krone wachsend. Die Helmdecken sind schwarz-silbern. Der 1903 gedruckte Wortlaut des Wappenbriefs von 1433 fasst dasselbe Bild knapper: im schwarzen Feld ein weißes oder graues Pferd, bis an die Brust geendet, auf einer vom unteren Schildrand brennenden Flamme; darüber ein Helm mit schwarz-weißen Decken, eine goldfarbene Krone und wiederum das halbe Pferd.
Wappenbeschreibung
- Der Schild
- Der schwarze Schild (in der Heraldik: Schwarz oder Sable) steht in gängiger Deutung für Beständigkeit, Würde und Entschlossenheit; Schwarz-Silber sind zugleich die preußischen Farben. Er bildet den Hintergrund für das zentrale Motiv des Wappens.
- Der steigende Schimmel
- Das Hauptmotiv des Wappens ist ein steigender weißer Hengst — in der Heraldik als Schimmel bezeichnet. Nach gängiger heraldischer Deutung symbolisiert das steigende Pferd Kühnheit, Freiheit und Bereitschaft zum Dienst. Es ist das älteste überlieferte Motiv im Wappen der Familie.
- Die Flammen
- Aus Flammen wächst der Schimmel empor – im Schild wie in der Helmzier. Die Flammen sind kein späterer Zusatz: Schon die Beschreibung im Wappenbrief von 1433, wie ihn die Familiengeschichte 1903 abdruckte, kennt das Pferd auf brennender Flamme. Eine Deutung als Sinnbild der preußischen Adelserneuerung von 1735 verbietet sich damit. Über den Sinn des Bildes urteilt dieselbe Quelle nüchtern, er sei nicht zu ermitteln.
- Helm und Krone
- Auf dem Wappenbild ist ein Bügelhelm dargestellt – ein seitlich mit Gitterstäben versehener Helm, wie er in Adels- und Wappenbriefen des 17./18. Jahrhunderts häufig für neu bestätigten Adel gezeigt wird und gut zur preußischen Adelsbestätigung von 1735 passt. Die Krone darüber zeigt den bestätigten Adelsstand an. Auf der Krone sitzt die Helmzier, die das zentrale Motiv des Schildes wiederholt.
Zur Geschichte des Wappens
Die überlieferte Darstellung folgt der Wappenurkunde von 1663 und dem preußischen Adelsbrief vom 2. September 1735; nach der Familienüberlieferung geht das Wappen auf den Ritter- und Wappenbrief Kaiser Sigismunds vom 10. August 1433 zurück. Eine Wappenkartusche der Familie ist bis heute über dem Haupteingang von Schloss Parsow erhalten. Das Wappen wurde in Siegeln, Briefköpfen, Familienbibliotheken und auf Grabsteinen überliefert und ist bis heute das Erkennungszeichen der Familie. Die Forschung hat das Bild inzwischen geschärft: Lebrecht Gerlach legte dem König 1735 eine beglaubigte Abschrift des Briefes von 1433 vor, der einem Jacob Gerlach in Rom von Kaiser Sigismund verliehen worden war; das Original besaß eine Görlitzer Familie gleichen Namens, und wegen dieser Namens- und Wappengleichheit hielt sich die Familie lange für Nachfahren eines aus den Niederlanden nach Görlitz gewanderten Geschlechts – noch General Leopold vertrat das. Die Aufsätze Joachim von Gerlachs (»Die Gerlach und ihr Wappenbrief«, 1966; »Die Melsunger Gerlach«, 1968) und Jürgen von Gerlachs (»250 Jahre Gerlach'scher Adel«, 1985) haben die Stammreihe stattdessen nach Melsungen geführt; die preußische Erneuerung von 1735 erging durch Kabinettsordre Friedrich Wilhelms I. Nach der Familiengeschichte von 1903 verlieh Kaiser Sigismund den Brief am Tag des heiligen Laurentius, dem 10. August 1433, in Rom auf der Tiberbrücke – wenige Wochen nach seiner Kaiserkrönung am Pfingstsonntag, dem 31. Mai 1433, und kurz vor der Rückreise. Ein Freund der Brüder Gerlach, der Geheime Legationsrat von Bülow (gestorben 1853), widmete dem Wappen ein Sonett: Das aus der Glut steigende Ross trage sein lichtes Haupt hoch über der Kampfesglut und werde sich nimmermehr zum Knecht machen lassen – ein Bild, das auf den Schild des Glaubens im Epheserbrief anspielt. Eine zweite Darstellung im Stein und Glas steht in Berlin: Als Schmargendorf 1900 bis 1902 sein Rathaus nach den Plänen J. Otto Kerwiens errichtete, erhielten die fünf Fenster des Sitzungssaals die Wappen der Geschlechter, denen das Dorf gehört hatte – von Wilmersdorf, von Schlegel, Graf Podewils, von Beyme und von Gerlach. Charlotte von Gerlach geborene von Beyme hatte Schmargendorf von 1838 bis 1841 besessen. Die Berliner Architekturwelt beschreibt sie 1903. Erhalten sind sie nicht: Der Bau überstand den Krieg weitgehend, aber eine in der Nähe niedergegangene Bombe zerschlug den größten Teil der Verglasung, und die Glasmalereien des Ratssaals wurden danach durch schlichte Rautenscheiben ersetzt. So berichtet es die Literatur zum Gebäude, ohne Aktenbeleg. Der Saal selbst steht noch, mit dem Sandsteinkamin, den der Bildhauer Franke mit dem Feuerzauber aus der »Walküre« geschmückt hat. Ein Bücherzeichen der Familie ist bezeugt: Die Monatsschrift »Haus Gerlach«, 1884 bis 1886 bei C. A. Starke in Görlitz erschienen, brachte einen Beitrag über das »Ex Libris Gerlacorum«.
Historische Darstellungen
Das Wappen ist in den großen Wappenbüchern des 19. Jahrhunderts verzeichnet. Julius Theodor Bagmihl nahm es 1843 in den ersten Band seines Pommerschen Wappenbuchs auf – auf Mitteilung der Familie, Landrat Carl Heinrich von Gerlach steht unter den Subskribenten. Bagmihl beschreibt im schwarzen Feld ein weißes Pferd, das bis zur Brust aus einer am unteren Schildrand brennenden Flamme hervorspringt, auf dem gekrönten Helm dasselbe Bild, die Decken silbern und schwarz. Kneschke (1861) und Siebmacher (Preußischer Adel, Tafel 183) geben es ebenso wieder; das Wappenbuch der Preußischen Monarchie legt um den ovalen Schild eine rote Einfassung. Beide Lexika führen die Ritterstandserhebung durch Kaiser Sigismund mit »Rom, am St.-Lorenz-Tag« – Kneschke und Siebmacher nennen 1435, die Familienüberlieferung 1433. Urkundlich gesichert ist allein die preußische Erneuerung von 1735.
Bilder
1843Tafel LXVII im ersten Band von Bagmihls Pommerschem Wappenbuch – das aus der Flamme springende Ross im Schild und als Helmzier; darunter das Wappen der Freiherren le Fort.
J. T. Bagmihl, Pommersches Wappenbuch, Bd. 1, Stettin 1843 · Bayerische Staatsbibliothek, bsb10362087, NoC-NC 1.0
vor 1939Ein kleiner Stich des Wappens aus einem polnischen Wappenwerk – Helmzier und Decken wie bei Bagmihl.
Urheber unbekannt, vor 1939, gemeinfrei · Wikimedia Commons
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