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Persönlichkeiten

Bedeutende Mitglieder der Familie von Gerlach

Aus der Familie von Gerlach gingen über die Jahrhunderte herausragende Persönlichkeiten hervor, die Preußen und Deutschland in Recht, Militär und Politik prägten. Drei Gestalten stehen stellvertretend für das Wirken der Familie in ihrer Blütezeit des 19. Jahrhunderts.

Ernst Ludwig von Gerlach

1795 – 1877

Jurist · Konservativer Politiker · OLG-Präsident Magdeburg

Stammsitz: Gut Rohrbeck (Neumark)

Ernst Ludwig von Gerlach

Foto: Wikimedia Commons

Ernst Ludwig von Gerlach, viertes Kind des Geheimen Staatsrats Carl Friedrich Leopold von Gerlach (des Erwerbers von Gut Rohrbeck), wurde am 7. März 1795 in Berlin geboren. Er studierte Jura in Berlin, Göttingen und Heidelberg, nahm als Freiwilliger an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil und wurde dreimal verwundet. Als Richter stieg er bis zum Präsidenten des Oberlandesgerichts Magdeburg auf (1844–1874). Politisch zählte er zu den Hauptgründern der Konservativen Partei Preußens; im Abgeordnetenhaus führte er 1855–1858 die äußerste Rechte (»Fraktion Gerlach«). Gemeinsam mit seinem Bruder Leopold prägte er die monarchisch-christliche Kreuzzeitung-Partei. Am 18. Februar 1877 starb er an den Folgen eines Kutschenunfalls auf der Schöneberger Brücke in Berlin.

Chronik

  1. 1795

    Geboren in Berlin als Sohn von Carl Friedrich Leopold von Gerlach.

  2. 1810–1815

    Jurastudium in Berlin, Göttingen und Heidelberg; dreifach verwundet als Freiwilliger in den Befreiungskriegen.

  3. 1823

    Oberlandesgerichtsrat in Naumburg.

  4. 1834

    Vizepräsident des Oberlandesgerichts Frankfurt/Oder.

  5. 1844

    Präsident des Oberlandesgerichts Magdeburg (bis 1874).

  6. 1852–1877

    Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses; 1855–1858 Vorsitzender der äußersten Rechten (»Fraktion Gerlach«).

  7. 1877

    Tod am 18. Februar infolge eines Kutschenunfalls auf der Schöneberger Brücke in Berlin.

Leopold von Gerlach

1790 – 1861

Preußischer General · Generaladjutant Friedrich Wilhelms IV.

Stammsitz: Gut Rohrbeck (Neumark)

Leopold von Gerlach (General)

Foto: Wikimedia Commons

Ludwig Friedrich Leopold von Gerlach, ältester Bruder von Ernst Ludwig, wurde am 17. September 1790 in Berlin geboren. Als Generaladjutant König Friedrich Wilhelms IV. war er einer der mächtigsten politischen Berater Preußens in der reaktionären Phase nach der Revolution von 1848. Der entscheidungsscheue König bevorzugte seinen privaten Rat gegenüber dem seiner Minister – Leopold von Gerlach war darunter der einflussreichste. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Ludwig prägte er die konservative Kreuzzeitung-Partei und verstand sich als Hüter einer christlich-monarchischen Staatsordnung. Er starb am 10. Januar 1861 in Potsdam an einer Erkältung, die er sich zugezogen hatte, als er stundenlang ohne Kopfbedeckung hinter dem Leichenzug Friedrich Wilhelms IV. herging.

Chronik

  1. 1790

    Geboren in Berlin als ältester Sohn von Carl Friedrich Leopold von Gerlach.

  2. 1813–1815

    Teilnahme an den Befreiungskriegen gegen Napoleon.

  3. 1844

    Beförderung zum Generalmajor.

  4. 1849

    Generalleutnant und Generaladjutant König Friedrich Wilhelms IV.

  5. 1850

    Offiziell zum Generaladjutanten ernannt; höchster privater Berater der Krone nach 1848.

  6. 1861

    Tod am 10. Januar in Potsdam an einer Erkältung nach dem Leichenzug Friedrich Wilhelms IV.

Carl August von Gerlach-Parsow

1883 – 1945

Letzter Fideikommissherr auf Parsow · Schwemmin · Drosedow

Stammsitz: Schloss Parsow (Hinterpommern)

Carl August von Gerlach-Parsow war der letzte Herr auf Schloss Parsow und Rittergut Schwemmin, verheiratet mit Ruth von Bonin-Bottschow. In seinen Händen vereinten sich alle pommerschen Besitzungen der Familie: Parsow (727 ha), Schwemmin (773 ha) und Drosedow (~1.330 ha). Unter seiner Leitung wurde das Gesamtensemble von Schloss Parsow 1922 einheitlich neugestaltet. Im Frühjahr 1945 besetzte die Rote Armee die Güter. Carl August von Gerlach-Parsow wurde verschleppt und ermordet. Mit ihm endete die Gerlachsche Gutsfolge in Hinterpommern.

Chronik

  1. 1883

    Geboren als Sohn des Fideikommissherrn auf Parsow-Schwemmin.

  2. 1922

    Umfassende Neugestaltung von Schloss Parsow unter seiner Leitung.

  3. bis 1945

    Parsow, Schwemmin und Drosedow in einer Hand – der gesamte pommersche Familienbesitz (~2.830 ha).

  4. 1945

    Besetzung durch die Rote Armee. Verschleppung und Ermordung. Ende der Gerlachschen Gutsfolge in Pommern.