Gut Drosedow

VManteuffel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Mit rund 1.330 Hektar das flächenmäßig größte Gut in Familienbesitz. Drosedow wurde 1840 von Charlotte von Gerlach geb. von Beyme, der Gattin von Landrat Carl Heinrich von Gerlach, von der Familie von Manteuffel erworben.
Chronik
- 1170/1177
Erste Erwähnung: Herzog Kasimir I. schenkt das Dorf Drosdouwe an dänische Zisterzienser zur Gründung des Klosters Kolbatz.
- 1445–1682 und 1778–1840
Vorbesitzer: Familie von Manteuffel.
- 1840
Charlotte von Gerlach geb. von Beyme, Gemahlin des Landrats Carl Heinrich von Gerlach, erwirbt Drosedow von der Familie von Manteuffel.
- 1858
August von Gerlach erbt Drosedow und verpachtet es an Carl Schimmelpfennig. Die Pächterfamilie bewirtschaftet das Gut bis 1945 und macht mit moderner Viehzucht von sich reden – Karl Schimmelpfennig wird 1920 in den Reichstag gewählt.
- 1863
Landrat August von Gerlach streitet mit den von Manteuffel um den auf Drosedow und dem Nachbargut Sternin gemeinsam lastenden Meliorationskanon (Akte im Geheimen Staatsarchiv, XV. HA Rep. 38d Nr. 4639).
- 1866
Die amtliche Steuerveranlagung misst den Gutsbezirk Drosedow mit 5.018,39 Morgen – rund 1.281 Hektar –, den Gemeindebezirk mit 1.843,91 Morgen bei 1.241,09 Talern Reinertrag.
- 1895
Drosedow bekommt einen Bahnhof: Ein Amtsblatt führt den Ort als erste Zwischenstation der neuen Kolberger Kleinbahn auf, vor Trienke, Plauenthin, Groß Jestin und Semmerow. Eröffnet wird die 63 Kilometer lange Schmalspurbahn von Roman nach Kolberg am 21. Juli 1895 durch die Aktiengesellschaft Kolberger Kleinbahnen; hinter Trienke folgen Plauenthin, Groß Jestin, Semmerow, Gurrin, Kanzenberg und Sellnow.
- 1909
Die Kreisbeschreibung »Der Kolberg-Körliner Kreis« beschreibt das Gut im Betrieb: rund 1.330 Hektar groß – das passt zu den 1.281 Hektar der Steuerveranlagung von 1866 –, im Eigentum von Gerlach-Parsow und verpachtet an die Witwe A. Schimmelpfennig. Die Pächterfamilie führt den Betrieb also über den Tod Carl Schimmelpfennigs hinaus weiter. Dasselbe Buch hält fest, dass Drosedow vom 14. Jahrhundert an, mit einer Unterbrechung, den von Manteuffel gehörte, bis diese es 1840 verkauften.
- 1911/12
Carl August von Gerlach-Parsow lässt durch Aufgebote beim Amtsgericht Kolberg alte Einträge im Grundbuch von Drosedow bereinigen: 103 Hektar, seit 1853 auf den Bauern August Meyer eingetragen, einen Anteil Johann Kohls und eine Hypothek von 200 Talern (Reichsanzeiger 3. Oktober 1911, 2. Mai 1912).
- 1924–1934
Carl August von Gerlach-Parsow verkauft Land an bäuerliche Besitzer und Handwerker aus Drosedow und Simötzel zur Aufstockung ihrer Stellen – Teil der Siedlungs- und Umschuldungspolitik jener Jahre (Zeitschrift für Ostforschung 1973). Das Kolberger Heimatbuch beziffert die Verkäufe auf insgesamt 47 Hektar und datiert sie auf 1931/32 – die Jahresangaben der beiden Darstellungen gehen auseinander.
- 1937
697 Einwohner in 135 Haushalten; zum Ort gehören Gut, Vorwerk, Mühle, Ziegelei und Waldhof. Die Pfarrkirche ist seit 1494 bezeugt.
- 1942
Bei der Kösliner Tierschau werden »die drei Zuchtbullen von Drosedow« der Pächterin Frau Schimmelpfennig sämtlich prämiiert – die Pächterfamilie von 1858 bewirtschaftet das Gut noch im Krieg (Kösliner Zeitung Nr. 269, September 1942).
- bis 1945
Das Rittergut (~1.330 ha) gehört Carl August von Gerlach-Parsow, der damit alle pommerschen Besitzungen der Familie in einer Hand vereint.
- 1945
Der Familienbesitz endet, den Charlotte von Beyme 1840 durch eigenen Kauf begründet hatte.
Bilder
2019Die Pfarrkirche – seit 1494 bezeugt, Fachwerk mit Backstein; heute Christkönig.
Sławomir Milejski, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
2019Die Südseite: Eichenfachwerk mit Backsteinfüllung, der gelb verputzte Anbau ist jünger. Der Bau ist seit 1494 bezeugt und blieb dem Dorf über allen Besitzerwechsel hinweg erhalten.
MOs810, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
2019Der Ostgiebel über dem Friedhof – zweigeschossiges Fachwerkraster mit den beiden hohen Maßwerkfenstern. Die Gräber davor sind nach 1945 entstanden.
MOs810, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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- Gut Drosedow — Drozdowo, gmina Rymań, PL — 1840–1945 (Gut (Familienbesitz))
Die pommerschen Güter und Gut Rohrbeck in der Neumark liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.