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Wappen Familie von Gerlach
Alle Güter

Ganzkow · Mechenthin · Rützow

Besitzzeitraum1755 – 1796/97LageHinterpommernHeuteGąskowo, Miechęcino, Rusowo, Polen

Drei Güter im Raum Kolberg-Körlin, die über zwei Generationen zur Familie gehörten: Ganzkow seit Hauptmann Martin von Gerlach (1755), Rützow und Mechenthin seit Friedrich Wilhelm. Carl Friedrich Leopold verkaufte sie 1796/97 – mit dem Erlös kaufte er 1805 Rohrbeck.

Chronik

  1. 1182/83

    Älter als alles andere in dieser Chronik ist Rützow. Herzog Bogislaw I. bestätigt dem Kloster Stolpe an der Peene seine Besitzungen, darunter eine »villa Ruzowe«. Weitere Nennungen folgen 1214, 1305 und 1316; 1321 kauften die Ritter Heinrich und Hermann Damnitz den Ort und erreichten beim Herzog, dass er ihnen als Lehen anerkannt wurde. Bei den von Damitz blieb Rützow, mit Unterbrechungen und immer weiter geteilt, bis ins 18. Jahrhundert.

  2. 1755

    Fähnrich Heinrich Christian von Walter verkauft Ganzkow am 27. September 1755 und 15. Januar 1756 an Hauptmann Martin von Gerlach (1715–1760); nach Bagmihl war das Gut schon Anfang des 18. Jahrhunderts in Gerlachscher Hand. Die Familiengeschichte von 1903 nennt den Kaufpreis: 11.500 Taler, gezahlt aus dem Sold des dänischen Dienstes, den Martin im selben Jahr verließ. Sie nennt ihn den Begründer des Grundbesitzes in der Familie.

  3. um 1760

    Der Hauptmann fällt bei der Belagerung Kolbergs (Bagmihl nennt 1762); seine Witwe und Schwestern überlassen Ganzkow am 18. Juli 1764 seinem Bruder Friedrich Wilhelm. Das im Krieg zerstörte Gut erhält 1773 vom König 11.700 Taler Wiederaufbauhilfe. Die Familiengeschichte erzählt es anders: Auf dem Hof seines eigenen Gutes habe ihn 1760 der Schuss eines plündernden russischen Soldaten verwundet, wenige Tage darauf sei er gestorben. Kinderlos habe er Ganzkow testamentarisch seiner Witwe Sophie Hedwig von Poyda hinterlassen, von der es ihr Schwager Friedrich Wilhelm kaufte. Feldmarschall Blücher erzählte Leopold von Gerlach 1813 im Feld eine Anekdote über diesen Martin: Auf dem Kreistag habe er Streit mit einem stockblinden Standesgenossen gehabt, der ihn auf den Degen forderte; beide wollten sich in einem finsteren Keller schlagen, doch Martins Sekundant fand, der Blinde sei wegen seines feinen Gehörs im Vorteil – am Ende vertrugen sich die Gegner.

  4. 1768

    Leutnant Eggerd George von Damitz überlässt Friedrich Wilhelm mit Vergleich vom 30. Dezember 1768 den Rützower Anteil (b); das Obergut Mechenthin tritt ihm Ernst Wilhelm von Schöning am 3. August 1775 ab. Warum nur ein Anteil? Rützow war im 18. Jahrhundert in vier Höfe zerteilt, A bis D; auf dreien saßen von Damitz, den Anteil B hatte nun der Gerlach, und erst gegen Ende des Jahrhunderts kam das Dorf wieder in eine Hand – die eines von Damitz.

  5. 1780

    Erbteilung: Ganzkow, Mechenthin und der Rützower Anteil fallen an Carl Friedrich Leopold von Gerlach.

  6. 1792

    Carl Friedrich Leopold erwirbt zusätzlich das Obergut Mechenthin (Courtois 1909).

  7. 1796/97

    Verkauf von Ganzkow und Mechenthin zusammen mit Schötzow; die Rützower Anteile waren schon vorher abgegeben. Ganzkow geht 1797 an Haese, Rützow 1804 an Leutnant von Müller, Mechenthin 1828 an von Stade. Mit dem Erlös kauft Carl Friedrich Leopold 1805 Rohrbeck.

  8. 1807/1811

    Was die Familie im Kolberger Land abgab, sammelte ein einziger Mann wieder ein: Ernst Friedrich Samuel Schroeder, Kaufmann und Konsul in Kolberg, der während der napoleonischen Kontinentalsperre ein großes Vermögen erworben hatte. 1807 kaufte er Rützow, 1811 Schötzow; dazu gehörten ihm Klaptow und Fritzow. Rützow machte er zum Familiensitz und ließ dort um 1830 – seine Frau Charlotte Sophie Henriette stammte aus Schweden – von Peter Joseph Lenné einen Park anlegen, mit Pavillon, neugotischer Ritterburg, Gewächshaus und zwei Fischteichen. Das Herrenhaus, das er nach 1807 baute, war klassizistisch und U-förmig; es wurde nach 1945 geplündert und abgerissen. Der Park steht noch, in weiten Teilen verwildert.

  9. 1899 bis 1929

    Im Pommerschen Volksliedarchiv des Universitätsarchivs Greifswald steht, was in den drei Dörfern gesungen wurde. Aus Ganzkow, Kreis Kolberg-Körlin, sind drei Stücke verzeichnet: der plattdeutsche Spottvers auf den Namen Hans, 1899 aufgenommen – »Hann, spann an fif Katte vär Waoge« –, und 1929, gesammelt von einem Henke, die Ballade »Es wollt ein Jäger wohl jagen« und das Soldatenlied »Mädchen meiner Seele«. Aus Rützow, ebenfalls Kreis Kolberg-Körlin, hat Arthur Linht drei Lieder aufgeschrieben: die Ballade vom Soldaten, der seine untreue Liebste erschießt; »Als ich im Flügelkleide zur Mädchenschule ging«; und eine Fassung des Aschenputtels, die anhebt »Heut ist im Schlosse großer Ball«. Vorsicht ist bei den Ortsnamen geboten: Dasselbe Archiv führt ein zweites Ganzkow im Kreis Belgard und gleich zwei weitere Rützow, zehn Aufnahmen aus dem Kreis Schivelbein und eine aus dem Kreis Belgard.

  10. 1937

    Was aus dem Gut geworden ist, sagt ein Fragebogen des Greifswalder Volkskundearchivs, zurückgeschickt am 20. November: Ganzkow ist weder reines Bauerndorf noch reines Gutsdorf, sondern ein Restgut von siebenhundert Morgen neben dreißig Bauernwirtschaften; fremde Erntearbeiter kommen nicht ins Dorf. Ausgefüllt hat ihn der Lehrer Wilhelm Magdanz, Jahrgang 1895, seit 1929 im Ort; seine Gewährsleute sind »alteingesessene, hier geborene Arbeiter des Gutes«. Die Erhebung liegt für Ganzkow in zwei Durchgängen vor, sechsundvierzig Bogen über Erntebräuche, Feste, Spiele und Kinderverse.

  11. 1937

    Gebunden wurde nur auf dem Gut. Beim ersten Gang des Besitzers, seiner Familie und der Beamten auf das Erntefeld legte ihnen ein kleiner Ährenkranz das Band an – keine bestimmte Person tat es, sondern wer den Nichtarbeitenden gerade am nächsten stand. Losgekauft wurde mit Geld, und das Lösegeld wurde »gemeinsam vertrunken«. Den Spruch dazu kannten 1937 alle älteren eingesessenen Gutsarbeiter; woher er stammt, wusste keiner: »Heut ist der Ehrentag, dass ich den Herren stricken mag mit einem groben Band, um seine zarte Hand. Und ist das Band auch schlecht, so ist der Wunsch doch recht. Ich tu es nicht um Bier und Wein, sondern um die Ehr allein.«

  12. 1937

    Das Erntefest hieß in Ganzkow »Austköst« und fand Ende Oktober statt, wieder nur auf dem Gut: Festzug zum Gutshaus, Überreichen einer einzigen Erntekrone aus Ähren und Herbstblumen, mit Bändern aus Seidenpapier verziert – der Lehrer zeichnet sie klein an den Rand. Getanzt wurde auf dem Kornboden des Gutes; alte Tänze gab es nicht mehr, besondere Speisen auch nicht. Den »Alten«, das Gebinde aus der letzten Garbe, band man 1937 nicht mehr: Vor dem Weltkrieg war es auf dem Gut noch üblich. Über die letzten Halme sagte man »Da sitzt der Hase drin!« oder plattdeutsch »Passt uf, nu kümmt de Haas rüte!«. Das Erntegedicht blieb jedes Jahr dasselbe – nach dem Lehrer ist es »vor Jahren von einem verkommenen früheren Lehrer (Säufer) im Nachbardorfe auf Bestellung geschrieben worden«.

  13. 1937

    Am Heiligabend zogen junge Burschen zwischen sechs und neun Uhr von Haus zu Haus: Schimmel, Bär, Storch und Reiter, dieser auch als Bärenführer. Der Bär tanzte in den Hausfluren, erbeten wurden Geld und Gebäck. Zur Ausstaffierung dienten alte Säcke, Stroh, Futterkiepen und Gesichtsmasken. Einen Fastelabendumzug gab es dagegen nicht – darin unterscheidet sich Ganzkow von Parsow, wo im Jahr darauf beides verzeichnet wurde. Auch Tonnenreiten, Pfingsttaubenabwerfen und die alten Wurfspiele waren unbekannt; zu Pfingsten blieb nur das Ausschmücken mit Maigrün. Sonnwendfeuer nach altem Herkommen verneint der Bogen ausdrücklich.

  14. 1937

    Die reichsten Bogen sind die für die Kinder. Der Storch heißt in Ganzkow »Odbor« oder »Adobar«, und vier Verse werden ihm zugerufen, deutsche und plattdeutsche nebeneinander: »Klapperstorch du Bester, bring mir eine Schwester« – »Odbor üt, bring mi ’n Brut« – »Klapperstorch, du Langbein, meine Mutter will kein«. Dazu fünf Kniereiterverse und sechs Abzählreime, darunter einer, den der Lehrer ohne Zögern aufschrieb: »Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, in der Schule wird geschrieben, in der Schule wird gelacht, weil der Lehrer Sachen macht. Fenster aufgerissen, Lehrer rausgeschmissen, Rohrstock hinter dran, dass er uns nicht hauen kann.« Gestiept wurde am Ostermorgen mit lose gebundenen grünen Birkenreisern: Das Kind trat ans Bett und schlug auf die Decke – »Stiep, stiep Osterei, gibst du mir kein Osterei, schnitz ich dir das Hemd entzwei.« Osterwasser holte man vor Sonnenaufgang an fließendem Wasser, das nach Süden oder Osten lief; beim Aufstehen, Hin- und Zurückgehen durfte kein Wort gesprochen werden.

  15. 1938 (Mechenthin)

    Aus Mechenthin kommt ein Grabfund. Der Erwerbungsbericht des Stettiner Museums von 1938 verzeichnet auf den Seiten 24 f. und in Abbildung 8 eine Kanne mit Henkelausguss sowie drei bronzene Fibeln mit goldenen Anhängern. Zwei Glaspositive davon liegen im Nachlass des Heidelberger Prähistorikers Ernst Wahle (1889–1981) in der dortigen Universitätsbibliothek – die einzigen bekannten Aufnahmen aus dem Dorf.

Lage auf der Karte

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Gut (Familienbesitz)
Orte auf der Karte (Textliste)
  • Gut GanzkowGąskowo, gmina Dygowo, PLvor 1780–1805 (Gut (Familienbesitz))
  • Gut MechenthinMiechęcino, gmina Dygowo, PLvor 1780–1805 (Gut (Familienbesitz))
  • Rützow (Anteil)Rusowo, gmina Ustronie Morskie, PLvor 1780–nach 1805 (Gut (Familienbesitz))

Die pommerschen Güter und Gut Rohrbeck in der Neumark liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.

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