Nienburg (Saale)

Jwaller, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Zweiter Ursprungsort der Familie: Martin Gerlach II. zog um 1600 von Melsungen nach Nienburg an der Saale und trat in anhaltische Dienste. Von hier führte der Weg der Familie über drei weitere Generationen nach Pommern. Das Haus steht noch: Marktplatz 9, ein barockes Gutshaus in der Südreihe des Marktes, heute Sitz der Wohlfahrtsstiftung Nienburg/Saale und weithin bekannt als das Gebäude mit dem Glockenspiel.
Chronik
- 1525 bis 1599
Vor Nienburg liegt Zerbst, und dort regierten die Vorfahren die Stadt. Elisabeth Werbeck, die Frau Martin Gerlachs, war eine Zerbsterin, und über ihre Mutter Maria Seese führt die Reihe auf zwei Ratsgeschlechter. Melchior Fuhrmann war 1489 Ratsherr, von 1492 bis 1495 Kämmerer und 1525 Bürgermeister. Sein Sohn Lorenz stand von 1532 bis 1550 siebenmal an der Spitze und hielt 1545 mit dem neuen Superintendenten die erste Kirchenvisitation der Stadt ab. Christoph Seese führte die Stadt 1545, 1548 und 1551. Die beiden starben im selben Jahr 1553 und liegen beide in St. Nicolai, der eine unter einem lateinischen Grabgedicht, der andere unter einer Wappentafel, die ihm seine Söhne Johannes und Christoph setzten. Im Mai 1554 heirateten die Kinder der beiden Häuser. Johann Seese wurde von 1573 an selbst siebenmal Bürgermeister; als man ihn am 16. März 1599 begrub, predigte Wolfgang Amling und ließ ein Lob der Stadt Zerbst mitdrucken.
- um 1600
Martin Gerlach II. wird Bürgermeister und Richter in Nienburg.
- 1618–1648
Martin Gerlach III., fürstlicher Amtsschreiber, berichtet aus dem Dreißigjährigen Krieg.
- nach 1650
Martin Gerlach IV., Küchenmeister in Köthen und Kammerverwalter in Bernburg – »Das Gerlachsche Haus in Nienburg«.
- 13. Mai 1698
An diesem Tag nahm Fürst Leopold von Anhalt-Dessau in seiner Residenz die Erbhuldigung an. Beckmann beschreibt den Vorgang Schritt für Schritt: die Stände nach Rang verteilt, der Gang zur Predigt, die Bühne auf dem Platz, der Eid. Den Adel rief der Kammerkanzlist auf, und der hieß Gerlach. Den Huldigungseid nahm der Geheime Rat von Raumer ab. Achtundachtzig Jahre später heiratete Agnes von Raumer, Tochter des anhalt-dessauischen Regierungsdirektors, Carl Friedrich Leopold von Gerlach. An diesem Maitag standen die beiden Namen zum ersten Mal beieinander, in zwei Ämtern derselben Kanzlei. Welcher Gerlach es war, sagt Beckmann nicht; Lebrecht war damals neunundzwanzig und verließ Anhalt wenig später in Richtung Pommern.
- um 1700
Lebrecht Gerlach verlässt Nienburg in Richtung Pommern (Hofgericht Köslin).
- nach 1700
Das Anwesen geht an die Familie Könnemann über; die Informationsstelen des historischen Stadtrundgangs führen es als »ehemaliges Grundstück derer von Gerlach, erbaut im barocken Stil, später Könnemannscher Gutshof«.
- 1928
Adolf Meyer, Generalkonsul von Guatemala und gebürtiger Nienburger, stiftet seiner Heimatstadt ein Glockenspiel – angebracht auf dem Dachreiter dieses Hauses.
- 1942/2006
Im Zweiten Weltkrieg werden die Glocken für rund 450 kg Bronze eingeschmolzen. Nach zehn Jahren Spendensammlung erklingt das Glockenspiel seit dem 2. Juli 2006 wieder – heute mit 24 Glocken, gegossen im Kloster Maria Laach; es ist das einzige seiner Art in Mitteldeutschland.
Lage auf der Karte
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Orte auf der Karte (Textliste)
- Nienburg (Saale) – das Gerlachsche Haus am Markt — Marktplatz 9, 06429 Nienburg (Saale) — 17. Jh. (Ursprungsort)
Die pommerschen Güter und Gut Rohrbeck in der Neumark liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.