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Wappen Familie von Gerlach
Alle Güter

Gut Nordhausen

Besitzzeitraum1857/58 – Anfang 20. Jh.LageNeumark, Kr. Königsberg/Nm.HeuteNarost, Polen
Gutspark von Nordhausen (Narost) mit Teich

Wierszoklet, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 pl

Das Gut bei Vietnitz in der Neumark, nach dem sich das Haus Nordhausen nennt. General Leopold erwarb es nach dem Vorbesitzer Alexander Schultze (1839–1857): im Juli 1858 stiftete er 2.400 Taler »für die Ortschaften Rohrbeck und Nordhausen«. Ab 1864 gehörte es seinem Sohn Berndt, Landrat des Kreises Königsberg, der in den 1880er Jahren mitten im Park ein zweigeschossiges neugotisches Herrenhaus mit dreizehnachsiger Front und Seitenterrassen errichten ließ; der Park geht auf Peter Joseph Lenné zurück. 1896 heiratete hier Berndts Tochter Marie den späteren Oberpräsidenten Rudolf von der Schulenburg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging das Gut an den Berliner Fabrikanten Ernst Dannenberg über; Berndts Sohn Berndt-Leopold trug den Namen des Hauses bis nach Südwestafrika. Das Herrenhaus wurde beim Einmarsch der Roten Armee 1945 zerstört.

Chronik

  1. 1248

    Herzog Barnim I. gibt das Gebiet an das Zisterzienserkloster Lehnin; 1338 wird Nordhausen mit 64 Hufen in die Klosterdomäne eingegliedert.

  2. 1572

    Verkauf an Leonhard von Stör; 1668 teils von Schöning, teils von Schönebeck, 1688–1792 allein die von Schöning; danach von Mühlheim (1792), Carl von Knobelsdorff (1798–1800), von Goldbeck (1803), von Haslingen (1805–1839) und Alexander Schultze (1839–1857) (pl.wikipedia).

  3. 1857/58

    Nach Alexander Schultze (bis 1857) kommt das Gut an General Leopold von Gerlach. Dass es ihm schon im Sommer 1858 gehört, zeigt die Kranken- und Siechenstiftung, die er für die Armen zweier Dörfer errichtet – Nordhausen steht darin neben Rohrbeck.

  4. 1864

    Nach Leopolds Tod (1861) und der Erbteilung geht Nordhausen an seinen Sohn Berndt über (pl.wikipedia: »ab 1864 Berndt von Gerlach«).

  5. 1880er Jahre

    Berndt, »Gutsherr auf Nordhausen und einem Drittel Rohrbeck«, lässt mitten im Park ein stattliches Herrenhaus bauen – zweigeschossig, dreizehnachsige neugotische Front, Terrassen an den Seitenflügeln (pl.wikipedia); eine Ortsquelle nennt 1884. Er gründet den Johanniter-Kreisverein in Königsberg. Der Gutspark ist ein Werk Peter Joseph Lennés aus der Zeit der Vorbesitzer.

  6. 1889

    Berndt von Gerlach stirbt in Rohrbeck; sein Sohn Berndt-Leopold (1879–1948), Rittmeister, führt das Haus Nordhausen fort und wird Farmer auf Kunemus in Deutsch-Südwestafrika.

  7. 1896

    Das Gutshaus ist Schauplatz einer Hochzeit: Berndts auf Rohrbeck geborene Tochter Marie (1865–1931) heiratet hier am 8. Januar. Sieben Jahre nach seinem Tod ist Nordhausen also der Wohnsitz von Witwe und Kindern (Reichsanzeiger 11. Januar 1896).

  8. 1897

    Das Adressbuch der Dampfkesselbesitzer führt für Nordhausen »v. Gerlach, Brennerei u. Landwirtschaft« – das Gut betreibt eine eigene Brennerei.

  9. 1900

    Auf der Weltausstellung in Paris stellt das Gut – vertreten durch Administrator Ehlers – Chevalier-Gerste der Ernte 1899 aus (Katalog der deutschen Landwirtschaft, Paris 1900).

  10. 1901–1918

    Die »Gedenkblätter der Königin-Kürassiere« von 1919 geben den letzten Gerlachschen Gutsherrn vollständig. Emil Bernd-Leopold von Gerlach dient 1901/02 als Einjährig-Freiwilliger im Husaren-Regiment 7, wird 1904 Leutnant der Reserve und 1907 zu den Reserveoffizieren des Kürassier-Regiments Königin versetzt, 1913 Oberleutnant. Im Krieg führt er die Reserve-Artillerie-Munitionskolonne 55 und von 1915 an das Ersatz-Pferdedepot des II. Armeekorps in Stettin-Kreckow; im Juni 1915 wird er Rittmeister, im August 1918 aus dem aktiven Heeresdienst entlassen. Das Regiment führt ihn mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse und dem Johanniterorden – und als »Rittergutsbesitzer auf Nordhausen in der Neumark«.

  11. 1909

    Der Besitz geht an die nächste Generation über: In demselben Jahr, in dem Berndts Witwe hier stirbt, gründet der Sohn seinen eigenen Hausstand.

  12. 1909

    Berndt-Leopold heiratet am 18. Mai in Stretense in Vorpommern Irmgard von der Heyden-Linden (1888–1975); 1914 führt ihn der Gotha als »Herrn auf Nordhausen, Neumark, Leutnant der Reserve des Kürassier-Regiments Nr. 2«.

  13. 1912

    Rudolf Martins Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen führt den Fideikommissbesitzer von Gerlach auf Nordhausen bei Vietnitz.

  14. 1927

    Über 400 Einwohner; rund 1.500 Hektar Ackerfläche. Die Granitkirche aus dem 13. Jahrhundert trägt eine spätbarocke Kanzel (1712/13) und Epitaphe der Familie von Schöning.

  15. 1930er Jahre

    Nach dem Verkauf Nordhausens wandert die Familie nach Südwestafrika aus: Berndt-Leopold übernimmt die Farm Kunemus (Farm Nr. 79, südwestlich von Gobabis, rund 22°46′ Süd / 18°45′ Ost). Der Gotha von 1937 führt die auf Nordhausen geborenen Töchter Ursula (1920) und Rotraut (1926) bereits mit dem Wohnort Kunemus.

  16. 1948

    Berndt-Leopold von Gerlach stirbt am 7. Juli auf der Farm Kunemus, nach dem Genealogischen Handbuch des Adels »vormals auf Nordhausen, Neumark (verkauft), auf Farm Kunemus (verkauft)«, Rechtsritter des Johanniterordens. Seine Witwe Irmgard lebt noch 1957 auf Kunemus und stirbt 1975 in Windhoek; die Tochter Ursula heiratet 1944 in Gobabis.

  17. Anfang 20. Jh.

    Das Gut geht an den Berliner Fabrikanten Ernst Dannenberg über – 1929 ist er als Besitzer belegt, »wahrscheinlich seit Beginn des 20. Jahrhunderts« (pl.wikipedia); Berndt-Leopold von Gerlach wird Farmer in Deutsch-Südwestafrika. Das Verkaufsjahr ist am Buch (Kap. VII) zu prüfen.

  18. 1945

    Das Herrenhaus wird beim Einmarsch der Roten Armee zerstört – die ältesten Bewohner erinnern sich an die Ruine (pl.wikipedia; ein Händlertext nennt dagegen Instandsetzungen 1955/1975 und einen Brand am 29. März 1990). Der Ort heißt heute Narost; der Lenné-Park steht seit 1977 unter Denkmalschutz und wurde restauriert.

Bilder

  • 1900–1902»Gruss aus Nordhausen bei Vietnitz (Neumark)«: Gutshaus, Kirche und Geschäftshaus – das bisher einzige historische Bild des Gutes.

    Ansichtskarte um 1901, gemeinfrei · oldthing.de

  • 2012Der Gutspark aus dem 18./19. Jahrhundert mit seinem Teich.

    Wierszoklet, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 pl

  • 2016Ein Wirtschaftsgebäude des Gutshofs aus Feldstein und Backstein.

    Wierszoklet, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

  • 2012Die Granitkirche aus dem 13. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert neugotisch überformt.

    Alectra, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 pl

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  • Gut Nordhausen (Neumark)Narost, gmina Chojna, PL19. Jh.–1945 (Daten aus dem Buch) (Gut (Familienbesitz))

Die pommerschen Güter und Gut Rohrbeck in der Neumark liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.

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