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Gut Plutowo

Besitzzeitraumum 1888–1908LageWestpreussen, Kr. KulmHeutePłutowo, gmina Kijewo Królewskie, PolenFlächeGutsbezirk, eigener Bahnhof
Der Gutsspeicher von Plutowo

Jan Chmielewski, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 PL

Der gutsherrliche Speicher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – das grösste erhaltene Gebäude des Hofes, auf einem Sockel aus Feldstein.

Ein Gut, das der Familie nie gehört hat und doch zwanzig Jahre in ihrer Hand war. Plutowo im Kreise Kulm war kröchersches Gut, nach dem Brünner Taschenbuch »seit 1806«. Es kam Ende der achtziger Jahre aus dem Nachlass seines Schwiegervaters an Jakob von Gerlach, dessen Ehe mit Ida Sophie von Kröcher kinderlos blieb, und ging nicht weiter. Wer nur den Brünner Jahrgang 1892 liest, hält es für ein Familiengut; es war ein Besitz auf Lebenszeit.

Chronik

  1. 1776 bis 1819

    Das Hypothekenbuch

    Im Staatsarchiv Thorn liegen die Beilage-Akten zum Hypothekenbuch des Gutes, und sie reichen weiter zurück als alles andere: »Beilage-Akten zu dem Hypothekenbuch des im Culmschen Kreise gelegenen adelichen Guts Plotowo No 130«, Band I für 1776 bis 1787, ein zweiter Band für 1789 bis 1819 (69/1647/0/2/8426 und 8427). Der zweite Band umfasst damit das Jahr 1806 – er muss den Kauf durch Friedrich Wilhelm Carl von Kröcher enthalten, mit Preis, Vorbesitzer und Auflassung. Digitalisiert ist keiner von beiden. Daneben führt dasselbe Archiv die Grundakten von 1837 bis 1922 und, für die Zeit danach, sechs Bände Karten und Grundsteuerbücher bis in die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. In den ältesten Akten heisst das Gut noch Plotowo.

  2. 5. Juni 1806

    Der Kauf

    Jetzt steht der Tag fest. Die gedruckte »Geschichte des Geschlechts von Kröcher« von 1864 nennt ihn: Am 5. Juni 1806 kaufte Friedrich Wilhelm Carl von Kröcher das Rittergut Plutowo im Culmer Lande. Er war vierundzwanzig, Referendar bei der kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer in Berlin und hatte aus dem väterlichen Nachlass nur einen Lehnsstamm erhalten; seine Neigung für das Landleben, sagt das Buch, habe ihn zum Kauf getrieben. Vier Wochen später, am 3. Juli, schied er aus dem Dienst. Wenige Monate darauf brach der Krieg mit Frankreich aus, und Napoleons Heere überschwemmten auch das Culmer Land – der junge Gutsherr war allen Drangsalen einer feindlichen Invasion ausgesetzt, bevor er sich eingerichtet hatte.

  3. seit 1806

    Die von Kröcher

    Das Brünner Genealogische Taschenbuch der adeligen Häuser führt im Artikel von Kröcher als Besitz jenes Hauses »in Westpreußen: Plutowo (seit 1806) und Dietrichsdorf (seit 1826, beide Allodial-Rittergüter)«. Dazu gehörten Gluchowo und Falenczyn im Kulmer Lande. Besitzer war Friedrich Wilhelm Karl von Kröcher (1782–1861), Landesdirektor der Altmark und Johanniter-Ordensritter.

  4. 1847

    Der erste Beleg ohne den Gotha

    Dass Plutowo den von Kröcher gehörte, steht nicht nur im Gotha. Das preussische Oberlandeskulturgericht verhandelte 1847 einen Streit um die Regulierungsfähigkeit: »Rittergutsbesitzer von Kröcher in Plutowo ./. Franz Siemienicki und Anton Zawiasinski« (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 170 Nr. 10440, eingeordnet unter Westpreussen, Kreis Kulm). Vierzehn Jahre vor dem Tod des Landesdirektors – und mit zwei polnischen Namen auf der Gegenseite. Dass das Gut schon damals an Jakob von Gerlach gefallen sei, hält den Besitzzeilen des Gotha nicht stand; siehe weiter unten.

  5. 21. Mai 1858

    Die Heirat

    Jakob von Gerlach (1830–1908) heiratet am 21. Mai – das Brünner Taschenbuch schreibt den 23. – in Vinzelberg Ida Sophie von Kröcher (1830–1905), die jüngste Tochter des Landesdirektors. Drei Jahre später, am 12. Januar 1861, stirbt der Vater. Über die Teilung seines Nachlasses und über das Testament der Tochter liegt eine Akte im Gutsarchiv Erxleben (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, H 66 Nr. 1052, Laufzeit 1861 bis 1905) – die Schlüsselakte zu diesem Gut.

  6. 1864/65

    Die Separation

    Das Katasteramt Kulm legt »Untervertheilungs-Acten« für die Gemarkung Plutowo an (Archiwum Państwowe w Toruniu, 69/167/0/1/754); von 1865 an laufen die »Supplement-Akten Kreis Culm Gutsbezirk Plutowo« (69/167/0/1/755) bis 1919. Plutowo ist von da an ein eigener Gutsbezirk neben der Landgemeinde.

  7. 1877–1913

    Die Kirchengemeinde

    Was die Bonner Volkszeitung 1894 angriff, hat eine Akte. Das preussische Kultusministerium führte von 1877 bis 1913 den Vorgang »Gründung eines neuen Kirchen- und Pfarrsystems Klein-Trebes-Baiersee-Plutowo« (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 76 III Sekt. 6 Abt. XX Nr. 21). Sechsunddreissig Jahre für eine Pfarrstelle – die ganze Zeit, in der Jakob von Gerlach das Gut hielt, und die Gegenseite der katholischen Polemik.

  8. 12. Januar 1880

    Der Bahnhof

    Die Berliner Börsen-Zeitung berichtet vom Streit der Eisenbahn-Interessenten im Kreise Kulm: Die einen wollen die Linie Graudenz–Wabcz–Kulm–Plutowo–Stablewitz–Rosenberg–Thorn, die anderen Graudenz–Kruschin–Kulmsee–Thorn. Plutowo bekommt seinen Bahnhof; eine Anzeige von 1904 misst von dort »2 km« zum Nachbargut Kiewo und »6 km« zur Kreis- und Garnisonstadt Culm.

  9. 1882 und 1911

    Die Bücher

    Zweimal wird die »Fortschreibung der Grundsteuerbücher des Gutsbezirks Plutowo« angelegt (Archiwum Państwowe w Toruniu, 69/167/0/1/757); von 1909 an läuft das Gebäudebuch des Gutsbezirks (69/167/0/1/752). In diesen Bänden stünde, wie gross das Gut war – eine Hektarzahl ist aus den öffentlich erreichbaren Quellen bisher nicht zu haben.

  10. 1887 und 1892

    Zwei Besitzzeilen

    Wann das Gut wirklich an Jakob von Gerlach kam, entscheiden zwei Zeilen im Brünner Taschenbuch, die fünf Jahre auseinanderliegen. Der Jahrgang 1887 nennt den Familienbesitz: »Fideicommiss Parsow und Schwemmin und die Rittergüter Trienke, Drosedow, Rohrbeck, Nordhausen und Vollenschier« – Plutowo fehlt. Und Jakob selbst steht dort als »Mitbesitzer der Rittergüter Rohrbeck (ein Viertel) und Vollenschier in der Altmark (ein Halb)«. Der Jahrgang 1892 schreibt dieselbe Zeile mit Plutowo zwischen Nordhausen und Vollenschier, und bei ihm heisst es nun: »Mitbesitzer des Rittergutes Vollenschier (ein Halb) und Besitzer des Rittergutes Plutowo« – das Rohrbecker Viertel ist fort. Zwischen den beiden Drucken hat er also den Anteil am neumärkischen Gut abgegeben und das westpreussische übernommen. Die Annahme, Plutowo sei ihm schon 1861 aus der Erbteilung seines Schwiegervaters zugefallen, hält dem nicht stand: Es kam ihm erst in den späten achtziger Jahren zu, fast dreissig Jahre nach der Hochzeit. (Das Brünner Taschenbuch schreibt 1892 versehentlich »in Ostpreußen«; Plutowo lag in Westpreussen.)

  11. Was die polnische Parkakte zum Besitz sagt

    Die Parkakte des Narodowy Instytut Dziedzictwa führt die Jahre etwas anders: Plutowo sei 1889 über das Erbe der Familie von Kröcher an Ida Sophie von Gerlach gekommen, von 1893 an habe es dem Landrat Jakob von Gerlach gehört, und 1909 habe die Familie es an Ludolf von Alvensleben verkauft. Zwei Angaben daraus sind neu und stehen nirgends sonst: 1887 umfasste das Gut rund 627 Hektar, und seine Besonderheit war die Zucht holländischen Rindviehs. Bei den Jahreszahlen bleiben die gedruckten Quellen genauer – die Besitzzeilen des Brünner Taschenbuchs von 1887 und 1892 und die Familiengeschichte derer von Alvensleben, nach der Ludolf das Gut 1908 erbte und nicht kaufte. (Narodowy Instytut Dziedzictwa, Ewidencja parkowa Płutowo, PL.1.9.ZIPOZ.NID_N_04_EN.509394, Bl. 12.)

  12. Was in Thorn liegt, und wie der Bahnhof hiess

    Das Staatsarchiv Thorn führt sieben Einheiten zum Gutsbezirk Plutowo unter 69/167/0/1/752 bis 758: Gebäudebuch, Grundsteuerbücher, Flurregister und Einschätzungsakten, laufend von 1862 bis 1944. Sie decken die ganze Zeit der Familie ab und reichen darüber hinaus. Und eine Kleinigkeit aus einer Verkehrsakte von 1916: Der Bahnhof, um den die Kreiseingesessenen 1880 gestritten hatten, hiess auf Deutsch nicht Plutowo, sondern »Plauthof« (10/1081/0/4/2494).

  13. 26. Januar 1894

    Was für ein Ort das war

    Die katholische Bonner Volkszeitung rechnet vor, wie preussisches Ansiedlungsgeld im Kreise Kulm verteilt werde, und nennt dabei den Besitzer: »des Besitzers von Plutowo (jetzt Hr. v. Gerlach)«. Die evangelische Pfarrgemeinde Plutowo–Klein Prebis sei »noch dazu sehr reich: sie zählt wenigstens 10 protestantische Großgrundbesitzer. In der ganzen Diöcese Culm gibt es kaum eine so reiche katholische Pfarrei.« Das Gut lag mitten in der deutsch-polnischen Auseinandersetzung um Grund und Boden.

  14. 30. Juni 1895

    Stöcker predigt im Dorf

    Die Thorner Presse meldet am 20. Juni 1895 aus dem Kirchspiel Plutowo, die Gemeinde feiere am dreissigsten des Monats ihr erstes Heidenmissionsfest in der Kirche zu Plutowo. Der Gottesdienst beginne nachmittags um drei; die Festpredigt halte »der allbekannte Hofprediger Stöcker«, den Missionsbericht erstatte der neue Direktor der Missionsgesellschaft Berlin I, Superintendent Gensichen, der Nachfolger des seligen Wangemann. Nach dem Gottesdienst sei eine Nachfeier im herrschaftlichen Garten vorgesehen, bei ungünstigem Wetter in der Kirche; die Gutsverwaltung treffe »in entgegenkommendster Weise umfassende Vorbereitungen«. Warum ausgerechnet hier, sagt derselbe Absatz: »Der Patron unserer Kirche und Gutes Plutowo, Geh. Regierungsrath von Gerlach, ist der Vorsitzende der Berliner Missionsgesellschaft.« Damit ist zweierlei belegt, was bisher fehlte: Jakob von Gerlach war in Plutowo Kirchenpatron und nicht nur Gutsherr – er hatte die Kirche zu unterhalten und den Pfarrer zu präsentieren –, und er holte Adolf Stöcker, den Berliner Hofprediger und Gründer der christlich-sozialen Partei, in ein Dorf an der Weichsel, sechshundert Kilometer von Berlin. Das Blatt setzt für die Anreisenden hinzu, Plutowo liege an der Chaussee, die von Ostrometzko über die Bahnstation Unisław nach Culm führt.

  15. 9. August 1904

    Ein Neffe auf dem Gut

    Die Dürener Zeitung meldet: »Regierungsassessor von Gerlach in Plutowo (Kreis Kulm) ist dem hiesigen Landratsamte zur Hülfeleistung in den landrätlichen Geschäften vom 1. Oktober d. J. ab überwiesen.« Das ist Nikolaus von Gerlach (1875–1955), der Neffe aus Rohrbeck, sechs Jahre vor seinem ersten eigenen Landratsamt in Bütow.

  16. 28. November 1908

    Der Pastor kommt nach Berlin. Bei der Trauerfeier für Jakob von Gerlach in der Matthäikirchstrasse spricht Gebet und Segen »Pastor Sodrow aus Wilhelmsau bei Plutowo« – er war von dem westpreussischen Gut nach Berlin gereist. Die Verbindung war also keine bloss grundbuchliche (Hallesche Zeitung, 3. Dezember 1908).

  17. 1908 bis 1921

    Wohin es kam

    Ida Sophie starb 1905, Jakob von Gerlach im November 1908; die Ehe war kinderlos geblieben. Wohin Plutowo danach kam, steht beim Familienverband von Alvensleben, und die Antwort führt zurück in dieselbe Verwandtschaft. Im Jahre 1908 erbte Ludolf von Alvensleben auf Wittenmoor (1852–1923) das Gut Plutowo im Kreise Kulm. Er war der zweite Sohn Udo Gebhard Ferdinands von Alvensleben und der Ehrengard von Kröcher aus Vinzelberg – also ein Neffe der Ida Sophie und ein Enkel des Mannes, der Plutowo 1806 gekauft hatte. Schon 1886 hatte er das Forstrevier Sichau-Tarnefitz geerbt, das zweite westpreussisch-altmärkische Stück aus dem Kröcherschen Besitz. Die Liste der Alvenslebenschen Familiensitze verzeichnet es knapp: »Wittenmoor (1835–1945) mit Plutowo (1908–1921)«. Mit dem Übergang Westpreussens an Polen endete der Besitz. Das Gut ist also nie verkauft worden; es blieb hundertfünfzehn Jahre lang in einer Familie und wechselte nur den Namen, unter dem es geführt wurde.

  18. Zwei Familien von Gerlach

    Weil bei einem so verbreiteten Namen die Verwechslung nahe liegt, hier die Probe. Das Brünner Genealogische Taschenbuch der adeligen Häuser von 1892 führt zwei Geschlechter: »von Gerlach I.«, evangelisch-reformiert, Reichsadelstand vom 10. August 1433, preussischer Adelstand vom 2. September 1735, mit dem Besitz »Fideicommiss Parsow und Schwemmin und die Rittergüter Trienke, Drosedow, Rohrbeck, Nordhausen, Plutowo und Vollenschier« – und »von Gerlach II.«, evangelisch, preussischer Adelstand vom 15. Oktober 1840, hervorgegangen aus einem Akzisedirektor in Landsberg an der Warthe und einem Bürgermeister in Arnswalde, ohne jeden Grundbesitz im Gotha. Plutowo und Vollenschier stehen in der Besitzzeile des ersten Hauses, und Jakob steht im selben Artikel als Bruder Friedrich Wilhelm Leopolds auf Rohrbeck. Unabhängig davon nennt der Bericht über sein Begräbnis 1908 als nächste Verwandte dessen Söhne Martin, Servatius und Nikolaus. Eine Verwechslung ist ausgeschlossen.

  19. Heute

    Plutowo heisst Płutowo und liegt in der Gmina Kijewo Królewskie im Powiat chełmiński, Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Der Brünner Taschenbuch-Jahrgang 1892, der das Gut unter den Besitz der von Gerlach setzt, schlägt es überdies irrtümlich zu Ostpreussen – es lag im Kreise Kulm, Regierungsbezirk Marienwerder, Provinz Westpreussen.

Bilder

  • 2011Das Dorf im Frühjahr 2011. Vom Gutshof steht noch der Speicher; das Herrenhaus ist nicht erhalten.

    Jan Chmielewski · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

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  • Gut Plutowo — Płutowo, gmina Kijewo Królewskie, PL — um 1888–1908 (Gut (Familienbesitz))

Die pommerschen und neumärkischen Güter sowie Plutowo liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren; Vollenschier liegt in der Altmark. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.

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