Rittergut Schwemmin
Zwei Kilometer westlich von Parsow gelegen, noch vor dem Stammgut erworben. Schwemmin bildete zusammen mit Parsow das testamentarisch gesicherte Fideikommiss der Familie.
Chronik
- 1765
Friedrich Wilhelm von Gerlach erwirbt Schwemmin am 17. Januar 1765 erblich von Landrat Hans Joachim von Kleist – noch vor dem späteren Stammgut Parsow; 1772 kommt ein Hof im Dorf hinzu (Brüggemann 1784).
- 1779
Mit dem Erwerb von Parsow sind beide Güter in einer Hand vereint.
- 1809
Schwemmin und Parsow werden per Testament zum untrennbaren Fideikommiss bestimmt. Erster Inhaber: Carl Heinrich von Gerlach (1783–1860).
- 1811–1819
Die Bauernbefreiung auf den Gütern der Familie lässt sich auf den Tag verfolgen. Die Grundbücher beider Dörfer nennen denselben Vorgang: einen Rezess zwischen der Gutsherrschaft und den bäuerlichen Wirten, ausgehandelt 1811, am 1. November 1816 abgeschlossen und 1819 von der Königlichen General-Kommission zu Stargard bestätigt. Damit gingen die Höfe in das Eigentum ihrer Wirte über. Der Schwemminer Eintrag nennt zusätzlich ein Dekret der Königlichen Regierung zu Cöslin vom 1. Juli 1827. Der Gutsherr, der das aushandeln ließ, war Carl Heinrich von Gerlach, der den Fideikommiss 1814 übernommen hatte.
- 1852
Ein Herr v. Gerlach-Schwemmin führt einer Versammlung hinterpommerscher Landwirte Pastinaken »von ungewöhnlicher Stärke« vor, die er auf gespatpflügtem Land gezogen hatte; die Ostsee-Zeitung druckt Frage und Antworten ab. Es ist einer der wenigen Blicke in den Ackerbau des Gutes – die Versammlung zog daraus übrigens den Schluss, der Möhrenanbau sei vorzuziehen.
- 1860–1906
Die Besitzfolge ist damit geklärt: Carl Heinrich stirbt am 12. April 1860 (Chronik des Preußischen Herrenhauses, 1885); das Fideikommiss geht an seinen ältesten überlebenden Sohn Bogislav (1822–1874) und erst nach dessen Tod an August (1830–1906). August war zu diesem Zeitpunkt längst Landrat – seit 1858 –, saß aber auf Drosedow, das ihm 1858 die Mutter hinterlassen hatte; die Ernennungsmeldung von 1858 nennt ihn folgerichtig »Rittergutsbesitzer auf Drosedow«.
- 1877
Auch für Schwemmin wird ein Grundbuch nach neuem Recht angelegt, am 10. Tag des Monats. Der Band trägt den Kopf »Grundbuch von Schwemmin, Kreis Cöslin, Band I, Blatt No. 1«; Blatt I beschreibt den »in dem Gute Schwemmin Fürstenthümschen Kreises belegenen Bauernhof« des Bauern und Schulzen Gottlieb Treptow. Der Band ist erhalten: Staatsarchiv Koszalin, Bestand 26/143 des Amtsgerichts Körlin, Signatur 208, einhundertein Blatt. Ein Vermerk oben rechts hält fest, dass Blatt 1 im Oktober 1932 umgeschrieben und geschlossen wurde. Fünfzig Aufnahmen liegen gesichert vor.
- 1905
Mit dem Gesetz vom 15. Juni 1905 wechseln die Gemeinde und der Gutsbezirk Schwemmin zusammen mit Parsow und Warnin vom Amtsgericht Köslin zum Amtsgericht Körlin; die Änderung gilt vom 1. Juli 1905 an.
- 1906
Wie weit der Besitz reichte, zeigt die Wählerliste des Kreises Köslin vom September 1906. Sie verzeichnet die Grundbesitzer, die auf dem platten Lande mit mindestens 225 Mark Grund- und Gebäudesteuer veranlagt sind, und führt an achter Stelle »von Gerlach August, Rittergutsbesitzer, Landrat a. D., Parsow«. Ihm zugeschrieben sind vier Bezirke: das Gut Schwemmin einschließlich des inkommunalisierten Stadthofes, der früher zu Köslin gehörte, die Gemeinde Schwemmin, das Gut Parsow und die Gemeinde Parsow. Der Stadthof ist damit zum ersten Mal als Teil des Schwemminer Gutsbezirks belegt.
- 1907/08
Auch Schwemmin lässt sich im Kreisblatt fassen: Inspektor Wilhelm Botike löst Ende November 1908 einen Jahresjagdschein, der Tischlermeister Friedrich Potraz erscheint in derselben Liste, und in einer Zusammenstellung säumiger Steuerzahler stehen der Lehrer Klatt und die Bauern Vahl und Hardt. Für das vierte Quartal 1907 hat der Gutsbezirk 7 Mark 32 Pfennig an Krankenversicherungsbeiträgen an die Kreiskommunalkasse abzuliefern.
- Anfang 20. Jh.
Das heutige Gutshaus entsteht inmitten eines Landschaftsparks aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; beide stehen seit 1982 unter Denkmalschutz.
- 1919–1925
Die Kösliner Adressbücher zählen für Gemeinde und Gut 152 Einwohner (9. Oktober 1919) und 345 (16. Juni 1925); Post ist Nassow, Standesamt und Amtsbezirk sind Parsow, das Kirchspiel Altmarrin. Den Betrieb führt Administrator Wilhelm Bottke. Die Körordnung des Kreises von 1925 verzeichnet für Schwemmin einen zugelassenen Zuchtbullen des Rittergutsbesitzers von Gerlach – die Kuhhalter der Gemeinde durften nur von diesem decken lassen.
- heute
Der Park misst sechs Hektar; eine Allee aus sechzehn Eichen steht als Naturdenkmal, am Dorfrand liegt der alte deutsche Friedhof.
- 1945
Mit dem Kriegsende erlischt der Fideikommiss Parsow-Schwemmin, den Ludwig Wilhelm August von Gerlach 1809 testamentarisch gestiftet hatte; Schwemmin war seit 1765 in der Familie.
Bilder
2012Der Landschaftspark des Gutes, angelegt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Eleanor Rigby 13, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
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- Rittergut Schwemmin — Świemino, gmina Biesiekierz, PL — 1765–1945 (Gut (Familienbesitz))
Die pommerschen Güter und Gut Rohrbeck in der Neumark liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.