Gut Trienke

VManteuffel, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Rund 19 Kilometer südlich von Kolberg gelegen. Trienke kam durch Heirat in Familienbesitz und entwickelte sich unter Landrat August von Gerlach zum bedeutenden Rittergut in der Gmina Siemyśl.
Chronik
- 16.–18. Jh.
Trienke ist als Adelslehen im Besitz der Familie von Manteuffel.
- ~1762
Die Witwe des Kolberger Bürgermeisters Salomon Meyer erwirbt alle drei Gutsanteile.
- frühes 19. Jh.
Charlotte Wilhelmine von Beyme (Tochter des preußischen Staatsministers Carl Friedrich von Beyme) erbt Gut Trienke und heiratet Carl Heinrich von Gerlach – das Gut gelangt so in Familienbesitz. Die Kreisbeschreibung »Der Kolberg-Körliner Kreis« (1909) reicht die Kette weiter zurück: Trienke kam an die verwitwete Landrätin Meyer, die damit ihre Tochter ausstattete, als diese den Staatsminister Beyme heiratete. Dessen einziger Sohn starb jung; von den Töchtern erbte die Frau des Landrats Carl Heinrich von Gerlach das Gut, und nach ihrem Tod 1858 fiel es an ihren zweiten Sohn August.
- 1821
Nach Bagmihls Wappenbuch (1843) erhält Carl Heinrich von Gerlach Trienke samt dem Vorwerk Zauchram in diesem Jahr durch seine Ehe. Die Landrätin Meyer hatte das Gut ihrer Tochter als Mitgift in die Ehe mit Kabinettsrat Beyme gegeben.
- 1857
Bauers Adressbuch führt Charlotte von Gerlach geb. von Beyme als Herrin auf Trienke und Drosedow – die Güter laufen auf sie, nicht auf ihren Mann.
- 1866
Die amtliche Steuerveranlagung misst den Gutsbezirk Trienke mit 6.609,19 Morgen – rund 1.687 Hektar – bei 3.899,27 Talern Reinertrag; damit ist Trienke flächenmäßig das größte der Parsower Güter. Die Verkaufsanzeige desselben Jahres nennt gerundet 3.930 Taler, wovon etwa 400 auf die Forst entfielen.
- 1868
Am 29. Oktober versteigert die Gutsverwaltung über sechzig ein- und zweijährige Böcke aus der Negretti-Herde von Boldebucker Vätern: Ausrufpreis fünf Friedrichsdor, Zuschlag an jedes Meistgebot, die Tiere im Herbst 1867 gegen Pocken geimpft. Die Anzeige in den Annalen der Landwirthschaft ist gezeichnet »Trienke bei Kolberg, Hinterpommern, den 29. Septbr. 1868, P. Mengel« – dieselbe Familie führt sechzig Jahre später noch das Vorwerk Zauchram.
- 1881
Bau der Brennerei; 1910 folgt die Fachwerk-Remise. Beide Wirtschaftsgebäude stehen noch.
- 1885
Das Dorf bekommt ein neues Gotteshaus. Das Kirchenpatronat liegt beim Gut, und der Patron zahlt: Die Kreisbeschreibung von 1909 vermerkt knapp, im Jahre 1885 sei »von dem Landrat von Gerlach-Parsow eine neue Kirche erbaut« worden. Dreißig Jahre später stiftet sein Enkel Carl August tausend Mark für die Ausschmückung und die Gräber.
- Ende 19. Jh.
Neues Gutshaus in Backstein für die Familie, Anfang des 20. Jahrhunderts umgebaut, umgeben von einem Landschaftspark. Die Gutskapelle aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dient heute als katholische Filialkirche St. Kasimir.
- 1895
Anschluss an die Kolberger Kleinbahn (Betrieb bis 1961/62, Güterverkehr bis 1995 – heute Radweg). Trienke war einst ein Vorwerk von Drosedow und seit 1572 selbständig. Ein Amtsblatt von 1895 nennt als Zwischenstationen der neuen Strecke Drosedow, Trienke, Plauenthin, Groß Jestin und Semmerow. Eröffnet wird die Strecke am 21. Juli 1895 durch die Aktiengesellschaft Kolberger Kleinbahnen: 63 Kilometer Schmalspur von Roman nach Kolberg für Personen-, Gepäck-, Güter- und Viehverkehr.
- 1913–1919
Der Pächter des Gutes, Rittmeister Mengel, sitzt von 1913 an im Aufsichtsrat der Kolberger Kleinbahn-Aktiengesellschaft, deren Strecke das Gut erschließt. Von 1918 an gehört dem Aufsichtsrat auch ein »Landrat von Gerlach-Kolberg« an: Augusts Sohn Klaus (1875–1955), den die Forschung unter seinem vollen Rufnamen als »Kolberg-Körliner Landrat Nikolaus von Gerlach« führt (Festschrift zum 25jährigen Bestehen, 1919; Baltische Studien NF 84).
- 1925
402 Einwohner (1816: 185). Trienke gilt als größtes Gut des Kreises – mit Brennerei und Kartoffeltrocknung, Herdbuchzucht, Gestüt und Sägewerk. 1910 und 1928 ist Karl August von Gerlach als Besitzer verzeichnet.
- bis 1906
Landrat August von Gerlach (1830–1906) ist Gutsherr. Unter ihm erlebt Trienke seine wirtschaftliche Blütezeit.
- 1911–1945
Tessen von Gerlach-Parsow (1911–2007), der älteste Sohn Carl Augusts, bewirtschaftet Trienke als letzter der Familie – der Gotha führt ihn als »staatlich geprüften Landwirt, bis 1945 Rittergutsbesitzer auf Trienke«. Das Gut gehört zur Gemeinde Simötzel.
- 1937/1938
Das Vorwerk Zauchram, drei Kilometer südöstlich des Gutes, muss seinen als wendisch geltenden Namen ablegen und heißt fortan »Trienke Schäferei«. 1928 führt es ein eigener Verwalter für Carl August von Gerlach, der selbst auf Parsow wohnt (Handbuch der Landwirtschaftskammer für die Provinz Pommern).
- 1945
Das Gut geht verloren, das Carl Heinrich von Gerlach 1821 über seine Ehe mit Charlotte von Beyme erhalten hatte – nach hundertvierundzwanzig Jahren in der Familie.
Bilder
2019Die frühere Gutskapelle – heute Filialkirche St. Kasimir; 1996 abgebrannt und wiederaufgebaut.
Sławomir Milejski, Wikimedia Commons, CC BY 3.0
2013Die Kapelle von der Seite: Backstein mit Spitzbogenfenstern und Dachreiter.
Zentyg45, Wikimedia Commons, CC BY 3.0
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- Gut Trienke — Trzynik 1, gmina Siemyśl, PL — um 1815/38–1945 (Gut (Familienbesitz))
Die pommerschen Güter und Gut Rohrbeck in der Neumark liegen heute auf polnischem Staatsgebiet und gingen 1945 durch die Vertreibung aus Familienbesitz verloren. Nienburg an der Saale ist kein Gut, sondern ein Ursprungsort der Familie in Deutschland.