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Rittergut Zeblin

Besitzzeitraum1762–1830LageHinterpommernHeuteCybulino, PolenFläche3.525 Morgen (um 1862)
Das Herrenhaus von Zeblin, heute Cybulino

Krygor, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Das Herrenhaus, wie es heute dasteht: spätklassizistisch, auf 1750 datiert, 1879 umgebaut und von privaten Eigentümern instand gesetzt.

Major Otto Lebrecht von Gerlach kaufte Zeblin am 27. Juli 1762 von Johann Carl Birkholz, dem die landesherrliche Genehmigung zum Besitz verweigert worden war, und hielt es bis zu seinem Tode; danach besass es seine Tochter, die einen Danziger Handelsherrn geheiratet hatte. Zeblin ist zugleich das Geburtshaus Ewald Christian von Kleists, des Dichters des »Frühlings«, und die Braut des Käufers war eine geborene von Kleist – aus dem benachbarten Hause Schönau, nicht aus Zeblin, wie die Familiengeschichte von 1903 vermuten liess. Herrenhaus, Park und die achteckige Grabkapelle von 1662 stehen bis heute.

Chronik

  1. bis ins 16. Jahrhundert

    Zebbelin, wie die Urkunden schreiben, war seit unbekannter Zeit ein Lehn der Knuth. Die Vasallentabelle von 1565 nennt »Jaspar vnd seine bruder die Knuttenn« als dort sesshaft, 1572 erscheinen Ansam und Claus Knuten zu Zebelin. Ihre Familie hat, sagt Berghaus, überhaupt keine grosse Ausdehnung gehabt.

  2. 1630

    Die Nachfolger sind die von Kleist; als Besitzer dieses Gutes findet man insonderheit Jürgen Kleist angeführt. Aus ihrer Zeit steht bis heute im Park die achteckige Grabkapelle, ein Fachwerkbau mit geschindeltem Zeltdach und Laterne, den Christiane von Kleist laut Inschrift 1662 errichten liess.

  3. 7. März 1715

    Ein Dichter

    Im Herrenhause zu Zeblin kommt Ewald Christian von Kleist zur Welt, der Dichter des »Frühlings«. Er wurde Major im Regiment des Prinzen Heinrich, bei Kunersdorf tödlich verwundet und starb am 24. August 1759 in Frankfurt an der Oder. Drei Jahre nach seinem Tod zog ein von Gerlach in das Haus ein, in dem er geboren war.

  4. 1735 bis 1759

    Eine Kette von Pfandbesitzern

    Joachim Ewald von Kleist verkaufte Zeblin 1735 wiederkäuflich auf dreissig Jahre an den Hauptmann Hans Paul von Humboldt, den Grossvater Wilhelms und Alexanders. Von diesem ging es am 2. März 1739 an Heinrich Ludwig von Meseritz, am 15. April 1744 für die restliche Wiederkaufsfrist an Peter von Puttkamer. Dessen Witwe Barbara Marie geborene von Heydebreck und der Leutnant Christian Ewald von Kleist – der Dichter – traten ihre Rechte am 4. Januar und 18. Februar 1748 dem Hauptmann Matthias Reimar von Kleist ab. Nach dessen Tod verkaufte die Witwe Christiane Marie geborene von Redern das Gut am 26. August 1757 an den Hauptmann Johann Joachim von Kleist, dieser am 24. Dezember desselben Jahres für einen Pfandschilling auf fünfundzwanzig Jahre an Curt Heinrich von Wussow, und der trat sein Recht am 12. Mai 1759 dem Johann Carl Birkholz ab.

  5. 27. Juli 1762

    Der Kauf

    Weil Birkholz die landesherrliche Genehmigung zum Besitz nicht erlangen konnte, trat er das Gut am 27. Juli 1762 dem Major Leberecht Otto von Gerlach ab und verkaufte es ihm. Der Kaufkontrakt ist in Zeblin selbst datiert. Otto Lebrecht von Gerlach war damals einundvierzig, hatte einundzwanzig Jahre bei der Kavallerie gestanden und zwei Jahre zuvor den Abschied genommen; seine Frau Anna Sophia war eine geborene von Kleist aus dem Hause Schönau, keine halbe Meile entfernt. Er kaufte also ein kleistsches Gut, sechs Jahre nachdem er eine Kleist geheiratet hatte.

  6. 7. Mai 1764 und 22. Mai 1765

    Der Landrat Hans Joachim von Kleist zediert ihm am 7. Mai 1764 sein Lehnrecht an Zeblin. Am 22. Mai 1765 wird das Geschlecht der von Kleist mit dem Vorkaufs- und dem Wiedereinlösungsrecht präkludiert – das Gut ist damit endgültig aus ihrer Hand. Derselbe Hans Joachim von Kleist hatte vier Monate vorher, am 17. Januar 1765, das Gut Schwemmin an Friedrich Wilhelm von Gerlach verkauft, den Bruder des Majors. Zwei Brüder, zwei kleistsche Güter, drei Jahre auseinander.

  7. 1784

    Verpfändet

    Brüggemann, der die pommerschen Güter aus den Akten beschrieb, findet das Gut in fremder Hand: Der Major hatte es dem David Knack verpfändet, der es 1784 noch innehatte. Vor Ablauf des achtzehnten Jahrhunderts hat er es wieder eingelöst. Über den Grund der Verpfändung sagt keine Quelle etwas.

  8. nach dem Tod des Majors · Eine Tochter

    Was dann geschah, ist die überraschendste Nachricht dieser Gutsgeschichte. »Nach dessen Tode besaß es seine Tochter, die Gemalin des Danziger Handelsherrn Pfloeger, der es bei der Erbschafts-Regulirung, zum Werthe von 10.000 Thlr. angerechnet worden war«, schreibt Berghaus. Die gedruckte Gerlachsche Familiengeschichte von 1903 kennt aus dieser Ehe nur zwei Söhne, die beide vor dem Vater starben. Eine Tochter gab es also auch, sie überlebte ihn, sie heiratete nach Danzig und sie erbte das Gut. Sie hiess Sofie Leopoldine, geboren am 4. Mai 1760 in Stargard; das Handbuch von 1893 schreibt den Namen ihres Mannes »Pfegel«, Berghaus »Pfloeger« – das Danziger Bürgerbuch muss entscheiden.

  9. 1830 und 1862

    Im Jahre 1830 ging Zeblin an den Landschaftsrat von Hellermann über, der hier seinen Wohnsitz nahm; seine Erben sind, als Berghaus 1862 schreibt, die Besitzer von Zeblin und der beiden Viverowschen Güter. Damit endet die Verbindung der Familie mit dem Gut.

  10. um 1862

    Wie das Gut aussah

    Berghaus hat es im Landbuch von Pommern beschrieben. Allodial-Rittergut mit Kapelle, eine Meile nördlich von Bublitz, auf und an dem hohen und steilen Rande des Radüetals, dazu der Laubkrug an der Strasse von Köslin nach Baldenburg und die Wassermühle auf der Radüe an der Landstrasse von Bublitz nach Pollnow. Sechsundzwanzig Wohngebäude, darunter das Herren-, das Schul- und ein Ortsvorsteherhaus, sechsundzwanzig Wirtschaftsgebäude und zwei Gebäude, die im Ort der Fabrikation dienten. Die Kapelle war ein Filial der Mutterkirche im ganz nahe gelegenen Kurow. Zweihundertsiebenunddreissig Einwohner in siebenunddreissig Familien – drei Pächter, Wirtschaftsgehilfen, Gesinde und die gutsangehörigen Tagelöhner. Die Feldmark mass 3525 Morgen: 2000 Morgen Acker in sechs Feldern, 180 Morgen zweischurige Rieselwiesen, deren fünfzehnjährige Nutzung die Erwartungen der Anlage »wol gerechtfertigt« hatte, 40 Morgen Gärten, 1259 Morgen Waldung aus Kiefern, Buchen und Eichen und 46 Morgen Hof- und Baustellen, Wege und Unland. Im Stall standen einunddreissig Pferde, siebenundneunzig Rinder, 1330 halbveredelte und 114 rauhe Schafe, vierzig Stück Borstenvieh und sechs Ziegen. In der Radüe fand unbedeutender Aalfang statt; längs des Flusses lagen Wiesenkalk und Torf, auf den Feldern Mergel.

  11. 1885 und 1892

    Die Nachfolger

    Die Familie, an die Zeblin überging, lässt sich noch zwei Menschenalter weiter verfolgen. Im September 1885 melden die Zeitungen unter den Gestorbenen »Hr. Ulrich v. Hellermann auf Zeblin«. Sieben Jahre später kommt sein Nachfolger auf demselben Gut in den Landtag: Im Oktober 1892 wird »der Oberst-Lieutenant a. D. und Rittergutsbesitzer von Hellermann auf Zeblin (conservativ) einstimmig mit 196 Stimmen zum Mitgliede des Hauses der Abgeordneten gewählt«, an die Stelle des verstorbenen Landschaftsdirektors von Holtz; einen Gegenkandidaten gab es nicht. Aufgestellt worden war er einen Monat zuvor anstelle des Grafen Kleist-Schmenzin. Es ist derselbe Wahlkreis Kolberg-Körlin–Bublitz, in dem drei Jahre später August von Gerlach-Parsow um seinen Reichstagssitz kämpfte.

  12. 1898 bis 1902

    Die Anschrift und der Tod

    Zwei Stellen im Jahrbuch der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde runden die Geschichte des Gutes nach unserer Zeit ab. Das Mitgliederverzeichnis führt unter der Nummer 676 »von Hellermann, Oberstleutnant a. D.«, und es nennt seine Anschrift vollständig: »Zeblin bei Curow, Kr. Bublitz«. Damit ist auch die Verwaltungslage des Ortes festgehalten – zwischen 1816 und 1932 gehörte er zum Kreise Bublitz, während ihn das Kantonverzeichnis von 1734 noch unter dem Kreise Köslin führt, vor 1817 unter dem Fürstentum Kammin. Derselbe Mann, 1892 für den Wahlkreis Kolberg-Körlin–Bublitz ins Abgeordnetenhaus gewählt, starb im Geschäftsjahr April 1901 bis April 1902: Der vierundsechzigste Jahresbericht der Gesellschaft nennt ihn unter den Verstorbenen, »Oberstleutnant a. D. von Hellermann auf Zeblin«.

  13. Die Danziger Spur

    Zwei Fragen führen zu den Akten: die Schreibung des Mannes – »Pfegel« im Handbuch von 1893, »Pfloeger« bei Berghaus – und das Ende des Gerlachschen Besitzes, das zwischen dem Tod des Majors 1798 und dem Jahr 1830 liegt. Die Lehns- und Hypothekenakten des Kreises Fürstenthum und die Danziger Register halten die Antworten.

  14. 1750, 1879 und heute

    Das heutige Herrenhaus ist spätklassizistisch und wird auf 1750 datiert; 1879 wurde es umgebaut und bekam seine jetzige Gestalt. Der Bau steht auf rechteckigem Grundriss, hat ein Obergeschoss und ein Satteldach; die neunachsige Fassade trägt in der Mitte einen dreiachsigen Risalit mit Dreiecksgiebel, darunter eine auf Säulen ruhende Terrasse. Dazu gehört ein Landschaftspark von 5,62 Hektar mit der Grabkapelle der von Kleist von 1662. Das Ensemble steht seit dem 25. März 1977 unter Denkmalschutz (Register Nr. 963); heute gehört es privaten Eigentümern, die es instand gesetzt haben. 1945 wurden Schloss und Kapelle ausgeräumt; erhalten blieb die originale Kapellentür aus dem sechzehnten Jahrhundert, die heute im Museum zu Köslin liegt.

Bilder

  • 2014Die Grabkapelle von 1662 im Park – Fachwerk, geschindeltes Zeltdach, Laterne.

    Krygor, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

  • 2014Die Gutsanlage von der Feldseite.

    Krygor, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

  • 2014Der Landschaftspark von 5,62 Hektar, in dem die Kapelle steht.

    Krygor, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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  • Rittergut Zeblin — Cybulino, gmina Bobolice, PL — 1762–1830 (Gut (Familienbesitz))

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