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Wappen Familie von Gerlach
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August von Gerlach

1830 – 1906

Landrat · Reichstagsabgeordneter · Fideikommissherr auf Parsow-Schwemmin

Stammsitz: Parsow, Schwemmin, Trienke, Drosedow

Im Stammbaum

August von Gerlach, Sohn Carl Heinrichs, war von 1857 bis 1872 Landrat des Kreises Fürstenthum und danach bis 1891 des Kreises Köslin. Er saß 1866 bis 1870 im Preußischen Abgeordnetenhaus, 1871 bis 1887 und erneut 1890 bis 1895 im Reichstag für die konservative Partei, ab 1889 im Preußischen Herrenhaus. Als Fideikommissherr auf Parsow und Schwemmin sowie Gutsherr auf Trienke und Drosedow vereinte er zeitweise den gesamten pommerschen Familienbesitz. 1861 heiratete er Asta von Kleist (1840–1933); aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die in bedeutende Adelsfamilien einheirateten – Töchter Asta, Luise und Hertha sowie Sohn Carl August, sein Nachfolger auf Parsow. August von Gerlach starb 1906 auf Parsow.

Chronik

  1. 1830

    Geboren auf Parsow als Sohn Carl Heinrichs. Das Berliner Tageblatt fasst 1890 in seinem Reichstags-Verzeichnis zusammen: »Geb. 28. August 1830 in Parsow in Pomm. Landrath seit 1858 und Mitglied des Preuß. Abgeordnetenhauses von 1866–1870. Mitglied des Herrenhauses. Von 1871–87 Mitglied des Reichstages für 3. Köslin: Fürstentum« (13. April 1890).

  2. 1830

    Geboren am 28. August auf Parsow. Die Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek führt ihn als »Gerlach, August Fr. B. von« – August Friedrich Bernhard –, mit den Namensformen »von Gerlach-Parsow« und dem Zusatz Politiker, Abgeordneter, Landwirt (GND 133202550).

  3. 1847–1850

    Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin, dann Studium in Berlin und Bonn.

  4. 1858–1872

    Landrat des Kreises Fürstenthum – die Ernennung des »Rittergutsbesitzers Friedrich Bernhard v. Gerlach auf Drosedow« meldet die Magdeburgische Zeitung am 30. März 1858; 1867 nennt ihn der Staats-Anzeiger »Landrath v. Gerlach auf Drosedow«. Als Landrat zeichnet er 1860 bis 1865 die Auslosungen der Kreisobligationen der »Ständischen Kommission für den Chausseebau des Fürstenthumer Kreises« (Staats-Anzeiger 26. August 1860, 18. Juli und 1. Dezember 1865). Der Nachruf der Schlawer Zeitung nennt die Vorgeschichte: Er hatte Jura studiert und seiner Militärpflicht beim Brandenburgischen Kürassier-Regiment genügt, ehe ihn die Ernennung zum 1. April 1858 erreichte.

  5. 1861

    Heirat am 22. Februar auf Groß-Dubberow mit Asta von Kleist (1840–1933), Tochter Karls von Kleist auf Groß-Dubberow und der Rosalie geb. von Kameke (Gotha).

  6. 1866

    Lässt Rittergut Trienke mit dem Vorwerk Zauchram (rund 3.800 Morgen Acker, 425 Morgen Wiesen, 500 Morgen Hütung) und das Vorwerk Waldhof bei Drosedow (rund 800 Morgen) zur Verpachtung ausschreiben (Staats-Anzeiger, Januar bis April 1866) – Beginn der Pächterwirtschaft auf den Beyme-Gütern.

  7. 1866–1895

    Abgeordnetenhaus 1866–1870; Reichstag 1871–1887 und 1890–1895 für den Wahlkreis Kolberg-Köslin (konservativ, 50 bis 69 Prozent der Stimmen; Ausschüsse u. a. zu Militärpensionen, Strafprozess, Konkurs- und Handelsrecht). Bei der Neuwahl im Juni 1895 führt er im ersten Wahlgang mit 7.087 gegen 4.663 Stimmen für den Freisinnigen Geheimen Baurat Benoit, unterliegt aber in der Stichwahl mit 7.363 Stimmen – die Presse meldet die »Niederlage des Herrn v. Gerlach in Cöslin« (Der Wächter 21. Juni, Merseburger Korrespondent 3. Juli 1895). Bei der Reichstagswahl vom Januar 1877 führen ihn die Ergebnislisten als Kandidaten der Deutschen Reichspartei, 1878 und 1884 schlicht als »von Gerlach, Landrath« (Hamburgischer Correspondent 17. Januar 1877; Reichsanzeiger 5. August 1878, 3. November 1884).

  8. 1872–1891

    Landrat des Kreises Köslin. Beim Kaiserbesuch in Pommern im September 1879 erhält der »Landrath zu Cöslin« den Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife (Reichsanzeiger 16. September 1879). Aus dem großen Fürstentümer Kreis werden Anfang der 1870er Jahre die drei Kreise Kolberg-Körlin, Bublitz und Köslin; er bleibt an der Spitze des letzten und führt ihn bis zum 1. April 1891 – zusammen dreiunddreißig Jahre Staatsdienst. Den Eingesessenen aller drei Kreise, schreibt die Schlawer Zeitung, verdanken sie vor allem die Einrichtung der Sparkassen.

  9. 1873

    Gründet in Köslin die Brauerei an der späteren Straße Spółdzielcza – zunächst als Kommanditgesellschaft, ab 1883 als Aktiengesellschaft mit vorwiegend Gutsbesitzern als Aktionären (die Kösliner Actien-Bierbrauerei); 1923 geht sie in der Bohrisch AG auf, 51 Prozent des Kapitals bleiben bei den Landwirten. So der Katalog des Kösliner Museums (»Koszalin od średniowiecza do współczesności«). Ein Adressbuch der europäischen Brau-Industrie nennt abweichend 1874 als Gründungsjahr und gibt als Adresse die Brauergasse 11 an.

  10. 1876

    Der Kösliner Kriegerverein macht ihn zum Ehrenmitglied; die Würde behält er bis zu seinem Tod.

  11. 1877

    Wie ein Wahlkampf im Dorf aussah, zeigt ein Laufzettel, den eine pommersche Zeitung 1877 abdruckt: Der Wahlvorsteher kündigt an, er habe noch Wahlzettel abzugeben, »die auf den Landrath von Gerlach=Parsow lauten«, und er werde sehen, ob auch Gebrauch davon gemacht werde; im Behinderungsfall trete der Schöffe Rubow ein. Der Zettel solle rasch weitergegeben werden.

  12. 1879–1884

    Neben dem Landratsamt führt er die Feuerversicherung des Kreises: Eine Bekanntmachung der Altpommerschen Mobiliar-Land-Feuer-Societät vom 28. Juli 1879, die das Cösliner Kreisblatt noch Anfang 1884 abdruckt, ist gezeichnet »Der Kreis-Feuer-Societäts-Direktor von Gerlach«. Sie wirbt dafür, neben den Gebäuden auch die bewegliche Habe bei der Societät zu versichern, weil das die Beiträge für alle senke. Amtliche Verfügungen des Kreisblatts vom Dezember 1883 unterschreibt er als »Der Landrath. von Gerlach«.

  13. 1885

    Tochter Asta (1863–1948) heiratet am 21. April auf Parsow Carl Freiherrn von Pachelbel-Gehag, Fideikommissherrn auf Keffenbrink, Nehringen, Dorow und Rodde in Vorpommern (Gotha).

  14. 1885

    Zum zweiten Mal binnen fünf Jahren tritt er als Bauherr einer Dorfkirche auf: nach Parsow 1881 nun Trienke, das Gut seiner Mutter. Beide Kirchen gehen auf seine Rechnung.

  15. 1888

    Lehrer und Schüler des Kolberger Domgymnasiums finden bei ihrem Ausflug an den Kämitzsee »durch die Liberalität des Grundeigentümers, Herrn Landrat von Gerlach-Parsow, in der Försterei gastliche Aufnahme« (Schulprogramm Colberg 1888).

  16. 1889

    Mitglied des Preußischen Herrenhauses. Berufen »für den alten und befestigten Grundbesitz des Herzogthums Kassuben« (Hamburgischer Correspondent 16. Januar 1890). Seit Dezember 1889 sitzt er im Aufsichtsrat der Cösliner Actien-Bierbrauerei, neben Dedo von Schmeling, Leo von Gaudecker und Kleist-Retzow auf Groß-Tychow (Reichsanzeiger 19. Januar 1892). Zuletzt, 1905, ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Brauerei, Kleist-Retzow sein Stellvertreter (Reichsanzeiger 18. Dezember 1905). Schon 1887 hatte er als Landrat mit Eugen Ludendorff-Ratteick und Theodor von Blankenburg-Strippow die Vorgängerfirma, die Cösliner Bierbrauerei Commanditgesellschaft G. F. Goerke, als Liquidator abgewickelt (Reichsanzeiger 22. Dezember 1887).

  17. 1890

    Spätestens jetzt Mitglied des Preußischen Herrenhauses – berufen auf Präsentation des alten und befestigten Grundbesitzes, für das Familienfideikommiss Parsow-Schwemmin; er gehört ihm bis zu seinem Tod an (Stenographische Berichte des Herrenhauses 1890; Janecki, Handbuch des preußischen Adels 1893; Handbuch für das preußische Herrenhaus 1911, Nr. 243 – sein Vater Carl Heinrich steht dort als Nr. 242). Welcher Wahlkörper ihn entsandte, sagt erst die amtliche Bekanntmachung nach seinem Tod: der Verband des alten und des befestigten Grundbesitzes im Landschaftsbezirk Herzogtum Kassuben, der die Kreise Köslin, Kolberg-Körlin, Bublitz, Neustettin und Belgard umfasste.

  18. 1890–1896

    Auch in der Kirche hat er ein Mandat: Das Kirchliche Amtsblatt führt ihn 1890 als »Landrath von Gerlach auf Parsow«, 1896 als »Landrath a. D.« unter den Abgeordneten der Kreissynoden Körlin und Kolberg, jeweils neben dem Superintendenten von Körlin.

  19. 1891

    Kronenorden 2. Klasse. Als Reichstagsabgeordneter wohnt er in Berlin, Leipziger Straße 45; er bewirtschaftet Parsow, Schwemmin, Trienke und Drosedow. Im September unterzeichnet er – wie sein Vetter zweiten Grades Jakob, Landrat in Gardelegen – den Aufruf Hans von Kleist-Retzows für den Saalbau der Berliner Stadtmission Adolf Stoeckers (Rhein- und Ruhrzeitung 18. September 1891). Schon im Januar 1891 gehört er dem kleinen Kreis um Graf Bismarck-Bohlen, Kleist-Retzow, Graf Krassow und General von Heydebreck an, der mit einem vertraulichen Rundschreiben Geld für den Saal sammelt (Saale-Zeitung 27. Dezember 1893). Die Verleihung an den »Landrath von Gerlach zu Köslin« meldet der Hannoversche Kurier am 4. April 1891. Zum Abschied aus dem Amt kommen, wie der Nachruf von 1906 festhält, der Rote Adlerorden zweiter Klasse und das Ehrenbürgerrecht der Stadt Köslin hinzu.

  20. 1891

    Tochter Luise (1866–1947) heiratet Manfred von Richthofen (1855–1939).

  21. 1891

    Die Pommersche Ökonomische Gesellschaft beschließt die Gründung einer Landwirtschaftskammer für die Provinz; unter den Betreibern nennt die Rückschau »Gerlach-Parsow, Generallandschaftsdirektor von Kameke-Warnin« und andere. Später sitzt der »Landrat a. D. auf Parsow« im Kuratorium der Kammer, und ein Rittergutsbesitzer von Gerlach führt den Vorsitz der Landwirtschaftlichen Kreiskommission für Köslin, Schlawe, Stolp, Rummelsburg und Bütow.

  22. 1. April 1891

    Sein letzter Amtstag lässt sich auf den Tag bestimmen. Im Kösliner Kreisblatt trägt die Bekanntmachung vom 1. April noch die Unterschrift »Der Landrath. von Gerlach«; vom 6. April an zeichnet »Der Landrathsamts-Verweser. von Eisenhart-Rothe, Landrath«. Dazwischen liegt das Ende von dreiunddreißig Jahren im Amt – erst im Kreis Fürstenthum, dann in Köslin. Im Januar und Februar hatte ihn bereits von Kameke in Vertretung gezeichnet.

  23. 10. April 1891

    Neun Tage nach dem Abschied holt ihn der Kreistag zurück. Die Abgeordneten des platten Landes ändern das Statut der Kreissparkasse: Ihr Kuratorium soll künftig aus dem jeweiligen Landrat als Direktor und aus drei statt bisher zwei Beisitzern bestehen. Unter dem Vorbehalt, dass der Oberpräsident zustimmt, wählen sie »Herrn Landrath von Gerlach zum Mitglied des Kuratoriums«. Er bleibt damit in der Kasse, die er als Amtsinhaber geleitet hatte – nun als einer von dreien.

  24. 1892

    Am 23. Mai nimmt er als Reichstagsabgeordneter – neben Oberpräsident von Puttkamer, Staatssekretär Freiherr von Maltzahn und Regierungspräsident Graf Clairon d'Haussonville – an der Beisetzung Hans von Kleist-Retzows in Kieckow teil (Thorner Presse, Mai 1892).

  25. 1892

    Ernennung zum Ehrenritter des Johanniterordens – zusammen mit seinem Vetter zweiten Grades Jakob – auf Vorschlag des Herrenmeisters Prinz Albrecht von Preußen (Reichsanzeiger 31. August 1892).

  26. 1892

    Delegierter des Parteitags der Deutschkonservativen am 8. Dezember im Berliner Tivoli, der mit dem »Tivoli-Programm« den Antisemitismus in das Parteiprogramm aufnimmt. Er gehört als »v. Gerlach (Köslin)« zu den 21 Reichstagsabgeordneten um Helldorff-Bedra, deren verlesene Erklärung am Programm von 1876 festhält und den neuen Entwurf nur als Stellungnahme zu Tagesfragen gelten lassen will – die Versammlung antwortet mit Zwischenrufen. In der Aussprache bittet »Abg. v. Gerlach« nach dem Freiberger Anzeiger, den Satz über die Ausschreitungen des Antisemitismus zu streichen, und spricht sich gegen ein neues Sozialistengesetz aus; die Dresdner Nachrichten schreiben eine ähnliche Bemerkung einem »Pastor von Gerlach« zu (Neue Bonner Zeitung und Freiberger Anzeiger 10. Dezember, Saale-Zeitung 9. Dezember, Dresdner Nachrichten 10. Dezember 1892).

  27. 1893

    Wiederwahl in den Reichstag im Wahlkreis Köslin ohne Stichwahl (Ergebnisliste im Reichsanzeiger 20. Juni 1893). Im Mai hatten die Konservativen des Wahlkreises Köslin »den bisherigen Vertreter, Landrath a. D. v. Gerlach-Parsow« erneut aufgestellt, die Sozialdemokratie den Viktualienhändler Lotz als Zählkandidaten (Thorner Presse, Mai 1893); die Wahl wurde anschließend im Reichstag geprüft, weil auf Stimmzetteln sein Name durchstrichen und durch Liebermann von Sonnenberg ersetzt worden war (Stenographische Berichte 1894/95).

  28. 1894

    Leitet als Vorsitzender im August 1894 eine außerordentliche Versammlung eines Zweigvereins der Pommerschen Ökonomischen Gesellschaft, die die vom Minister vorgelegten Fragen zum neuen Landwirtschaftskammer-Gesetz berät – Sitz der Kammer in Stettin, Wahlrecht ab 50 Mark Grundsteuer-Reinertrag (Norddeutsche Allgemeine Zeitung 24. August 1894).

  29. 1898

    Das Berliner Adressbuch führt ihn als »v. Gerlach-Parsow, A., Landrath a. D.« in der Leipziger Straße 45 – er behält die Berliner Wohnung also auch nach dem Ausscheiden aus dem Reichstag 1895, denn das Herrenhaus tagt weiter. Die Mitgliederliste desselben Bandes nennt seine Anschriften doppelt: »auf Parsow bei Cratzig und zu Köslin«. In der Stadt, deren Ehrenbürger er war, hatte er eine zweite Wohnung.

  30. 1899

    Für eine landwirtschaftliche Bezirksschau in Köslin, geplant vor der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, übernehmen zwei Vertreter des Kreises die vorbereitenden Schritte: er und der Rittergutsbesitzer Villnow auf Kothlow. Erwogen wird sogar ein großes Pferderennen, falls die Stadtvertretung etwas beisteuert (Stralsunder Tageblatt).

  31. 1900–1907

    Mitglied des Pommerschen Forstvereins: Die gedruckten Verhandlungen führen ihn von 1900 an als »Landrath a. D. von Gerlach-Parsow auf Parsow«. In der Versammlung von 1907 nennt der Vorsitzende ihn unter sechs im Jahr verstorbenen Mitgliedern, und die Anwesenden erheben sich von den Sitzen.

  32. 1902

    Vor der Landwirtschaftskammer berichtet er über Alumnate, Freiplätze und Stipendienfonds an den landwirtschaftlichen Winterschulen. Die Versammlung nimmt eine Entschließung an: Wer eine Ackernahrung neu erwirbt, muss alle Mittel in das Anwesen stecken – die Söhne brauchen trotzdem eine landwirtschaftliche Bildung, also sollen die Kreise dafür sorgen (Stralsunder Tageblatt).

  33. 9. Februar 1906

    Der Landrat von Eisenhart-Rothe lässt im Kösliner Kreisblatt bekanntmachen, sein Vorgänger sei vom 9. Februar an »auf längere Zeit verreist«; die Geschäfte führe so lange der Stellvertreter Gutknecht-Warnin. Am 28. April meldet dasselbe Blatt die Rückkehr. Elf Wochen fort, sieben Monate später tot – die Sonder-Ausgabe vom 20. September spricht von langen, qualvollen Leiden. Wohin er fuhr, sagt keine der beiden Bekanntmachungen. Sie verraten aber ein Amt, das bisher nicht verzeichnet war: Nach dem Abschied vom Landratsamt 1891 stand er dem Amtsbezirk vor, in dem sein eigenes Gut lag.

  34. September 1906

    Zwei Wochen vor seinem Tod steht der Name noch in einer amtlichen Liste. Nach Paragraph 107 der Kreisordnung scheidet mit dem Jahresende die Hälfte der Abgeordneten jedes Wahlverbandes aus dem Kösliner Kreistag aus. Im Wahlverband der größeren Grundbesitzer sind es sechs, an vierter Stelle »von Gerlach-Parsow«, zwischen von Rhade-Funkenhagen und von Kameke-Varchmin. Die Ergänzungswahlen setzt das Blatt auf den November an. Er erlebt sie nicht mehr.

  35. 1906

    Tod am 20. September früh auf Parsow (Berliner Börsen-Zeitung vom 21. September); Nachfolge durch den Sohn Carl August. Das Herrenhaus ehrt sein Andenken in der Sitzung vom 9. Januar 1907 durch Erheben von den Sitzen (Reichsanzeiger). Seinen Sitz im Herrenhaus erhält durch Erlass vom 18. Februar 1907 der Rittergutsbesitzer Richard von Blankenburg auf Schötzow – dem Gut, das 1781 bis 1796 den Gerlachs gehört hatte (Berliner Börsen-Zeitung 5. März 1907). Die Schlawer Zeitung nennt die Stunde – früh um dreiviertel acht, im Alter von sechsundsiebzig Jahren – und hält fest, dass er auch bei politischen Gegnern als aufrichtig und wohlwollend galt. Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Pommern widmet ihm einen eigenen Nachruf: Er gehörte ihr seit der Errichtung an, arbeitete in den Ausschüssen für das landwirtschaftliche Vereinswesen und für das Forstwesen und führte den Vorsitz im Kuratorium der landwirtschaftlichen Winterschule zu Köslin. Den Vorsitz des Landwirtschaftlichen Vereins Köslin übernimmt nach ihm Landrat von Eisenhart-Rothe.

  36. 20. September 1906

    Noch am Todestag druckt sein Kreis eine Sonder-Ausgabe: Nummer 74 des Kösliner Kreisblatts, ein einziges Blatt mit Trauerrand. »Am 20. d. Mts. in der Frühe ist der Königliche Landrat a. D. Herr August von Gerlach-Parsow von langen, qualvollen Leiden durch den Tod erlöst.« Dreiunddreißig Jahre habe er an der Spitze des Kreises Köslin gestanden; unter seiner Amtsführung sei der alte Fürstentümer Kreis 1868 in die Kreise Köslin, Kolberg-Körlin und Bublitz geteilt worden. Als er 1891 aus seinem Amte schied, sei das Verhältnis zu den Bewohnern unverändert bestehen geblieben, »es wuchs aber noch von Jahr zu Jahr die Verehrung und Bewunderung für den seltenen Mann«. Gezeichnet ist der Nachruf vom Kreisausschuss und von seinem Nachfolger im Amt, dem Landrat von Eisenhart-Rothe.

  37. 22. September 1906

    Zwei Tage später steht in der nächsten regulären Ausgabe der Nachruf der Stadt, gezeichnet von Magistrat und Stadtverordneten: verstorben sei der »Königliche Landrat a. D., Rittergutsbesitzer Herr August von Gerlach-Parsow, Mitglied des Herrenhauses und Ehrenbürger der Stadt Köslin«. Der Satz über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts läuft im Druck über die Trauerumrandung und ist nur teilweise zu lesen.

  38. 1925

    Das Kösliner Heimatbuch führt ihn unter den bedeutenden Männern der Stadt – neben dem Physiker Rudolf Clausius und dem Dichter Hermann Grieben – als »Landrat des Fürstentümer und Kösliner Kreises, Ehrenbürger der Stadt Köslin«. Sein Todestag steht dort verdruckt als 27. September; die Zeitungen vom September 1906 belegen den 20.

  39. Kinder

    Asta (1863–1948) ⚭ 1885 Carl Freiherr von Pachelbel-Gehag; Luise (1866–1947) ⚭ 1891 Manfred von Richthofen; Hertha (1871–1958) heiratet 1907 Adolf Friedrich Reichsgraf von der Schulenburg (1855–1925), Forstmann, 1897–1905 Oberförster in Walsrode, Rittmeister der Reserve im Regiment der Gardes du Corps und ab 1911 Fideikommissherr auf Beetzendorf und Osterwohle in der Altmark – ein Gedenkstein auf dem Gutsfriedhof Beetzendorf erinnert an das Paar (Leers 1914 Nr. 1274; Wikipedia); Carl August (1883–1945) folgt im Fideikommiss.

  40. Der Sohn Klaus

    Klaus (1875–1955) – der Rufname steht für Nikolaus, unter dem ihn die Rohrbecker Chronik als Landrat führt – wird zum Gedächtnis der Familie. Von 1910 bis 1938 legt er die Mappen an, die heute das Familienarchiv ausmachen, und korrespondiert dafür mit dem Stettiner Staatsarchivar Georg Kupke, mit Melle Klinkenborg vom Geheimen Staatsarchiv, mit Herman von Petersdorff, Erich Wentscher und Albrecht von Houwald. 1910 schlägt ihn der Kreistag in Bütow zum Landrat vor, von 1918 an sitzt er im Aufsichtsrat der Kolberger Kleinbahn. 1954 bringt er das Archiv nach Erlangen.

Bilder

  • nach 1958Gedenkstein auf dem Schulenburgschen Gutsfriedhof am Eiskuhlenberg bei Beetzendorf (Altmark) für Augusts Tochter Hertha (23. Februar 1871 – 14. Januar 1958) und ihren Mann Adolf Friedrich Reichsgraf von der Schulenburg auf Beetzendorf und Osterwohle (3. Juli 1855 – 13. September 1925); Bibelworte Jesaja 35,10 und 2. Timotheus 1,7–8.

    Kirchenfan, Wikimedia Commons, CC0

Quellen und Literaturangaben

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