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Wappen Familie von Gerlach
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Berndt von Gerlach

1828 – 1889

Landrat · Begründer des Hauses Nordhausen

Stammsitz: Haus Nordhausen (Neumark)

Im Stammbaum

Berndt von Gerlach, Sohn des Generals Leopold von Gerlach und Enkel des Berliner Oberbürgermeisters Carl Friedrich Leopold, war Landrat und Ritterschaftsrat sowie von 1886 bis zu seinem Tod 1889 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. 1860 heiratete er Maria Gräfin von Kanitz. Als Mitbesitzer von Gut Rohrbeck blieb er dem väterlichen Zweig der Familie eng verbunden, begründete zugleich aber mit seinen Nachkommen das eigene Haus Nordhausen in der Neumark – benannt nach dem gleichnamigen Gut, das im 20. Jahrhundert im Besitz seiner Familie war. Fortgeführt hat den Zweig sein 1879 in Rohrbeck geborener Sohn Berndt-Leopold, Rittmeister der Reserve und zuletzt Gutsherr auf Nordhausen, gestorben 1948.

Chronik

  1. 1828

    Geboren am 15. Februar in Berlin als Sohn des Generals Leopold von Gerlach und der Johanna geb. Gräfin von Küssow.

  2. 1859–1861

    Im Mai 1859 wird der Referendar Bernhard Georg Wilhelm von Gerlach zum Gerichtsassessor im Bezirk des Kammergerichts ernannt; im Februar 1861, wenige Wochen nach dem Tod des Vaters, erhält er auf eigenen Antrag die Entlassung aus dem Justizdienst, um Rohrbeck zu übernehmen (Justiz-Ministerialblatt 27. Mai 1859, 23. Februar 1861).

  3. 1860

    Heirat am 25. September auf Podangen mit Maria Adelaide Emilie Gräfin von Kanitz (1839–1909), Tochter Emils von Kanitz und der Charlotte geb. von Sydow. Kinder: Elisabeth (* 1861), Ulrike (1863–1940, ⚭ Günther Graf Finck von Finckenstein), Marie (* 1865), Charlotte (* 1869), Agnes (1875–1878) und Leopold (* 1879). Der Vater und der Onkel Ernst Ludwig wohnen der Hochzeit bei – die letzte gemeinsame Familienfeier der Brüder (Kraus 1994).

  4. 1863

    Der Staats-Anzeiger nennt ihn Premierleutnant im 2. Landwehr-Dragoner-Regiment und Gerichtsassessor »auf Rohrbeck bei Schönfließ«.

  5. 1864

    Übernimmt nach der Erbteilung das väterliche Gut Nordhausen (pl.wikipedia: »ab 1864«); in den 1880er Jahren baut er dort das neugotische Herrenhaus und gründet den Johanniter-Kreisverein in Königsberg. Der Gotha nennt ihn »Gutsherr auf Nordhausen und einem Drittel Rohrbeck«.

  6. 1875

    Kandidiert im September als »Ritterschaftsrath von Gerlach in Rohrbeck« bei der Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreis Frankfurt 3 (Königsberg Nm.) und unterliegt dem Nationalliberalen Schroeder (Reichsanzeiger 28. September 1875).

  7. 1876–1889

    Landrat des Kreises Königsberg in der Neumark, Nachfolger Albert von Levetzows; Major, Ritterschaftsdirektor, Rechtsritter des Johanniterordens (Ritterschlag 1878). Herr auf Rohrbeck und Nordhausen. Die Ernennung des »Kreisdeputirten Berndt Georg Wilhelm von Gerlach auf Rohrbeck« meldet der Reichsanzeiger am 27. Juni 1876.

  8. 1878

    Die Berliner Porträtmalerin Rosa Petzel (1831–1912) malt in Berlin zwei Ölbilder: »Herr u. Frau Landrat v. G.«. Es bleibt nicht dabei – 1885 malt sie ihn noch einmal auf Rohrbeck, 1897 seine Witwe auf Nordhausen. Verzeichnet ist das in den Tagebüchern der Malerin, die ihre Familie bearbeiten lässt; von den Bildern selbst fehlt jede Spur. Wie diese Hand aussah, lässt sich inzwischen sehen: Drei Arbeiten Rosa Petzels sind öffentlich nachweisbar, alle in der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Ein Pastell von 1876, das Bildnis einer unbekannten jungen Frau; ein Kinderbildnis von 1880; und eine Lithographie nach einem ihrer Ölbilder, das Bildnis eines Herrn von Alvensleben. Von sechshundertzwölf Bildnissen sind das drei.

  9. 1879

    Im Juli wird der Sohn Berndt-Leopold geboren (Familiennachrichten der Kreuzzeitung, Norddeutsche Allgemeine Zeitung 18. Juli 1879). Die Gedenkblätter des Kürassier-Regiments Königin nennen den Tag und die vollen Namen: geboren am 13. Juli 1879 in Rohrbeck als Emil Bernd-Leopold von Gerlach.

  10. 1880/81

    Am 26. Oktober 1880 wird auf Rohrbeck die Hochzeit des Generals à la suite Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort mit Margarethe Gräfin von Kanitz gefeiert, der Schwester seiner Frau – die Eltern der Braut leben nicht mehr (Hallische Zeitung 23. Oktober 1880). Im Juli 1881 sitzt er mit Lehndorff an der Tafel Kaiser Wilhelms I. in Bad Gastein (Dresdner Anzeiger 24. Juli 1881). Bei der Taufe des Lehndorffschen Kindes im Oktober 1881 in Berlin – Kaiser Wilhelm I., Moltke und Bismarcks Schwiegersohn Graf Rantzau als Paten – ist »Frau v. Gerlach-Rohrbeck« Patin (Hannoverscher Kurier 28. Oktober 1881).

  11. 1884

    Die brandenburgische Provinzialsynode wählt ihn im November – neben Hofprediger Stoecker und Generalsuperintendent Schulz – zu ihren Abgeordneten für die Generalsynode der evangelischen Landeskirche (Berliner Tageblatt 19. November 1884).

  12. 1886–1889

    Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Zugleich Mitglied des Brandenburgischen Provinziallandtags, dessen Alterspräsident von Bornstedt ihn im März 1890 unter den verstorbenen Mitgliedern ehrt; am 25. Juni 1878 empfängt der »Major a. D. und Landrath Berndt von Gerlach auf Rohrbeck bei Schönfließ« in der Ordenskirche zu Sonnenburg den Ritterschlag zum Rechtsritter des Johanniterordens (Reichsanzeiger 4. Juli 1878; Norddeutsche Allgemeine Zeitung 5. März 1890). Gewählt im November 1885 für den Wahlkreis Königsberg in der Neumark als Nachfolger des Freiherrn von Dobeneck, neben dem wiedergewählten von Neumann (Kölnische Zeitung 6. November 1885).

  13. 1889

    Tod am 1. Dezember in Rohrbeck. Von seinen sechs Kindern führt der Sohn Leopold – Berndt-Leopold (1879–1948) – das Haus Nordhausen fort. Die Berliner Börsen-Zeitung meldet den Tod des »Landrath Major a. D.« nach kurzer Krankheit. Kurz zuvor, im Oktober 1889, war er als erstes Mitglied der Berufsgenossenschaften und Ausführungsbehörden für die landwirtschaftliche Unfallversicherung in das Reichsversicherungsamt gewählt worden (Hallesches Tageblatt 3. Oktober 1889); die Presse nennt ihn »Landrath, Major a. D. Berndt v. Gerlach, ein Sohn des Generals Leopold von Gerlach« (Duisburger Tageblatt 5. Dezember 1889).

  14. 1889

    Ein Berliner Verzeichnis der bekannten Einwohner führt ihn als »Landrath, Major a. D., Mitglied des Abgeordnetenhauses (Rohrbeck)« mit der Wohnung Pariser Platz 2 – in der ersten Adresse der Stadt, neben dem Brandenburger Tor. In derselben Spalte steht sein Vetter Servatius von Gerlach, Sekondeleutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment, Lankwitzstraße 9, geboren am 1. März 1868.

  15. 1893

    Das von ihm ins Leben gerufene Johanniter-Krankenhaus in Königsberg in der Neumark erhält 10.000 Mark Beihilfe – die Zeitung nennt ihn dabei »Rechtsritter« des Ordens (Norddeutsche Allgemeine Zeitung, 1. März 1893). Das Ordenskapitel unter Prinz Albrecht bewilligt der Brandenburgischen Provinzialgenossenschaft 10.000 Mark zur Übernahme des Hauses (Berliner Tageblatt 1. März 1893).

  16. 1896

    Tochter Marie (1865–1931) heiratet am 8. Januar 1896 in Nordhausen Rudolf von der Schulenburg (1860–1930), Landrat des Kreises Oschersleben, später Regierungspräsident in Potsdam und Oberpräsident der Provinz Sachsen; Enkel Werner (* 1897), Bernd (* 1900) und Elisabeth (* 1902) – ein Beleg, dass die Familie nach Berndts Tod auf Nordhausen lebt (Reichsanzeiger 11. Januar 1896; der Gotha nennt 1895). Im Februar 1914 wird der Schwiegersohn zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg berufen (bis 1917, danach Provinz Sachsen); die Presse stellt ihn dabei als Ehemann Maries vor, »der Tochter des 1889 verstorbenen Landrates des neumärkischen Kreises Königsberg Berndt von Gerlach auf Rohrbeck und der Gräfin Maria von Kanitz« (Weißeritz-Zeitung 4. Februar 1914).

  17. 1908

    Zum sechzigjährigen Bestehen der Kreuzzeitung erscheint das Erinnerungsbuch »An der Wiege der Kreuz-Zeitung«. In der Liste derer, die dazu beitrugen, steht seine Witwe – »Frau v. Gerlach, geborene Gräfin Kanitz, in Potsdam, Schwiegertochter des Generaladjutanten König Friedrich Wilhelms IV.« – und wenige Zeilen darunter der »Fideikommißbesitzer v. Gerlach-Parsow«, also Carl August. Die beiden Zweige der Familie hielten die Verbindung.

  18. 1909

    Seine Witwe Maria geb. Gräfin von Kanitz stirbt im Oktober auf Nordhausen (Todesanzeige im Reichsanzeiger 29. Oktober 1909).

Quellen und Literaturangaben

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