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Wappen Familie von Gerlach
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Carl Heinrich von Gerlach

1783 – 1860

Erster Fideikommissherr auf Parsow-Schwemmin · Landrat des Kreises Fürstenthum

Stammsitz: Parsow, Schwemmin, Trienke, Drosedow (durch seine Frau)

Im Stammbaum

Carl Heinrich von Gerlach, Sohn Ludwig Wilhelm Augusts und der Henriette von Braun, war der erste Inhaber des Familienfideikommisses Parsow-Schwemmin. Von 1812 bis 1839 amtierte er als Landrat des Kreises Fürstenthum, ab 1824 zugleich als Mitglied und stellvertretender Landtagsmarschall des pommerschen Provinziallandtags; später gehörte er dem Preußischen Herrenhaus an. Seine Frau Charlotte Wilhelmine von Beyme (1792–1870), einzige Erbin des preußischen Großkanzlers Carl Friedrich von Beyme, brachte die Güter Trienke und – durch eigenen Kauf 1840 – Drosedow sowie vorübergehend mehrere Güter vor den Toren Berlins in die Familie. Söhne des Paares waren Bogislav (1822–1874) und August (1830–1906), die das Fideikommiss nacheinander übernahmen. Carl Heinrich von Gerlach starb 1860.

Chronik

  1. 1783

    Geboren als Sohn Ludwig Wilhelm Augusts.

  2. 1794–1801

    Zögling der Ritterakademie Brandenburg (Nr. 757); danach Referendar am Kammergericht (Leers, Die Zöglinge der Ritterakademie, 1914).

  3. 1801

    Am 25. September wird er in Göttingen als Jurist immatrikuliert, aus Halle kommend. Die Matrikel vermerkt beim Vater »Präsident des Hinterpommerschen Hofgerichts zu Cöslin« (Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734–1837).

  4. 1804

    Die Vasallentabelle des Fürstentums Cammin führt ihn, zwanzig Jahre alt, als Studenten in Halle; der Vater steht darin mit Parsow A und B und Schwemmin, taxiert auf 30.000 Taler (Klempin/Kratz 1863).

  5. 1809

    Erster Inhaber des neu errichteten Fideikommisses Parsow-Schwemmin.

  6. 1812–1839

    Landrat des Kreises Fürstenthum. Für seine Dienste in den Befreiungskriegen trägt er das Eiserne Kreuz am weißen Bande (Leers 1914). Zu seinem Ausscheiden 1839 führt das Geheime Zivilkabinett eine Akte »Gerlach, von. Landrat« (GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 7634). Wie er in das Amt kam, erzählt ein Aufsatz der Baltischen Studien aus den Regierungsakten: Am 1. Juni 1812 nahm der bisherige Landrat von Hellermann wegen eines Augenleidens seinen Abschied; das Ministerium bestimmte an seiner Stelle den im Kreise ansässigen kurmärkischen Regierungsassessor von Gerlach auf Parsow zum interimistischen Landrat. Die Kreisstände remonstrierten durch ihre Landesrepräsentanten, weil ihr Wahlrecht übergangen worden war – er blieb dennoch und wurde 1818 endgültig ernannt.

  7. 1813

    Wofür er das Eiserne Kreuz am weißen Bande trug, sagt eine Untersuchung über den pommerschen Landsturm: Sein Kreis stellte mit einundzwanzig Bataillonen die höchste Zahl der ganzen Provinz. Weil er so groß und langgestreckt war, riet die Regierung, für mehrere Unterbezirke je einen eigenen Anführer zu bestellen; er teilte ihn darauf in die drei »Haupt- oder Brigadebezirke« Bublitz, Körlin und Köslin zu je sechs bis sieben Unterbezirken und gewann nach langem Bemühen drei höhere Offiziere für die Führung. Am 25. Mai meldet er, Köslin und Kolberg hätten je eine Reiter-, zwei Schützen- und drei Lancierkompanien aufgestellt und wünschten, sich »aus von Kauffahrteischiffen zu erhaltenden Kanonen eine Batterie zu bilden«.

  8. 1813 (Abzeichen)

    Ein Detail, das der Historiker rügt: Für die Abzeichen des Landsturms fasste er je drei Unterbezirke zu einer Farbe zusammen – Nummer 1 bis 3 Schwarz, 4 bis 6 Gelb, 7 bis 9 Weiß, 10 bis 12 Hellgrün, 13 bis 15 Braun, 16 bis 18 Hellblau, 19 bis 21 Rot –, verzichtete aber innerhalb der Gruppen auf unterscheidende Einfassungen. Damit taugte das Abzeichen nicht mehr zur Unterscheidung: »es war nichts weiter als ein Zierat«. Für Kolberg verfügte das Militärgouvernement am 21. Mai eigens, auf die Pflichten der Bürgerschaft zur Verteidigung der Festung Rücksicht zu nehmen.

  9. 1814

    Heirat mit Charlotte Wilhelmine von Beyme (Weittenhiller 1878); ihr Vater, Staatsminister Beyme, schreibt ab 1817 an »seine Tochter Charlotte von Gerlach und seinen Schwiegersohn Karl Heinrich von Gerlach, Landrat zu Köslin« (Briefe 1817–1820 und 1837–38 im Familienarchiv von Winterfeld, BLHA). Die Verlobung zeigen die Eltern der Braut am 28. April 1814 aus Stargard an – »unserer einzigen Tochter mit dem Herrn Landrath des Fürstenthums-Kreises von Gerlach zu Cöslin«, gezeichnet »Beyme, Königl. Preuß. Großkanzler u. Civil-Gouverneur« und »E. C. E. Beyme, geborne Meyer« (Berlinische Nachrichten 3. Mai 1814).

  10. um 1815

    Ein Kreiseinteilungsentwurf der pommerschen Regierung, den die Baltischen Studien 1930 aus den Akten veröffentlichen, sieht ihn als Kreisdirektor der sechsten Kreisdirektion vor: Fürstentümer Kreis mit Einschluss von Kolberg, 49.321 Einwohner, Kreisstadt Köslin. Am umstrittenen Zuschnitt dieses ungewöhnlich großen Kreises wollte der Entwurf nichts ändern.

  11. 1821

    Erhält – so Bagmihl 1843 – durch seine Ehe das Gut Trienke mit dem Vorwerk Zauchram.

  12. 1824

    Mitglied und stellvertretender Landtagsmarschall des pommerschen Provinziallandtags.

  13. 1827

    Der zweite Pommersche Provinziallandtag tagt vom 14. Januar bis 24. Februar in Stettin; Vorsitzender ist von Arnim, sein Stellvertreter ein von Gerlach – nach Amt und Landsmannschaft mit großer Wahrscheinlichkeit der Landrat des Kreises Fürstenthum. In den gedruckten Verhandlungen ergreift ein »Abgeordneter von Gerlach« das Wort.

  14. 1839

    Am 13. Juli beantragt der »Landrat von Gerlach auf Steglitz« im Namen seiner Frau, die das väterliche Erbe im Jahr zuvor übernommen hatte, gegen die zehn lassitischen Hofwirte zu Schmargendorf die Regulierung der gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse. Am selben Tag beantragen die Zehn die Spezialseparation, also die Auflösung der Gemengelage ihrer Äcker, dazu die Ablösung des Schafhütungsrechts, das dem Rittergut Wilmersdorf auf ihrem Land zustand. Die Namen sind überliefert: Gerike, Tübbecke, Grüneberg, Donner, Dahlmann, Christoph Schmidt, Johann Schmidt, Georg Balz, Michel Balz und Hersprung. Der Rezess kam erst 1856 zustande, lange nach dem Verkauf: Die Gutsherrschaft verzichtete auf alle Dienste und Abgaben, die Bauern traten dafür ein Drittel ihres Landes ab, 467 Morgen und 20 Quadratruten (Adressbuch der westlichen Berliner Vororte 1904, nach Willy Spatz).

  15. 1840

    Seine Frau Charlotte erwirbt das Nachbargut Drosedow.

  16. 1841

    In einer Namensliste, die Stettiner und Stralsundische Zeitung 1841 gleichlautend abdrucken – Landmarschall, Landräte, Kreisdeputierte und Rittergutsbesitzer der Provinz –, steht an zehnter Stelle »Landrath v. Gerlach, auf Parsow«, zwischen dem Rittergutsbesitzer von Flemming auf Bassentin und dem Landschaftsrat von Hagen auf Premslaff.

  17. 1843

    Lässt das Familienwappen in Bagmihls Pommersches Wappenbuch aufnehmen und liefert die Angaben zur Güterfolge; er steht unter den Subskribenten des Werks.

  18. 1845

    Er lässt drucken. Der Antrag Nummer 30 an die kreisständische Versammlung vom 17. Dezember sah vor, den Kreis zu teilen; dagegen schreibt er acht Seiten: »Der Fürstenthum Camminsche Kreis in Hinterpommern. Gewidmet den Ständen des Kreises«. Er führt die Geschichte des Kreises vom zwölften Jahrhundert an vor – Bistum Cammin, Westfälischer Friede, Einverleibung durch den Landtagsrezess vom 11. Juli 1654, der erste Landrat Jacob von Heydebreck – und schließt mit vier Gründen: die Unteilbarkeit sei durch Rezesse und königliche Erklärungen bestimmt und der Name stehe im königlichen Titel und im Wappenschild; die Verteidigung von Colberg brauche einen leistungsfähigen Kreis; ein zweites Landratsamt koste den Staat mindestens zweitausend Taler; und es sei 1845 noch weniger als 1816 an der Zeit, »Trennungen, und durch solche Uneinigkeiten herbeizurufen, Uneinigkeiten, welche in der Kirche und in den Staats-Verhältnissen Deutschlands bereits dermaßen vorhanden sind, ohne daß es nöthig ist, solche auch noch dem eignen Haushalte hinzuzuführen«. Unterschrieben: »Parsow bei Cörlin, im Monat Dezember 1845. von Gerlach, vormals Landrath und zeitiger Abgeordneter der Ritterschaft«. Geteilt wurde der Kreis 1872 doch; der Kolberg-Körliner Kreis entstand.

  19. 1847

    Mitglied des Ersten Vereinigten Landtags in Berlin: Die Kölnische Zeitung führt ihn am 17. April unter den Abgeordneten der Provinz Pommern als Nr. 97, »Landrath a. D., zu Parsow, Fürstenthumer Kreis«.

  20. um 1850

    Er gehörte der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthumskunde an, die die Baltischen Studien herausgibt. Deren vierzehnter Band verzeichnet ihn unter den Mitgliedern, die »durch freien Entschluß« ausgeschieden sind – aus der Gesellschaft also, deren Zeitschrift heute die genauesten Nachrichten über ihn liefert.

  21. 1854

    Mitglied des Preußischen Herrenhauses bis zu seinem Tod. Als ältestes Mitglied eröffnet er 1855 und 1858 als Alterspräsident die Sitzungen des Herrenhauses (Altonaer Mercur 2. Dezember 1855; Magdeburgische Zeitung 13. Januar und 27. Oktober 1858). Seinen Tod zeigt sein Sohn Bogislav dem Präsidenten des Herrenhauses, Prinz zu Hohenlohe, schriftlich an; das Haus gedenkt des »von uns Allen hochverehrten« Mitglieds (Stenographische Berichte des Herrenhauses 1860). Die »Chronik des Preußischen Herrenhauses« von 1885 gibt die Daten genau: geboren am 1. März 1783, berufen für den Landschaftsbezirk Kassuben durch Allerhöchsten Erlass vom 24. November 1854, eingetreten am 30. November 1854, gestorben am 12. April 1860. Denselben Landschaftsbezirk vertrat später sein Sohn August; der zweite Sitz des Bezirks gehörte Theodor von Kleist auf Schmenzin, der ihn 1867 verlor, als er seinen landtagsfähigen Besitz verkaufte.

  22. 1860

    Tod; Nachfolge im Fideikommiss durch den Sohn Bogislav. Er stirbt am 12. April auf Parsow; die Kölnische Zeitung würdigt ihn als Mitglied des Herrenhauses »für den alten und befestigten Grundbesitz des Fürstenthums Cammin«, das »als Alterspräsident des hohen Hauses fungirte« (18. April 1860).

  23. Kinder

    Carlos Ludwig (1815–1837), Sekondeleutnant im Husaren-Regiment Nr. 5, stirbt am 3. Juli 1837 auf Parsow; Henriette (* Parsow 1820, † Köslin 1876) heiratet 1838 auf dem Beyme-Gut Steglitz den Rittmeister Gustav von Plötz; Bogislav (1822–1874) folgt im Fideikommiss; Anna Emilie Adelheid (* Parsow 1825) heiratet 1842 auf Parsow Major August Gneomar von Bassewitz; August (1830–1906) wird Landrat und Reichstagsabgeordneter (Leers 1914; Gotha; Wikipedia).

Quellen und Literaturangaben

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