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Wappen Familie von Gerlach
Alle Persönlichkeiten

Charlotte von Gerlach geb. von Beyme

1792 – 1870

Erbin des Großkanzlers Beyme · Erwerberin von Gut Drosedow

Stammsitz: Trienke, Drosedow, vorübergehend Steglitz · Dahlem · Schmargendorf · Ruhleben

Im Stammbaum

Charlotte Wilhelmine von Gerlach geb. von Beyme war die einzige überlebende Tochter des preußischen Großkanzlers Carl Friedrich von Beyme (1765–1838, geadelt 1816) und der Charlotte Ernestine Meyer, Tochter des Kolberger Bürgermeisters Salomon Meyer. Über ihre Mutter erbte sie das Rittergut Trienke, über ihren Vater 1838 die Gutsdörfer Steglitz, Dahlem, Schmargendorf und Ruhleben vor den Toren Berlins, die sie 1841 an den preußischen Domänenfiskus verkaufte. 1840 kaufte sie zusätzlich das benachbarte Gut Drosedow. Durch ihre Heirat mit Carl Heinrich von Gerlach kamen diese Güter in Familienbesitz und bildeten, neben Parsow und Schwemmin, den Kern des pommerschen Gutsbesitzes der Familie bis 1945. Ihr Todesjahr wird in den Quellen unterschiedlich mit 1870 oder 1872 angegeben.

Chronik

  1. 1792

    Geboren als Tochter Carl Friedrich von Beymes und der Charlotte Ernestine Meyer.

  2. 1814

    Heirat mit Carl Heinrich von Gerlach; Briefe ihres Vaters an das Paar setzen 1817 ein (BLHA, Familienarchiv von Winterfeld). Die Tochter Henriette wird 1820 auf Parsow geboren und heiratet 1838 in Steglitz. Die Verlobungsanzeige ihrer Eltern datiert vom 28. April 1814 aus Stargard, wo Beyme als Zivilgouverneur amtiert (Berlinische Nachrichten 3. Mai 1814).

  3. 1821

    Trienke mit dem Vorwerk Zauchram kommt in die Ehe – die Landrätin Meyer hatte es ihrer Tochter, Charlottes Mutter, als Mitgift gegeben.

  4. 1838–1841

    Nach dem Tod ihres Vaters im Dezember 1838 ist sie Alleinerbin der vier Gutsdörfer vor den Toren Berlins – Steglitz, Dahlem, Schmargendorf und das Vorwerk Ruhleben. 1841 verkauft sie den ganzen Komplex an den preußischen Domänenfiskus; aus Dahlem wird die Staatsdomäne, deren Aufteilung ab 1901 das Villen- und Wissenschaftsviertel entstehen lässt (Jürgen Wetzel, Geschichte Dahlems). Schmargendorf hat die drei Jahre nicht vergessen: Als die Gemeinde 1900 bis 1902 ihr Rathaus baute, setzte sie den fünf Saalfenstern die Wappen der fünf Geschlechter ein, denen das Dorf nacheinander gehört hatte; das vierte ist das der Beyme, das fünfte das der Gerlach.

  5. 1857

    Bauers Adressbuch führt sie als Herrin auf Drosedow und Trienke – die Güter laufen auf ihren Namen.

  6. 1838

    Erbt nach dem Tod ihres Vaters die Güter Steglitz, Dahlem, Schmargendorf und Ruhleben. Mit ihnen kommt das Steglitzer Schloss an sie. Der Vater hatte es sich nach seinem ersten Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1807 dort bauen lassen und von ihm aus die Güter bewirtschaftet; an das Haus schloss sich ein Park in englischem Geschmack, dazu ein Weinberg, der später Obstbäume trug, ein Gemüse- und Obstgarten und der mit Kiefern, Birken und Akazien bepflanzte Kieferberg. Der Haupteingang führte von der Dorfaue über einen Vorhof von etwa einem Morgen (Verwaltungsbericht der Gemeinde Steglitz 1875–1909).

  7. 1840

    Kauft das Gut Drosedow von der Familie von Manteuffel.

  8. 1841

    Verkauft die Berliner Güter an den preußischen Domänenfiskus. Das Haus behielt der Staat und überließ es verdienten Männern als Wohnung: dem Generalleutnant von Rauch, dem Grafen von Brühl und 1853 dem Feldmarschall von Wrangel. Nach ihm heißt es bis heute Wrangelschlösschen; es steht an der Steglitzer Schloßstraße. Die Ländereien des Rittergutes, gut neunhundert Morgen, teilte der Fiskus 1848 auf.

  9. 1870/1872

    Tod (Quellen nennen unterschiedliche Jahre).

Bilder

  • 1902So stellte die Gemeinde ihren Neubau der Fachwelt vor: eine Chromolithographie R. Wollmanns als Farbtafel im ersten Heft des fünften Jahrgangs der »Berliner Architekturwelt«. Der begleitende Aufsatz nennt die Bauzeit – 1. Juni 1900 bis 1. Juni 1902 – und beschreibt, was in den fünf Saalfenstern stand: die Wappen der fünf Geschlechter, die das Markgrafendorf besessen hatten, als letztes das der Gerlach.

    R. Wollmann · Berliner Architekturwelt 5 (1902/03), Heft 1, Farbtafel, Verlag Ernst Wasmuth · Zentral- und Landesbibliothek Berlin, gemeinfrei

  • 1902Das Rathaus Schmargendorf, 1900 bis 1902 nach Plänen J. Otto Kerwiens gebaut, im Jahr der Fertigstellung – noch mit Lattenzaun und offenem Feld. Die fünf hohen Spitzbogenfenster im Mittelteil sind die Fenster des Ratssaals: In ihrer Verglasung standen die Wappen der fünf Geschlechter, denen das Dorf gehört hatte, das fünfte war das der Gerlach. Darüber die Glasmosaiken, die es noch gibt: im obersten Staffelfeld der märkische Adler, über den fünf Fenstern das preußische Königswappen, seitwärts die Wappen der vier Markgrafengeschlechter.

    Frisch · Baugewerks-Zeitung 34 (1902), Nr. 76, Tafelbeilage · Wikimedia Commons, gemeinfrei

  • 1902Der Ratssaal im Jahr seiner Fertigstellung. Der Sandsteinkamin trägt Rudolf Frankes Relief des Feuerzaubers aus der »Walküre« und darüber zwei Wappenschilde; der schmiedeeiserne Kronleuchter hat die Form einer Zinnenkrone und führt an seinem Band ebenfalls Schilde. Die Fensterwand liegt außerhalb des Bildes – eine Aufnahme der fünf Wappenfenster ist bis heute nicht bekannt.

    Frisch · Baugewerks-Zeitung 34 (1902), Nr. 76, S. 1234 · Wikimedia Commons, gemeinfrei

Quellen und Literaturangaben

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