Friedrich von Gerlach
1828 – 1891
Landrat und Oberpräsidialrat · Haus Rohrbeck
Stammsitz: Gut Rohrbeck (Neumark)
⌖ Im StammbaumDr. Friedrich von Gerlach, Sohn Wilhelms, war preußischer Verwaltungsjurist, zunächst Landrat, später Oberpräsidialrat. Mit seiner Frau Marie von Rohr hatte er mehrere Kinder, die das Haus Rohrbeck über Generationen fortführten: Martin (1860–1929) wurde Pfarrer, Servatius (1868–1950) Major, Klaus (1875–1955) ebenfalls Landrat; die Töchter Karin und Luise heirateten in die Familien von Alvensleben und von Hülst ein. Nach dem Verlust des Gutes 1945 blieb Rohrbeck in den polnischen Ortschroniken als Besitz »der Erben der Marie von Gerlach« verzeichnet – ein Beleg dafür, wie eng die Familie noch in der Erinnerung des Ortes mit dem Gut verbunden blieb. Friedrich von Gerlach starb 1891.
Chronik
- 1828
Geboren am 27. Juni in Berlin als vierter Sohn Wilhelms von Gerlach, getauft am 9. Juli. Sein Onkel Ernst Ludwig hält das fest und setzt hinzu, dieser Neffe sei ihm im Greisenalter »mein Freund, meine Stütze und mein Trost in den schweren Kämpfen gegen die Sünden und Irrlehren in Staat und Kirche«.
- 1858
Heirat am 1. Oktober mit Marie von Rohr (1837–1910) aus dem Hause Hohenwulsch. Kinder: Martin (* 1860, Pfarrer, ⚭ 1894 Klara von Treskow), Adolfine (* 1862, ⚭ 1887 Horst von Rosenberg-Gruszczynski), Servatius (* 1868, Major, ⚭ Elsbeth Freiin von Maltzahn), Katharina (1872–1914) und Klaus (1875–1955), Landrat in Bütow und Kolberg-Körlin. Martin, Oberpfarrer, verlobt sich im April 1894 mit Clara von Tresckow aus Schmarfendorf (Berliner Börsen-Zeitung 24. April 1894); Klaus wird 1902 als Regierungsassessor dem Landrat in Mülheim am Rhein zugeteilt und verlobt sich im Oktober 1908 (Reichsanzeiger 28. Oktober 1902, 31. Oktober 1908). Marie stirbt im Oktober 1910 auf Rohrbeck (Reichsanzeiger 31. Oktober 1910).
- 1864–1884
Landrat des Kreises Oschersleben; Mitglied des Provinziallandtags der Provinz Sachsen. Ihm gehört ein Viertel von Rohrbeck. Der Nachruf aus Oschersleben rühmt vor allem den Ausbau des Kreis-Chausseenetzes; 1884 als Oberpräsidialrat nach Danzig versetzt, nimmt er wegen zunehmender Kränklichkeit den Abschied und lebt seither auf Rohrbeck (Hallische Zeitung 1. Dezember 1891). 1867 erhält er die Erlaubnis zur Anlegung des russischen St.-Stanislaus-Ordens zweiter Klasse (Staats-Anzeiger 16. September 1867), 1883 in der großen Ordensliste für die Provinz Sachsen den Kronenorden dritter Klasse (Reichsanzeiger 19. September 1883). 1881/82 führt die Regierung Magdeburg einen »Prozess gegen den Landrat v. Gerlach in Oschersleben wegen Erstattung eines Einkommensteuerausfalls des Rittergutsbesitzers Dettmar zu Crottorf« (Landesarchiv Sachsen-Anhalt, C 28 IIIc Nr. 5).
- 1887
Er lässt die Familiengeschichte der Jahre März 1847 bis April 1851 abschreiben – 474 Seiten, die im Familienarchiv liegen. Die Vorlage stammt von seinen Onkeln Ernst Ludwig und Leopold; die Jahre der Revolution und der Reaktion sollten der nächsten Generation lesbar bleiben.
- 1891
Tod am 24. November nach längerem Leiden auf Rohrbeck – als Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrat, ein Titel, den er beim Abschied aus dem Staatsdienst erhalten hatte; seither hatte er auf dem Familiengut gelebt (Hallische Zeitung, 1. Dezember 1891). Rohrbeck bleibt bis 1945 im Besitz seiner Familie.
- Kinder
Martin (1860–1929) wird im Dezember 1882 in Naumburg Gerichtsreferendar, wechselt dann zur Theologie und heiratet als Pastor im Oktober 1894 Clara von Tresckow; 1906 gehört er als Pastor in Tormersdorf bei Rothenburg (Oberlausitz) dem dirigierenden Komitee der Berliner Missionsgesellschaft an, 1910 heiratet er in zweiter Ehe Eva von Tiedemann und veröffentlicht 1923 einen »Deutschen Führer durch den hebräischen Psalter« (Hallische Zeitung 17. Dezember 1882; Reichsanzeiger 16. Oktober 1894, 2. Juni 1906, 31. Januar 1910; Aufwärts 16. März 1923). Servatius (1868–1950), Major a. D., übernimmt nach dem Tod der Mutter die Bewirtschaftung von Rohrbeck. Aus den Archiven: Martin studiert 1880 in Tübingen Jura und Theologie – die Studentenakte nennt Münster als Geburtsort, Braunschweig als Sterbeort und ihn als Pfarrer in Kraschnitz und Gründer des Brüderhauses »Zoar« in Rothenburg (Oberlausitz); 1897 vertritt er als Anstaltsgeistlicher der Gräfin von der Recke-Volmerstein Kraschnitz bei der Einweihung des Krankenhauses Liebenwerda (Universitätsarchiv Tübingen UAT 40/69,55; Hallesche Zeitung 7. Mai 1897). Servatius heiratet am 12. Oktober 1893 Elsbeth Freiin von Maltzahn und übernimmt von seinem Schwiegervater Ludwig Wilhelm Freiherr von Maltzahn das Rittergut Crampe bei Neuwedell in der Neumark; seine Versorgungsakte als Major liegt im Landesarchiv Berlin (A Rep. 240 Nr. 562; Brandenburgisches Landeshauptarchiv Rep. 53A Kredit 1027/1028). Klaus wird Anfang September 1910 als Regierungsassessor in Bütow zum Landrat ernannt, zeichnet dort noch im Juli 1916 Kriegsbekanntmachungen und sitzt im April 1918 als »Landrat von Gerlach-Kolberg« im Aufsichtsrat einer pommerschen Kleinbahn (Reichsanzeiger 2. September 1910, 3. August 1916, 15. April 1918); seine Personalakte des Innenministeriums (1901–1933) liegt im Geheimen Staatsarchiv (I. HA Rep. 77 Nr. 783). Briefe von Servatius aus den Jahren 1915 bis 1923 liegen im Gutsarchiv Lübbenau der Grafen zu Lynar (Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 37 Lübbenau Nr. 5418/20). Das Pfarrer-Jahrbuch der Kirchenprovinz Sachsen (1897) ergänzt Martins Weg: geboren in Münster in Westfalen am 28. Dezember 1860, Hilfsprediger an der Neumarktkirche in Halle, 1889 Diakonus in Paska, ordiniert am 4. März 1891, dann Oberpfarrer zu St. Bartholomäi in Ziegenrück, wo er 1892 auf der Gnadauer Osterkonferenz über die Frage »Ist uns das Alte Testament noch Gottes Wort?« spricht; als Vorsteher der Diakonenanstalt Kraschnitz verlässt er diese 1898 mit 35 Brüdern und gründet mit Oberpfarrer Ulbrich das Brüderhaus Zoar in Tormersdorf (eröffnet 1899); 1912/13 bittet der Pastor in Tormersdorf das Abgeordnetenhaus um Erhöhung seiner Pension, seinen Ruhestand verbringt er in Blankenburg am Harz. Als Neffe des Präsidenten stellte Martin sein Brüderhaus Zoar der Berliner Mission zur Verfügung: Dort sollten die Bewerber im Kreis gleichgesinnter Diakone zeigen, ob sie für den Missionsdienst taugten – ein Weg, der sich nach dem bisherigen Versuch, die Anwärter in Berlin unterzubringen, als der praktischere erwies.