Ludwig Wilhelm August von Gerlach
1751 – 1809
Präsident des Hofgerichts und Oberlandesgerichts Köslin · Begründer des Parsower Zweigs
Stammsitz: Schloss Parsow, Gut Schwemmin
⌖ Im StammbaumLudwig Wilhelm August von Gerlach, ältester Sohn Friedrich Wilhelms, studierte in Königsberg, Frankfurt (Oder) und Göttingen und wurde 1775 Kammergerichtsrat in Berlin. Nach dem Tod des Vaters 1780 erbte er Parsow und Schwemmin; 1781 erwarb er gemeinsam mit seinem Bruder zusätzlich das Gut Schötzow. 1797 wurde er Präsident des Hofgerichts Köslin und des dortigen Konsistoriums, 1808 erster Präsident des neu gegründeten Oberlandesgerichts Köslin. Er begründete testamentarisch das Familienfideikommiss Parsow-Schwemmin. Seine erste Ehe mit Henriette von Braun (1765–1834), Tochter des Berliner Kommandanten Heinrich Gottlob von Braun, wurde 1788 geschieden; die gemeinsame Tochter Adelheid (1784–1867) heiratete 1801 den späteren Oberpräsidenten Friedrich Magnus von Bassewitz. Ludwig Wilhelm August starb 1809 in Köslin, kurz nach Amtsantritt als OLG-Präsident.
Chronik
- 1751
Geboren in Berlin als ältester Sohn Friedrich Wilhelms. Die Familiengeschichte nennt den 17. August als Geburtstag.
- 1759
Als Schüler der Königlichen Realschule in Berlin (Heckers Gründung von 1747) hält der Achtjährige bei der Schulprüfung und Redeübung vom 17. bis 19. Oktober als Nr. 41 des Programms eine Rede über die Gründe, »warum man verbunden sey, dem Vaterlande zu dienen« – im gedruckten Verzeichnis als »Ludwig August Wilhelm von Gerlach, Eques Meso-Marchicus« (Einem, Glückselige Schulen, Berlin 1759).
- 1775
Kammergerichtsrat in Berlin.
- 1780
Erbt Parsow und Schwemmin; begründet den Parsower Zweig.
- 1781
Gemeinsamer Erwerb von Gut Schötzow mit seinem Bruder Carl Friedrich Leopold.
- 1788
Scheidung von Henriette von Braun.
- um 1792
Im Prozess gegen den »Zopfprediger« Johann Heinrich Schulz stimmt er für dessen Absetzung. Dem Prediger wurde vorgeworfen, über eine Wundererzählung des Neuen Testaments in zwei Teilen gepredigt zu haben: erstens, die Geschichte sei nicht wahr; zweitens, wenn sie wahr wäre, hätte sie kein Interesse für uns (Familiengeschichte 1903).
- 1797
Präsident des Hofgerichts und des Konsistoriums Köslin.
- 1804
Die Vasallentabelle des Fürstentums Cammin verzeichnet den 52-jährigen Hofgerichtspräsidenten mit Parsow A und B und Schwemmin, Gütertaxe 30.000 Taler (Klempin/Kratz 1863); das Ritterschaftsverzeichnis von 1862 datiert das Majorat Parsow-Schwemmin »seit 1806«.
- 1808
Erster Präsident des neu gegründeten Oberlandesgerichts Köslin.
- 1809
Tod in Köslin; testamentarisch bestimmtes Familienfideikommiss Parsow-Schwemmin. Die Familiengeschichte hält fest, dass er aus seinen Gütern einen Fideikommiss für die eigene und für die Rohrbecker Linie machte, und rühmt ihn als tüchtigen Beamten und wohlwollenden, geselligen Mann.