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Wappen Familie von Gerlach
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Wilhelm von Gerlach

1789 – 1834

Vizepräsident des Oberlandesgerichts Frankfurt (Oder) · ältester der vier Brüder

Stammsitz: Gut Rohrbeck (Neumark)

Im Stammbaum

Gustav Wilhelm von Gerlach, ältester der vier Brüder, wurde Vizepräsident des Oberlandesgerichts Frankfurt (Oder). In der sogenannten Demagogenverfolgung verweigerte er als Kammergerichtsrat und Mitglied der Immediat-Untersuchungskommission 1819–1822 Ermittlungen gegen den Verleger Georg Reimer, den Turnvater Friedrich Ludwig Jahn und den Schriftsteller E. T. A. Hoffmann. 1831 gehörte er zu den Mitgründern des konservativen »Berliner Politischen Wochenblatts«. Mit Ida von Chambaud-Charrier (1800–1830) hatte er mehrere Kinder, darunter Friedrich (1828–1891) und Jakob (1830–1908), die Begründer des Hauses Rohrbeck. Nach Wilhelms Tod 1834 übernahm sein jüngerer Bruder Ernst Ludwig 1835 dessen Amt als Vizepräsident.

Chronik

  1. 1789

    Geboren in Berlin als ältester Sohn Carl Friedrich Leopolds.

  2. bis 1812

    Studium der Rechte in Halle, Göttingen und Heidelberg – dieselben Universitäten, die auch seine Brüder besuchen; aus Heidelberg stammen die Verbindungen zur Romantik, über die eine eigene Untersuchung geschrieben wurde.

  3. 1813–1815

    Er tritt als freiwilliger Jäger in das Neumärkische Dragoner-Regiment ein – die Husaren hielt er für sich für unpassend, im »Neumärkischen« sah er einen Bezug auf Rohrbeck. Das Regiment steht zunächst bei Pleß zur Beobachtung der Polen und stößt erst kurz vor der Schlacht zum Blücherschen Korps (Familiengeschichte 1903).

  4. 1819–1822

    Verweigert als Kammergerichtsrat Untersuchungen gegen E. T. A. Hoffmann und andere in der Demagogenverfolgung.

  5. Wo Kläden liegt und wem es gehörte

    Kläden war nie sein Gut. Sein Besitz war Rohrbeck in der Neumark; Kläden ist ein Dorf in der Altmark und gehörte den von Levetzow. Die Verbindung führt über seine Frau: Idas Schwester war mit dem Levetzow auf Kläden verheiratet. Deshalb kam Jakob dort zur Welt – der Onkel notiert es als das Gut des Herrn von Levetzow –, deshalb starb Ida dort drei Wochen später, deshalb wurde am 4. April getauft, dem Geburtstag der Tante Levetzow, und deshalb wuchs das jüngste Kind bei den Levetzows auf. Das Gutsarchiv Kläden liegt heute im Landesarchiv Sachsen-Anhalt: eintausendfünfhundertdrei Einheiten von 1541 bis 1936, darunter die Papiere der Familien von Levetzow, von Lattorff, von Jeetze und von Goldbeck.

  6. Die Papiere seiner Schwiegerfamilie

    In demselben Kläbener Gutsarchiv liegen zwei Akten, die geradewegs zu Idas Familie führen. Die eine regelt 1822 den Nachlass des verstorbenen Leutnants von Chambaud und nennt ihn ausdrücklich den Schwager des von Levetzow auf Kläden (H 120, Nr. 1278). Die andere, von 1790 bis 1795, betrifft die Familienangelegenheiten der Henriette Dorothea von Goldbeck, verehelichte von Chambaud zu Dessau (H 120, Nr. 1072) – Dessau, wo er selbst 1820 heiratete. Dazu kommen dreiundfünfzig Einheiten zur Familie von Goldbeck, von 1631 bis 1856. Kein Stück davon ist digitalisiert; alle liegen in Wernigerode.

  7. Die Akten seiner Ermittlungen

    Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz trägt eine ganze Gliederungsgruppe des Ministeriums des Innern seinen Namen: »Ermittlungen des Kammergerichtsrats Wilhelm von Gerlach (1819–1821)«, eingeordnet unter die Sonderermittlungen einzelner kommissarisch beauftragter Beamter. Sie enthält zwei Bände, und beide betreffen denselben Mann: »Untersuchung gegen Professor Friedrich Ludwig Jahn«, Band 1 für 1819/20, Band 2 für 1820/21 (I. HA Rep. 77, Tit. 25 K Lit. J Nr. 1). Der Turnvater saß von 1819 an in Haft; sein Untersuchungsrichter war damit aktenkundig der ältere der vier Brüder.

  8. 1820

    Heirat mit Ida von Chambaud-Charrier.

  9. 30. November 1820

    Trauung mit Ida von Chambaud-Charrier auf dem Schloss in Dessau. Weil Ida Hofdame war, richtete der Herzog die Hochzeit aus. Zugegen waren seine Brüder Leopold und Ernst Ludwig, nicht aber die Mutter und Otto. Für Ernst Ludwig war der Tag noch aus einem anderen Grund merkwürdig: Man stellte ihn dem Prinzen Friedrich von Preußen vor, dem Bruder der Herzogin – zum ersten Mal in seinem Leben einem königlichen Prinzen.

  10. 1823–1824

    Als Kammergerichtsrat wohnt er bei der Mutter: Die Adressbücher nennen ihn »Hinter der katholischen Kirche 1«, im selben Haus wie die verwitwete Präsidentin und den Bruder Leopold. Es ist die Zeit unmittelbar nach der Demagogenverfolgung, in der er die Untersuchungen gegen E. T. A. Hoffmann verweigert hatte.

  11. 1824–1837

    Ein Erinnerungsbuch von 211 Seiten, im Familienarchiv erhalten, begleitet diese Jahre. Verzeichnet sind darin neben ihm seine Frau Ida (1800–1830) und deren Schwester Bertha von Levetzow geb. von Chambaud (1797–1866), sein Bruder Otto (1801–1849), die Tochter Bertha (1822–1863), der 1837 sechzehnjährig gestorbene Leopold von Gerlach (1821–1837) und Marie von Blanckenburg (1821–1846).

  12. 22. September 1825

    In Berlin wird seine zweite Tochter Luise geboren, in der Familie Wieschen genannt, später die Pastorin Kirsch. Die Zählung ist aufschlussreich: Bis dahin hatte er erst eine Tochter. Söhne zählt sein Bruder fünf: Leopold, Ernst, Friedrich, Jakob – und einen vierten vor Friedrich, der im Stammbaum fehlt.

  13. 1826

    Sein Name fällt am russischen Hof. Sein Bruder Leopold, in Petersburg als Adjutant des Prinzen Wilhelm von Preußen, notiert am 3. April, nach dem Vortrag in der Sache Goßner habe »Se. Kaiserliche Hoheit« mit ihm gesprochen »von demagogischen Umtrieben, von der Wichtigkeit der Rechtsformen, von meinem Bruder Wilhelm, von der Isoliertheit eines Königs ohne Institutionen«. In welchem Sinn er genannt wurde, steht nicht da. Die Reihenfolge der Gegenstände legt es nahe: Wilhelm war der Kammergerichtsrat, der sich in der Demagogenverfolgung geweigert hatte.

  14. 1828/1830

    Die Söhne Friedrich (1828) und Jakob (1830) werden geboren; Ida stirbt 1830 mit 30 Jahren.

  15. 1830

    Vizepräsident des Oberlandesgerichts in Frankfurt an der Oder; dort leitet er auch den Kriminalsenat und stirbt 1834 im Amt.

  16. 10. April 1830

    Drei Wochen nach der Geburt Jakobs stirbt seine Frau Ida in Kläden. Am Ostermontag schreibt er es seinem Bruder Ernst Ludwig, und dieser nimmt den Satz in seine Aufzeichnungen: »Nachdem Ida schon einige Tage ganz wohl aufgewesen, hat sie der Herr am Ostersonnabend, den 10. April, nachmittags 5 Uhr, zu sich genommen.« Wilhelm bleibt mit sieben Kindern zurück; die jüngsten wachsen bei den Levetzows in der Altmark auf.

  17. 1831

    Mitgründer des »Berliner Politischen Wochenblatts«.

  18. Juli/August 1834

    Der Konflikt von 1821 wiederholt sich. Als Präsident des Kriminalsenats in Frankfurt weigert er sich, einen angeblich demagogischen Auskultator festnehmen zu lassen: Der Unterbevollmächtigte der Ministerialkommission, der es verlangt, hat dafür keine in gehöriger Form festgestellte und veröffentlichte Zuständigkeit, und das Verfahren gehört vor die ordentlichen Gerichte. Das Justizministerium erteilt ihm einen Verweis; als er sich nachdrücklich verantwortet, folgt eine ungnädige Kabinettsordre. Leopold und Ernst Ludwig stehen auf seiner Seite.

  19. 20. August 1834

    Die Kabinettsordre erreicht ihn am Dienstag, dem 12. August, in Frankfurt; noch am selben Tag wird er unwohl. Am Donnerstag reist er nach Berlin, um sich zu erklären und Rat zu holen; unterwegs in Müncheberg muss ein Arzt zugezogen werden. Am Sonnabend lässt er sich in das Haus seines Bruders Ernst Ludwig in der Luisenstraße bringen, wo er am Mittwoch, dem 20. August, stirbt. Vorher nimmt er dem Bruder das Versprechen ab, ihm das Herannahen des Todes zu sagen, und vermacht ihm seine vier Söhne. Er wählt selbst die Lieder, die ihm vorgelesen werden; bei der Zeile »mit klugem Herzen suche dich« sagt er: »Ich habe nicht mehr viel Zeit zum Suchen.« Zum Hofprediger, der ihm das Abendmahl bringt: »Ich bin gesund von Frankfurt hergereist, damit Sie mir das Geleit in die Ewigkeit geben.« Das Begräbnis ist am 23. August in Berlin; noch am Todesabend fährt Ernst Ludwig nach Frankfurt und holt die vier Knaben.

  20. 1834

    Tod in Berlin; sein Amt als Vizepräsident übernimmt 1835 sein Bruder Ernst Ludwig. Er stirbt im August, nach Kraus auch vom Tod seiner Frau erschüttert, mitten in einer Auseinandersetzung mit Vorgesetzten; Leopold nannte ihn später einen Mann »aus einem anderen Zeitalter«. Noch im Todesjahr legt das Geheime Zivilkabinett unter »Versorgung und Unterstützung« eine Akte über die »Familie des Oberlandesgerichtspräsidenten von Gerlach« an – die Versorgung der verwaisten Kinder, die der Bruder Ernst Ludwig aufnimmt (GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 7633).

  21. Ein Widerspruch von 1891

    Die Einleitung der Denkwürdigkeiten seines Bruders sagt: »Wilhelm, der älteste, starb 1835 als Oberlandesgerichts-Präsident in Frankfurt a. O.« Beides trifft nach den Briefen der Familie nicht zu. Ernst Ludwig schrieb am 23. August 1834 aus Berlin vom Tod des Bruders drei Tage zuvor, und das Amt war das eines Vizepräsidenten. Der Irrtum hat sich fortgepflanzt: Auch spätere Nachschlagewerke geben 1835 und Frankfurt an.

  22. Nachkommen

    Von den Kindern aus der Ehe mit Ida heiratet Bertha (1822–1863) am 11. Oktober 1842 Friedrich Wilhelm von Kröcher (1810–1891); Leopold (1821–1837) und Ernst (1827–1837) sterben beide 1837, Ulrike (1823–1856) bleibt im Briefwechsel mit dem Onkel Ernst Ludwig; Friedrich und Jakob führen das Haus Rohrbeck fort. Der Sonderbestand Chambaud-Charrier im Gerlach-Archiv bewahrt Papiere von Idas Familie seit 1594. Luise (* 1825), in der Familie »Wieschen«, wird von ihrem Onkel Otto in der neu erbauten Kirche zu Darnewitz eingesegnet, verlobt sich 1848 mit dem Pastor August Kirsch in Kläden und ist 1851 Witwe; sie stirbt als Diakonisse. Neun Konvolute ihrer Briefe an den Onkel Ernst Ludwig aus den Jahren 1837 bis 1876 liegen im Familienarchiv, dazu ein Manuskript über ihre letzten Monate.

  23. Zwei Zeichnungen in Erlangen

    Von ihm ist kein Bildnis bekannt – aber im Erlanger Archiv liegen unter seinem eigenen Bestand zwei Blätter, die eines sein könnten. Das erste, Signatur WI01267, verzeichnet der Katalog als »1 Portraitzeichnung mit Rahmen« und nennt dazu nur zwei Namen: den mutmaßlichen Zeichner Friedrich Meier und ihn selbst. Das zweite, WI01269, ist auf die Zeit vor 1815 datiert und nennt alle vier Brüder. Ein drittes, WI01268, zeigt oder betrifft seine vier Söhne Leopold, Ernst, Friedrich und Jakob. Keines der drei ist digitalisiert; was auf ihnen zu sehen ist, sagt die Titelaufnahme nicht.

Quellen und Literaturangaben

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