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Personenblatt

Otto Gerlach

* vor 1594† nach 1638
♂
Geschlecht
männlich
Geburt
vor 1594
Tod
nach 1638
Alter
mindestens 44 Jahre

Pfarrer zu Eudorf im Amt Alsfeld und zu Holzburg, aus Melsungen. Das Stipendiatenbuch der Universität Marburg führt ihn als »Otto Gerlach von Melsungen, Sohn des Bürgers Martin Gerlach«.1

MARBURG, 1593 BIS 1598

Im Studienjahr 1593/94, unter dem Rektorat Hermann Wolffs, nahm ihn das Pädagogium der Universität Marburg auf; die Matrikel führt ihn in der Liste der Pädagogisten als »Otho Gerlach Milsungensis«.2 Vom 1. April 1594 bis Ende 1597 bezog er das Melsunger Stipendium.3

1598 verteidigte er unter dem Vorsitz des Logikprofessors Rudolph Goclenius eine zweiteilige Disputation, eine physikalische und eine ethische; das Titelblatt nennt ihn einen Melsunger und Hessen. Er widmete den Druck dem Marburger Superintendenten Heinrich Leuchter, dem Ephorus und Theologieprofessor Balthasar Mentzer und dem Pfarrer von Königsberg und Altenstädten, M. Adam Crato, den er »affini & amico suo colendo« nennt (seinem verehrten Verschwägerten und Freund). Das Augsburger Exemplar trägt eine handschriftliche, mit »Respondens« gezeichnete Widmung an M. Helwig Garth, der seit 1595 ebenfalls Stipendiat in Marburg war.4 Im selben Jahr stand er unter den neunzehn Kandidaten, die unter Goclenius öffentlich Thesen verteidigten, um den philosophischen Magistergrad zu erlangen.5

PFARRER ZU EUDORF UND HOLZBURG

Das Stipendiatenbuch nennt ihn 1606 und 1636 Pfarrer in Eudorf und von 1636 bis 1638 Pfarrer in Holzburg.3 1610 steht er unter den Pfarrern des Amts Alsfeld und des Eussergerichts, die bei der Bestellung der Superintendentur Giessen ihr Votum abgaben, ebenso 1626 bei der Neubesetzung nach dem Tod Johann Winckelmanns und 1636 nach dem Tod Johannes Dieterichs.6 Unter den Geschädigten des Kriegsvolks Herzog Christians von Braunschweig, Ernsts von Mansfeld und des Markgrafen von Baden-Durlach, das im Mai und Juni 1622 durch das Land zog, führt das Namensverzeichnis zu den Darmstädter Schadenslisten bei Gerlach den Eintrag »Eudorf: M. Otto, Pfarrer.«7 1624 legte Wilhelm Schetzel zu Merzhausen bei der Lutherischen Superintendentur Marburg eine Fürsprache für den Pfarrer zu Eudorf ein; sie liegt unter den Bewerbungen um Pfarrstellen.8

Unter den handschriftlichen Leichenpredigten hessischer Pfarrer auf Landgraf Ludwig V., der 1626 starb, ist auch eine von ihm, und 1628 steht M. Otto Gerlach zu Eudorf unter den Verfassern der Leichenpredigten auf Landgräfin Anna Margarethe von Hessen-Butzbach.9

1636 wechselte er nach Holzburg. Die Akte über die Neubesetzung der Pfarrei Eudorf aus den Jahren 1636 bis 1639 nennt ihn neben Georg Eberhard Happel, Georg David Vietor und Johann Heinrich Vietor.10 Um 1638 bat er als Pfarrer in Holzburg die hessen-darmstädtische Regierung in Marburg, ihn auf seine frühere Pfarrstelle in Eudorf zurückzuversetzen.11

Anmerkungen

  1. 1Wilhelm Diehl, Stipendiatenbuch der Universität Marburg für die Zeit von 1564 bis 1624, Marburg 1908, S. 36, Nr. 536. Dass dieser Martin der Martin Gerlach der Melsunger Reihe (um 1532 bis nach 1613) ist, beruht auf Vorname und Ort: Das Salbuch der Renterei Melsungen von 1575 nennt in der Stadt einen Martin Gerlach und keinen zweiten dieses Vornamens (Hessisches Staatsarchiv Marburg, S 481), und Wentscher setzt den Vater mit dem Mitglied des Gemeindeausschusses von 1608 gleich (Wentscher, Gerlach-Vorkommen in Melsungen, in: Archiv für Sippenforschung 9, 1932, S. 234).
  2. 2Universitätsarchiv Marburg, 305 m, 1/3, Matrikel Bd. 3, fol. 9a, Nr. 157; Wilhelm Falckenheiner, Personen- und Ortsregister zu der Matrikel und den Annalen der Universität Marburg 1527–1652, Marburg 1904, S. 65.
  3. 3abWilhelm Diehl, Stipendiatenbuch der Universität Marburg für die Zeit von 1564 bis 1624, Marburg 1908, S. 36, Nr. 536.
  4. 4Rudolph Goclenius (Praeses), Disputatio duplex: una physica, altera ethica, Marburg: Paul Egenolph 1598, Titel- und Widmungsblatt (Exemplar der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Diss Phil 436; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, bsb11241354); zu Garth Wilhelm Diehl, Stipendiatenbuch der Universität Marburg für die Zeit von 1564 bis 1624, Marburg 1908, S. 36, Nr. 546.
  5. 5Rudolph Goclenius (Praeses), Positiones philosophicae, Marburg: Paul Egenolph 1598, Titelblatt und Aufnahme 25 (Exemplar der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Diss Phil 437; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, bsb11241355).
  6. 6Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, E 5 A, 527 (1610), 529 (1626) und 533 (1636), nach dem Findbuch.
  7. 7Paul Strack, Die Hessen-Darmstädtische Bevölkerung im Jahr 1622 nach den sogenannten Mansfelder Kriegsschadenverzeichnissen im Darmstädter Staatsarchiv, in: Familiengeschichtliche Blätter 37 (1939), Sp. 223 f.; Original: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, E 8 A, 30/1.
  8. 8Hessisches Staatsarchiv Marburg, 318 Marburg, 1066, nach dem Findbuch.
  9. 9Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, D 4, 92/4 (Handschriftliche Leichenpredigten hessischer Pfarrer auf Landgraf Ludwig V., Bd. 3) und D 4, 55 (Leichenpredigten auf Landgräfin Anna Margarethe von Hessen-Butzbach), nach dem Findbuch.
  10. 10Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, E 5 C alt, Nachweis: Pfarrbestellung zu Eudorf, 1636/39, fol. 1–10.
  11. 11Hessisches Staatsarchiv Marburg, 19 d, 564, nach dem Findbuch.

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