Person record
Adelheid Bertha von Gerlach
- Gender
- female
- Birth
- 19 October 1840 · Berlin
- Death
- 2 May 1912 · Alt-Festenberg
- Age
- 71 years
Geboren am 19. Oktober 1840 in Berlin als Tochter des Hofpredigers und Konsistorialrats Otto von Gerlach und der Pauline geborenen von Blanckenburg aus dem Hause Zimmerhausen, gestorben am 2. Mai 1912. Am 23. Oktober 1863 heiratete sie in Berlin Bogdan Grafen von Reichenbach-Goschütz, der drei Jahre danach preussischer Konsul in Smyrna wurde. Dreieinhalb Jahre nach der Hochzeit starb er dort; sie blieb mit dem zweijährigen Sohn Heinrich Raphael zurück, der später Standesherr auf Goschütz und erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses wurde. Der Gotha führt sie fortan als Witwe. Belege: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Jahrgang 42 (1869), Seite 712, und Jahrgang 71 (1898), Seite 832.
Was aus dem Leben der Witwe wurde, steht in den Karlsbader Kurlisten. Zwischen 1887 und 1899 ist sie dort zehnmal verzeichnet: 1887, 1888, 1889, 1891, zweimal 1892, 1893, 1894, 1898 und 1899, fast immer im Frühjahr, zweimal im September. Die Listen nennen neben ihr regelmässig eine zweite Person. Von 1888 an heisst sie »Fräulein B. Watson«, später ausgeschrieben »Fräulein Bessie Watson, Gesellschafterin aus Goschütz in pr. Schlesien«: eine Engländerin im Haus des Standesherrn, die mit der Gräfin reiste. Am 5. April 1893 melden sich beide unter den Nummern 347 und 348 an und wohnen im Hotel zum goldenen Schild am Doktor-Becher-Platz. Nach 1894 kommt Bessie Watson nicht mehr vor; 1898 begleitet ein Fräulein Helma Leesch die Gräfin, 1899 ein Fräulein Klara Haacke. (Karlsbader Kurlisten 1887 bis 1899; Digitalisate der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik, Prag.)
In den Berliner Adressbüchern steht sie unter dem Namen ihres Mannes. 1868 führt das Buch »geb. v. Gerlach, Gräfin, Ww.« in der Bendlerstrasse 8 – im selben Haus wie eine zweite Gräfin von Reichenbach, eine geborene von Schlippenbach. 1872 wohnt sie in der Hohenzollernstrasse 14, 1875 steht sie als »Gräfin, geb. v. Gerlach, verwitwete Consul« – ihr Mann war preussischer Konsul in Smyrna gewesen –, und noch der Jahrgang 1881 führt sie. Vierzehn Jahre nach seinem Tod wohnte sie also immer noch in Berlin; erst danach verliert sie sich aus den Bänden, und die nächste Spur ist sechs Jahre später eine Karlsbader Kurliste. Quelle: Berliner Adressbücher 1868 bis 1881, Zentral- und Landesbibliothek Berlin.
WIE LANGE SIE IN SMYRNA WAR
Die Ehe dauerte dreieinhalb Jahre, das Konsulat keine fünf Monate. Ihr Mann bekam die Stelle in Smyrna erst im Spätherbst 1866 – die Bonner Zeitung meldete am 27. November, sie werde »einem Grafen Reichenbach verliehen werden, anscheinend als Schule für eine künftige diplomatische Carrière« –, und am 9. April 1867 war er tot. Die ersten drei Ehejahre verbrachte das Paar also nicht in der Levante, sondern in Deutschland; der Sohn Heinrich Raphael kam 1865 zur Welt.
Wohin sie danach ging, sagt das Berliner Adressbuch von 1868: in die Bendlerstrasse 8. Unter derselben Nummer steht dort eine zweite Gräfin von Reichenbach, eine geborene von Schlippenbach – die Mutter ihres Mannes, die ebenfalls Adelheid hiess. Die junge Witwe zog also zur alten.
Quelle des Nachtrags: Bonner Zeitung vom 27. November 1866 und Bayerische Zeitung vom 16. April 1867 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Berliner Adressbuch 1868.
Das Handbuch des Preußischen Adels von 1893 (S. 259) gibt die vollen Vornamen »Adelheid Bertha« und nennt ihren Mann Bogdan Grafen von Reichenbach-Goschütz »Konsul zu Smyrna in Asien«, gestorben dort am 9. April 1867; Zeitungsartikel ihres Mannes aus dem Jahr 1866 liegen im Gerlach-Archiv Erlangen (Kalliope DE-611-HS-2798752, DE-611-HS-2799030).
Die Wiener Kurlisten führen sie zweimal: 1892 und 1901 nahm sie die Kur in Karlsbad, beim zweiten Mal »aus Festenberg«. Quellen: Wiener Salonblatt, 22. Mai 1892, S. 12, und 28. April 1901, S. 7, Österreichische Nationalbibliothek, ANNO.