Person record
Konrad Leopold Henning von Gerlach
- Gender
- male
- Birth
- 29 April 1836 · Berlin
- Death
- 23 June 1875 · Sulzburg (Baden)
- Age
- 39 years
Sohn des Hofpredigers Karl Friedrich Otto von Gerlach und der Sophie Pauline von Blanckenburg, geboren am 29. April 1836, gestorben am 23. Juni 1875. Divisionspfarrer, also Militärgeistlicher; er stand damit in dritter Generation im geistlichen Beruf, nach dem Vater und dem Onkel Otto. Am 24. April 1868 heiratete er Klara von Pfuel, eine Enkelin des Ministerpräsidenten von 1848. Zwei Kinder blieben: Otto Wolf Leopold (1869) und Renata (1871). Ein drittes, Ulrich Kurt Ernst, geboren zu Frankfurt am Main am 6. Oktober 1873, starb am 14. Februar 1876 in Magdeburg, acht Monate nach dem Vater (Handbuch des Preußischen Adels, Bd. 2, 1893). Er wurde neununddreissig; seine Frau überlebte ihn um fünfundfünfzig Jahre. Zwei Stationen davor nennt das Amtsblatt der Regierung zu Köslin für 1864: »Der bisherige Hülfsprediger Konrad Leopold Henning von Gerlach in Wernigerode ist zum Gefängnißprediger in Stettin erwählt und in dies Amt eingeführt worden.« Er begann also als Hilfsprediger in Wernigerode und ging mit achtundzwanzig Jahren als Gefängnisprediger nach Stettin, bevor er Militärgeistlicher wurde. Die Seelsorge an Gefangenen war damals ein eigenes Amt, das die preussischen Konsistorien besetzten.
Quelle: Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser (Brünn: Buschak & Irrgang, ab Jahrgang 10 Friedr. Irrgang), Jahrgang 1892, S. 97 – »geb. zu Berlin 29. April 1836, † zu Sulzburg 23. Juni 1875, kön. Divisionsprediger a. D. und Pastor zu Samswegen, verm. zu Berlin 24. April 1868 mit Klara Ernestine Ferdinande … von Pfuel«. Sulzburg ist der Kurort im Markgräflerland. Dass seine Pfarrstelle im Dezember 1875 neu besetzt wurde, meldet die Hallische Zeitung vom 23. Dezember 1875: »Die erledigte evangelische Pfarrstelle in Samswegen in der Diöces Wolmirstedt ist dem bisherigen Archidiaconus in Weißenfels Preisegott Schröter verliehen worden.«
FELDPREDIGER 1866, DIVISIONSPFARRER 1870/71
Zwischen Stettin und dem Dienst als Militärgeistlicher liegt der Feldzug von 1866: Das Verzeichnis der Feldgeistlichen im Staats-Anzeiger vom 28. Juli 1866 führt »von Gerlach (Stettin)« als Feldprediger der Provinzial-Landwehr-Division beim ersten Reservekorps. Am 8. Juli 1866, einem Sonntag, rückten die Preussen in Prag ein und hielten am Tag darauf in der deutschen evangelischen Kirche einen Gottesdienst, »den ihr Divisionsprediger von Gerlach abhielt«; derselbe predigte am Mittwoch darauf noch einmal (Geschichte der vereinigten deutschen evangelischen Gemeinde in Prag, 1891, S. 96). Im September 1866 hielt »der Feldprediger Gerlach« die Rede bei der Einweihung des Denkmals für die in Brünn gestorbenen preussischen Soldaten auf dem Friedhof Obrowitz (Echo der Gegenwart 25. September 1866). In Stettin hatte er 1865 mit dem Konsul Quistorp und dem Anstaltsvorsteher Jahn ein Asyl für entlassene Gefangene in Neu-Torney gegründet und sass im Vorstand des Gefängnisvereins (Fliegende Blätter aus dem Rauhen Hause 1866, S. 177). Als er am 24. April 1868 in Berlin heiratete, war er bereits Divisionsprediger: »Verehelicht: Hr. Kgl. Divisionsprediger Conrad v. Gerlach mit Frl. Clara v. Pfuel« (Berlinische Nachrichten 25. April 1868). Im Krieg von 1870/71 zog er als Feld-Divisionspfarrer bei der Artillerie des XI. Armeekorps ins Feld; nach dem Friedensschluss hatte er die Truppen der 22. Division »zeitweise in 48 Cantonnements aufzusuchen« (Bernhard Rogge, Die evangelischen Feld- und Lazareth-Geistlichen 1870/71, 1872, Zweite Abteilung, S. 183). In Frankfurt am Main gehörte er dem Verein für Geschichte und Altertumskunde an und hielt am 25. November 1873 »unter Vorlage bezüglicher Photographien einen eingehenden Vortrag« über die Niobe-Gruppe. Die Pfarrstelle Samswegen erhielt »der bisherige Divisionspfarrer von Gerlach in Frankfurt a. M.« erst im Dezember 1874, ein halbes Jahr vor seinem Tod. Sein Jugendwerk, eine Übersetzung der »Nachfolge Christi« des Thomas a Kempis aus dem Jahr 1853, liegt im Gerlach-Archiv Erlangen.
Quellen: Königlich Preußischer Staats-Anzeiger 28. Juli 1866, S. 2; Echo der Gegenwart 25. September 1866, S. 1; Berlinische Nachrichten 25. April 1868, S. 7; Hallische Zeitung 16. Dezember 1874 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Geschichte der Gemeinde in Prag 1891 (MDZ bsb11621601, Bild 116); Fliegende Blätter 1866 (bsb10448513); Rogge, Die evangelischen Feld- und Lazareth-Geistlichen 1870/71, 1872 (bsb11004204); Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde 5 (1879), S. 63 (bsb11388620); Amtsblatt Merseburg 1874 (bsb11176752); Kalliope DE-611-HS-2787162.
Was er geschrieben hat, liegt im Bundesarchiv. Die sachthematische und biographische Sammlung zur deutschen Militärgeschichte führt unter seinem Namen vier Akten: drei Bände Briefe an seine Frau Klara, vom 23. Juli 1870 durchlaufend bis in den Mai 1871, und seine »Erinnerungen an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871«. Der Divisionspfarrer hat den Feldzug also nicht nur begleitet, sondern beschrieben; und Klara, die 1870 einen einjährigen Sohn zu Hause hatte, bekam über zehn Monate hinweg Post aus Frankreich. Quelle: Bundesarchiv, BArch MSG 2/12249, 12250, 12251 und 12255 (alte Signaturen MSG 1/1604–1606 und 1610), Bestand MSG 2, Klassifikationsgruppe »Gerlach, Konrad von (Königlich Preußischer Divisionspfarrer)«.
WOHIN IHN DER FELDZUG FÜHRTE
Bei welcher Truppe er 1870 stand, sagt das Verzeichnis, das der Feld-Militäroberpfarrer Bernhard Rogge 1872 seinem Buch über die evangelischen Feldgeistlichen anhängte. Unter dem Elften Armeekorps steht als Nummer 69: »von Gerlach, Divisionspfarrer zu Frankfurt a. M., Feld-Divis.-Pfarrer bei der Artillerie«. Im Frieden versah er die 21. Division, die in Frankfurt am Main lag; das Adressbuch der Stadt führt ihn dort unter den Militärbehörden: »Ev. Divisionspfarrer: v. Gerlach, Hochstrasse 13«. Ins Feld ging er mit der Korpsartillerie, und damit in den Feldzug, der im Elsass begann.
Noch auf deutschem Boden lag seine Feldgemeinde sieben Tage zwischen Germersheim und Landau im Quartier; die Zeit nutzte er zu täglichen Gottesdiensten, teils im Freien, teils in den Ortskirchen, die man ihm bereitwillig überliess. Am 4. August, beim Gefecht am Gaisberg vor Weißenburg, kam die Artillerie des Korps nicht mehr zum Einsatz; er blieb an einem Verbandplatz am Ausgang des Bienwaldes bei den Verwundeten der 21. Division. Am Tag darauf stand er in Sulz ratlos auf der Strasse, bis ihn ein Lazarettgehilfe ansprach: gegenüber wohne ein Mann, der lasse den Herrn Pfarrer zu Mittag bitten. Es war das evangelische Schulhaus, in dessen unteren Räumen verwundete Turkos gepflegt wurden. »Welche Erquickung für Leib und Seele war es«, schrieb er, »hier zum Tischgebet wieder die Hände falten … zu können.«
WÖRTH, 6. AUGUST 1870
Über diesen Tag hat er den ausführlichsten Bericht aller preussischen Feldgeistlichen geschrieben. Rogge druckte ihn wörtlich ab, siebeneinhalb Seiten lang, weil in ihm »einzelne Züge« besonders anschaulich geschildert seien. Gegen Mittag erreichte das Sanitätsdetachement das Schlachtfeld und schlug hundert Schritt östlich von Gunstett seinen Verbandplatz auf; es war die erste Schlacht, deren Schrecken er in unmittelbarer Nähe durchlebte. Er schrieb im Auftrag eines sterbenden Hauptmanns an dessen Bruder und fand den Kommandeur des 80. Regiments mit zerschmettertem Bein. Als in der Dorfstrasse von Gunstett ein Mann mit seiner Frau, die einen Säugling auf dem Arm trug, aus einem Keller gezogen und an Ort und Stelle erschlagen werden sollte, hielt er einen vorbeikommenden Armeegendarmen an und erwirkte, dass der offenkundig Unschuldige geschützt wurde. Unter den Gefallenen war ein Premierleutnant von Lettow vom 87. Regiment, mit dem er bis zum Kriegsausbruch in Frankfurt und Mainz verkehrt hatte. Auf dem Weg über die Höhen verirrte er sich, weil er keine Karte besass; Rogge hängte an diese Stelle die Bitte an, man möge den Divisionspfarrern endlich Generalstabskarten geben.
Bis zum 9. August musste das Detachement dort ausharren, weil es an Fuhrwerk fehlte, um die rund zweihundert Verwundeten fortzuschaffen. Drei Sterbenden reichte er das Abendmahl; einer von ihnen, ein Achtundachtziger, bat ihn, dem Vater zu schreiben, er lasse ihn um Verzeihung bitten für alles, womit er ihn je erzürnt habe. Bei Mondschein begrub er auf dem Friedhof von Spachbach den Obersten Köhn von Jaski und einen zweiten Offizier, am Sonntagmorgen drei weitere desselben Regiments, am Vormittag darauf in einem gemeinsamen Grab auf der Wiese zwischen Spachbach und Wörth an die dreissig Preussen und Franzosen. In der Regennacht räumte er seinen Wagen für zwei Verwundete, die sitzen konnten, legte sich darunter und wachte in einer Wasserpfütze auf.
Am 1. September, bei Sedan, fand er wieder ein reiches Arbeitsfeld, aber, so bezeugten es alle Feldgeistlichen des Korps, ein leichteres als am Gaisberg und bei Wörth, wo der Anblick der Verluste niederbeugend gewirkt hatte. Am 18. Oktober fiel bei Châteaudun sein Amtsbruder Schwabe, Feld-Divisionspfarrer der 22. Division und Pfarrer zu Schwerinsburg in Pommern: der einzige preussische Feldgeistliche, der in diesem Krieg auf dem Schlachtfeld den Tod fand. Nach dem Friedensschluss standen bei jeder Division höchstens noch zwei Geistliche, weil die ausseretatsmässigen heimgekehrt waren; Konrad hatte nun die Truppen der 22. Division zu versorgen, die »in einzelnen Cantonnements zerstreut« lagen, zeitweise achtundvierzig an der Zahl. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten am Ende sechsundsechzig der achtzig Feld-Divisionspfarrer.
Was den Feldgeistlichen über die leeren Marschtage half, nennt Rogge ausdrücklich: die Gespräche mit den Quartiergebern, die Beobachtung an Land und Leuten und »die Unterhaltung einer tagebuchartigen Correspondenz mit der Heimath«. Genau das sind die drei Bände, die heute im Bundesarchiv liegen.
Quellen: Bernhard Rogge, Die Evangelischen Feld- und Lazareth-Geistlichen der Königlich Preußischen Armee im Feldzuge von 1870/71, Berlin: L. Rauh 1872 – Erste Abteilung S. 13, 29, 34, 35–41, 98 und 114, Zweite Abteilung S. 82, 183, 234 und 243 (Bayerische Staatsbibliothek, Eur. 694 d-370; MDZ bsb11004204, abgerufen 16. September 2026). Adressbuch von Frankfurt am Main 1874, S. 671 (MDZ bsb11183928). Zur Unterscheidung: Der »Divisionspfarrer Gerlach« und »College Gerlach«, den Rogge beim Gardekorps vor Paris nennt, ist ein anderer – das Verzeichnis führt ihn als Nummer 4, »Gerlach, Pfarrer zu Neuzelle«.
ZU HAUSE IN FRANKFURT
Die Briefe gingen in eine Stadt, in der die Familie seit Jahren lebte. In Frankfurt am Main war am 15. Juni 1869 der Sohn Otto Wolf Leopold geboren worden; bei der Mobilmachung im Juli 1870 war er ein Jahr alt. In Frankfurt kam am 7. April 1871 die Tochter Renate Adelheid Elisabeth zur Welt – neun Tage nach dem ersten Brief des dritten Bandes, während der Vater noch bei den Besatzungstruppen in Frankreich stand. Auch das dritte Kind, Ulrich Kurt Ernst, wurde dort geboren, am 6. Oktober 1873.
Im selben Feldzug stand sein einziger erwachsener Bruder. Leopold Friedrich von Gerlach (1839–1874) war Hauptmann im Garde-Füsilier-Regiment; die Ordensliste des Reichsanzeigers vom 30. Mai 1871 führt ihn unter den Offizieren des Gardekorps, und die Anzeige seines Offizierkorps von 1874 nennt ihn Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse. Der Hofprediger Otto von Gerlach hatte zwei Söhne, die das Erwachsenenalter erreichten, und beide waren 1870/71 in Frankreich: der eine mit dem Feldgesangbuch, der andere mit der Kompanie.
Quellen: Handbuch des Preußischen Adels, Bd. 2, Berlin 1893, S. 258 (MDZ bsb11834032, abgerufen 16. September 2026); Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 30. Mai 1871, S. 1 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek); Allgemeine Militär-Zeitung, Personal-Anzeiger, 22. Juli 1874, S. 3.
WIE DER DIENST ZU ENDE GING
Seine Verlobung stand am 23. Oktober 1867 unter den Familien-Nachrichten des Militär-Wochenblattes: »Frl. Clara v. Pfuel mit dem Div. Prediger Hrn. v. Gerlach (Berlin)« – ein halbes Jahr vor der Hochzeit.
Das Ende seines Militärdienstes steht in derselben Reihe. Am 3. Februar 1875 meldete das Blatt, der König habe geruht, »dem bisher. Div. Pfarrer der 21. Div. v. Gerlach« und dem Berliner Hofprediger Frommel den Roten Adler-Orden vierter Klasse zu verleihen. Durch Verfügung des Kriegsministeriums vom 15. Mai 1875 schied er dann mit drei Amtsbrüdern »Behufs Uebertritts in ein Civil-Pfarramt« aus; im selben Absatz wird sein Nachfolger berufen: »Wölfing, Dom-Vikar in Bremen, als Div. Pfarrer der 21. Div.«. Sechs Wochen später war er tot.
Quellen: Militär-Wochenblatt vom 23. Oktober 1867, S. 8, vom 3. Februar 1875, S. 3, und vom 26. Mai 1875, S. 3 (Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek, ZDB 2790490-8).
Sources
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Parents
Siblings (6)
Spouses / partners
Klara Ernestine Ferdinande von Pfuel
* 1847 · † 1930
∞ 24 April 1868